VCÖ: SUV-Anteil bei Neuwagen so hoch wie noch nie – die meisten SUV in Wien zugelassen

VCÖ: SUV haben höheren Energieverbrauch als vergleichbare herkömmliche Modelle

Foto: Christian Gratzer/VCÖ

VCÖ (Wien, 21. Juli 2023) – Der Anteil der SUV an den Neuwagen erreichte im 1. Halbjahr 2023 mit 44,5 Prozent einen neuen Höchststand, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Die meisten SUV und Geländewagen wurden in Wien neuzugelassen. SUV haben einen höheren Energieverbrauch als vergleichbare herkömmliche Modelle. Bei den neuzugelassenen Plug-In-Hybriden beträgt der SUV-Anteil sogar 70 Prozent. Der reale Verbrauch von Plug-In-Hybriden ist massiv höher als die Herstellerangaben versprechen. Angesichts der sich verschärfenden Klimakrise müssen Förderungen für Fahrzeuge stärker als bisher den Energieverbrauch von Pkw berücksichtigen, betont der VCÖ.

55.937 SUV und Geländewagen wurden im 1. Halbjahr 2023 in Österreich neu zugelassen, jeder fünfte hat ein Wiener Kennzeichen. Mit 11.690 wurden die meisten SUV und  Geländewagen in der Bundeshauptstadt Wien neuzugelassen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Der SUV-Anteil war in Österreich im ersten Halbjahr mit 44,5 Prozent so hoch wie noch nie, mehr doppelt so hoch wie im Jahr 2015. Der Verbrauch von SUV ist höher als von vergleichbaren herkömmlichen Pkw, was angesichts der sich verschärfenden Klimakrise problematisch ist. „Natürlich gibt es kleinere SUV mit geringerem Verbrauch als die großen, aber auch sie haben einen höheren Verbrauch als vergleichbare herkömmliche Modelle. Dass der Verkehrssektor heute in Europa von seinen Klimazielen so weit entfernt ist und einen so hohen Energiebedarf hat, liegt auch an der Modellpolitik der Vergangenheit. Hersteller und Politik sollten aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und künftig möglichst sparsame Modelle forcieren“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Laut internationaler Energieagentur (IEA) stießen weltweit SUVs im Vorjahr fast eine Milliarde Tonnen CO₂ aus.

Aktuell wird der Kauf vieler SUV sogar gefördert. So gibt es für Plug-In-Hybride, die eine elektrische Mindestreichweite von 60 Kilometer haben, in Österreich eine Kaufförderung. Doch ausgerechnet bei den neuzugelassenen Plug-In Hybriden war im 1. Halbjahr der SUV-Anteil mit 70,2 Prozent am höchsten. Eine Studie des renommierten Fraunhofer-Instituts zeigte im Vorjahr, dass der reale Kraftstoffverbrauch und damit auch der CO2-Ausstoß von Plug-in-Hybriden etwa dreimal so hoch ist wie im offiziellen Testzyklus, werden sie als Dienstwagen genutzt ist der reale Verbrauch sogar fünfmal so hoch, auch weil diese längere Strecken fahren. Die Normverbrauchsabgabe (NoVA) bemisst sich aber an den Herstellerangaben, wodurch viele Plug-In-Hybride keine oder nur eine sehr niedrige NoVA bezahlen, was die Anschaffung zusätzlich fördert. „Die Förderung von Plug-In Hybriden ist im Widerspruch zu den Klima- und Energiezielen“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Drei Viertel der neuzugelassenen SUV hatten einen Verbrennungsmotor.

Aber bereits jeder vierte SUV ist ein Elektroauto. Die Förderung von Elektro-Autos ist immer öfters eine SUV-Förderung. 60,1 Prozent der im 1. Halbjahr neuzugelassenen E-Pkw sind SUV oder Geländewagen. Auch für E-Pkw gilt: Der Stromverbrauch nimmt mit Gewicht, Motorisierung und Luftwiderstand zu.

Zwei Drittel der Neuwagen werden in Österreich auf Betriebe und andere juristische Personen zugelassen. Unternehmen können über ihre Firmenwagen-Policy mit dazu beitragen, dass mehr energiesparende Modelle auf die Straßen kommen, betont der VCÖ. Damit würden auch mehr sparsamere Modelle in den für die privaten Haushalte relevanten Gebrauchtwagenmarkt kommen.

„Beim Autokauf auf den realen Energieverbrauch zu achten, zahlt sich auf jeden Fall aus. Aber es wäre falsch, die Verantwortung den einzelnen Käuferinnen und Käufern umzuhängen, denn hier bestimmt das Angebot die Nachfrage. Es ist die Aufgabe der Politik mit klaren Vorgaben im Interesse der Allgemeinheit steuernd einzugreifen, damit die Zahl der Energiefresser deutlich zurückgeht und der Anteil der sparsamsten Modelle sowohl bei Kleinwagen als auch Familienautos steigt“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

VCÖ: SUV-Anteil an Neuwagen in Österreich weiter gestiegen (Anteil SUV und Geländewagen an Pkw-Neuzulassungen in Österreich)

1. Halbjahr 2023: 44,5 Prozent
Jahr 2022: 43,0 Prozent
Jahr 2021: 38,8 Prozent
Jahr 2020: 31,5 Prozent
Jahr 2019: 31,9 Prozent
Jahr 2018: 31,3 Prozent
Jahr 2017: 25,4 Prozent
Jahr 2016: 23,7 Prozent
Jahr 2015: 21,0 Prozent
Jahr 2010: 12,9 Prozent
Jahr 2005: 8,2 Prozent
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2023

VCÖ: Die meisten SUV wurden in Wien neuzugelassen, (neuzugelassene SUV und Geländewagen im ersten Halbjahr 2023, in Klammer Anteil an Pkw-Neuzulassungen)

Wien: 11.690 (45 Prozent)
Niederösterreich: 9.855 (42 Prozent)
Oberösterreich: 8.883 (43,3 Prozent)
Steiermark: 8.254 (45,7 Prozent)
Tirol: 5.337 (46,9 Prozent)
Salzburg: 4.484 (44,4 Prozent)
Kärnten: 3.183 (46,5 Prozent)
Vorarlberg: 2.612 (45,6 Prozent)
Burgenland: 1.639 (44 Prozent)
Österreich: 55.937 (44,5 Prozent)
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2023

VCÖ: Bei Plug-In Hybriden ist SUV-Anteil am höchsten (Anteil SUV und Geländewagen je Antrieb bei Pkw-Neuzulassungen im Jahr 2023)

SUV-Anteil bei Plug-In Hybrid: 70,2 Prozent
SUV-Anteil bei Elektro-Pkw: 60,1 Prozent
SUV-Anteil bei sonstigen Hybrid-Modellen: 43,5 Prozent
SUV-Anteil bei Diesel-Pkw: 39,2 Prozent
SUV-Anteil bei Benzin-Pkw: 34,3 Prozent
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2023

VCÖ: Die meisten SUV haben einen Verbrennungsmotor (Antrieb der in Österreich im Jahr 2023 neuzugelassenen SUV und Geländewagen, in Klammer Anzahl)

Benzin: 26,5 Prozent (14.805)
Elektro: 25 Prozent (13.997)
Hybrid (nicht Plug-In): 20,3 Prozent (11.342)
Diesel: 17,2 Prozent (9.612)
Plug-In Hybrid: 11 Prozent (6.175)
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2023

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