VCÖ: In den Niederlanden kommen bereits zwei Drittel der Fahrgäste zu Fuß oder per Rad zum Bahnhof

VCÖ-Fachkonferenz: Österreichs Bushaltestellen und Bahnhöfe besser zu Fuß und mit Fahrrad erreichbar machen

Foto Bushaltestelle

VCÖ (Wien, 16. Mai 2024) – Eine gute Erreichbarkeit der Bahnhöfe und Bushaltestellen zu Fuß und mit dem Fahrrad erhöht die Anzahl der Fahrgäste des Öffentlichen Verkehrs. Das zeigen internationale und nationale Beispiele, die heute bei der VCÖ-Fachkonferenz präsentiert wurden. In einem verkehrsberuhigten Umfeld steigt die Bereitschaft, längere Strecken zu Fuß zu gehen, der Einzugsbereich von Haltestellen des Öffentlichen Verkehrs verdreifacht sich dadurch. Während in Österreich rund 40 Prozent der Fahrgäste zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Bahnhof kommen, sind es in den Niederlanden bereits 68 Prozent.


„Fehlender Gehweg zur Haltestelle.“ „Es fehlt ein sicherer Übergang zur Bushaltestelle. Sie liegt an einer Freilandstraße mit hohem Tempolimit.“ Das sind nur zwei von mehreren Einträgen im aktuellen Problemstellen-Melder auf der VCÖ-Website https://map.vcoe.at/gehen/ „Auch wenn in den vergangenen Jahren vielerorts Verbesserungen umgesetzt wurden, gibt es nach wie vor zu viele Haltestellen des Öffentlichen Verkehrs, die nicht gut und sicher zu Fuß erreichbar sind oder wo Fahrradabstellplätze mangelhaft sind oder überhaupt fehlen. Dabei würde eine gute Erreichbarkeit der Haltestellen zu Fuß und mit dem Fahrrad die Zahl der Fahrgäste des Öffentlichen Verkehrs deutlich erhöhen“, stellte VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky in ihrem Vortrag bei der heutigen VCÖ-Fachkonferenz fest.

Österreichweit kommen vier von zehn Bahn-Fahrgästen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Bahnhof bzw. zur Bahn-Haltestelle, in den westlichen Bundesländern Salzburg, Tirol und Vorarlberg sogar die Hälfte der Fahrgäste, wie der letztjährige VCÖ-Bahntest zeigt. In den Niederlanden ist der Wert deutlich höher: 68 Prozent der Bahn-Fahrgäste gehen zu Fuß oder fahren mit dem Rad zum Bahnhof, berichtete Emma Stubbe von der Dutch Cycling Embassy. Im Jahr 2000 waren es 50 Prozent. Die Anzahl der Fahrgäste, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Zug kommen, hat sich seit dem Jahr 2000 auf täglich fast 900.000 mehr als verdoppelt. Erreicht wurde dies neben einem allgemein dichten Radwegenetz durch einen starken Ausbau der Fahrradabstellplätze bei den Bahnhöfen.

In Dänemark wiederum kommen zwei von drei Bahn-Fahrgästen zu Fuß zum Bahnhof, berichtete Professor Helge Hillnhütter von der Universität Trondheim. Von der Gesamtreisezeit einer kombinierten Fahrt von Gehen und Öffentlichen Verkehr macht das Gehen mit rund 45 Prozent fast die Hälfte aus. In einem fußgängerfreundlichen, verkehrsberuhigten Umfeld ist die Bevölkerung bereit rund 70 Prozent längere Strecken zu Fuß zu gehen, der Einzugsbereich von Haltestellen des Öffentlichen Verkehrs verdreifacht sich dadurch. Ein als angenehm empfundenes Umfeld, wie beispielsweise verkehrsberuhigte Zonen sowie Geschäfte entlang der Strecke, erhöhen die Bereitschaft längere Distanzen zu Fuß zu gehen, während Umwege und Straßenüberquerungen die Bereitschaft zum Gehen reduzieren. „Öffentliche Verkehrsunternehmen sind gut beraten, sich für mehr Verkehrsberuhigung in der Stadt einzusetzen“, betonte Hillnhütter.

Auf die Wichtigkeit direkter Fußwege ohne Umwege und eines sicheren und durchgängigen Radwegenetzes zum Öffentlichen Verkehr, machte Michael Szeiler, Geschäftsführer von consens.Verkehrsplanung in seinem Vortrag aufmerksam. Und: „Der Bahnhofsvorplatz ist die Visitenkarte für den Öffentlichen Verkehr.“

Der Salzburger Verkehrsverbund hat bei zehn Haltestellen ihre Erreichbarkeit zu Fuß und mit dem Fahrrad untersucht. „Mit dem sogenannten Walkability- bzw. Bikeability-Index kann die Eignung des Straßenraums für Gehen und Radfahren im unmittelbaren Einzugsbereich der Haltestellen dargestellt und mit anderen Haltestellen verglichen werden“, erklärt Christian Kainz vom Salzburger Verkehrsverbund. Von den untersuchten Stationen wies die Haltestelle Salzburg-Aiglhof im Umfeld von drei Kilometern die beste Erreichbarkeit mit dem Fahrrad auf.

Zurück zur Übersicht

Warum das Sicherheitsgefühl von Frauen über den Erfolg des Öffentlichen Verkehrs mitentscheidet

Laut Unfallstatistik ist 2025 in Österreich im Straßenverkehr niemand in einem Bus, einer Straßenbahn oder einem Zug ums Leben gekommen. Ob Menschen in Bus und Bahn einsteigen, entscheidet aber nicht die Unfallstatistik allein. Es zählt auch, wie sicher sich der Weg zur Haltestelle anfühlt, ob sie gut beleuchtet ist, ob Personal sichtbar ist und wie respektvoll es im Fahrzeug zugeht. Darauf achten insbesondere Frauen, die öffentliche Verkehrsmittel schon heute häufiger nutzen als Männer. Wege für Frauen sicher zu gestalten, ist der kürzeste Weg zu mehr Fahrgästen.

Mehr dazu
Foto: Spencer Imbrock, unsplash

VCÖ warnt: In der dunklen Jahreszeit nehmen Schutzwegunfälle stark zu

VCÖ (Wien, 23. Oktober 2026) – Am kommenden Wochenende endet die Sommerzeit. Damit wird es früher dunkler. In der dunklen Jahreszeit nimmt die Zahl der Schutzwegunfälle stark zu, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Im Vorjahr gab es im November mit 136 die meisten Schutzwegunfälle, gefolgt vom Dezember und dem Jänner. Die Mobilitätsorganisation VCÖ fordert mehr Verkehrsberuhigung und Tempo 30 statt 50 im Ortsgebiet sowie eine bessere Sicht auf Schutzwege und ihr Umfeld. Die Straßenverkehrsordnung schreibt vor, dass sich Fahrzeuglenkende einem Schutzweg nur mit einer solchen Geschwindigkeit nähern dürfen, dass sie ihr Fahrzeug erforderlichenfalls rechtzeitig davor anhalten können.

Mehr dazu