VCÖ: Im Vorjahr passierten in Österreich 100 Schulwegunfälle am Schutzweg!

VCÖ erinnert an StVO: Kindern ist immer das sichere Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen, auch ohne Schutzweg!

Foto: Norbert Novak

VCÖ (Wien, 30. August 2024) – 100 der 450 Schulwegunfälle des Vorjahres passierten auf Schutzwegen, wie eine aktuelle Analyse der Mobilitätsorganisation VCÖ auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Um die Sicht auf Kinder, die den Schutzweg überqueren möchten, zu verbessern, ist eine Ausweitung des Halte- und Parkverbots vor Schutzwegen von fünf auf zehn Metern wichtig. Zudem erinnert der VCÖ an die seit 30 Jahren in der Straßenverkehrsordnung verankerte Regelung, dass Kindern immer – auch ohne Schutzweg – das sichere Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen ist. Der VCÖ ruft zudem auf, Problem- und Gefahrenstellen beim VCÖ-Schulwegcheck zu melden und hier in eine Online-Karte einzutragen.


Am Montag beginnt in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland wieder der Schule. „Jetzt sind wieder mehr Kinder unterwegs und das nicht nur in der Früh. Umso wichtiger ist es, dass die Kfz-Lenkenden besonders aufmerksam mobil sind. Kinder sind vom Vertrauensgrundsatz ausgenommen. Wenn ersichtlich ist, dass ein Kind oder mehrere Kinder die Straße queren möchten, dann ist ihnen das zu ermöglichen. Deshalb langsamer und bremsbereit fahren“, erinnert VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky an die Straßenverkehrsordnung (StVO § 29a/1).

Seit 30 Jahren ist der „unsichtbare Schutzweg“ für Kinder in der StVO verankert. Das Bewusstsein dafür ist zu schärfen, ebenso, dass sich ein Fahrzeug "einem Schutzweg nur mit einer solchen Geschwindigkeit nähern darf, dass das Fahrzeug vor dem Schutzweg anhalten kann“ (StVO § 9/2). Denn im Vorjahr passierten in Österreich 100 Schulwegunfälle auf Schutzwegen, um zwölf mehr als im Jahr 2022, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Damit ereignen sich 22 Prozent der Schulwegunfälle am Schutzweg.  

Nach Bundesländern passierten in Wien 25 Schulwegunfälle am Schutzweg, in Oberösterreich 18, Tirol zwölf, Niederösterreich elf und in der Steiermark neun, informiert der VCÖ. Im Burgenland ist die Anzahl mit vier am niedrigsten, aufgrund der niedrigen Anzahl an Schulwegunfällen der Anteil der Schutzwegunfälle mit 40 Prozent am höchsten. In Kärnten, Salzburg und Vorarlberg kam es zu sieben Schulwegunfällen am Schutzweg.

Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen im Umfeld von Schutzwegen, um die Sicht auf Kinder, die die Straße überqueren möchten zu verbessern. „Viele Autos sind höher als früher, dazu kommt noch die wachsende Anzahl von Kleintransportern durch den boomenden Online-Handel. Parken sie fünf Meter vor dem Schutzweg kann anderen Kfz-Lenkenden die Sicht auf Kinder, die beim Schutzweg stehen, verstellt werden. Deshalb ist es wichtig, das Halte- und Parkverbot vor Schutzwegen endlich von fünf auf zehn Metern zu erweitern“, betont VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky. Zudem sind Übergänge auch von anderen Sichthindernissen, wie Mistkübeln oder Werbetafeln, zu befreien.

„Wir brauchen im Straßenverkehr mehr Miteinander statt Gegeneinander, wir brauchen eine Kultur des Aufeinander-Rücksicht-Nehmens, insbesondere auf die Schwächsten. Und es ist wichtig, dass Städte und Gemeinden weiter daran arbeiten, dass das Verkehrssystem kindgerecht wird. Gerade angesichts des zunehmenden Bewegungsmangels von Kindern ist es wichtig, dass die Verkehrsplanung Maßnahmen setzt, damit Kinder sicher zu Fuß und mit dem Fahrrad mobil sein können", stellt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky fest.  

Der VCÖ hat zudem eine Initiative gestartet, um gemeinsam mit der Bevölkerung die Schulwege verkehrssicherer zu machen. Beim VCÖ-Schulwegcheck können Problemstellen und Gefahrenpunkte gemeldet und hier in eine Online-Karte ingetragen werden. Der VCÖ sammelt die Einträge und leitet diese dann an die zuständige Gemeinde oder Stadt weiter. Aktuell sind bereits mehr als 800 Problemstellen österreichweit eingetragen.

Sichere Schulwege sind auch deshalb so wichtig, weil der Schulweg die große Chance ist, Kompetenz im richtigen Verhalten im Straßenverkehr zu lernen. Kinder profitieren von dieser Kompetenz auch außerhalb des Schulwegs, sind dann auch auf ihren Freizeitwegen sicherer mobil. Werden Kinder mit dem Auto zur  Schule chauffiert, wird ihnen diese Chance, das richtige Verhalten im Straßenverkehr zu lernen und täglich zu üben, genommen.

VCÖ-Schulwegcheck

VCÖ: Im Vorjahr passierten 100 Schulwegunfälle am Schutzweg
(Anzahl Schulwegunfalle am Schutzweg im Jahr 2023 - Anteil an den Schulwegunfällen)
Österreich: 100 Schulwegunfälle am Schutzweg (22,2 % der Schulwegunfälle)
Burgenland: 4  (40 %)
Kärnten: 7 (20 %)
Salzburg: 7 (18,9 %)
Vorarlberg: 7 (17,1 %)
Steiermark: 9 (14,8 %)
Niederösterreich: 11 (16,9 %)
Tirol: 12 (29,3 %)
Oberösterreich: 18 (24,3 %)
Wien: 25 (29,1 %)
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2024

Zurück zur Übersicht

VCÖ: Zahl der Verkehrstoten im 1. Halbjahr zurückgegangen – aber bereits 175 Todesopfer

VCÖ (Wien, 30. Juni 2023) – Seit Jahresbeginn kamen in Österreich bereits 175  Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, informiert die Mobilitätsorganisation VCÖ. Die Zahl der Verkehrstoten ist niedriger als im 1. Halbjahr 2022, als 191 Menschen im Straßenverkehr getötet wurden, aber nach wie vor sehr hoch. Der Straßenverkehr kostete heuer nicht nur mehr Menschen das Leben als in den Lockdown-Halbjahren 2020 und 2021, sondern auch mehr Menschen als im 1. Halbjahr 2017. Der VCÖ fordert verstärkte Verkehrssicherheitsmaßnahmen.

Mehr dazu
Foto: Kleines Kreuz mit Kerzen neben einer Freilandstraße

VCÖ: Höheres Unfallrisiko in beliebten Urlaubsländern – in Skandinavien ist Verkehrssicherheit höher

VCÖ (Wien, 20. Juni 2023) – Im Juli und August gehen viele Urlaubsreisen mit dem Auto ins Ausland. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass in beliebten Urlaubsländern wie Italien, Kroatien und Griechenland sowie den Nachbarstaaten Ungarn, Tschechien, Slowakei das Unfallrisiko höher ist als in Österreich. Was bei der Reise noch zu beachten ist, sind andere Verkehrsregeln. Die Mobilitätsorganisation VCÖ weist darauf hin, dass in etlichen EU-Staaten das Tempolimit auf Freilandstraßen niedriger ist als in Österreich. Auf Autobahnen ist in jedem dritten EU-Land die erlaubte Höchstgeschwindigkeit niedriger als in Österreich, ebenso das Alkohol-Limit. Für die sichere Urlaubsreise empfiehlt der VCÖ gleiten statt rasen, don’t drink or phone & drive und am Urlaubsort möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.

Mehr dazu