VCÖ: Im Juli waren Treibstoffpreise höher als im Juni - Diesel aber billiger als im Mai, April und März

VCÖ: Endlich Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion umsetzen: „Spritverbrauchsbremse wirksamer als Spritpreisbremse“

Foto: Zapfhahn, welcher ein Diesel-Auto betankt.

VCÖ (Wien, 31. Juli 2026) – Der Medianpreis für einen Liter Diesel betrug im Juli 1,90 Euro, jener für Eurosuper war mit 1,79 Euro um elf Cent niedriger, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der E-Control zeigt. Der Dieselpreis war damit im Juli aufgrund der neuerlichen Eskalation im Irankrieg um rund zwölf Cent höher als im Juni, aber niedriger als in den Monaten Mai, April und März. Für einen Liter Eurosuper war im Juli im Schnitt um zehn Cent mehr zu zahlen als im Juni. Die Mobilitätsorganisation VCÖ kritisiert fehlende Maßnahmen zur Reduktion des Spritverbrauchs und der Erdölabhängigkeit des Verkehrs.

 

„Viel wirksamer als die Spritpreisbremse wäre eine Spritverbrauchsbremse. Aber nach wie vor fehlt ein gezieltes Maßnahmenpaket, das den Treibstoffverbrauch und die Erdölabhängigkeit des Verkehrs reduziert. Das kommt der Bevölkerung, der Wirtschaft und der Umwelt teuer“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

Der Durchschnittsverbrauch der Pkw von Österreichs Haushalten lag bei der letzten Erhebung der Statistik Austria im Zeitraum 2023/2024 pro 100 Kilometer bei 6,4 Litern Diesel und 6,7 Litern Eurosuper. Bei aktuellen Spritpreisen betragen die Spritkosten pro Kilometer bei Benzin-Pkw im Schnitt 12,6 Cent und bei Diesel-Pkw 13,2 Cent. Bei einer Reduktion des Durchschnittsverbrauchs auf fünf Liter pro 100 Kilometer sinken die Kilometerkosten bei Benzin-Pkw auf 9,4 Cent und bei Diesel-Pkw auf 10,3 Cent. „Pro 100 Kilometer bringt diese Verbrauchsreduktion eine Ersparnis von 2,90 Euro bei Diesel und von 3,20 Euro bei Benzin-Pkw und damit ein Vielfaches der Spritpreisbremse“, verdeutlicht VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Das 3-Liter-Auto, das Hersteller bereits in den 1990er Jahren versprochen haben, würde die Spritkosten halbieren.

Der VCÖ fordert daher ein Maßnahmenpaket, das den Spritverbrauch des Verkehrs reduziert. Zentrale Punkte dabei: Verstärkte Anreize zum Umstieg auf den Öffentlichen Verkehr, etwa durch Öffi-Jobtickets für Pendlerinnen und Pendler sowie Anreize zur Bildung von Fahrgemeinschaften. Auch bei Firmenautos ist anzusetzen, zumal rund zwei Drittel der neuzugelassenen Pkw auf Unternehmen angemeldet werden. In Belgien gibt es etwa ein sehr wirksames Modell, das einer Ökologisierung der sogenannten Luxustangente bei Firmenwagen gleichkommt. Zudem ist der verstärkte Ausbau der Radinfrastruktur sowie mehr Verkehrsberuhigung in Städten und Gemeinden zu forcieren, um das Potenzial der in Österreich weit verbreiteten Elektrofahrräder als Verkehrsmittel zu nutzen. Schnell umsetzbar und rasch wirksam sind niedrigere Tempolimits. Tempolimit 120 statt 130 auf Autobahnen und Tempolimit 80 statt 100 auf Freilandstraßen reduzieren laut Umweltbundesamt gemeinsam den jährlichen Spritverbrauch um 120 Millionen Liter und damit die Spritkosten bei aktuellen Preisen um rund 230 Millionen Euro pro Jahr. Eine noch größere Ersparnis bringt Tempolimit 100 auf Autobahnen: Gemeinsam mit Tempo 80 auf Freilandstraßen würde der Spritverbrauch um 270 Millionen Liter pro Jahr sinken und die Spritkosten um rund 520 Millionen Euro reduzieren, verdeutlicht der VCÖ.

Zudem braucht es Maßnahmen, die die Elektrifizierung der Fahrzeugflotten auch in Zeiten knapper öffentlicher Budgets rascher vorantreiben, denn bei der Elektromobilität hinkt Österreich Europas Spitze weit hinterher. Während in Dänemark im ersten Halbjahr bereits rund 80 Prozent der Neuwagen Elektroautos waren und in Norwegen sogar fast 98 Prozent, waren es in Österreich nur 24 Prozent. In den Niederlanden waren im ersten Halbjahr bereits rund 84 Prozent der neuzugelassenen Klein-Lkw und fast 70 Prozent der neuzugelassenen Busse Elektrofahrzeuge, in Österreich hingegen nur rund 13 Prozent der Klein-Lkw und nur 18 Prozent der Busse, informiert der VCÖ.

Selbst kann man mit einem spritsparenden Mobilitäts- und Fahrverhalten die Spritkosten deutlich reduzieren. Kurze Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen, Fahrgemeinschaften bilden, wo es möglich ist, öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Mit den Bundesland-Klimatickets können sich Pendlerinnen und Pendler viel Geld ersparen. Beim Autofahren senkt niedrigeres Tempo den Verbrauch, wer 110 km/h statt 130 km/h fährt, reduziert den Verbrauch im Schnitt um 17 Prozent, mit 100 statt 130 km/h sogar um 23 Prozent. Vorausschauendes Fahren ermöglicht es, den Fuß rechtzeitig vom Gaspedal zu nehmen, niedertourig fahren und rasch in den nächsthöheren Gang schalten.

Quellen & Daten

VCÖ: Preis für Diesel war im Juli höher als im Juni, aber niedriger als im Mai, April und März
(Median-Preise in Österreich)

  • DIESEL:
    • Juli: 1,899 Euro (plus 12,2 Cent im Vergleich zum Juni)
    • Juni: 1,777 Euro
    • Mai: 1,917 Euro
    • April: 2,078 Euro
    • März: 1,992 Euro
  • EUROSUPER:
    • Juli: 1,794 Euro (plus 10,1 Cent im Vergleich zum Juni)
    • Juni: 1,693 Euro
    • Mai: 1,799 Euro
    • April: 1,721 Euro
    • März: 1,766 Euro

Quelle: E-Control, VCÖ 2026

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