VCÖ: Österreich ist bei Verkehrsreduktion laut Fachleuten säumig

Fachleute sehen größte Wirkung, um Autoverkehr zu verringern, bei Ausbau des Öffentlichen Verkehrs und der Radinfrastruktur sowie in der Raumplanung

Foto:  Petra Bork/pixelio.de

VCÖ (Wien, 4. Februar 2026) – In Österreich werden zu wenige Maßnahmen gesetzt, um Verkehr zu vermeiden und zu reduzieren. Das ist ein zentrales Ergebnis einer nun veröffentlichten VCÖ-Fachpersonenbefragung, an der 435 Fachleute teilnahmen. Das größte Potenzial für Verkehrsvermeidung wird bei Arbeitswegen gesehen. Die Hauptverantwortung für die Umsetzung von Maßnahmen sehen die Expertinnen und Experten eindeutig bei der Politik, sowohl auf Bundes- und Landesebene als auch auf Stadt- und Gemeindeebene. Als besonders wirksam, um den Autoverkehr zu verringern, wird der Ausbau des Öffentlichen Verkehrs und Maßnahmen in der Raumplanung bewertet. Bei selbstfahrenden Fahrzeugen wird nur dann ein Potenzial zur Verkehrsreduktion gesehen, wenn diese auf den Öffentlichen Verkehr beschränkt werden. Bei selbstfahrenden Privatautos rechnet mehr als die Hälfte der Fachleute mit einer Zunahme des Verkehrsaufkommens.  

„Zu viel Autoverkehr macht niemandem eine Freude: Anrainerinnen und Anrainer werden durch Abgase und Lärm belastet, Autofahrerinnen und Autofahrer stehen öfter im Stau und die Umwelt wird stärker verschmutzt. Umgekehrt profitieren viele, wenn es gelingt, den Verkehr zu verringern. Die Luft wird sauberer und gesünder, weniger Lärm bringt mehr Lebensqualität und bei weniger Staus kommen jene, die aufs Auto angewiesen sind, schneller ans Ziel“, stellt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky fest.

Die Mobilitätsorganisation VCÖ hat nun in einer umfassenden Befragung unter Fachleuten erhoben, welches Potenzial die Verkehrsvermeidung zur Reduktion von Verkehrsproblemen hat und welche Maßnahmen besonders wirksam sind. An der VCÖ-Fachpersonenbefragung haben 435 Fachleute aus 382 Organisationen beziehungsweise Fachabteilungen online teilgenommen.

Drei Viertel der Fachleute sagen, dass in Österreich zu wenige Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung gesetzt werden. Dabei würde Verkehrsvermeidung vielfache Vorteile bringen. Den größten Vorteil sehen die Expertinnen und Experten in der Reduktion der Schadstoff- und Lärmbelastung sowie der CO2-Emissionen, gefolgt von der Attraktivierung von Ortskernen und Stadtzentren und der Reduktion des Energieverbrauchs.

Die größten Potenziale werden bei der VCÖ-Fachpersonenbefragung bei jenen Wegen gesehen, die regelmäßig zurückgelegt werden: Am Arbeitsweg sowie bei Schul- und Ausbildungswegen. Die Mehrheit der Fachleute sieht auch bei dienstlichen Fahrten und im Freizeitverkehr sehr großes oder eher großes Potenzial, um den Verkehr zu verringern. Am geringsten wird das Potenzial bei Hol- und Bringdiensten sowie bei Einkaufsfahrten gesehen.

Konsens unter den Fachleuten gibt es beim Ausbau des Öffentlichen Verkehrs als wirksamste Maßnahme, um den Autoverkehr zu reduzieren. 82 Prozent sehen im Öffi-Ausbau ein sehr großes Potenzial, weitere 15 Prozent ein eher großes Potenzial. Im Ausbau der Infrastruktur für Gehen und Radfahren sehen bei der VCÖ-Fachpersonenbefragung 75 Prozent ein sehr großes Potenzial zur Reduktion von Autofahrten und weitere 19 Prozent ein eher großes Potenzial. Und die große Mehrheit der Expertinnen und Experten – nämlich 72 Prozent – weist auf das sehr große Potenzial einer Raumplanung der kurzen Wege hin. Rund zwei Drittel sehen sehr großes Potenzial für weniger Autoverkehr durch eine bessere Nahversorgung, durch strengere Vorschriften bei der Umwidmung von Grünland in Bauland, durch eine Reform der Stellplatzverordnung und die Reduktion von Parkplätzen sowie durch eine Reform der Pendelpauschale.

Der VCÖ hat auch gefragt, woran derzeit Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung scheitern. 70 Prozent sehen fehlenden politischen Willen und unzureichende gesetzliche Rahmenbedingungen als sehr großes Hindernis für Verkehrsvermeidung, 57 Prozent den Widerstand wirtschaftlicher Interessen und 56 Prozent die Umsetzung kontraproduktiver Maßnahmen, die zu mehr Verkehr führen. Dazu zählen unter anderem der Bau neuer Autobahnen, Zersiedelung und klimaschädliche Förderungen, wie die Steuerbegünstigung für Diesel und für die private Nutzung von Dienstwagen. Die Hauptverantwortung, Maßnahmen zu setzen, sehen die Fachleute bei der Politik. Bei der Bundespolitik sehen 78 Prozent der Expertinnen und Experten sehr hohe Verantwortung, bei Städten und Gemeinden 76 Prozent und bei den Bundesländern 74 Prozent. Am geringsten wird die Verantwortung bei Freizeiteinrichtungen gesehen.

Bei selbstfahrenden Fahrzeugen warnen die Fachleute vor zu viel Hoffnung und Euphorie, wenn es um die Lösung von Verkehrsproblemen geht. Nur 13 Prozent rechnen mit weniger Verkehr, während 57 Prozent mehr Verkehr erwarten und weitere 30 Prozent keine Änderung beim Verkehrsaufkommen. Würde der Einsatz selbstfahrender Fahrzeuge vor allem auf den Öffentlichen Verkehr beschränkt werden, gehen 41 Prozent der Fachleute von einer Verkehrsreduktion aus, während elf Prozent eine Verkehrszunahme erwarten.

Daten zur VCÖ-Fachpersonenbefragung:
An der Online-Umfrage von September bis November 2025 haben 435 Fachleute aus 382 Organisationen und Abteilungen aus den Bereichen Forschung, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Interessenvertretungen und Zivilgesellschaft teilgenommen. Die VCÖ-Fachpersonenbefragung wurde im Rahmen des Forschungsprojekts Connect4SmartMoves durchgeführt. Connect4SmartMoves ist ein gemeinsames Projekt von VCÖ und dem Verein CLIMEET und wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG gefördert.

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