VCÖ: Im Vorjahr wurde in Österreich so viel Kerosin wie noch nie getankt

VCÖ: E-Kerosin-Produktion in Europa rasch beginnen und ausbauen

Foto (c) shutterstock_MajicStock

VCÖ (Wien, 10. März 2026) – In Österreich wurde im Vorjahr um rund sechs Prozent mehr Kerosin getankt als im Jahr 2024. Damit wurde nicht nur so viel Kerosin wie noch nie in Österreich getankt, sondern auch erstmals die Marke von einer Million Tonnen überschritten. Die Mobilitätsorganisation VCÖ fordert ein rascheres Hochfahren der E-Kerosin-Produktion in Europa. E-Kerosin reduziert die CO2-Emissionen des Flugverkehrs und macht unabhängiger von Importen von fossilem Kerosin, was wie aktuell zu sehen ist, für Bevölkerung und Wirtschaft sehr wichtig ist.

In Österreich wurde im Vorjahr mit rund einer Million Tonnen so viel Kerosin getankt wie noch nie, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ aufmerksam. Der bisherige Höchstwert wurde im Vor-Coronajahr 2019 mit 0,951 Millionen Tonnen registriert, knapp vor dem Jahr 2024 mit 0,946 Millionen Tonnen.

Auch EU-weit nimmt der Flugverkehr stark zu. Seit dem Jahr 1990 haben sich die Treibhausgas-Emissionen des Flugverkehrs auf über 140 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum sind die Treibhausgasemissionen des Eisenbahnverkehrs in der EU von zwölf auf drei Millionen Tonnen um drei Viertel zurückgegangen. Bei ungebremstem Wachstum wird eine Verdoppelung des Kerosinverbrauchs in der EU bis zum Jahr 2050 erwartet.

„Gerade der Krieg im Iran verdeutlicht, welche Auswirkungen ein hoher Verbrauch und eine starke Abhängigkeit von Erdölimporten haben. Umso wichtiger ist es, dass die Europäische Union rasch verlässliche Rahmenbedingungen für das Hochziehen einer E-Kerosin-Produktion 'Made in Europe' schafft“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Einige Voraussetzungen dafür sind bereits erfüllt. Zum einen hat die EU im Jahr 2023 mit der „ReFuelEU Aviation“-Verordnung ein klares Regelwerk für den Umstieg auf alternative Flugtreibstoffe beschlossen. Flughäfen mit mehr als 800.000 Fluggästen oder mehr als 100.000 Tonnen Fracht pro Jahr sind verpflichtet, einen Anteil an alternativen Flugtreibstoffen von zwei Prozent im Jahr 2025, sechs Prozent im Jahr 2030 sowie 20 Prozent im Jahr 2035 und 70 Prozent im Jahr 2050 zu erreichen. Für E-Kerosin gibt es Subziele von 1,2 Prozent im Jahr 2030 und fünf Prozent im Jahr 2035 und 35 Prozent im Jahr 2050. In Österreich fallen alle Verkehrsflughäfen außer Klagenfurt unter die Verordnung.

Per Mai 2025 gab es in Europa 41 geplante Großprojekte zur E-Kerosin-Produktion, so viele wie in keiner anderen Weltregion. Vorreiter ist Frankreich mit elf angekündigten Großprojekten, gefolgt von Skandinavien – in Österreich gibt es bislang keines. In Europa befindet sich mehr als die Hälfte der angekündigten globalen Produktionskapazität für E-Kerosin, gefolgt von China mit 20 Prozent.

Rund die Hälfte der Projekte plant einen Produktionsstart bis zum Jahr 2030, allerdings hatte bis Mitte 2025 keines der Projekte eine fixe Finanzierungszusage. „Die größte Hürde für die Umsetzung ist derzeit die Finanzierung, da die Investitionskosten mit rund ein bis zwei Milliarden Euro pro Projekt sehr hoch sind. Hier kann die für das Jahr 2026 anberaumte Überprüfung des EU-Emissionshandels Anreize schaffen, indem das System nicht nur auf innereuropäische Flüge angewandt wird, sondern wie ursprünglich konzipiert alle Abflüge umfasst. Ein Teil der somit zusätzlich generierten Einnahmen könnte für die Unterstützung der E-Kerosin-Produktion in Europa verwendet werden. Auch der Wirtschaftsstandort profitiert, wenn die EU zum globalen Kompetenzzentrum für E-Kerosin wird“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Klar ist aber auch, dass nachhaltiger Flugverkehr bei ungebremster Zunahme des Flugverkehrs nicht möglich ist. Deshalb braucht es gerade auch in Europa mehr internationale Bahnverbindungen und den verstärkten Ausbau der Schieneninfrastruktur.

VCÖ-Factsheet „Flugverkehr nachhaltig auf Kurs bringen“

Zurück zur Übersicht

Sozial-ökologische Flugabgabe – auch für Privatjets

Großbritannien hat eine sozial-ökologisch gestaffelte Flugabgabe mit vier Distanzklassen und Economy-, Premium- und Privatjet-Unterscheidung. Die Abgaben für Privatjets steigen per April 2026 signifikant.

Mehr dazu
Symbolbild

Flugabgabe reformieren, nicht reduzieren

Nach dem Beschluss des Flughafens Wien-Schwechat keine dritte Piste zu bauen, wird in Österreich über eine Reduktion der Flugabgabe diskutiert. Begründet wird dies mit den vermeintlich zu hohen Gebühren hierzulande, die die wirtschaftliche Entwicklung des Flugverkehrs behindern würde. Ein Blick in andere europäische Länder zeigt jedoch, dass die Flugabgabe in Österreich vergleichsweise niedrig ist. Eine Reduktion oder Abschaffung käme einer Steuergeldverschwendung in Zeiten knapper Budgets gleich.

Mehr dazu
Foto: Spencer Imbrock, unsplash