VCÖ-Radfahrumfrage: Österreichs Gemeinden und Städte haben punkto Radfahrfreundlichkeit noch aufzuholen

VCÖ fordert Maßnahmen zur Verbesserung der Bedingungen zum Radfahren in den Gemeinden und Städten

Foto: Lächelnde Person auf Fahrrad. Im Hintergrund ist ein Markt zu sehen.

VCÖ (Wien, 3. Juli 2026) – Zeugnisverteilung für Österreichs Gemeinden für ihre Radfahrfreundlichkeit: Mehr als 5.400 Radfahrerinnen und Radfahrer haben bei der VCÖ-Radfahrumfrage insgesamt 1.005 Gemeinden und Städte nach 21 Kriterien bewertet. Sieben von zehn gaben an, dass wichtige Ziele im Ort gut mit dem Fahrrad erreichbar sind. Verbesserungsbedarf wird vor allem bei der Verkehrssicherheit fürs Radfahren und bei der Rad-Infrastruktur gesehen. Dem Radverkehr ist in den Gemeinden und Städten mehr Platz zu geben. Und mehr Tempo 30 statt 50 erhöht die Sicherheit beim Radfahren für alle Altersgruppen, betont die Mobilitätsorganisation VCÖ.

„Das Fahrrad ist ein ideales Verkehrsmittel für Erledigungen in der Gemeinde oder in der Stadt. Radfahren ist kostengünstig, gesund, umweltfreundlich, verursacht keine Abgase, keinen Lärm und benötigt wenig Platz. Wie häufig die Bevölkerung mit dem Rad mobil ist, hängt davon ab, wie radfahrfreundlich eine Gemeinde oder eine Stadt ist“, stellt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk fest.

Bei der Radfahrfreundlichkeit haben viele Gemeinden und Städte noch großen Aufholbedarf. Das ist ein Ergebnis der VCÖ-Radfahrumfrage, bei der im Mai und Juni insgesamt mehr als 5.400 Radfahrerinnen und Radfahrer insgesamt 1.005 Gemeinden und Städte nach 21 Kriterien bewertet haben. Es konnten auch zwei Orte bewertet werden, zum Beispiel Wohnort und Arbeitsort. Insgesamt flossen rund 6.200 Bewertungen in das Ergebnis der VCÖ-Radfahrumfrage ein.

Wie schaut das Zeugnis im Detail aus? Die beste Note gibt es bei der VCÖ-Radfahrumfrage für die Erreichbarkeit der Alltagsziele mit dem Fahrrad. 71 Prozent sagen, die wichtigen Ziele im Ort sind sehr gut oder gut mit dem Fahrrad erreichbar. Auch mit der Öffnung der Einbahnen für den Radverkehr in beide Richtungen ist mit 54 Prozent die Mehrheit zufrieden. 48 Prozent bewerten den Zustand der Radwege in ihrer Gemeinde als gut beziehungsweise sehr gut, 52 Prozent aber als schlecht beziehungsweise sehr schlecht. Für 47 Prozent ist die Erreichbarkeit der Haltestellen oder Bahnhöfe im Ort mit dem Fahrrad gut, für 53 Prozent überwiegt der diesbezügliche Verbesserungsbedarf. 58 Prozent wollen mehr Radabstellplätze im Ort, etwa bei Geschäften oder Freizeiteinrichtungen. Ebenso viele beklagen die ungenügende Räumung der Radwege im Winter.

Sehr großen Aufholbedarf gibt es vielerorts bei der Verkehrssicherheit fürs Radfahren. Nur 38 Prozent erleben das Radfahren im Ort als sicher, nur 34 Prozent bewerten die Kreuzungen in der Gemeinde bzw. Stadt als übersichtlich. Jeweils 67 Prozent der Radfahrerinnen und Radfahrer erleben zu hohes Tempo des Kfz-Verkehrs und mangelnden Sicherheitsabstand durch überholenden Kfz-Verkehr als Problem. Ein Risiko durch Dooring (Gefährdung beim Radfahren durch öffnende Autotüren von geparkten Fahrzeugen) sehen 64 Prozent in dem von ihnen bewerteten Ort. Insgesamt bewerten nur 20 Prozent das Radfahren in ihrem Ort für Kinder als sicher oder sehr sicher.

„Kinder sind ein guter Indikator für die Sicherheit beim Radfahren in einem Ort. Dort, wo viele Kinder mit dem Rad unterwegs sind, sind die Bedingungen fürs Radfahren gut und sicher. Wo wenig Kinder und Familien Radfahren, ist das ein Indiz, dass die Gemeinde beziehungsweise Stadt in Bezug auf die Radfahrfreundlichkeit Aufholbedarf hat“, erklärt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Einen großen Einfluss auf die Sicherheit fürs Radfahren haben die Infrastruktur und das Tempolimit im Ort. Nur 37 Prozent bewerten die Rad-Infrastruktur in der Gemeinde als gut und sicher. Nur 31 Prozent sagen, dass in ihrem Ort auf jenen Straßen, wo es keine baulich getrennten Radwege gibt, maximal Tempo 30 gilt. Das heißt, in vielen Orten müssen Radfahrerinnen und Radfahrer auf Straßen fahren, wo ein höheres Tempolimit gilt, was von vielen als unangenehm und unsicher erlebt wird. 72 Prozent wünschen mehr Platz zum Radfahren in ihrem Ort.

„Tempo 30 statt 50 ist in Zeiten knapper Budgets eine sehr kostengünstige Maßnahme, um das Radfahren für alle Altersgruppen sicherer und angenehmer zu machen. Darüber hinaus sind Straßensanierungen zu nutzen, um die Infrastruktur für den Radverkehr gleich mitzudenken und mitzuerrichten“, empfiehlt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Ein Faktor für die Entscheidung, ob eine kürzere Strecke mit dem Rad gefahren wird, ist auch die Fahrzeit. Die Wegeführung der Radrouten sowie die Ampelschaltung beeinflussen die Fahrzeit mit dem Rad. Nur 35 Prozent bewerteten bei der VCÖ-Radfahrumfrage die Radrouten im Ort als direkt, nur 34 Prozent sagten, dass es in ihrer Stadt bei Ampeln Grünpfeile gibt, die dem Radverkehr bei Rot das Rechtsabbiegen oder bei T-Kreuzungen das Geradeausfahren bei Ampeln erlauben.

Der VCÖ übermittelt den beurteilten Gemeinden und Städten die Ergebnisse. Dank der Rückmeldungen können die Gemeinden und Städte prüfen, welche Verbesserungen umgesetzt werden können.

Ergebnisse VCÖ-Radfahrumfrage

VCÖ: Das Zeugnis von Radfahrerinnen und Radfahrern für das Radfahren in Österreichs Gemeinden und Städten
(Durchschnittsnote - in Klammer Anteil Summe (sehr) zufrieden / (sehr) unzufrieden bzw. stimme (sehr) zu / stimme (überhaupt) nicht zu)

  • Wichtige Ziele im Ort sind gut mit dem Fahrrad erreichbar: 2,0 (71 Prozent / 29 Prozent)
  • Wo sinnvoll sind Einbahnen für Radverkehr geöffnet: 2,2 (63 Prozent / 37 Prozent)
  • Radwege sind ausreichend beleuchtet: 2,5 (54 Prozent / 46 Prozent)
  • Wegweiser fürs Radfahren sind gut sichtbar und verständlich: 2,6 (45 Prozent / 55 Prozent)
  • Radwege sind generell in einem guten Zustand: 2,6 (48 Prozent / 52 Prozent)
  • Bahnhof / Haltestelle ist gut mit Rad erreichbar, und es gibt ausreichend Radabstellplätze: 2,6 (47 Prozent / 53 Prozent)
  • Es gibt genügend sichere Radabstellplätze (bei Geschäften usw.): 2,7 (42 Prozent / 58 Prozent)
  • Radwege sind im Winter zuverlässig geräumt: 2,7 (42 Prozent / 58 Prozent)
  • Ich erlebe das Radfahren in diesem Ort als sicher: 2,7 (38 Prozent / 62 Prozent)
  • Der Ort hat insgesamt eine sehr gute und sichere Rad-Infrastruktur: 2,7 (37 Prozent / 63 Prozent)
  • Große Teile des Orts sind Tempo-30-Zonen: 2,8 (36 Prozent / 64 Prozent)
  • Die Wegeführung der Radrouten ist möglichst direkt und lückenlos: 2,8 (35 Prozent / 65 Prozent)
  • Kreuzungen und Einmündungen sind übersichtlich und sicher: 2,8 (34 Prozent / 66 Prozent)
  • Im Ort gibt es Grünpfeile für den Radverkehr, die das Rechtsabbiegen bei Rot ermöglichen: 2,9 (34 Prozent / 66 Prozent)
  • Zu hohes Tempo des Kfz-Verkehrs ist in diesem Ort kein Problem: 2,9 (33 Prozent / 67 Prozent)
  • Radfahrende müssen meist nicht im Bereich von parkenden Autos fahren (Dooring-Gefahr): 3,0 (36 Prozent / 64 Prozent)
  • Wo es im Ort keine baulich getrennten Radwege gibt, gilt meist maximal Tempo 30: 3,0 (31 Prozent / 69 Prozent)
  • Im Ort wird dem Radverkehr ausreichend Platz eingeräumt: 3,0 (28 Prozent / 72 Prozent)
  • Wenn es Ampeln gibt, sind diese radfahrfreundlich geschaltet: 3,0 (26 Prozent / 74 Prozent)
  • Kfz überholen mit ausreichend Sicherheitsabstand: 3,1 (24 Prozent / 76 Prozent)
  • Aus meiner Sicht ist im Ort Radfahren für Kinder gut und sicher möglich: 3,2 (20 Prozent / 80 Prozent)
  • Gesamteindruck: 2,8 (35 Prozent / 65 Prozent)

Quelle: VCÖ-Radfahrumfrage 2026

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