VCÖ: Niedrigere Tempolimits können jährliche Spritkosten um über 500 Millionen Euro reduzieren

VCÖ fordert Maßnahmenpaket zur Verringerung des Spritverbrauchs in Österreich

Foto: Zapfhahn, welcher ein Diesel-Auto betankt.

VCÖ (Wien, 13. April 2026) – Laut Umweltbundesamt reduzieren Tempolimit 100 auf Autobahnen und Schnellstraßen sowie Tempolimit 80 auf Freilandstraßen den jährlichen CO2-Ausstoß des Verkehrs um 675.000 Tonnen. Das entspricht einer Verringerung des Spritverbrauchs um rund 270 Millionen Liter und reduziert bei aktuellen Spritpreisen die jährlichen Spritkosten um über 500 Millionen Euro, verdeutlicht die Mobilitätsorganisation VCÖ. Um Österreich unabhängiger von Erdöl zu machen, braucht es rasch ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Reduktion des Spritverbrauchs, betont der VCÖ.

„Wenn das Angebot an Erdöl knapper wird und deshalb der Preis steigt, ist es Aufgabe der Politik, Maßnahmen zu setzen, damit der Verbrauch sinkt“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Niedrigere Tempolimits sind in der Verkehrswissenschaft als sinnvoll anerkannt, kosten wenig, bringen viel, wirken rasch, sind in vielen EU-Ländern praxiserprobt und retten zudem Menschenleben. Darüber hinaus braucht es ein umfassendes Maßnahmenpaket, etwa mit einer Bewusstseinskampagne für spritsparendes Fahren, mit Anreizen zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel und Fahrrad, mit Initiativen von Unternehmen, die ihre Beschäftigten unterstützen mit Öffi-Jobtickets, Leasingräder oder Apps zur Bildung von Fahrgemeinschaften, mittelfristigen Maßnahmen, wie mehr Bus- und Bahnverbindungen und mehr Radwegen. Wichtig sind zudem Maßnahmen beim Lkw-Verkehr, der für mehr als 40 Prozent von Österreichs Dieselverbrauch verantwortlich ist. Für Lkw gilt Tempolimit 80 auf Autobahnen und Schnellstraßen, das aber kaum eingehalten wird. Hier braucht es umgehend stärkere Kontrollen und nach Schweizer Vorbild die Reduktion der Toleranzgrenze beim Überschreiten von Tempolimits.

Dass niedrigere Tempolimits den Spritverbrauch reduzieren, ist unbestritten. Das Umweltbundesamt hat im Sachstandsbericht Mobilität im Jahr 2024 die Wirkung niedrigerer Tempolimits dargestellt. Tempolimit 120 auf Autobahnen und Tempolimit 90 auf Freilandstraßen reduziert den jährlichen Spritverbrauch um fast 110 Millionen Liter und reduziert damit bei aktuellen Spritpreisen die jährlichen Spritkosten in Summe um rund 200 Millionen Euro, informiert der VCÖ. Mit Tempolimit 100 auf Autobahnen und Tempolimit 80 auf Freilandstraßen wird die Wirkung mehr als verdoppelt: der jährliche Spritverbrauch sinkt um rund 270 Millionen Liter und Autofahrerinnen und Autofahrer sparen sich bei aktuellen Spritpreisen in Summe mehr als 500 Millionen Euro, also sehr viel Geld.

„Bei niedrigeren Tempolimits fahren alle langsamer, während bei freiwilliger Temporeduktion, jene, die langsamer fahren immer wieder auch von Dränglern bedrängt werden und gefährliche Überholvorgänge entstehen“, weist VCÖ-Experte Michael Schwendinger auf einen weiteren Aspekt hin. Darüber hinaus bringen niedrigere Tempolimits zusätzliche Vorteile: Der Verkehrsfluss wird gleichmäßiger, es gibt weniger Staus. Zudem führen niedrigere Tempolimits zu mehr Sicherheit. Die folgende Reduktion von Unfällen verringert Staus, reduziert die Zahl Schwerverletzter und rettet Menschenleben. Auch die Lärmbelastung für Anrainerinnen und Anrainer geht zurück.

„Angesichts der Sperre der Straße von Hormus sind Maßnahmen zur Verringerung des Spritverbrauchs essentiell. Je früher wir beginnen, umso länger ist die Versorgungssicherheit garantiert“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger abschließend fest.

Umweltbundesamt, Sachstand Mobilität 2024 https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/rep0928.pdf  

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Klimaschädliche Schlupflöcher im internationalen Flugverkehr schließen

Der Flugverkehr hat heuer massiv zugenommen und damit auch dessen klimaschädlichen Emissionen. Mit rund 900.000 Tonnen verursachte der Flugverkehr in Österreich im 1.Halbjahr 2022 um mehr als doppelt so viele Treibhausgase wie im 1. Halbjahr 2021. Der Treibhausgas-Ausstoß liegt aber unter dem Vor-Corona-Niveau. Um den Flugverkehr langfristig klimaverträglich zu gestalten reichen alternative Kraftstoffe nicht aus. Es braucht auch Maßnahmen, die Flugverkehr vermeiden und insbesondere dort wo möglich auf die Bahn verlagern.
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Foto: Spencer Imbrock, unsplash

VCÖ: Große Unterschiede beim Spritverbrauch zwischen den Bundesländern

VCÖ (Wien, 7. Oktober 2022) – Der Spritverbrauch der privaten Haushalte weist zwischen den Bundesländern große Unterschiede auf, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Nach Wien ist der Spritverbrauch der Haushalte in Vorarlberg und Tirol am niedrigsten. Je niedriger der Spritverbrauch, umso geringer auch der Ausstoß von klimaschädlichem CO2. Gemeinsam ist allen Bundesländern, dass der Verbrauch der Diesel-Pkw in den vergangenen 20 Jahren kaum gesunken ist. Ein gutes öffentliches Verkehrsangebot, ein dichtes Netz an Geh- und Radwegen sowie die Stärkung der Ortskerne sparen den Haushalten Geld und vermeiden CO2, betont der VCÖ.

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Foto: Sarah Duit