VCÖ: Schere zwischen Stadt und Land geht beim Autobesitz weiter auseinander

VCÖ: Auch in den Regionen mehr Freiheit in der Verkehrsmittelwahl schaffen!

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VCÖ (Wien, 8. Oktober 2026) – Die Unterschiede zwischen Stadt und Land werden beim Autobesitz immer größer, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Während in Wien in zehn Bezirken die Zahl der Autos zurückging, nahm in 29 Bezirken trotz Bevölkerungsrückgangs die Zahl der Autos zu. Die aktuelle Treibstoffkrise zeigt einmal mehr, dass Autoabhängigkeit die Mobilitätskosten in die Höhe treibt. Eine Ursache für die Autoabhängigkeit ist die Zersiedelung. Um die Bevölkerung nachhaltig zu entlasten, sind die Ortskerne zu stärken und das Mobilitätsangebot in den Regionen zu verbessern, von mehr Busverbindungen über Mikro-ÖV-Angebote bis hin zu Carsharing und verbesserter Radinfrastruktur, betont der VCÖ.

„Die Daten zeigen eines sehr deutlich: Die Unterschiede zwischen Stadt und Land nehmen beim Autobesitz weiter zu“, fasst VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zusammen. Einerseits gibt es mittlerweile sechs (Wiener) Bezirke mit weniger als 300 Pkw pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner, andererseits weisen bereits 22 Bezirke mehr als 700 Autos pro 1.000 Personen auf. Während in Innsbruck und neun Wiener Bezirken die Anzahl der Pkw pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner gesunken und in Graz gleichgeblieben ist, nahm die Pkw-Dichte in allen anderen Bezirken zu. In zehn Wiener Bezirken nahm die Zahl der Autos auch absolut ab, in 29 Bezirken Österreichs stieg die Zahl der Autos hingegen trotz eines Bevölkerungsrückgangs, so ein weiteres Ergebnis der VCÖ-Analyse.

Laut Statistik Austria hatten im Vorjahr österreichweit 27 Prozent der Haushalte zwei oder mehr Autos, in dünner besiedelten Regionen sogar 41 Prozent. Eine VCÖ-Analyse auf Basis der Konsumerhebung der Statistik Austria zeigt, dass die gesamten monatlichen Verkehrsausgaben von Haushalten mit zwei Autos mit durchschnittlich 930 Euro um rund 390 Euro beziehungsweise um 72 Prozent höher waren als von Haushalten mit einem Auto.

Österreichs Bezirk mit den wenigsten Autos im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ist Wien-Margareten. Im fünften Wiener Gemeindebezirk kommen auf 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner 258 Pkw, während es im Bezirk Waidhofen/Thaya mit 787 dreimal so viele sind - so viele wie in keinem anderen Bezirk. „Während früher ein hoher Motorisierungsgrad ein Zeichen von Wohlstand war, ist es heute ein Ausdruck von Autoabhängigkeit, ein Indiz für einen Mangel an Arbeitsplätzen, an Nahversorgung und an öffentlichen Verkehrsverbindungen. Wer an solchen Orten kein Auto lenken kann, ist in der Mobilität stark eingeschränkt beziehungsweise von anderen abhängig“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Aber auch in den Regionen ist mehr Freiheit in der Verkehrsmittelwahl möglich. Linienbusse können durch nachfrageorientierte Shuttle-Busse, sogenannten Mikro-ÖV, ergänzt werden, wie etwa das Tennengau- und Lungau-Shuttle in Salzburg zeigen. Auch in den Regionen sind viele Alltagswege in Radfahrdistanz. Damit kürzere Distanzen mit dem Rad gefahren werden, ist eine gute und sichere Radinfrastruktur wichtig. „Wenn die einzige Verbindung zwischen einer Siedlung und dem nächstgelegenen Ortsgebiet eine Freilandstraße ist, wo Autos mit 100 km/h fahren, ist es verständlich, dass auch kurze Strecken mit dem Auto gefahren werden“, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk die Bedeutung von sicheren Radwegen.

Auch regionale Carsharing-Angebote und Initiativen für Fahrgemeinschaften sind günstigere Alternativen als ein Zweit- oder Drittauto. Einen zentralen Einfluss auf die Mobilität hat zudem die Raumordnungspolitik der Gemeinde. Zersiedelung macht vom Auto abhängig, während die Stärkung der Ortskerne mit einer zentrumsnahen Siedlungsentwicklung es der Bevölkerung ermöglicht, mehr Alltagswege zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen.

Quelle & Daten

VCÖ: Österreichs 30 Bezirke und Städte mit dem niedrigsten Pkw-Motorisierungsgrad
(Anzahl Pkw (inkl. betriebliche Pkw) pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Jahr 2025 - in Klammer Jahr 2024)

  1. Wien-Margareten: 258 Pkw (258)
  2. Wien-Brigittenau: 266 Pkw (270)
  3. Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus: 267 Pkw (268)
  4. Wien-Neubau: 283 Pkw (288)
  5. Wien-Josefstadt: 285 Pkw (289)
  6. Wien-Leopoldstadt: 299 Pkw (300)
  7. Wien-Mariahilf: 304 Pkw (306)
  8. Wien-Alsergrund: 306 Pkw (308)
  9. Wien-Hernals: 306 Pkw (306)
  10. Wien-Ottakring: 318 Pkw (315)
  11. Wien-Favoriten: 321 Pkw (320)
  12. Wien-Wieden: 339 Pkw (344)
  13. Wien-Währing: 341 Pkw (341)
  14. Wien-Penzing: 357 Pkw (356)
  15. Wien-Meidling: 361 Pkw (360)
  16. Wien-Simmering: 362 Pkw (360)
  17. Wien-Landstraße: 368 Pkw (365)
  18. Wien-Floridsdorf: 372 Pkw (372)
  19. Wien-Donaustadt: 392 Pkw (398)
  20. Wien-Döbling: 409 Pkw (408)
  21. Innsbruck: 431 Pkw (432)
  22. Wien-Hietzing: 434 Pkw (434)
  23. Graz: 468 Pkw (467)
  24. Linz: 503 Pkw (502)
  25. Stadt Salzburg: 516 Pkw (515)
  26. Bezirk Dornbirn: 531 Pkw (526)
  27. Wien-Liesing: 538 Pkw (525)
  28. Bezirk Bregenz: 545 Pkw (542)
  29. Bezirk Innsbruck-Land: 554 Pkw (551)
  30. Bezirk Feldkirch: 558 Pkw (553)
    Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2026

 

VCÖ: Die 30 Bezirke mit dem höchsten Pkw-Motorisierungsgrad
(Pkw pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Jahr 2025, in Klammer Jahr 2024) (Ohne Wien-Innere Stadt, weil dort viele Pkw von öffentlichen Stellen und Unternehmen angemeldet sind)

  1. Bezirk Waidhofen an der Thaya: 787 Pkw (775)
  2. Bezirk Zwettl: 760 Pkw (748)
  3. Horn: 747 Pkw (736)
  4. Bezirk Gmünd: 743 Pkw (736)
  5. Bezirk Güssing: 743 Pkw (734)
  6. Bezirk Jennersdorf: 740 Pkw (728)
  7. Bezirk Hartberg-Fürstenfeld: 737 Pkw (726)
  8.  Bezirk Südoststeiermark: 736 Pkw (727)
  9. Bezirk Völkermarkt: 722 Pkw (714)
  10. Bezirk Oberpullendorf: 717 Pkw (705)
  11. Bezirk Oberwart: 714 Pkw (705)
  12. Bezirk Mistelbach: 714 Pkw (705)
  13. Bezirk Weiz: 714 Pkw (710)
  14. Bezirk Krems-Land: 713 Pkw (705)
  15. Bezirk Wolfsberg: 712 Pkw (708)
  16. Bezirk Deutschlandsberg: 709 Pkw (703)
  17. Bezirk Wels-Land: 708 Pkw (699)
  18. Bezirk Eferding: 708 Pkw (702)
  19. Eisenstadt (inkl. Rust): 707 Pkw (696)
  20. Bezirk Leibnitz: 702 Pkw (692)
  21. Bezirk Grieskirchen: 701 Pkw (696)
  22. Bezirk Hollabrunn: 701 Pkw (691)
  23. Bezirk Rohrbach: 700 Pkw (690)
  24. Bezirk Ried: 699 Pkw (692)
  25. Bezirk Klagenfurt-Land: 698 Pkw (690)
  26. Bezirk Voitsberg: 696 Pkw (689)
  27. Bezirk Murau: 693 Pkw (680)
  28. Bezirk Melk: 690 Pkw (683)
  29. Bezirk Schärding: 690 Pkw (680)
  30. Bezirk Wr. Neustadt-Land: 690 Pkw (681)
    Quelle: Statistik Austria, Land Steiermark, VCÖ 2026

 

VCÖ: In neun Wiener Bezirken und in Innsbruck ging der Pkw-Motorisierungsgrad im Vorjahr zurück
(Anzahl Pkw pro 1.000 Einwohnenende im Jahr 2025 (in Klammer Änderung zu 2024))

  • Wien-Brigittenau: 266 Pkw (minus 4 Pkw pro 1.000 EW)
  • Wien-Neubau: 283 Pkw (minus 5 pro 1.000 EW)
  • Wien-Josefstadt: 285 Pkw (minus 4 pro 1.000 EW)
  • Wien-Leopoldstadt: 299 Pkw (minus 2 pro 1.000 EW)
  • Wien-Alsergrund: 306 Pkw (minus 2 pro 1.000 EW)
  • Wien-Mariahilf: 304 Pkw (minus 2 pro 1.000 EW)
  • Wien-Wieden: 339 Pkw (minus 5 pro 1.000 EW)
  • Wien-Floridsdorf: 372 Pkw (minus 1 pro 1.000 EW)
  • Wien-Donaustadt: 392 Pkw (minus 6 pro 1.000 EW)
  • Innsbruck: 431 Pkw pro 1.000 EW (minus 1 pro 1.000 EW)
    Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2026

 

VCÖ: In zehn Wiener Bezirken ist im Vorjahr die Anzahl der Pkw zurückgegangen
(Differenz Pkw-Bestand 31.12.2025 zu 31.12.2024)

  • Wien-Brigittenau: minus 409 Pkw
  • Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus: minus 155 Pkw
  • Wien-Wieden: minus 151 Pkw
  • Wien-Margareten: minus 132 Pkw
  • Wien-Neubau: minus 113 Pkw
  • Wien-Josefstadt: minus 80 Pkw
  • Wien-Mariahilf: minus 71 Pkw
  • Wien-Alsergrund: minus 37 Pkw
  • Wien-Währing: minus 32 Pkw
  • Wien-Ottakring: minus 25 Pkw
    Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2026
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Klimaneutrale Mobilität braucht Energie

Von Ulla Rasmussen VCÖ-Verkehrspolitik

Die Europäische Union soll im Jahr 2050 klimaneutral sein, Österreich schon im Jahr 2040. Das hat natürlich Signalwirkung für den Verkehrssektor, der weit davon entfernt ist, klimaneutral und unabhängig vom Erdöl zu sein. Einige Großstädte haben das Ziel zu ihrem gemacht. So will Kopenhagen schon im Jahr 2025 klimaneutral sein, Oslo und Zürich im Jahr 2030. Paris will bis zum Jahr 2024 die Mobilität ohne Diesel betreiben und bis 2030 auch ohne Benzin. Großstädte haben gute Voraussetzungen, um die klimaneutrale Mobilitätswende voranzutreiben. Die wachsende Anzahl an zu befördernden Menschen macht U-Bahn und Straßenbahn sowie aktive Mobilität unumgänglich. Es ist wegen des begrenzten Platzes schlicht unmöglich, auf Automobilität zu setzen, egal ob fossil angetrieben oder nicht. Was nicht vergessen werden darf: Klimaneutrale Mobilität braucht erneuerbare Energien. Auch für die städtische Mobilität ist der Ausbau der erneuerbaren Energiequellen notwendig. Die Erzeugung muss nicht in der Stadt sein, die Stadt soll sich aber darum kümmern.

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