VCÖ: Im 3. Quartal ging der Autoverkehr auf Österreichs Autobahnen zurück

VCÖ: Bei 7 von 10 Zählstellen weniger als im 3. Quartal des Vorjahres

VCÖ (Wien, 11. November 2022) – Bei sieben von zehn Autobahn- und Schnellstraßen-Zählstellen waren heuer im 3. Quartal weniger Pkw unterwegs als im 3. Quartal des Vorjahres, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt. Die gestiegenen Spritpreise haben zu Veränderungen im Mobilitätsverhalten geführt. Die Verkehrsbelastung ist aber nach wie vor hoch. Der VCÖ fordert ein verpflichtendes Mobilitätsmanagement für größere Unternehmen und schlägt „Green Lanes“ für Busse auf Autobahnen und Schnellstraßen in den Ballungsräumen vor.

Im 1. Halbjahr waren auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen noch mehr Autos unterwegs als im 1. Halbjahr des Vorjahres, im 3. Quartal hat sich das geändert: Bei 71 Prozent von 222 ausgewerteten Zählstellen waren heuer weniger Pkw unterwegs als im 3. Quartal 2021, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Bei jeder 5. Zählstelle ging der Verkehr um über fünf Prozent zurück. „Was bereits Umfragen ergeben haben, zeigt sich nun auch bei den Daten der Zählstellen: Ein Teil der Autofahrerinnen und Autofahrer hat auf die gestiegenen Spritpreise reagiert und beispielsweise Autofahrten auf öffentliche Verkehrsmittel verlagert oder Fahrgemeinschaften gebildet“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Da es im Jänner 2021 einen Lockdown gab, liegt der Autoverkehr heuer in Summe der drei Quartale noch über den Werten des Jahres 2021, bis zum Jahresende wird sich das mit hoher Wahrscheinlichkeit ändern.

Beim am stärksten befahrenen Autobahnabschnitt, der A23 Höhe Donauinsel, waren von 1. Juli bis 30. September mit 15,2 Millionen um rund 425.000 Pkw weniger unterwegs als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, informiert der VCÖ. Auf der A1 bei Traun ging der Autoverkehr um rund 306.000 Pkw zurück, auf der A2 bei Bad Vöslau um 507.000, auf der A12 bei Hall um rund 193.000 und auf der A14 bei Feldkirch um 83.000 Pkw, so ein paar weitere Beispiele.

Auch wenn auf vielen Abschnitten der Verkehr zurückgegangen ist, die Verkehrsbelastung ist nach wie vor sehr hoch. „Lärm und Schadstoffe belasten die Gesundheit der Anrainerinnen und Anrainer, der hohe CO2-Ausstoß belastet Umwelt und Klima. Österreich kann seine Klimaziele nur erreichen, wenn es künftig weniger Autofahrten gibt. Dafür braucht es zusätzliche Maßnahmen“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Österreichs Ballungsräume benötigen zusätzliche öffentliche Verkehrsverbindungen, einerseits auf bestehenden Strecken, andererseits sind neue Angebote zu schaffen. So bewähren sich international so genannte Bus-Rapid-Transport-Systeme, also S-Busse, die vom Umland in die Städte fahren und dabei eigene Busspuren auch auf den Autobahnen haben. „Ein einziger Bus mit 80 Insassen ersetzt bei durchschnittlichem Besetzungsgrad 70 Pkw und reduziert damit deutlich sowohl den CO2-Ausstoß als auch den Platzverbrauch. Stehend ergeben 70 Pkw eine rund 400 Meter lange Autoschlange, fahrend benötigen sie natürlich noch mehr Platz“, verdeutlicht VCÖ-Experte Schwendinger.

Zudem ist das Potenzial des betrieblichen Mobilitätsmanagement stärker zu nutzen. Einige Unternehmen, wie beispielsweise Blum in Vorarlberg, Infineon in Kärnten, Boehringer-Ingelheim in Wien, Berger-Logistik in Tirol oder Püspök im Burgenland haben mit Maßnahmen wie Öffi-Jobticket, Jobrad und Bewusstseinsaktionen erreicht, dass mehr Beschäftigte mit Bahn, Bus oder Fahrrad statt mit dem Auto zur Arbeit kommen. Angesichts der sich verschärfenden Klimakrise fordert der VCÖ ein verpflichtendes Mobilitätsmanagement für alle Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten.

VCÖ: Bei sieben von zehn Zählstellen ging Autoverkehr im 3. Quartal zurück (Änderung Pkw-Verkehr 3. Quartal 2022 zu 3. Quartal 2021, Basis 222 Zählstellen der Asfinag)

Über 5 Prozent weniger Autoverkehr: 20,3 Prozent der Zählstellen

Bis zu 5 Prozent weniger Autoverkehr: 51,3 Prozent

Summe Rückgang: 71,6 Prozent

Mehr Autoverkehr: 28,4 Prozent

Quelle: Asfinag, VCÖ 2022

 

VCÖ: Wo im 3. Quartal die meisten Pkw unterwegs waren (Kfz < 3,5 t im Juli bis September 2022, in Klammer Änderung zum 3. Quartal 2021)

A23 Donauinsel: 15,25 Millionen (minus 425.500, minus 2,7 Prozent)

A23 Praterbrücke: 14,97 Millionen (minus 251.800, minus 1,6 Prozent)

A2 Schönbrunner Allee: 13,69 Millionen (minus 616.900, minus 4,3 Prozent)

A23 Hanssonkurve: 10,76 Millionen (minus 248.600, minus 2,3 Prozent)

A22 Brigittenauer Brücke: 9,77 Millionen (plus 459.800, plus 4,9 Prozent)

A2 Münchendorf: 9,58 Millionen (minus 682.500, minus 6,6 Prozent)

A1 Traun: 9,54 Millionen (minus 306.700, minus 3,1 Prozent)

A22 Fännergasse: 9,47 Millionen (plus 277.100, plus 3,0 Prozent)

A1 Haid: 9,46 Millionen (minus 690.200, minus 6,8 Prozent)

A22 Kaisermühlen: 9,14 Millionen (plus 4.500, plus 0,05 Prozent)

A2 Bad Vöslau: 8,89 Millionen (minus 507.100, minus 5,4 Prozent)

A7 Bindermichl: 8,22 Millionen (minus 338.400, minus 3,9 Prozent)

A1 ASt Asten St. Florian: 8,08 Millionen (minus 316.100, minus 3,8 Prozent)

A1 UT Liefering: 7,77 Millionen (minus 388.900, minus 4,8 Prozent)

A2 Steinabrückl: 7,64 Millionen (minus 328.800, minus 4,1 Prozent)

A4 HASt Simmering: 7,32 Millionen (plus 368.200, plus 5,3 Prozent)

A1 HASt Bergheim: 6,90 Millionen (minus 384.500, minus 5,3 Prozent)

A7 ASt Wiener Straße: 6,90 Millionen (minus 402.400, minus 5,5 Prozent)

Quelle: Asfinag, VCÖ 2022

Zurück zur Übersicht

VCÖ: Dieselverbrauch in Österreich ist sehr hoch, aber seit 2019 um ein Viertel gesunken

VCÖ (Wien, am 20. April 2026) - Im Vorjahr wurden in Österreich rund 6,2 Milliarden Liter Diesel getankt und damit fast dreimal so viel wie Benzin. Gegenüber dem Höchststand im Jahr 2019 nahm die in Österreich getankte Menge an Dieseltreibstoff aber immerhin um 26 Prozent ab, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Der Dieselverbrauch der privaten Haushalte erreichte im Jahr 2012 mit 2,3 Milliarden Liter seinen Höhepunkt, seither wurde ein Rückgang des Jahresverbrauchs um zuletzt rund 550 Millionen Liter erreicht. Bereits für Mai erwartet die Bundesregierung Lieferengpässe bei Diesel. Die Mobilitätsorganisation VCÖ fordert daher die rasche Umsetzung eines Maßnahmenpaket zur Reduktion des Dieselverbrauchs von Lkw und Pkw in Österreich.

Mehr dazu
Grafik: Zapfhahn auf weißen Hintergrund, aus welchem ein Tropfen Treibstoff tropft

VCÖ: Lobauautobahn ist keine nachhaltige Lösung für die bestehenden Verkehrsprobleme

VCÖ (Wien, 2. April 2026) - Die Lobauautobahn ist extrem teuer, verursacht große ökologische Schäden und ist keine wirksame Lösung für die bestehenden Verkehrsprobleme, stellt die Mobilitätsorganisation VCÖ anlässlich der beginnenden Vorbereitungsarbeiten für den Bau der S1 zwischen Groß-Enzersdorf und dem Knoten Süßenbrunn fest. Die Prognosen, auf denen das bereits im Jahr 2009 eingereichte Projekt basiert, sind veraltet und bereits heute von der Realität widerlegt. Der VCÖ fordert die rasche Umsetzung von Maßnahmen, die bereits heute wirksam werden und die Staus auf der Südosttangente reduzieren sowie Anrainerinnen und Anrainer entlasten.

Mehr dazu
Foto: Th. Reinhardt pixelio.de