VCÖ: Kerosinverbrauch und klimaschädliche Emissionen des Flugverkehrs in Österreich im Vorjahr so hoch wie noch nie

VCÖ fordert angesichts drohender Lieferengpässen ein Maßnahmenpaket zur Reduktion des Kerosinverbrauchs

Foto: British Airways-Flugzeug, welches über einen zugeparkten Parkplatz fliegt

VCÖ (Wien, 23. April 2026) – Im Vorjahr hat der Flugverkehr in Österreich erstmals mehr als eine Million Tonnen Kerosin verbraucht. Die klimaschädlichen CO2-Emissionen überschritten im Vorjahr die Drei-Millionen-Tonnen-Grenze und waren damit so hoch wie noch nie zuvor, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ aufmerksam. Angesichts drohender Lieferengpässe fordert der VCÖ ein Maßnahmenpaket zur Reduktion des Kerosinverbrauchs. Als Sofortmaßnahme sind EU-weit Privatjet-Flüge zu reduzieren. Kurzstrecken sind verstärkt auf Bahn oder Bus zu verlagern, Geschäftsflüge möglichst durch Videokonferenzen zu ersetzen. Zudem ist die Produktion von nicht-fossilen Flugkraftstoffen zu forcieren.

Im Vorjahr stieg der Kerosinverbrauch des Flugverkehrs auf einen neuen Höchstwert: 1,004 Millionen Tonnen des Flugtreibstoffs wurden in Österreich getankt. Der Verbrauch war damit um 53.000 Tonnen höher als im bisherigen Rekordjahr 2019, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten des BMWET zeigt. Gegenüber dem Jahr 2024 stieg der Kerosinverbrauch um rund sechs Prozent, gegenüber dem Jahr 2023 um rund 18 Prozent. Im Unterschied zu Heizöl, Benzin und Diesel zahlen Flugkonzerne für Kerosin keine Mineralölsteuer. Wird die Mineralölsteuer für Eurosuper als Basis genommen, dann betrug im Vorjahr die Steuerbegünstigung für den Flugverkehr in Österreich rund 605 Millionen Euro.

Auch die klimaschädlichen Emissionen des Flugverkehrs in Österreich waren im Vorjahr so hoch wie noch nie, informiert der VCÖ: 3,15 Millionen Tonnen klimaschädliche Emissionen wurden verursacht, das sind um 180.000 Tonnen mehr als im Jahr 2024 und um 470.000 Tonnen mehr als im Jahr 2023.

Die Internationale Energieagentur hat zuletzt vor einer drohenden Kerosin-Knappheit gewarnt. „Die Politik ist gefordert, rasch Maßnahmen umzusetzen, die den Kerosinverbrauch reduzieren. Wo es Alternativen zum Flugverkehr gibt, sind diese zu forcieren. Das nützt jenen Strecken, wo das Flugzeug alternativlos ist“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

Wenn es Kerosin-Knappheit gibt, sollte es selbstverständlich sein, dass als Sofortmaßnahme EU-weit Flüge mit Privatjets stark reduziert werden. Der VCÖ schlägt zudem nach Vorbild Frankreichs eine Solidaritätsabgabe auf Privatjet- und Premium-Class-Flüge vor. Die Einnahmen können über einen zweckgebundenen Transformationsfonds zum Beispiel für Investitionen in synthetische Flugtreibstoffe und für mehr Nachtzugverbindungen verwendet werden. Geschäftsflüge können wieder verstärkt durch Videokonferenzen ersetzt werden. Zudem sind Kurzstreckenflüge, bei denen Bahn und Bus eine Alternative sind, zu reduzieren. Der Anteil von Kurzstreckenflügen ist hoch: Im Jahr 2024 waren 43 Prozent der Passagiere des Flughafens Wien weniger als 1.000 Kilometer unterwegs. Die am häufigsten angeflogene Destination war mit 4.360 Flügen das 640 Kilometer entfernte Frankfurt.

„Darüber hinaus müssen EU-weit Maßnahmen gesetzt werden, die mittel- und langfristig den Kerosinverbrauch des Flugverkehrs deutlich reduzieren. Die internationalen Bahnverbindungen innerhalb der EU sowie deren Buchungsmöglichkeiten müssen endlich stark verbessert werden. Zudem ist die Produktion von synthetisch hergestelltem Kerosin zu forcieren“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

VCÖ: Kerosinverbrauch war im Vorjahr so hoch wie noch nie
(In Österreich getankter Flugtreibstoff Kerosin in Millionen Tonnen)

Jahr 2025: 1,004 Millionen Tonnen
Jahr 2024: 0,946 Millionen Tonnen
Jahr 2023: 0,852 Millionen Tonnen
Jahr 2022: 0,610 Millionen Tonnen
Jahr 2021: 0,404 Millionen Tonnen
Jahr 2020: 0,355 Millionen Tonnen
Jahr 2019: 0,951 Millionen Tonnen
Jahr 2018: 0,831 Millionen Tonnen
Jahr 2017: 0,739 Millionen Tonnen
Jahr 2016: 0,765 Millionen Tonnen
Jahr 2015: 0,703 Millionen Tonnen
Jahr 2014: 0,655 Millionen Tonnen
Jahr 2013: 0,656 Millionen Tonnen
Jahr 2012: 0,686 Millionen Tonnen
Jahr 2011: 0,706 Millionen Tonnen
Jahr 2010: 0,675 Millionen Tonnen

Quelle: BMWET, VCÖ 2026

VCÖ: Klimaschädliche Emissionen des Flugverkehrs im Vorjahr so hoch wie noch nie
(Durch in Österreich getankten Flugtreibstoff verursachte Treibhausgas-Emissionen)

Jahr 2025: 3,15 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen
Jahr 2024: 2,97 Millionen Tonnen
Jahr 2023: 2,68 Millionen Tonnen
Jahr 2022: 1,91 Millionen Tonnen
Jahr 2021: 1,27 Millionen Tonnen
Jahr 2020: 1,12 Millionen Tonnen
Jahr 2019: 2,99 Millionen Tonnen
Jahr 2018: 2,61 Millionen Tonnen
Jahr 2017: 2,32 Millionen Tonnen
Jahr 2016: 2,40 Millionen Tonnen
Jahr 2015: 2,21 Millionen Tonnen
Jahr 2014: 2,06 Millionen Tonnen
Jahr 2013: 2,06 Millionen Tonnen
Jahr 2012: 2,15 Millionen Tonnen
Jahr 2011: 2,21 Millionen Tonnen
Jahr 2010: 2,08 Millionen Tonnen

Quelle: BMWET, UBA, VCÖ 2026

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