VCÖ: Straßenverkehr ist in Österreich die größte Lärmquelle

VCÖ: Niedrigere Tempolimits, E-Mobilität und mehr aktive Mobilität reduzieren Verkehrslärm

VCÖ (Wien, 28. April 2026) – Rund 5,3 Millionen Menschen in Österreich werden laut Statistik Austria in ihrem Wohnbereich durch Lärm belastet. Dauerhafte Lärmbelastung macht krank. Der Straßenverkehr wird von 2,2 Millionen Personen als Ursache genannt und ist damit die größte Lärmquelle in Österreich, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ anlässlich des morgigen Tags gegen Lärm aufmerksam. Dabei gibt es gerade gegen Verkehrslärm schon heute zahlreiche wirksame Maßnahmen. Niedrigere Tempolimits, mehr E-Mobilität insbesondere bei Mopeds, Motorrädern und Lkw sowie ein höherer Radverkehrsanteil reduzieren die Lärmbelastung, betont der VCÖ. Fluglärm kann durch Nachtflugverbote und Anreize zum Einsatz leiserer Flugzeuge reduziert werden.

Der Lärm des Kfz-Verkehrs ist in Österreich mit Abstand der größte Lärmerreger, wie Daten der Statistik Austria zeigen. 40,4 Prozent der in ihrem Wohnbereich von Lärm belasteten Menschen geben den Straßenverkehr als Hauptursache an, am zweithäufigsten folgen Baustellen mit 19 Prozent. „Lärm ist nicht nur ein Ärgernis, dauerhafter Lärm kann krank machen. Dennoch wird auf Anrainerinnen und Anrainer viel zu wenig Rücksicht genommen. Dabei könnte unsere Mobilität schon heute deutlich leiser sein“, stellt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk fest.

Dauerhafte Lärmbelastung kann Schlafstörungen, erhöhten Blutdruck bis hin zu Herzinfarkten und Schlaganfällen verursachen. Durch Schlafmangel sinkt die Stressresistenz, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, Depressionen und Krebs steigt. Straßenverkehrslärm verursacht auch hohe Kosten, die sich in Österreich laut einer Studie der EU auf rund 800 Millionen Euro pro Jahr belaufen.

Niedrigere Tempolimits reduzieren hörbar die Lärmbelastung. Tempo 30 statt 50 nimmt das menschliche Ohr in etwa so wahr wie die Halbierung der Verkehrsmenge. Auf Freilandstraßen reduziert Tempo 80 statt 100 die Lärmbelastung, auf Autobahnen und Schnellstraßen kann in betroffenen Gebieten zur Reduktion der Lärmbelastung von Anrainerinnen und Anrainern Tempo 100 statt 130 umgesetzt werden, informiert der VCÖ.

Im Verhältnis zur Verkehrsaufkommen sind Motorräder und Mopeds die größten Lärmerreger. Obwohl sie nur knapp mehr als ein Prozent des Verkehrsaufkommens im Personenverkehr erbringen, sind sie für 26 Prozent der unter Verkehrslärm leidenden Menschen der Hauptverursacher. „Gerade bei Mopeds und Motorrädern würde die rasche Elektrifizierung die Lärmbelastung stark reduzieren und damit viele Anrainerinnen und Anrainer entlasten“, stellt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk fest.

Im Bundesländer-Vergleich ist in Tirol der Motorradlärm anteilsmäßig das größte Problem: 19 Prozent der von Verkehrslärm betroffenen Personen geben Motorrad und Moped als Hauptursache an, in Vorarlberg sind es rund 18 Prozent und in Kärnten 17 Prozent der von Verkehrslärm betroffenen Personen, informiert der VCÖ. Hinsichtlich der Anzahl werden in Oberösterreich mit 136.400 die meisten Personen vom Motorradlärm belastet, vor Niederösterreich mit 122.200.

Ein großes Potenzial zur Lärmreduktion schlummert auch in der Verlagerung von Kfz-Fahrten auf Fahrräder und Elektrofahrräder. Immerhin vier von zehn Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer, sechs von zehn kürzer als zehn Kilometer. "Dort, wo Städte und Gemeinden gute Bedingungen zum Radfahren schaffen, ist die Bevölkerung auch häufiger mit dem Rad mobil. Und dort, wo es eine sichere Radinfrastruktur gibt, fahren auch in den Regionen mehr Menschen mit dem Fahrrad oder Elektrofahrrad beispielsweise in die Arbeit", sieht VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk die Verkehrsplanung gefordert, für sichere Bedingungen zum Radfahren zu sorgen.

Der Flugverkehr wird österreichweit von zehn Prozent der von Verkehrslärm belasteten Menschen als Ursache angegeben, jedoch gibt es beim Flugverkehr aufgrund der Flughäfen die größten regionalen Unterschiede. In der westlichen Obersteiermark geben 48 Prozent der durch Verkehrslärm belasteten Personen den Flugverkehr als Ursache an, im Nordburgenland rund 27 Prozent, im südlichen Wiener Umland 24 Prozent, in Innsbruck 23 Prozent sowie im Mittelburgenland und im Bezirk Liezen mit jeweils 19 Prozent.  

Besonders in der Nacht wird Fluglärm zum Gesundheitsproblem. Ein Vorbild bei der Reduktion des Fluglärms in der Nacht ist der Flughafen Zürich. Hier gab es im Jahr 2023 in der Nacht 204 nächtliche Flüge, während es am Flughafen Wien mit 4.628 mehr als 22 Mal so viele waren. Der Fluglärm kann zum einen durch ein Nachtflugverbot nach Vorbild Zürichs reduziert werden. Zudem kann mit Lärmgebühren für laute Flugzeuge ein wirksamer Anreiz gesetzt werden, damit die Airlines leisere Flugzeuge einsetzen.

VCÖ:  Straßenverkehr ist in Österreich der größte Lärmerreger
(Anzahl Österreichs Bevölkerung, die von Lärm in ihrem Wohnbereich belastet wird, Mikrozensus 2023)

Kfz-Verkehr: 2,16 Millionen
Baustellen: 1,03 Millionen
Nachbarn: 0,97 Millionen
Flugverkehr: 0,25 Millionen
Freizeit- und Tourismuseinrichtungen: 0,13 Millionen
Eisenbahn: 0,12 Millionen
Betriebe: 0,12 Millionen  
Lokale: 0,07 Millionen
Straßenbahn, U-Bahn: 0,04 Millionen
Sonstige Lärmquellen: 0,28 Millionen
Weiß nicht: 0,16 Millionen

Quelle: Statistik Austria 2025, VCÖ 2026

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