VCÖ: Koralmbahn reduzierte Autoverkehr im ersten Halbjahr

VCÖ: Mit verstärktem Mobilitätsmanagement Staus im Pendelverkehr reduzieren

©ÖBB/isochrom

VCÖ (Wien, 18. August 2026) – Im Korridor der Koralmbahn ist im ersten Halbjahr der Autoverkehr auf der A2 Südautobahn stärker zurückgegangen als im restlichen Autobahnnetz, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt. Weiteres Ergebnis: Im Kärntner Abschnitt war der Rückgang stärker als im steirischen Abschnitt. In ganz Österreich wurden bei 61 Prozent der Zählstellen weniger Pkw gezählt als im ersten Halbjahr 2025. Der Lkw-Verkehr hingegen nahm bei 81 Prozent der Zählstellen zu. Die Mobilitätsorganisation VCÖ fordert verstärktes Mobilitätsmanagement von Unternehmen, um Staus im Pendelverkehr wirksam und nachhaltig zu reduzieren.

„So wie bereits nach dem Ausbau und der Beschleunigung der Westbahnstrecke im Jahr 2012, hat auch die Koralmbahn zu einer Verlagerung von Autofahrten auf die Bahn geführt“, fasst VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk das Ergebnis einer aktuellen VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zusammen. Auf der A2 Südautobahn ging im Koralmkorridor der Autoverkehr um 4,6 Prozent zurück. Auch insgesamt ging der Autoverkehr auf Österreichs Autobahn- und Schnellstraßennetz zurück, jedoch außerhalb des Koralmkorridors mit durchschnittlich 0,6 Prozent nur leicht. Die infolge des Irankriegs gestiegenen Spritpreise haben allgemein verkehrsdämpfend gewirkt, erklärt der VCÖ.

Im steirischen Abschnitt des Korridors betrug der Rückgang 3,6 Prozent, im Kärntner Abschnitt sogar 6,3 Prozent. Damit war der Rückgang im steirischen Abschnitt sechsmal so stark wie insgesamt im Autobahnnetz und im Kärntner Abschnitt sogar zehnmal so stark, so die VCÖ-Analyse. „Die positive Wirkung der Koralmbahn ist unbestritten, sie kann aber durch weitere Begleitmaßnahmen noch deutlich verstärkt werden. Dabei spielen für den Pendelverkehr Unternehmen eine zentrale Rolle, für den Freizeitverkehr sind wiederum Maßnahmen von Ausflugszielen und Tourismusregionen sehr wichtig“, erklärt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Insgesamt wird in Österreich das Potenzial, die Effizienz des Verkehrs zu erhöhen, zu wenig ausgeschöpft. So liegt der Besetzungsgrad der Pkw in Österreich laut Umweltbundesamt bei 1,14. Das heißt, um 100 Personen zu transportieren sind derzeit im Schnitt 88 Pkw unterwegs.

Gerade im Pendelverkehr können mit verstärktem betrieblichen Mobilitätsmanagement Staus reduziert werden. „Konkret können Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steuerbegünstigte Öffi-Jobtickets oder Jobräder zur Verfügung stellen, Werkbusse in Kooperation mit öffentlichen Verkehrsunternehmen anbieten, sie können mit Online-Plattformen, Apps und Gutschein-Systemen Anreize für das Bilden von Fahrgemeinschaften setzen und Bewusstseinsaktionen durchführen“, nennt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk einige Beispiele. Auch flexiblere Arbeitszeiten und das Ermöglichen von Home-Office tragen dazu bei, Staus zu reduzieren.

Bei Ausflugszielen und Tourismusregionen ist die Information über die öffentliche Erreichbarkeit sehr relevant. Mit Gutscheinen, ermäßigtem Eintritt oder anderen Benefits kann ein Anreiz gesetzt werden, die Möglichkeit der öffentlichen Anreise auch zu nutzen. "Wesentlich ist, dass dort, wo es ein gutes öffentliches Verkehrsangebot gibt, Begleitmaßnahmen gesetzt werden, dass dieses gut genutzt wird. Zudem sind Lücken im öffentlichen Verkehrsnetz zu schließen. Gemeinden und Städte wiederum können durch die Stärkung der Ortskerne und ein Stopp der Zersiedelung nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Bodenschutz leisten, sondern damit auch beitragen, dass mehr Menschen ein öffentliches Verkehrsangebot fußläufig erreichen können", betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Der am stärksten befahrene Autobahnabschnitt Österreichs war im ersten Halbjahr die A23 Südost-Tangente in Wien bei der Zählstelle Baumgasse mit insgesamt rund 34,6 Millionen Kfz, davon waren 95 Prozent Pkw, informiert der VCÖ. Die meisten Lkw wurden auf der A1 Westautobahn zwischen Haid und Traun mit 2,58 Millionen gezählt.

Quellen & Daten

VCÖ: Im 1. Halbjahr ging der Autoverkehr bei der Mehrheit der Zählstellen zurück, der Lkw-Verkehr nahm jedoch zu
(Änderung im 1. Halbjahr 2026 im Vergleich zum 1. Halbjahr 2025)

  • Schwerverkehr (299 Zählstellen):
    • Rückgang: 58 Zählstellen
    • Zunahme: 241 Zählstellen
  • Kfz unter 3,5 Tonnen (238 Zählstellen)
    • Rückgang: 145 Zählstellen
    • Zunahme: 93 Zählstellen

Quelle: Asfinag, VCÖ 2026

VCÖ: Am Koralmkorridor ging der Autoverkehr deutlich stärker zurück
(Änderung Autoverkehr im 1. Halbjahr 2026 gegenüber 1. Halbjahr 2025)

  • Koralmkorridor Kärnten: minus 6,3 Prozent
  • Koralmkorridor Steiermark: minus 3,6 Prozent
  • Gesamtes Autobahn- und Schnellstraßennetz ohne Koralmkorridor: minus 0,6 Prozent

Quelle: Asfinag, VCÖ 2026

Zurück zur Übersicht

VCÖ: Realer CO2-Ausstoß von Plug-in-Hybrid-Pkw im Schnitt viermal so hoch wie die Herstellerangaben

VCÖ (Wien, 17. Dezember 2025) – Die EU-Kommission möchte Plug-in-Hybride mit Verbrennungsmotor als „effiziente Technologie“ auch nach dem Jahr 2035 bei Neuwagen erlauben. Doch Plug-in-Hybride sind nur auf dem Papier „hocheffizient“, weist die Mobilitätsorganisation VCÖ auf Daten der Europäischen Umweltagentur hin. Diese zeigen, dass sie beim Fahren auf der Straße im Schnitt viermal so viel klimaschädliches CO2 ausstoßen wie bei den standardisierten WLTP-Messverfahren ermittelt wird. Der reale CO2-Ausstoß von Plug-in-Hybriden ist nur geringfügig niedriger als jener von Benzin- und Diesel-Pkw. Die Ausnahme für Plug-in-Hybride ist ebenso wenig gerechtfertigt, wie deren steuerliche Begünstigung. In Österreich gibt es erstmals mehr als 100.000 Plug-in-Hybride, informiert der VCÖ.

Mehr dazu
Auspuff eines Autos, der sichtbar Schadstoffe ausstößt

Verbrenner-Aus bei Neuwagen – Planungssicherheit statt Zickzack-Kurs

Vor drei Jahren hat die EU einen klaren Plan beschlossen, um die CO2-Emissionen der neuzugelassenen Pkw-Flotte bis zum Jahr 2035 schrittweise auf null Gramm zu senken. Es war ein Kompromiss, man ist der Autoindustrie schon damals weit entgegen gekommen. Denn aus Umwelt- und Energiesicht müsste der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor früher erfolgen. Nun hat die EU-Kommission das Ziel von 100 Prozent auf 90 Prozent aufgeweicht. Ein Rückschritt, der die notwendige Transformation der EU-Autoindustrie verzögert.

Mehr dazu
Foto: Spencer Imbrock, unsplash