VCÖ: Im Vorjahr mehr Geschäftsreisen mit Zug als per Flug

VCÖ: In Reiserichtlinien klimaverträgliche Dienstreisen verankern - grenzüberschreitende Bahnverbindungen rascher verbessern

Foto: Mitarbeiterin sitzt mit Laptop in der ersten Klasse eines Zuges

VCÖ (Wien, 9. Juni 2023) – 22 Prozent der Geschäftsreisen wurden im Vorjahr mit der Bahn gemacht. Damit wurden im Vorjahr – erstmals in diesem Jahrhundert – mehr Geschäftsreisen mit dem Zug statt per Flug durchgeführt, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ aufmerksam. Wer dienstliche Auslandsreisen mit der Bahn statt mit dem Flugzeug macht, reduziert den CO2-Ausstoß um rund 90 Prozent, bei Inlandsreisen ist der Unterschied noch größer. Unternehmen können durch mehr Bahn und Videokonferenzen statt Geschäftsflüge ihre Umweltbilanz deutlich verbessern, betont der VCÖ.

Nach dem massiven Einbruch der Geschäftsreisen infolge der Covid-19-Pandemie, ist im Vorjahr die Zahl der Geschäftsreisen wieder deutlich gestiegen. Mit knapp mehr als drei Millionen Geschäftsreisen gab es um nur 130.000 Geschäftsreisen weniger als im Jahr 2018 und um rund 570.000 weniger als um Jahr 2019, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt.

Was aus Umwelt- und Verkehrssicht erfreulich ist: Der Anteil der Geschäftsreisen mit der Bahn ist deutlich gestiegen und hat den bisherigen Höchstwert im 21. Jahrhundert von 20 Prozent im Jahr 2018 mit 22,2 Prozent übertroffen, informiert der VCÖ. Im Jahr 2010 lag der Bahnanteil bei nur 13,8 Prozent, im Jahr 2005 nur bei zwölf Prozent.

Das Umweltbewusstsein bei den Unternehmen steigt. „Zunehmend mehr Unternehmen haben in ihren Reiserichtlinien verankert, dass Dienstreisen vorrangig mit der Bahn durchzuführen sind. Auch das Potenzial von Videokonferenzen wird nun stärker genutzt. Der infolge der Pandemie erfolgte Digitalisierungsschub in den Unternehmen macht sich auch hier bemerkbar“, erklärt VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Dienstreisen mit der Bahn verursachen deutlich weniger CO2 als mit dem Auto oder mit dem Flugzeug. Im Vorjahr gingen 42 Prozent der Dienstreisen ins Ausland, am häufigsten nach Deutschland. Mit der Bahn statt mit dem Flugzeug verursacht die Dienstreise nach Deutschland um rund 90 Prozent weniger CO2. Innerhalb Österreichs ist der Unterschied noch größer: Pro Personenkilometer verursachen Inlandflüge im Schnitt um über 75 Mal mehr Treibhausgase als die Fahrt mit der Bahn, verdeutlicht der VCÖ.  

Bei Distanzen oder Destinationen, wo die Bahn keine Alternative ist, können Videokonferenzen Geschäftsflüge vermeiden. „Videokonferenzen sparen viel Zeit und ermöglichen den Beschäftigten, nach der Videokonferenz wieder zu arbeiten oder gleich zur Familie nach Hause zu kommen. Zudem wird Verkehr vermieden und ein Beitrag geleistet, den Klimazielen näher zu kommen“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

Neben den Unternehmen sieht der VCÖ auch die europäische Verkehrspolitik gefordert. Die grenzüberschreitenden Bahnverbindungen sind rascher auszubauen, bürokratische Hürden im internationalen Bahnverkehr zu beseitigen und das grenzüberschreitende Reisen mit der Bahn in Europa ist zu vereinfachen.

VCÖ: Im Vorjahr erstmals mehr Geschäftsreisen mit Zug als per Flug (Anteil verwendete Verkehrsmittel bei Geschäftsreisen im Jahr 2022, in Klammer 2019)

Pkw:  52,4 Prozent (41,4 Prozent)

Bahn: 22,2 Prozent (16,9 Prozent)

Flugzeug: 17,9 Prozent (27,7 Prozent)

Bus. Reisebus: 4,4 Prozent (6,9 Prozent)

Sonstige Verkehrsmittel: 2,9 Prozent (7,0 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2023

VCÖ: Anteil der Bahn an Geschäftsreisen ist deutlich gestiegen (Anteil der Geschäftsreisen mit der Bahn)

Jahr 2022: 22,2 Prozent

Jahr 2021: 17,5 Prozent

Jahr 2020: 14,9 Prozent

Jahr 2019: 16,9 Prozent

Jahr 2018: 20,0 Prozent

Jahr 2017: 15,5 Prozent

Jahr 2016: 18,6 Prozent

Jahr 2015: 16,2 Prozent

Jahr 2010: 13,8 Prozent

Jahr 2005: 12,0 Prozent

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2023

VCÖ: Zahl der Geschäftsreisen steigt nach der Coronakrise wieder deutlich (Anzahl Geschäftsreisen in Österreich)

Jahr 2022: 3,06 Millionen

Jahr 2021: 2,13 Millionen

Jahr 2020: 1,70 Millionen
Jahr 2019: 3,63 Millionen

Jahr 2018: 3,19 Millionen
Jahr 2017: 3,48 Millionen

Jahr 2016: 3,88 Millionen
Jahr 2015: 3,81 Millionen

Jahr 2014: 4,13 Millionen
Jahr 2013: 4,16 Millionen

Jahr 2012: 3,92 Millionen
Jahr 2011: 3,66 Millionen

Jahr 2010: 3,22 Millionen

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2023

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