VCÖ: Mineralölsteuer-Einnahmen heuer erneut gesunken, Sanierungskosten für Straßen steigen altersbedingt und durch Klimaschäden

VCÖ fordert Straßenbaumoratorium wegen Budget- und Klimakrise

Grafik: Zapfhahn auf weißen Hintergrund, aus welchem ein Tropfen Treibstoff tropft

VCÖ (Wien, 13. August 2026) – Nachdem die Mineralölsteuer-Einnahmen im Vorjahr auf das niedrigste Niveau seit dem Jahr 2007 gesunken sind, gingen die Einnahmen heuer erneut zurück, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ aufmerksam. Mit 1,735 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2026 waren es um 2,2 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahrs. Gleichzeitig steigen die Kosten für die Straßenerhaltung stark. Zum einen, weil in Österreich zahlreiche Brücken, Tunnel und Straßen altersbedingt saniert werden müssen. Zum anderen führen die wegen des Klimawandels zunehmenden Extremwetterereignisse zu mehr Infrastrukturschäden. Angesichts der Budget- und Klimakrise spricht sich der VCÖ für ein Straßenbaumoratorium aus. Gleichzeitig sind Maßnahmen für eine höhere Effizienz in der Mobilität umzusetzen.

Laut vorläufigem Budgetvollzug des Finanzministeriums waren im ersten Halbjahr 2026 die Einnahmen aus der Mineralölsteuer mit 1,735 Milliarden Euro um 39 Millionen niedriger als im ersten Halbjahr 2025. Das entspricht einem Rückgang von 2,2 Prozent, informiert der VCÖ. Damit setzt sich der Rückgang bei den Mineralölsteuereinnahmen weiter fort. Schon im Vorjahr waren sie mit 3,774 Milliarden Euro so niedrig wie seit dem Jahr 2007 nicht mehr. „Zu berücksichtigen ist, dass seither die Inflation kumuliert um 62 Prozent gestiegen ist.  Wären die Mineralölsteuereinnahmen wie die sonstigen Lebenshaltungskosten seither mit der Inflation gestiegen, wären sie im Vorjahr bei rund sechs Milliarden Euro gelegen“, verdeutlicht VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Die Mineralölsteuer wurde am 1. Jänner 2011 das letzte Mal erhöht und heuer im Zuge der Spritpreisbremse vorübergehend gesenkt.

Während die Einnahmen aus der Mineralölsteuer sinken, steigen die Ausgaben für die Instandhaltung des Straßennetzes. Altersbedingt sind im fast 34.000 Kilometer langen Landesstraßennetz und dem 93.500 Kilometer großen Gemeindestraßen-Netz vermehrt teure Generalsanierungen nötig . Insbesondere die Sanierung von Brücken und Tunneln ist sehr teuer. Allein auf den Autobahnen und Schnellstraßen gibt es rund 160 Tunnel und rund 5.900 Brücken. Zusätzlich nehmen auch die Klimaschäden zu. „Durch den Klimawandel gibt es mehr Extremwetterereignisse. Vermehrte Hitze, Starkregen und Murenabgänge führen zu mehr Straßenschäden“, macht VCÖ-Experte Michael Schwendinger auf die Folgen aufmerksam. Durch Hitze wird der Asphalt stärker beschädigt, vermehrte Spurrillen und Schlaglöcher sind die Folge. Für die Verkehrssicherheit ist es wichtig, dass diese Straßenschäden rasch saniert werden.

„Angesichts der angespannten Budgetlage des Bundes, der Bundesländer, Städte und Gemeinden ist es wichtig, dass sich die Straßenbudgets auf die Instandhaltung und Sanierung der Straßen, Brücken und Tunnel fokussieren und beim Neubau auf die Stopptaste drücken. Umso mehr, als jede zusätzliche Straße doppelt kostet - zuerst im Bau, dann in der Instandhaltung. Um Staus nachhaltig zu reduzieren, gibt es zudem günstigere und wirksamere Maßnahmen“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen, um die Effizienz in der Mobilität zu erhöhen. Der Öffentliche Verkehr kann viele Menschen transportieren und benötigt dafür wenig Fläche. „Ein Bus mit 50 Fahrgästen ersetzt beim aktuellen Pkw-Besetzungsgrad 43 Pkw. Ein Bus ist 13 Meter lang, 43 Pkw ergeben stehend aneinandergereiht eine 250 Meter lange Kolonne, fahrend ist die Autokolonne noch deutlich länger“, verdeutlicht VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Wenn durch Fahrgemeinschaften künftig im Schnitt zwei Personen im Auto sitzen, dann reduziert das die Zahl der Autos auf der Straße im Vergleich zu heute um rund 40 Prozent, nennt der VCÖ eine weitere wirksame Maßnahme, um Staus zu verringern.

Wie rasch und stark die Sanierungskosten steigen, zeigen die Daten der Asfinag. Bei den Autobahnen und Schnellstraßen waren die Instandhaltungskosten im Vorjahr mit 929 Millionen Euro fast doppelt so hoch wie im Jahr 2019 mit 494 Millionen Euro, berichtet der VCÖ.

Quellen & Daten

VCÖ: Mineralölsteuereinnahmen heuer erneut gesunken
(Mineralölsteuereinnahmen in Österreich)

  • 1. Halbjahr 2026: 1,735 Milliarden Euro (minus 2,2 Prozent gegenüber 1. Halbjahr 2025)
  • 1. Halbjahr 2025: 1,774 Milliarden Euro
  • 1. Halbjahr 2019: 1,971 Milliarden Euro
  • 1. Halbjahr 2018: 2,116 Milliarden Euro

  • Gesamtjahr 2025: 3,774 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2024: 3,817 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2023: 4,030 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2022: 3,922 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2021: 4,366 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2020: 3,793 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2019: 4,516 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2018: 4,292 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2017: 4,638 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2016: 4,343 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2015: 4,219 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2014: 4,248 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2013: 4,185 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2012: 4,181 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2011: 4,212 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2010: 3,854 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2009: 3,800 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2008: 3,894 Milliarden Euro
  • Gesamtjahr 2007: 3,689 Milliarden Euro

Quelle: BMF, VCÖ 2026

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