VCÖ: Neuwagen wurden seit 2000 deutlich breiter, länger und höher – negativ für Verkehrssicherheit, Energie- und Platzverbrauch

VCÖ fordert Limits für Neuwagen-Größe auf EU-Ebene – Tarif für Parkpickerl nach Größe staffeln

Fotocredit: Marcus Bauer

VCÖ (Wien, 24. Juni 2026) – Seit dem Jahr 2000 sind die Neuwagen in der EU im Schnitt um 13 Zentimeter breiter und höher sowie um 29 Zentimeter länger geworden, wie eine heute veröffentlichte Studie von Transport & Environment (T&E), dem europäischen Dachverband des VCÖ, zeigt. Diese Entwicklung erhöht den Energieverbrauch und auch den Platzverbrauch der Autos. Zudem sind die Motorhauben im Schnitt seit dem Jahr 2010 um sieben Zentimeter höher geworden. Studien zeigen, dass bei Unfällen mit Pkw mit hoher Motorhaube, das Risiko schwer oder gar tödlich verletzt zu werden, deutlich zunimmt. Die Mobilitätsorganisation VCÖ fordert wirkungsvolle Maßnahmen auf EU-Ebene, um die Größe von Neuwagen zu begrenzen, sowie auch in Österreich. Nach Vorbild internationaler Städte sollen die Tarife für Anwohnerparken ("Parkpickerl") nach der Größe der Fahrzeuge gestaffelt werden.

Im EU-Schnitt war ein im Jahr 2025 neuzugelassener Pkw 4,38 Meter lang, 1,82 Meter breit und 1,57 Meter hoch, mit einer 84 Zentimeter hohen Motorhaube. Damit sind die Neuwagen in den vergangenen 25 Jahren im Schnitt um 29 Zentimeter länger sowie um jeweils 13 Zentimeter breiter und höher geworden, wie eine aktuelle T&E-Studie zeigt. Vor allem große SUV und Pick-ups verursachen die starke Zunahme der Durchschnittsgröße der Neuwagen.

„Die US-Amerikanisierung von Europas Neuwagenflotte hat vielfache negative Auswirkungen. Die XXL-Autos schlucken deutlich mehr Sprit und ragen, einmal abgestellt, in benachbarte Parkplätze, auf Fahrradstreifen und Gehsteige oder in die Fahrbahn hinein. Beim Fahren nehmen sie mehr Platz in Anspruch, immer wieder ist zu sehen, dass dadurch andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer behindert werden. Gerade die aktuelle Hitzewelle zeigt, dass wir im Straßenraum insbesondere in den Städten mehr Platz für kühlende Grünflächen benötigen, um die Hitzebelastung zu reduzieren“, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Hält die Entwicklung der vergangenen 25 Jahre an, werden die Neuwagen im Jahr 2040 im Schnitt 1,90 Meter breit, 1,63 Meter hoch und 4,56 Meter lang sein, so die T&E-Studie.

Auch auf die Verkehrssicherheit hat diese Entwicklung sehr negative Auswirkungen. Insbesondere die Zunahme von Fahrzeugen mit hohen Motorhauben. Die durchschnittliche Motorhaube von Neuwagen war im Vorjahr 84 Zentimeter hoch. Das entspricht allein seit dem Jahr 2010 einer Zunahme um sieben Zentimeter. Eine im Vorjahr veröffentlichte Meta-Studie mit Daten von insgesamt 650.000 Verkehrsunfällen kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Im Vergleich zu einer Kollision mit herkömmlichen Pkw ist für Kinder das Risiko, tödlich verletzt zu werden, um 82 Prozent höher, wenn sie von einem großen SUV, Pick-up oder Klein-Transporter angefahren werden. Zusätzlich zeigen Studien, dass Lenker von Pick-ups mit hoher Motorhaube selbst rund 1,30 Meter große Kinder, die vor dem Pick-up stehen, nicht sehen.

Der VCÖ sieht gemeinsam mit Transport & Environment die EU-Kommission gefordert, die Höhe der Fronten sowie die Breite der Neuwagen zu begrenzen. Eine Begrenzung der Größe der Neuwagen auf das Niveau des Jahres 2015 würde bis zum Jahr 2040 100 Millionen Barrel an Erdölimporten einsparen.

Österreich sollte zudem sowohl bei der Normverbrauchsabgabe als auch bei der motorbezogenen Versicherungssteuer für sehr breite Pkw sowie für Pkw mit einer hohen Front einen Malus einführen.

Zudem sollen die Tarife für das Anwohnerparken („Parkpickerl“) nach der beanspruchten Fläche (Breite mal Länge) der Fahrzeuge gestaffelt werden, wie das beispielsweise in Basel, Aachen und Koblenz der Fall ist.

Quellen & Daten

VCÖ: Neuwagen in der EU sind breiter, länger und höher geworden
(Durchschnitt der in der EU im Jahr 2025 neuzugelassenen Pkw, in Klammer Änderung seit dem Jahr 2000)

  • Breite: 1,82 Meter (plus 13 cm)
  • Länge: 4,38 Meter (plus 29 cm)
  • Höhe: 1,57 Meter (plus 13 cm)
  • Motorhaubenhöhe: 84 Zentimeter (plus 7 cm seit 2010)

Quelle: Transport & Environment, VCÖ 2026

T&E Report "Ever bigger? Car-size at a crossroads"

Zurück zur Übersicht

VCÖ: In Wien ist den vergangenen 10 Jahren Radverkehr im Dezember um 50 Prozent gestiegen

VCÖ (Wien, 1. Dezember 2023) – Die Wienerinnen und Wiener sind beim Radfahren heuer auf Rekordkurs unterwegs, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Nach dem Höchstwert im Jahr 2022 ist der Radverkehr heuer weiter gestiegen. In den ersten zehn Monaten waren bei den 18 Zählstellen um fünf Prozent mehr Radfahrerinnen und Radfahrer unterwegs als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Und immer mehr in Wien nutzen das Fahrrad das ganze Jahr. Im Dezember des Vorjahres waren um rund 50 Prozent mehr mit dem Fahrrad unterwegs als im Dezember 2013. Die Mobilitätsorganisation VCÖ fordert mehr Platz für den Radverkehr und gibt Tipps für das sichere Radfahren im Winter.

Mehr dazu
Foto: Sarah Duit

VCÖ-Studie: Mit steigender Anzahl der Zugverbindungen sinkt in den regionalen Zentren die Anzahl der Pkw

VCÖ (Wien, 22. November 2023) – Ein gutes Bahnangebot erspart vielen Haushalten auch in regionalen Zentren den Besitz eines Autos oder zumindest eines Zweitwagens, wie eine aktuelle VCÖ-Studie zeigt. In regionalen Zentren, wo es weniger als 50 Zughalte pro Tag gibt, kommen auf 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner 557 private Pkw, in den regionalen Zentren mit mehr als 100 Zughalte täglich sind es mit 491 deutlich weniger. Die Mobilitätsorganisation VCÖ fordert die Umsetzung einer flächendeckenden Mobilitätsgarantie bis zum Jahr 2030.

Mehr dazu
Foto: Sarah Duit