VCÖ: Spritpreise in Österreich im EU-Vergleich am stärksten gestiegen

VCÖ: An den Steuern auf Sprit liegt es nicht, die sind in Österreich niedriger als im EU-Schnitt

VCÖ (Wien, 18. März 2022) – In keinem anderen EU-Land ist der Preis für Eurosuper seit Ende Februar so stark gestiegen wie in Österreich, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der EU-Kommission zeigt. Der Grund liegt nicht an den Steuern, da die meisten EU-Staaten keine Änderung bei der Spritbesteuerung vorgenommen haben. Zudem sind die Steuern auf Treibstoffe in Österreich niedriger als im EU-Schnitt. Der VCÖ fordert daher eine rasche Prüfung der Preisgestaltung. Es dürfe diese Krise nicht für Preistreiberei ausgenutzt werden. Zentral sind zudem verstärkte politische Maßnahmen, um den Verkehr aus der Erdölabhängigkeit zu befreien.  

Der Preisanstieg bei Eurosuper war seit Ende Februar in keinem EU-Land so hoch wie in Österreich, wie eine Analyse des VCÖ auf Basis von Daten der EU-Kommission zeigt. Mit 1,987 Euro kostete 1 Liter Eurosuper zu Wochenbeginn um 46 Cent mehr als zwei Wochen davor Ende Februar. Der Preisanstieg war in Österreich um sieben Cent höher als in Deutschland (plus 39 Cent), um 14 Cent höher als in Italien, um 19 Cent höher als in Frankreich und um 22 Cent höher als in Spanien und den Niederlanden, informiert der VCÖ.

Geringer fällt der Unterschied bei Diesel aus: Hier hat Österreich mit 50 Cent nach Deutschland (57 Cent) den zweithöchsten Preisanstieg in der EU, berichtet der VCÖ. Der Preisanstieg war in Österreich bei Diesel um fünf Cent höher als in Tschechien und Finnland, um sieben Cent höher als in den Niederlanden, um acht Cent höher als in Estland, um neun Cent höher als in Italien und um zehn Cent höher als in Polen und Frankreich.

„Diese und auch andere EU-Staaten haben so wie Österreich keine Änderungen bei der Besteuerung vorgenommen. Es ist nicht nachvollziehbar, warum hierzulande die Preise so viel stärker gestiegen sind. Umso mehr, als die Steuern auf Sprit in Österreich niedriger als im EU-Schnitt sind", macht VCÖ-Expertin Lina Mosshammer aufmerksam. Im EU-Schnitt sind Abgaben und Steuern bei Eurosuper mit Stand Mitte März um 12 Cent pro Liter höher als in Österreich, in Italien und Griechenland sogar um 30 Cent und in den Niederlanden um 40 Cent.

"Die Behörden, wie etwa die Bundeswettbewerbsbehörde, müssen die Preisgestaltung in Österreich genau unter die Lupe nehmen, insbesondere auch bei Eurosuper, ob hier im Windschatten des Anstiegs des Dieselpreises die Preisschraube noch zusätzlich nach oben gedreht wurde. Es wäre verwerflich, ausgerechnet in dieser Krise mit ihrer enormen Teuerung noch zusätzlich Preistreiberei auf Kosten der Bevölkerung und vieler Unternehmen zu machen“, stellt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer fest. Der deutsche Mineralölwirtschaftsverband hat zuletzt eingeräumt, dass „die Raffinerien derzeit deutlich mehr Geld verdienen als vorher" und „Knappheitspreise erzielen können, weil die Nachfrage das Angebot übersteigt“.

Darüber hinaus sieht der VCÖ die Politik gefordert, rasch Maßnahmen zu setzen, die die Erdölabhängigkeit des Verkehrs reduzieren. 80 Prozent von Österreichs Erdölimporten werden vom Verkehr verbrannt. Der hohe Verbrauch von Diesel und Benzin führt dazu, dass jedes Jahr Milliarden Euro ins Ausland fließen, Großteils in Staaten mit massiven Defiziten bei Demokratie und Menschenrechten. Im Jahr 2020 importierte Österreich zwei Drittel seines Erdöls aus Kasachstan, Irak, Russland und Saudi Arabien.

Der VCÖ sieht sowohl den Bund, als auch die Länder, Städte und Gemeinden gefordert, Maßnahmen zu setzen, die es ihrer Bevölkerung einfacher machen energiesparend mobil zu sein. Auf Bundesebene ist die im Regierungsprogramm verankerte Mobilitätsgarantie umzusetzen. Das öffentliche Verkehrsangebot ist sowohl in den Ballungsräumen als auch in den Regionen auszubauen. Neben häufigeren Verbindungen braucht es in den Regionen auch nachfrageorientierte Angebote, wie Anrufsammeltaxis und Gemeindebusse sowie Sharing-Angebote. „Dort, wo es gute Bahn- und Bus-Verbindungen gibt, können sich durch das Klimaticket Pendlerinnen und Pendler mit dem Umstieg vom Auto auf die Öffis quasi ein 15. Monatsgehalt verdienen“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Mosshammer. Zudem ist ein temporäres Tempolimit 100 statt 130 auf Autobahnen eine rasch umsetzbare Maßnahmen, die zudem keine Kosten verursacht, sondern im Gegenteil Kosten spart.

VCÖ: Preisanstieg bei Eurosuper war in Österreich im EU-Vergleich am höchsten (Preisanstieg pro Liter binnen 14 Tagen im Vergleich zum 28. Februar / in Klammer Preisanstieg bei Diesel)

Österreich: plus 46 Cent (plus 50 Cent)

Deutschland: plus 39 Cent (plus 57 Cent)

Italien: plus 32 Cent (plus 41 Cent)

Tschechien: plus 30 Cent (plus 45 Cent)

Lettland: plus 28 Cent (plus 34 Cent)

Frankreich: plus 27 Cent (plus 40 Cent)

Finnland: plus 27 Cent (plus 45 Cent)

Estland: plus 24 Cent (plus 42 Cent)

Niederlande: plus 24 Cent (plus 43 Cent)

Spanien: plus 24 Cent (plus 32 Cent)

Quelle: EU-Kommission, VCÖ 2022

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