VCÖ: Lobauautobahn ist keine nachhaltige Lösung für die bestehenden Verkehrsprobleme

VCÖ: Es gibt günstigere und wirksamere Maßnahmen als den Bau der sehr teuren Autobahn

Foto: Th. Reinhardt pixelio.de

VCÖ (Wien, 2. April 2026) - Die Lobauautobahn ist extrem teuer, verursacht große ökologische Schäden und ist keine wirksame Lösung für die bestehenden Verkehrsprobleme, stellt die Mobilitätsorganisation VCÖ anlässlich der beginnenden Vorbereitungsarbeiten für den Bau der S1 zwischen Groß-Enzersdorf und dem Knoten Süßenbrunn fest. Die Prognosen, auf denen das bereits im Jahr 2009 eingereichte Projekt basiert, sind veraltet und bereits heute von der Realität widerlegt. Der VCÖ fordert die rasche Umsetzung von Maßnahmen, die bereits heute wirksam werden und die Staus auf der Südosttangente reduzieren sowie Anrainerinnen und Anrainer entlasten.

 

"Gerade angesichts der Budgetkrise und der aktuellen Energiekrise muss beim geplanten Ausbau der S1 die Notbremse gezogen werden. Umso mehr als es deutlich bessere, wirksamere, kostengünstigere und umweltverträglichere Maßnahmen zur Lösung der bestehenden Verkehrsprobleme gibt", stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Die täglichen Staus auf der Südosttangente können zeitnah durch ein Maßnahmenpaket reduziert werden: Zahlreiche positive Beispiele, etwa in Vorarlberg, zeigen, dass Unternehmen durch Mobilitätsmanagement erfolgreich Anreize setzen können, damit Beschäftigte in Fahrgemeinschaften, mit dem Öffentlichem Verkehr gefördert durch Öffi-Jobtickets oder mit E-Bikes oder Fahrrad zur Arbeit kommen. Beim aktuellen Besetzungsgrad von 1,14 Personen pro Pkw, braucht es für 10.000 Personen 8.800 Pkw. Wird durch Fahrgemeinschaften der Besetzungsgrad auf zwei Personen pro Pkw erhöht, brauchen 10.000 Personen um 3.800 Pkw weniger. 3.800 Pkw ergeben stehend aneinandergereiht eine rund 20 Kilometer lange Autokolonne, verdeutlicht der VCÖ. Rasch umsetzbar sind zudem Schnellbuslinien mit eigener Busspur, wie sie international bereits erfolgreich eingesetzt werden. Auch kann mit einem Bruchteil der Kosten der Lobauautobahn das öffentliche Verkehrsangebot insgesamt stark verbessert werden.

Darüber hinaus weist der VCÖ darauf hin, dass der im Jahr 2009 eingereichte Projektplan auf Verkehrsprognosen basiert, die sich als deutlich überhöht erwiesen haben. In Essling liegt das Verkehrsaufkommen heute bei unter 20.000 Fahrzeugen täglich und damit deutlich unter den damaligen Annahmen.

Die Pläne für den Lobautunnel reichen sogar zurück in die 1990er Jahren. In den vergangenen 30 Jahren hat sich nicht nur der Klimawandel massiv verschärft, sondern auch das Mobilitätsverhalten verändert. Im Jahr 1993 wurden von der Wiener Bevölkerung noch 40 Prozent der Alltagswege mit dem Auto gefahren, im Vorjahr waren es nur mehr 25 Prozent. Die Anzahl der Pkw pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner ist allein in den vergangenen 20 Jahren von 404 auf 363 Pkw zurückgegangen. "Der Lobautunnel ist nicht mehr zeitgemäß, umso mehr als der Tunnel frühestens im Jahr 2040 fertig sein kann und bis dahin die Mobilität - so die Ziele der Stadt Wien und der Bundesregierung - noch stärker mit öffentlichen Verkehrsmitteln, (Elektro-)Fahrrad und Sharing-Mobility stattfinden soll", stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Zurück zur Übersicht

VCÖ: Mehr als 1,3 Millionen Personen in Österreich lenken selten ein Auto – Carsharing Angebote ausbauen und verbessern

VCÖ (Wien, 16. Juli 2024) – Carsharing verbessert die Umwelt- und Energiebilanz des Autoverkehrs, reduziert Parkplatzprobleme und verringert die Mobilitätskosten der Haushalte, wie Vorträge und Praxis-Inputs bei der heutigen online abgehaltenen VCÖ-Fachkonferenz zeigten. Um das große Carsharing-Potenzial in Österreich besser auszuschöpfen, braucht es mehr Angebote und stärkere Anreize diese zu nutzen, stellt die Mobilitätsorganisation VCÖ fest. In Österreich lenken mehr als 1,3 Millionen Personen nur selten ein Auto, es sind nur maximal zehn Prozent der privaten Pkw gleichzeitig im Einsatz und es gibt rund 1,4 Millionen Zweit- und Drittautos mit einer durchschnittlich niedrigen Fahrleistung.

Mehr dazu
Foto: Klima- und Energiefonds

Wie beeinflusst der Kfz-Verkehr die städtische Hitzebelastung?

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Zahl der Hitze-Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius in Österreichs Städten mehr als verdoppelt. Hitze ist ein erhebliches Gesundheitsrisiko, insbesondere für vulnerable Bevölkerungsgruppen. Der Kfz-Verkehr trägt nicht nur indirekt durch den CO2-Ausstoß zur Hitzebelastung bei. Die Hitzebelastung wird durch die beim Fahren vom Motor erzeugte Abwärme, die Schadstoffemissionen und durch die für Straßen und Parkplätze mit Asphalt versiegelten Flächen verstärkt.

Mehr dazu
Foto: Spencer Imbrock, unsplash