VCÖ: Im Vorjahr um 74 Prozent mehr Todesopfer bei Lkw-Unfällen

VCÖ fordert Maßnahmenpaket zur Reduktion schwerer Lkw-Unfälle

Autobahn, auf welcher sehr viele Autos und Lkws zu sehen sind

VCÖ (Wien, 22. Mai 2026) – Die Zahl der tödlichen Lkw-Unfälle ist im Vorjahr in Österreich massiv gestiegen: 73 Menschen verloren bei Kollisionen mit Lkw ihr Leben, um 31 mehr als im Jahr 2024, weist die Mobilitätsorganisation VCÖ auf Daten der Statistik Austria hin. Jeder 16. Lkw-Unfall endete tödlich. Die meisten Todesopfer gab es mit 25 in Niederösterreich. Der VCÖ fordert umfassende Maßnahmen, um die Zahl der tödlichen Lkw-Unfälle deutlich zu reduzieren. Neben verstärkten Lkw-Kontrollen sowie der Ausrüstung von Lkw mit Assistenzsystemen sind auch Maßnahmen zur Verlagerung von Gütern auf die Schiene und zur Vermeidung von Lkw-Verkehr durch eine bessere Logistik notwendig.

 

„Lkw sind oft ein tödlicher Unfallgegner. Und das wurde im Vorjahr auf dramatische Weise sichtbar. Die Zahl der Todesopfer durch Lkw-Unfälle stieg auf den höchsten Wert seit dem Jahr 2016“, macht VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk aufmerksam. Die Zahl der Todesopfer stieg um 31 auf 73 Menschen, das ist eine Zunahme um 74 Prozent. Damit war jeder sechste Verkehrstote im Vorjahr die Folge einer Kollision mit einem Lkw.

Der Anteil der Lkw an tödlichen Verkehrsunfällen ist sechsmal so hoch wie deren Anteil an Verkehrsunfällen insgesamt, wie die VCÖ-Analyse zeigt. Wenn es zu einem Unfall mit einem Lkw kommt, dann ist das Risiko fataler Folgen sehr hoch. Beteiligung heißt nicht, dass die Unfälle von Lkw verursacht wurden, betont der VCÖ. Aber aufgrund ihrer Masse sind Lkw oft ein tödlicher Unfallgegner. Während insgesamt im Vorjahr pro 1.000 Verkehrsunfälle mit Personenschaden elf Todesopfer zu beklagen waren, waren es bei Lkw-Unfällen mit 62 fast sechsmal so viele, wie die VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt.

Im Bundesländer-Vergleich weist Niederösterreich die höchste Opferzahl durch Lkw-Unfälle auf, 25 Menschen wurden tödlich verletzt. In Oberösterreich starben 15 Menschen bei Lkw-Unfällen, in der Steiermark und in Tirol jeweils acht.

Um die Zahl der tödlichen Lkw-Unfälle zu senken, fordert der VCÖ ein Maßnahmenpaket. Zum einen ist der Lkw-Verkehr in Städten mit Hilfe urbaner Güterlogistik zu reduzieren. So können Lkw Waren zu Mikro-Hubs liefern, die Feinverteilung erfolgt dann mit kleineren Transportern oder mit Cargo-Bikes. Besonders rechts abbiegende Lkw sind für alle, die zu Fuß oder mit dem Rad mobil sind, gefährlich. Lkw sollten daher verpflichtend mit Abbiegeassistenten ausgerüstet werden. Gleichzeitig sind gefährliche Kreuzungen zu entschärfen, die Sichtbereiche zu verbessern.

Für das Transitland Österreich sind aber auch Maßnahmen gegen die massive Zunahme des Lkw-Verkehrs auf den Autobahnen nötig. Wesentlich ist, dass die Einhaltung der bestehenden Gesetze und Regelungen viel stärker kontrolliert wird. So gilt für Lkw auf Autobahnen Tempolimit von 80 km/h. Die hohe Toleranzgrenze führt dazu, dass die meisten Lkw deutlich schneller fahren. Der VCÖ fordert eine deutliche Reduktion der Toleranzgrenze und verstärkte Geschwindigkeitskontrollen. Zudem sind insgesamt die Lkw-Kontrollen zu erhöhen, um jene Lkw, die gravierende technische Mängel aufweisen oder Lenk- und Ruhezeiten missachten, rechtzeitig aus dem Verkehr zu ziehen. Bei den Kontrollen des Landes Tirol hat sich die Zahl der geahndeten Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten pro Kontrolltag von 116 im Jahr 2024 auf 235 im Jahr 2025 verdoppelt.

Quellen und Daten

VCÖ: Viele Todesopfer bei Verkehrsunfällen mit Lkw in Österreich
(Tödlich Verunglückte und Verletzte in Österreich bei Verkehrsunfällen mit Lkw-Beteiligung)  

  • Jahr 2025: 73 Todesopfer und 1.531 Verletzte
  • Jahr 2024: 42 Todesopfer und 1.530 Verletzte
  • Jahr 2023: 65 Todesopfer und 1.590 Verletzte
  • Jahr 2022: 64 Todesopfer und 1.563 Verletzte
  • Jahr 2021: 52 Todesopfer und 1.767 Verletzte
  • Jahr 2020: 51 Todesopfer und 1.324 Verletzte
  • Jahr 2019: 51 Todesopfer und 1.779 Verletzte
  • Jahr 2018: 56 Todesopfer und 1.991 Verletzte
  • Jahr 2017: 52 Todesopfer und 1.717 Verletzte
  • Jahr 2016: 74 Todesopfer und 1.668 Verletzte
  • Jahr 2015: 66 Todesopfer und 1.496 Verletzte

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2026

VCÖ: Die meisten Todesopfer durch Lkw-Unfälle in Niederösterreich
(Anzahl der bei Lkw-Unfällen getötete Menschen im Jahr 2025, in Klammer das Jahr 2024)

  • Niederösterreich: 25 Todesopfer (10 Todesopfer)
  • Oberösterreich: 15 (14)
  • Tirol: 8 (3)
  • Steiermark: 8 (4)
  • Salzburg: 6 (2)
  • Kärnten: 4 (5)
  • Wien: 4 (1)
  • Burgenland: 2 (3)
  • Vorarlberg: 1 (0)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2026

Zurück zur Übersicht

VCÖ unterstützt Forderung nach lebenslangem Führerscheinentzug für Extremraser

VCÖ (Wien, 28. Jänner 2026) – Die Mobilitätsorganisation VCÖ unterstützt den Vorstoß von Salzburgs Landeshauptfrau-Stellvertreter Stefan Schnöll, für Extremraser einen lebenslangen Führerscheinentzug zu ermöglichen. Extremraser sind eine kleine Minderheit, die das Leben und die Gesundheit aller Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer gefährden. Der VCÖ erwartet durch die Androhung eines lebenslangen Führerscheinentzugs eine präventive Wirkung.

Mehr dazu
Foto: Th. Reinhardt pixelio.de

VCÖ-Fachveranstaltung: Zero Emission Logistik in Städten

Das Potenzial für Zero-Emission-Logistik ist in den Städten groß. Das war ein Ergebnis dieser VCÖ-Fachveranstaltung, an der am 20. Jänner 2026 mehr als 180 Interessierte teilnahmen. Der verstärkte Einsatz von emissionsfreien Fahrzeugen, wie Transportfahrräder und Elektro-Transporter, bringt vielfache Vorteile. Bevölkerung und Umwelt profitieren durch weniger Emissionen und weniger Lärm, die Unternehmen können sich einiges an Kosten sparen. Praxis-Beispiele auch aus Österreich zeigen sehr positive Erfahrungen mit emissionsfreien Fahrzeugen. Expertinnen und Experten fordern verstärkte Maßnahmen, um den Anteil von Elektro-Transportern und Cargo-Bikes im städtischen Güter- und Lieferverkehr zu erhöhen.

Mehr dazu
Foto von Lastenfahrzeug