VCÖ: Minus 50 Prozent Verkehrstote in Österreich, wenn Männer so sicher mobil werden wie es Frauen heute sind

VCÖ: Fast die Hälfte der im Straßenverkehr tödlich verunglückten Frauen waren im Vorjahr Seniorinnen

Foto: Kleines Kreuz mit Kerzen neben einer Freilandstraße

VCÖ (Wien, 6. März 2026) – Frauen sind im Straßenverkehr deutlich sicherer mobil als Männer und sie verursachen deutlich weniger Verkehrsunfälle, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse anlässlich des bevorstehenden Weltfrauentags zeigt. Im Vorjahr kamen fast viermal so viele Männer wie Frauen bei Verkehrsunfällen in Österreich ums Leben. Auffallend ist, dass fast jede zweite tödlich verunglückte Frau eine Seniorin war. Weiteres Ergebnis der VCÖ-Analyse: In den vergangenen Jahren haben Männer doppelt so viele Verkehrsunfälle verursacht wie Frauen. Und bei Unfällen mit Alko-Lenkern war der Anteil der Männer sogar sechsmal so hoch wie der von Frauen.

„Wären Männer so sicher mobil wie Frauen, dann hätte es in Österreich im Vorjahr statt fast 400 Verkehrstoten weniger als 200 gegeben“, fasst VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten des Innenministeriums und der Statistik Austria zusammen und betont: „Die Geschlechter-Unterschiede sind in der Verkehrssicherheit groß und werden in der Verkehrssicherheitsarbeit viel zu wenig berücksichtigt.“

Frauen sind deutlich sicherer mobil als Männer. Im Vorjahr waren 21 Prozent der Verkehrstoten Frauen, der Anteil der Männer war fast viermal so hoch. Auch beim Anteil der Verkehrsmittel an den tödlichen Unfällen gibt es große Unterschiede. Die Anzahl der tödlich verunglückten Pkw-Lenker war sechsmal so hoch wie die der Pkw-Lenkerinnen, die Anzahl der Männer, die mit dem Fahrrad tödlich verunglückten, war dreimal so hoch wie die Anzahl der Frauen, mit dem E-Bike verunglückten sogar neunmal so viele Männer wie Frauen, wie die VCÖ-Analyse zeigt. Das Vorjahr war keine Ausnahme. Im Vierjahreszeitraum 2022 bis 2025 kamen dreimal so viele Männer als Autolenker ums Leben wie Autolenkerinnen, doppelt so viele mit dem Fahrrad und sechsmal so viele mit dem E-Bike.

Auffallend ist, dass Alkohol am Steuer vor allem ein Männerproblem ist. Im Dreijahreszeitraum 2022 bis 2024 waren sechsmal so viele Alkolenker wie Alkolenkerinnen in Verkehrsunfälle mit Personenschaden involviert, informiert der VCÖ. Auch Schnellfahren ist ein männliches Delikt, wie eine Analyse der Hauptunfallursachen bei tödlichen Verkehrsunfällen zeigt. Im Jahr 2024 kamen 81 Frauen bei Verkehrsunfällen ums Leben, 39 davon – das waren 48 Prozent – waren Verursacherinnen des tödlichen Unfalls. Nur sechs dieser Unfälle waren die Folge von zu hoher Geschwindigkeit, kein einziger von Alkohol oder Drogen, wie die VCÖ-Analyse zeigt. Anders bei den männlichen Unfallopfern. Im Jahr 2024 kamen 270 Männer bei Verkehrsunfällen ums Leben, 204 davon – das waren 76 Prozent – waren Verursacher des tödlichen Unfalls. 60 dieser Unfälle waren die Folge von zu hoher Geschwindigkeit, weitere zehn von Alkohol und Drogen.

Pkw-Lenkerinnen verursachten 54 Prozent der Unfälle an denen sie beteiligt waren, während Pkw-Lenker 59 Prozent der Unfälle, an denen sie beteiligt waren, verursachten. Insgesamt über alle Verkehrsmittel haben im Dreijahreszeitraum 2022 bis 2024 Männer mit 70.369 mehr als doppelt so viele Verkehrsunfälle mit Personenschaden verursacht wie Frauen (32.841).

Auffallend ist der hohe Anteil von Seniorinnen unter den im Straßenverkehr tödlich verunglückten Frauen. Im Vorjahr waren 44 Prozent der weiblichen Verkehrstoten älter als 64 Jahre, im Jahr 2024 sogar rund 51 Prozent. Unter den tödlich verunglückten Seniorinnen und Senioren ist wiederum der Anteil der Fußgängerinnen überdurchschnittlich hoch. Im Vierjahreszeitraum 2022 bis 2025 waren 41 Prozent der bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommenen Seniorinnen Fußgängerinnen, macht der VCÖ aufmerksam. Der VCÖ fordert, dass in der Verkehrsplanung mehr Rücksicht auf Fußgängerinnen und Fußgänger genommen wird. Konkret heißt das, mehr Verkehrsberuhigung insbesondere in Wohnvierteln, mehr Tempo 30 statt 50, übersichtliche Straßenübergänge, breite Gehsteige sowie längere Grünphasen bei Fußgängerampeln, damit auch ältere Menschen sicher und stressfrei die Straße überqueren können.

Zudem fordert der VCÖ, dass in der Verkehrsplanung die speziellen Anforderungen der „Mobility of Care“ stärker berücksichtigt werden. Nach wie vor schultern Frauen einen Großteil der Mobilität im Zusammenhang mit Betreuung und dem Begleiten etwa von Kindern oder von zu pflegenden Angehörigen. Für Begleitwege mit Kindern ist eine sichere Geh- und Radinfrastruktur besonders wichtig. Von tagsüber mangelnden öffentlichen Verbindungen sind Frauen besonders betroffen. Zudem arbeiten viel mehr Frauen als Männer Teilzeit. In den Regionen sind öffentliche Verkehrsverbindungen oft auf die klassischen Pendelzeiten von Vollzeitjobs abgestimmt, tagsüber gibt es weniger Angebote. Der VCÖ fordert daher mehr Bahn- und Busverbindungen auch tagsüber und zu Tagesrandzeiten.

Unterschiede beim Anteil der Frauen an den Verkehrstoten gibt es auch zwischen den Bundesländern. Am niedrigsten ist der Anteil der Frauen an den Verkehrstoten in Vorarlberg, wie die VCÖ-Analyse zeigt. In den vergangenen zwei Jahren kamen in Vorarlberg 21 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, davon zwei Frauen, das ist ein Anteil von 9,5 Prozent. Der große Unterschied ist nicht darauf zurückzuführen, dass Frauen weniger mobil wären. Im Gegenteil, Frauen sind mit durchschnittlich 3,3 Wegen pro Werktag sogar etwas mobiler als Männer, die auf 3,2 Wege pro Werktag kommen.

VCÖ: Anteil der Frauen an Verkehrstoten in den vergangenen beiden Jahren deutlich gesunken
(Anteil Frauen an Verkehrstoten in Österreich)

1.1.-30.11.2025: 21,4 Prozent
Jahr 2024: 23,1 Prozent
Jahr 2023: 28,4 Prozent
Jahr 2022: 27,8 Prozent
Jahr 2021: 25,7 Prozent
Jahr 2020: 24,4 Prozent
Jahr 2019: 27,4 Prozent

Quelle: BMI (2025), Statistik Austria, VCÖ 2026

VCÖ: Mit Pkw, Motorrad und E-Bike kamen im Vorjahr deutlich mehr Männer als Frauen ums Leben
(Anzahl tödlich verunglückte Männer – Anzahl tödlich verunglückte Frauen, 1.1.-30.11.2025)

Pkw lenkend: 99 Männer -  17 Frauen
Motorrad: 74 Männer - 6 Frauen
Fußgängerinnen und Fußgänger: 31 Männer – 22 Frauen
E-Bike: 28 Männer - 3 Frauen
Fahrrad: 26 Männer - 8 Frauen
Pkw mitfahrend: 9 Männer – 17 Frauen  
Moped: 4 Männer - 2 Frauen
E-Scooter: 3 Männer- 3 Frauen
Sonstiges: 16 Männer - 1 Frau

Quelle: BMI, VCÖ 2026

VCÖ: Fast die Hälfte der tödlich verunglückten Frauen waren Seniorinnen
(Anteil der über 64-Jährigen an bei Verkehrsunfällen getöteten Frauen, in Klammer Anzahl)

1.1.-30.11.2025: 44,3 Prozent (35)
Jahr 2024: 50,6 Prozent (41)
Jahr 2023: 43,9 Prozent (50)
Jahr 2022: 39,8 Prozent (41)
Zeitraum 2022 – 30.11.2025: 44,3 Prozent (167)

Quelle: BMI (2025), Statistik Austria, VCÖ 2026

VCÖ: Anteil Fußgängerinnen bei im Straßenverkehr getötete Seniorinnen sehr hoch
(bei Verkehrsunfällen getötete Seniorinnen, 2022 bis 30.11.2025)

Fußgängerinnen: 69 (41,3 Prozent)
Pkw lenkend: 44 (26,3 Prozent)
Pkw mitfahrend: 34 (20,4 Prozent)
Fahrrad: 10 (6,0 Prozent)
E-Bike: 7 (4,2 Prozent)
E-Scooter: 1 (0,6 Prozent)
Sonstige: 2 (1,2 Prozent)

Quelle: BMI (2025), Statistik Austria, VCÖ 2026

VCÖ: Sechs mal so viele Alko-Lenker wie Alko-Lenkerinnen Anteil Frauen – Männer an Alko-Lenkern bei Verkehrsunfällen

Jahr 2024: 14 Prozent – 86 Prozent
Jahr 2023: 13 Prozent – 87 Prozent
Jahr 2022: 15 Prozent – 85 Prozent

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2026

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