VCÖ: Klimaschädliche Emissionen des Flugverkehrs in Österreich im 1. Halbjahr auf neuen Höchstwert gestiegen

VCÖ: Fehlende Kerosinsteuer förderte Flugverkehr im 1. Halbjahr mit 290 Millionen Euro

Foto: British Airways-Flugzeug, welches über einen zugeparkten Parkplatz fliegt

VCÖ (Wien 3. Oktober 2025) – Im Unterschied zum Kfz-Verkehr zahlt der Flugverkehr für seinen Treibstoff keine Mineralölsteuer. Die fehlende Kerosinsteuer förderte den Flugverkehr in Österreich im 1. Halbjahr mit rund 290 Millionen Euro, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ aufmerksam. Das ist dreieinhalb Mal so viel, wie die Steuereinnahmen durch die Flugabgabe betragen. Zudem sind die klimaschädlichen Emissionen des Flugverkehrs auf Basis des in Österreich getankten Kerosins mit rund 1,5 Millionen Tonnen auf einen neuen Halbjahres-Höchstwert gestiegen, informiert der VCÖ. Der VCÖ fordert die EU-weite Einführung einer Kerosinsteuer. Mit deren Einnahmen sollen grenzüberschreitende Bahnverbindungen Europas ausgebaut und verbessert werden.  

Der Flugverkehr ist heuer weiter stark gestiegen. Das spiegelt sich auch im Treibstoffverbrauch wider. Allein im 1. Halbjahr 2025 wurden in Österreich laut Wirtschaftsministerium 480.000 Tonnen Kerosin getankt, um neun Prozent mehr als im 1. Halbjahr des Vorjahres. „Damit sind auch die klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen stark gestiegen und haben einen neuen Halbjahres-Höchstwert erreicht“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Rund 1,5 Millionen Tonnen Treibhausgase hat der Flugverkehr im ersten Halbjahr verursacht, um rund 120.000 Tonnen mehr als in der ersten Hälfte des Vorjahres und um rund 40.000 Tonnen mehr als der bisherige Höchststand im 1. Halbjahr 2019, wie die VCÖ-Analyse zeigt. Hält die Entwicklung an, dann wird der Flugverkehr heuer erstmals mehr als drei Millionen Tonnen Treibhausgase verursachen.

Mit dem gestiegenen Kerosinverbrauch ist aufgrund der fehlenden Mineralölsteuer auf Flugtreibstoff auch die Steuerbegünstigung für die Flugkonzerne gestiegen. Wird die Mineralölsteuer für Eurosuper zugrunde gelegt, dann betrug die Steuerbegünstigung für Flugkonzerne im 1. Halbjahr rund 290 Millionen Euro, das sind um 25 Millionen Euro mehr als im 1. Halbjahr 2024, macht der VCÖ aufmerksam. „Die Steuerbegünstigung aufgrund des Kerosinprivilegs ist dreieinhalb Mal so hoch wie die Steuereinnahmen durch die Flugabgabe“, verdeutlicht VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Für die Flugabgabe wurden im 1. Halbjahr laut Finanzministerium nur 78,7 Millionen Euro bezahlt. Für den Zeitraum 2015 bis zum 1. Halbjahr 2025 summiert sich die umweltschädliche Förderung für den Flugverkehr durch die Steuerbefreiung von Kerosin allein in Österreich auf 4,5 Milliarden Euro.

„Angesichts der sich verschärfenden Klimakrise ist es höchst an der Zeit, dass der Flugverkehr endlich einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz leistet“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Der VCÖ fordert eine EU-weite Kerosinsteuer. Zumindest ein Teil der Einnahmen soll in mehr grenzüberschreitende Bahnverbindungen in der EU investiert werden. „Europa braucht mehr Bahn. Wenn in Zeiten der Klimakrise Nachtzugangebote wie Wien – Paris aus budgetären Gründen gestrichen werden, dann ist das ein Auftrag an die Politik, faire Wettbewerbsbedingungen im Reiseverkehr zu schaffen und das Kerosinprivileg und die Mehrwertsteuerbefreiung von Flugtickets zu beenden“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Laut Umweltbundesamt verursacht auf der Kurz- und Mittelstrecke ein Flug rund 31 Mal so viele Treibhausgase pro Personenkilometer wie die Reise mit der Bahn. Zudem fordert der VCÖ einen beschleunigten Einsatz von „Sustainable Aviation Fuels“ im Flugverkehr.


VCÖ: Treibhausgasemissionen des Flugverkehrs steuern auf neuen Höchstwert zu
(Durch in Österreich getankten Flugtreibstoff verursachte Treibhausgasemissionen)

1.Halbjahr 2025: 1,50 Millionen Tonnen
1.Halbjahr 2024: 1,38 Millionen Tonnen  
Jahr 2024: 2,97 Millionen Tonnen
Jahr 2023: 2,68 Millionen Tonnen
Jahr 2022: 1,91 Millionen Tonnen
Jahr 2021: 1,27 Millionen Tonnen
Jahr 2020: 1,12 Millionen Tonnen
Jahr 2019: 2,99 Millionen Tonnen
Jahr 2018: 2,61 Millionen Tonnen
Jahr 2017: 2,32 Millionen Tonnen
Jahr 2016: 2,40 Millionen Tonnen
Jahr 2015: 2,21 Millionen Tonnen
Jahr 2014: 2,06 Millionen Tonnen
Jahr 2013: 2,06 Millionen Tonnen
Jahr 2012: 2,15 Millionen Tonnen
Jahr 2011: 2,21 Millionen Tonnen
Jahr 2010: 2,08 Millionen Tonnen
Jahr 2009: 1,99 Millionen Tonnen
Jahr 2008: 2,31 Millionen Tonnen
Jahr 2007: 2,31 Millionen Tonnen
Jahr 2006: 2,14 Millionen Tonnen
Jahr 2005: 2,05 Millionen Tonnen
Jahr 2004: 1,78 Millionen Tonnen
Jahr 2003: 1,51 Millionen Tonnen
Jahr 2002: 1,59 Millionen Tonnen
Jahr 2002: 1,70 Millionen Tonnen
Jahr 2000: 1,75 Millionen Tonnen

Quelle: BMK, VCÖ 2025


VCÖ: Im 1. Halbjahr wurde Flugverkehr durch fehlende Kerosinsteuer mit 290 Millionen Euro steuerlich begünstigt
(Steuerbegünstigung von Kerosin in Österreich – Basis Mineralölsteuer von Eurosuper)

1. Halbjahr 2025: 290 Millionen Euro
1.Halbjahr 2024: 265 Millionen Euro
Jahr 2024: 570 Millionen Euro
Jahr 2023: 510 Millionen Euro
Jahr 2022: 360 Millionen Euro  
Jahr 2021: 240 Millionen Euro  
Jahr 2020: 191 Millionen Euro  
Jahr 2019: 566 Millionen Euro  
Jahr 2018: 494 Millionen Euro  
Jahr 2017: 440 Millionen Euro  
Jahr 2016: 455 Millionen Euro  
Jahr 2015: 418 Millionen Euro  

Summe 2015 – 1. Halbjahr 2025: 4,5 Milliarden Euro

Quelle: BMWET, VCÖ 2025

Zurück zur Übersicht

Alternative Treibstoffe alleine werden den Flugverkehr nicht nachhaltig machen

Fliegen ist – alleine schon aus physikalischen Gründen – eine der energieintensivsten und damit auch klimaschädlichsten Fortbewegungsarten. Ein Kurzstreckenflug bis 1.000 Kilometer verursacht pro Kilometer rund 27-mal so viele CO2-Emissionen wie die Bahn in Österreich. Im Jahr 2023 verursachte das in Österreich getankte Kerosin rund 2,7 Millionen Tonnen CO2-Emissionen und damit eigentlich mehr als 10 Prozent des gesamten Verkehrssektors – eigentlich, weil diese Emissionen (mit Ausnahme der 0,03 Millionen Tonnen CO2 des Inlandflugverkehrs) bei der österreichischen Klimabilanz ausgeklammert bleiben.

Mehr dazu
Foto: Spencer Imbrock, unsplash

VCÖ: Eisenstadt hat im Landeshauptstadt-Vergleich den höchsten E-Pkw-Anteil bei Neuwagen, Wien im Bundesland-Vergleich

VCÖ (Wien, am 12. Juli 2024) – Die Unterschiede beim Elektroauto-Anteil bei Neuwagen sind in Österreich groß, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Bei den Landeshauptstädten ist Eisenstadt mit fast 26 Prozent E-Auto-Anteil Spitzenreiter, St. Pölten mit 15 Prozent Schlusslicht. Bei den Bezirken außerhalb Wiens liegt Linz-Land mit fast 28 Prozent vor dem Bezirk Rohrbach mit fast 24 Prozent an der Spitze, den niedrigsten Anteil hat der Bezirk Lilienfeld mit etwas mehr als vier Prozent, informiert die Mobilitätsorganisation VCÖ. Was bei den Neuzulassungen noch auffällt: Der durchschnittliche CO2-Ausstoß der neuzugelassenen Diesel-Pkw ist gestiegen und 81 Prozent der Diesel-Pkw wurden auf Firmen oder andere juristische Personen zugelassen. Der VCÖ fordert ein Ende der steuerlichen Begünstigung von privat genutzten Diesel- oder Benzin-Dienstwagen.

Mehr dazu
Foto: E-Auto, welches gerade geladen wird, vor einem Feld mit Windrädern