VCÖ: Klimaschädliche Emissionen des Flugverkehrs in Österreich sind im 1. Halbjahr um mehr als ein Drittel gestiegen!

VCÖ: Steuerbefreiung von Kerosin förderte Flugkonzerne mit 239 Millionen Euro

VCÖ (Wien, 15. Oktober 2023) – Der Flugverkehr hat heuer in Österreich massiv zugenommen und das macht sich auch in der CO2-Bilanz bemerkbar. Die klimaschädlichen Emissionen des Flugverkehrs sind im 1. Halbjahr um 39 Prozent auf 1,25 Millionen Tonnen gestiegen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Damit waren die Emissionen im 1. Halbjahr so hoch wie im gesamten Jahr 2021. Trotz der Klimaschädlichkeit ist der Flugtreibstoff Kerosin nach wie vor von der Mineralölsteuer befreit. Im 1. Halbjahr wurde dadurch allein in Österreich der Flugverkehr mit 239 Millionen Euro gefördert. Die Kerosinsteuer ist endlich auf EU-Ebene einzuführen, die Einnahmen für den verstärkten Ausbau internationalen Bahnverbindungen in Europa zu verwenden, fordert
                                                                    die Mobilitätsorganisation VCÖ.

Der Flugverkehr in Österreich ist im 1. Halbjahr massiv gestiegen und damit wurde auch deutlich mehr Kerosin verbrannt. In Summe wurden in Österreich von den Flugunternehmen 397.000 Tonnen Kerosin getankt – steuerbegünstigt, denn sie zahlen für Kerosin noch immer keine Mineralölsteuer. Wird die Mineralölsteuer auf Benzin zugrunde gelegt, brachte dieses Steuerprivileg den Flugkonzernen im 1.Halbjahr allein in Österreich rund 239 Millionen Euro an indirekter Förderung, macht der VCÖ aufmerksam. Zusätzlich fällt für Flugtickets bei grenzüberschreitenden Flügen keine Mehrwertsteuer an. „Diese Steuerprivilegien führen dazu, dass Flüge zu Dumpingpreisen angeboten werden können, wodurch es mehr Flugverkehr, mehr Fluglärm und mehr klimaschädliche Emissionen gibt“, weist VCÖ-Expertin Lina Mosshammer auf die Folgen hin.

Eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis des Kerosinverbrauchs in Österreich zeigt, dass der Flugverkehr in Österreich im 1. Halbjahr rund 1,25 Millionen Tonnen klimaschädliche Emissionen verursacht hat und damit um rund 350.000 Tonnen mehr als im 1. Halbjahr 2022. Noch liegen die Emissionen unter dem 1. Halbjahr 2019, gegenüber dem Corona-Halbjahr 2021 haben sich die klimaschädlichen Emissionen aber sogar verdreifacht, informiert der VCÖ. Allein im 1. Halbjahr hat der Flugverkehr heuer so viele Treibhausgase verursacht wie im gesamten Jahr 2021.

„Die EU und ihre Mitgliedsstaaten sind gefordert, endlich die Kerosinsteuer einzuführen. Das Verbrennen fossiler Treibstoffe heizt den Klimawandel an. Deshalb braucht es rasch eine verursachergerechte Besteuerung des fossilen Kerosins. Auch um Anreize zum verstärkten Einsatz von synthetischen Treibstoffen, dem E-Kerosin, zu setzen“, erklärt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer.

E-Kerosin alleine löst aber nicht das Problem, denn negative Klimaeffekte etwa durch Kondensstreifen und Ozon werden auch durch E-Kerosin verursacht. Deshalb ist Vermeiden und Verlagern auch im Flugverkehr sehr wichtig. So können viele Geschäftsflüge durch Videokonferenzen ersetzt werden, erinnert der VCÖ.

Zentral für Europa ist die verstärkte Verlagerung auf die Bahn. Deshalb braucht es rascher mehr internationale Bahnverbindungen in Europa. „Die Schieneninfrastruktur im internationalen Bahnverkehr ist rasch auszubauen und zu modernisieren. Werden Einnahmen aus einer Kerosinsteuer dafür zweckgewidmet, wäre das doppelt wirksam. Zudem ist das Buchen von internationalen Bahntickets zu vereinfachen“, betont VCÖ-Expertin Mosshammer.  

VCÖ: Treibhausgas-Emissionen des Flugverkehrs im 1. Halbjahr stark gestiegen
(Durch in Österreich getankten Flugtreibstoff verursachte Treibhausgas-Emissionen)

1.Halbjahr 2023: 1.250.000 Tonnen
1.Halbjahr 2022: 900.000 Tonnen
1.Halbjahr 2021: 365.000 Tonnen
1.Halbjahr 2020: 615.000 Tonnen
1.Halbjahr 2019: 1.455.000 Tonnen

Quelle: BMNT, BMK, Umweltbundesamt, VCÖ 2023

VCÖ: Flugverkehr wurde durch fehlende Kerosinsteuer im 1. Halbjahr mit mehr als 200 Millionen Euro gefördert
(Steuerbegünstigung von Kerosin in Österreich – Basis Mineralölsteuer von Eurosuper)

1.Halbjahr 2022: 239 Millionen Euro
1.Halbjahr 2021: 172 Millionen Euro
1.Halbjahr 2020:  70 Millionen Euro  
1.Halbjahr 2019: 278 Millionen Euro

Quelle: BMNT, BMK, VCÖ 2023

Zurück zur Übersicht

VCÖ: Mineralölsteuer-Einnahmen heuer erneut gesunken, Sanierungskosten für Straßen steigen altersbedingt und durch Klimaschäden

VCÖ (Wien, 13. August 2026) – Nachdem die Mineralölsteuer-Einnahmen im Vorjahr auf das niedrigste Niveau seit dem Jahr 2007 gesunken sind, gingen die Einnahmen heuer erneut zurück, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ aufmerksam. Mit 1,735 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2026 waren es um 2,2 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahrs. Gleichzeitig steigen die Kosten für die Straßenerhaltung stark. Zum einen, weil in Österreich zahlreiche Brücken, Tunnel und Straßen altersbedingt saniert werden müssen. Zum anderen führen die wegen des Klimawandels zunehmenden Extremwetterereignisse zu mehr Infrastrukturschäden. Angesichts der Budget- und Klimakrise spricht sich der VCÖ für ein Straßenbaumoratorium aus. Gleichzeitig sind Maßnahmen für eine höhere Effizienz in der Mobilität umzusetzen.

Mehr dazu
Grafik: Zapfhahn auf weißen Hintergrund, aus welchem ein Tropfen Treibstoff tropft

Schwere E-Lkw sind praxistauglich – brauchen aber attraktivere Rahmenbedingungen

Der Trend geht auch im Straßengüterverkehr klar zum Elektromotor. Zahlreiche Unternehmen zeigen, dass schwere E-Lkw längst praxistauglich sind. Österreich liegt bei der Elektrifizierung schwerer Lkw derzeit im europäischen Vergleich unter den Top 10 mit 8,2 Prozent Anteil von E-Lkws an allen neuzugelassenen Lkw über 3,5 Tonnen. Spitzenreiter Island war kommt auf 30,5 Prozent, die Schweiz auf 26,3. Das Budget für Förderungen bleibt in Österreich jedoch absehbar knapp, der Kreis der Anspruchsberechtigten wird eingeschränkt. Was also tun, den Umstieg effektiv und trotz Budgetkrise zu unterstützen?

Mehr dazu
Foto: Spencer Imbrock, unsplash