VCÖ: Hoher Blutzoll auf Österreichs Straßen – 160 Verkehrstote im 1. Halbjahr

VCÖ: Tempo 80 statt 100 auf Freilandstraßen, Gemeinden Kontrollen im Ortsgebiet ermöglichen

Foto: Kleines Kreuz mit Kerzen neben einer Freilandstraße

VCÖ (Wien, 1. Juli 2026) – Die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle ist in Österreich auch heuer hoch: Seit Jahresanfang verloren nach vorläufigen Daten bereits 160 Menschen ihr Leben im Straßenverkehr, informiert die Mobilitätsorganisation VCÖ auf Basis von Daten des Innenministeriums. Das sind zwar um zehn weniger als im 1. Halbjahr des Vorjahres, aber um 22 Todesopfer mehr als im 1. Halbjahr 2024. Jeder dritte tödliche Unfall passierte in Niederösterreich. Österreich ist erneut von seinem Verkehrssicherheitsziel weit entfernt. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen, um die Zahl schwerer Verkehrsunfälle zu reduzieren.

„Die Unfallbilanz für das erste Halbjahr ist sehr traurig. Die Zahl der Todesopfer ist weiterhin sehr hoch, bereits 160 Menschen verloren heuer ihr Leben im Straßenverkehr“, informiert VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk. Im Vorjahr stieg die Zahl der Verkehrstoten um rund 15 Prozent auf insgesamt 402. Im 1. Halbjahr 2025 gab es nach vorläufigen Daten 162 Verkehrstote, nach endgültigen Daten (inklusive Unfallopfer, die innerhalb von 30 Tagen nach dem Unfall verstorben sind) waren es sogar 170 Verkehrstote.

Der VCÖ erinnert an Österreichs Verkehrssicherheitsziel für das Jahr 2030. Bis dahin soll die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr auf weniger als 207 sinken, das sind um 50 Prozent weniger als im Jahresschnitt des Zeitraums 2017 bis 2019. „Dieses Ziel ist nur erreichbar, wenn verstärkte Maßnahmen gegen die Hauptunfallursachen Ablenkung und zu hohe Geschwindigkeit umgesetzt werden. Besonders großen Handlungsbedarf gibt es auf den Freilandstraßen, wo die meisten tödlichen Verkehrsunfälle passieren“, stellt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk fest.

Eine Detailanalyse der tödlichen Verkehrsunfälle in den ersten vier Monaten des heurigen Jahres zeigt, dass 59 Prozent der Verkehrstoten auf Freilandstraßen verunglückten, informiert der VCÖ. Drei Viertel der Todesopfer waren Pkw-Insassen oder Motorradfahrer. Zwei Drittel der tödlichen Unfälle passierten wegen Ablenkung, zu hohem Tempo oder riskanten Überholmanövern.

Besorgniserregend ist, dass in den vergangenen Jahren im zweiten Halbjahr mehr Menschen bei Verkehrsunfällen tödlich verunglückten als im ersten Halbjahr, wie die aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Im Vorjahr kamen auf Österreichs Straßen um 37 Prozent mehr Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben als im ersten Halbjahr, im Jahr 2024 sogar um 54 Prozent mehr.

„Werden Verkehrssicherheitsziele verfehlt, dann kostet das Menschen ihr Leben. Umso wichtiger sind weitere Maßnahmen, um die Zahl schwerer Verkehrsunfälle zu verringern. Zentrale Faktoren dafür sind zum einen das Tempo und zum anderen die Aufmerksamkeit“, stellt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk fest.

Ein geringeres Tempo reduziert den Anhalteweg. Das Risiko für Unfälle sinkt und falls es zu einem Unfall kommt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Unfall glimpflich endet. Daher spricht sich der VCÖ für mehr Tempo 30 statt 50 im Ortsgebiet aus sowie für Tempo 80 statt 100 auf Freilandstraßen.

Wesentlich sind auch mehr Tempokontrollen. Seit drei Jahren können Bundesländer Gemeinden ermöglichen, die Einhaltung der Geschwindigkeit im Ort selbst zu kontrollieren. Bisher hat einzig das Land Tirol diese sogenannte Übertragungsverordnung erteilt. „Im Ortsgebiet sind Kinder und ältere Menschen unterwegs. Werden Tempolimits missachtet, werden Gesundheit und Leben anderer gefährdet. Umso wichtiger ist es, dass die Bundesländer ihren Gemeinden ermöglichen, die Einhaltung der Tempolimits zu kontrollieren“, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Um die Aufmerksamkeit zu erhöhen, sind verstärkte Maßnahmen gegen Handy am Steuer wichtig. Die Bundesregierung ist gefordert, Handy am Steuer ins Vormerksystem aufzunehmen, wie das in der Mehrheit der EU-Staaten bereits der Fall ist. Außerdem sind die rechtlichen Grundlagen zu schaffen, damit auch in Österreich sogenannte Handy-Blitzer eingesetzt werden können.

Für mehr Verkehrssicherheit sind auch präventive Maßnahmen sehr wichtig. So erhöht der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel die Verkehrssicherheit, betont der VCÖ. Der weitere Ausbau der Radinfrastruktur ist sehr wirksam, um die Sicherheit beim Radfahren zu erhöhen.

Im Bundesländer-Vergleich gab es in Niederösterreich mit 56 die mit Abstand meisten Verkehrstoten, informiert der VCÖ. In Oberösterreich kamen 29 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, in der Steiermark 26 und in Salzburg 15. Die wenigsten Verkehrstoten gab es in Wien mit drei, vor dem Burgenland mit vier und Vorarlberg mit sechs.

Quellen & Daten

VCÖ: Zahl der Verkehrstoten in Österreich ist weiterhin sehr hoch
(Anzahl Verkehrstote in Österreich)

  • 1. Halbjahr 2026: 160 Verkehrstote (vorläufige Daten)
  • 1. Halbjahr 2025: 170 Verkehrstote (endgültige Daten)
  • 1. Halbjahr 2024: 138 Verkehrstote
  • 1. Halbjahr 2023: 179 Verkehrstote
  • 1. Halbjahr 2022: 191 Verkehrstote
  • 1. Halbjahr 2021: 151 Verkehrstote
  • 1. Halbjahr 2020: 153 Verkehrstote
  • 1. Halbjahr 2019: 196 Verkehrstote
  • 1. Halbjahr 2018: 197 Verkehrstote
  • 1. Halbjahr 2017: 170 Verkehrstote

Quelle: BMI, Statistik Austria, VCÖ 2026

VCÖ: Jeder dritte Verkehrstote in Niederösterreich
(Anzahl Verkehrstote 1. Halbjahr 2026 (vorläufige Daten), in Klammer 1.  Halbjahr 2025 (endgültige Daten)

  • Niederösterreich: 56 Verkehrstote (58 Verkehrstote)
  • Oberösterreich: 29 (33)
  • Steiermark: 26 (23)
  • Salzburg: 15 (8)
  • Kärnten: 11 (9)
  • Tirol: 10 (16)
  • Vorarlberg: 6 (6)
  • Burgenland: 4 (9)
  • Wien: 3 (8)

Quelle: BMI, VCÖ 2026

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