VCÖ: Österreich hat bereits 129.600 Kilometer Straßen – Bodenschutz muss Priorität bekommen

VCÖ fordert ein Straßenbaumoratorium, eine Versiegelungsabgabe und einen Stopp der Zersiedelung

Foto: Autobahn, auf welcher einige Pkw und Lkw fahren

VCÖ (Wien, 11. August 2026) – Österreichs Lebensmittelversorgung ist durch Klimawandel und Bodenversiegelung bedroht, warnte gestern die Hagelversicherung. Die Mobilitätsorganisation VCÖ fordert als Konsequenz den verstärkten Schutz von Österreichs Böden vor einer weiteren Verbauung durch zusätzliche Straßen oder Parkplätze. In Österreich sind bereits fast 3.000 Quadratkilometer Böden versiegelt, allein der Verkehr ist für 42 Prozent der Versiegelung verantwortlich, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der ÖROK zeigt. In den vergangenen drei Jahren wurde im Schnitt jeden Tag die Fläche eines großen Fußballfelds für den Straßenverkehr verbaut, verdeutlicht der VCÖ.

„Ein Weiter wie bisher hinterlässt verbrannte Erde und gewaltige Schäden. Es braucht rasches politisches Handeln, ein Umlenken hin zum Schutz der Böden vor weiterer Versiegelung, etwa durch Straßen, Zersiedelung und Parkplätze“, fordert VCÖ-Experte Michael Schwendinger Konsequenzen aus den gestern von der Hagelversicherung präsentierten dramatischen Zahlen. Schon jetzt belaufen sich die Schäden allein für die Landwirtschaft durch die Hitze und Dürre auf eine Milliarde Euro. Und besonders besorgniserregend: Die Lebensmittelversorgung Österreichs ist bedroht.

Der VCÖ weist darauf hin, dass allein für den Verkehr 1.726 Quadratkilometer versiegelt sind, das entspricht zwei Drittel der gesamten Fläche Vorarlbergs. 91 Prozent der versiegelten Verkehrsflächen sind Straßen und Parkplätze. Der Schienenverkehr benötigt nur sieben Prozent der Flächen, obwohl er 18 Prozent der Personenverkehrsleistung und 27 Prozent der Güterverkehrsleistung erbringt. Beim gesamten Flächenverbrauch des Schienenverkehrs sind 50 Prozent versiegelt, beim Straßenverkehr hingegen 74 Prozent.

Bereits 129.600 Kilometer Straßen gibt es in Österreich, das entspricht der Distanz von dreimal um die Erde, verdeutlicht der VCÖ. „In den vergangenen drei Jahren kamen weitere 871 Hektar Straßen und Parkplätze dazu, damit wurde im Schnitt jeden Tag die Fläche eines großen Fußballfeldes für den Straßenverkehr verbaut“, macht VCÖ-Experte Michael Schwendinger aufmerksam. Allein die Lobauautobahn würde weitere 131 Hektar an wertvollen landwirtschaftlichen Flächen zerstören und zusätzlich eine Gefahr für den Wasserhaushalt des sensiblen Au-Gebiets darstellen.

„Gerade im Verkehr liegen zahlreiche bessere Lösungen als der Bau neuer Straßen am Tisch. Der Öffentliche Verkehr kann viele Menschen transportieren und benötigt dafür wenig Fläche. Wenn durch Fahrgemeinschaften künftig im Schnitt zwei Personen im Auto sitzen, dann reduziert das die Zahl der Autos auf der Straße im Vergleich zu heute um rund 40 Prozent. Und das sind nur zwei Beispiele neben weiteren möglichen Maßnahmen“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Die Klimawissenschaft ist sehr deutlich: Der heurige Sommer ist keine Ausnahme. Mit der weiteren Zunahme der Treibhausgase in der Atmosphäre werden auch Extremwetterereignisse, wie Hitze, Dürre, Stürme und Starkregen, zunehmen. Der VCÖ fordert daher ein Straßenbaumoratorium und stattdessen die Umsetzung von Maßnahmen für eine effizientere, platz- und energiesparende sowie klimaverträgliche Mobilität.

Zudem ist die Zersiedelung zu stoppen und stattdessen sind die Ortskerne zu stärken und zu beleben. Die Gemeinden und Städte sind zudem bei ihren Maßnahmen zur Entsiegelung und Begrünung stärker zu unterstützen. Der VCÖ fordert dafür einen bundesweiten Fonds, der aus einer Versiegelungsabgabe gespeist werden soll. Für versiegelte Flächen, wie beispielsweise Parkplätze, ist je nach Größe eine Abgabe zu entrichten.

Quellen & Daten

VCÖ: Österreichs Straßennetz ist bereits 129.600 Kilometer lang!

  • Niederösterreich: 36.305 Kilometer
  • Steiermark: 24.643 Kilometer
  • Oberösterreich: 20.824 Kilometer
  • Tirol: 11.883 Kilometer
  • Kärnten: 11.868 Kilometer
  • Salzburg: 9.204 Kilometer   
  • Burgenland: 9.124 Kilometer
  • Vorarlberg: 2.913 Kilometer
  • Wien: 2.855 Kilometer
  • Österreich: 129.619 Kilometer

Quelle: BMIMI, VCÖ 2026

Zurück zur Übersicht

Schwere E-Lkw sind praxistauglich – brauchen aber attraktivere Rahmenbedingungen

Der Trend geht auch im Straßengüterverkehr klar zum Elektromotor. Zahlreiche Unternehmen zeigen, dass schwere E-Lkw längst praxistauglich sind. Österreich liegt bei der Elektrifizierung schwerer Lkw derzeit im europäischen Vergleich unter den Top 10 mit 8,2 Prozent Anteil von E-Lkws an allen neuzugelassenen Lkw über 3,5 Tonnen. Spitzenreiter Island war kommt auf 30,5 Prozent, die Schweiz auf 26,3. Das Budget für Förderungen bleibt in Österreich jedoch absehbar knapp, der Kreis der Anspruchsberechtigten wird eingeschränkt. Was also tun, den Umstieg effektiv und trotz Budgetkrise zu unterstützen?

Mehr dazu
Foto: Spencer Imbrock, unsplash

VCÖ-Radfahrumfrage: Österreichs Gemeinden und Städte haben punkto Radfahrfreundlichkeit noch aufzuholen

VCÖ (Wien, 3. Juli 2026) – Zeugnisverteilung für Österreichs Gemeinden für ihre Radfahrfreundlichkeit: Mehr als 5.400 Radfahrerinnen und Radfahrer haben bei der VCÖ-Radfahrumfrage insgesamt 1.005 Gemeinden und Städte nach 21 Kriterien bewertet. Sieben von zehn gaben an, dass wichtige Ziele im Ort gut mit dem Fahrrad erreichbar sind. Verbesserungsbedarf wird vor allem bei der Verkehrssicherheit fürs Radfahren und bei der Rad-Infrastruktur gesehen. Dem Radverkehr ist in den Gemeinden und Städten mehr Platz zu geben. Und mehr Tempo 30 statt 50 erhöht die Sicherheit beim Radfahren für alle Altersgruppen, betont die Mobilitätsorganisation VCÖ.

Mehr dazu
Foto: Lächelnde Person auf Fahrrad. Im Hintergrund ist ein Markt zu sehen.