VCÖ: Verkehr ist Österreichs Sektor mit dem größten Energieverbrauch

VCÖ: Energie- und Ressourcenverbrauch des Verkehrs ist deutlich zu reduzieren

Foto: Zapfhahn, welcher ein Diesel-Auto betankt.

VCÖ (Wien, 13. Februar 2025) – Ein Drittel von Österreichs Gesamtenergiebedarf werden für Mobilität und Gütertransport benötigt, so viel wie in keinem anderen Sektor, macht der VCÖ aufmerksam. Innerhalb des Verkehrs ist der Kfz-Verkehr der größte Energiefresser und für 87 Prozent des Energieverbrauchs verantwortlich. Der Energie- und Ressourcenverbrauch des Verkehrs kann deutlich reduziert werden, wie die heutige VCÖ-Fachkonferenz zeigte. Wesentliche Maßnahmen sind eine verstärkte Verlagerung auf öffentliche Verkehrsmittel und den Radverkehr, eine verkehrssparende Raumordnung und Siedlungsentwicklung, der verstärkte Einsatz von Leichtfahrzeugen und die Elektrifizierung des Kfz-Verkehrs. Zentral sind auch das Recycling von Altfahrzeugen und die Umsetzung von Kreislaufwirtschaft im Verkehr.

In Österreich benötigte der Verkehr im Jahr 2023 laut Statistik Austria 345 Petajoule an Energie. Während der Bahnverkehr nur sechs Petajoule benötigte, war der Energieverbrauch des Flugverkehrs mit 37 Petajoule sechsmal so hoch und des Kfz-Verkehrs mit fast 300 Petajoule 50 Mal so hoch, verdeutlicht der VCÖ. Jeweils ein Petajoule beanspruchten die Schifffahrt und Rohrleitungen.  

Österreichs Material-Fußabdruck betrug im Jahr 2020 pro Kopf 22,3 Tonnen, das waren um 1,1 Tonnen weniger als im Jahr 2015. Bis zum Jahr 2050 soll laut Ziel von Österreichs Kreislaufwirtschaftsstrategie der jährliche Material-Fußabdruck auf 7 Tonnen pro Kopf reduziert werden. Der Verkehrsbereich kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Verkehrswissenschafterin Barbara Laa von der TU-Wien betonte in ihrem Vortrag: „Durch den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel, aktive Mobilität und kürzere Wege können wir den Bedarf an Rohstoffen drastisch reduzieren. Zusätzlich sollten kleinere Fahrzeuge und konsequentes Recycling Teil der Lösung sein.“

Für den Ressourcen- und Energieeinsatz des Verkehrs spielt die Pkw-Flotte eine wichtige Rolle. In Österreich gibt es aktuell rund 5,2 Millionen Pkw, vier Prozent davon sind Elektro Autos. Ihr Anteil wird in den kommenden Jahren deutlich steigen. Österreichs Energieverbrauch durch den Pkw-Verkehr kann durch die Elektrifizierung der Pkw-Flotte um zwei Drittel reduziert werden. „Bei Neuwagen ist noch vor dem Jahr 2035 ein Anteil von 100 Prozent E-Pkw realistisch möglich. Es wird aber auch im Jahr 2040 einen Restbestand von Benzin- und Diesel-Pkw geben. Da E-Fuels für den Kfz-Verkehr zu teuer und nicht in ausreichendem Maß verfügbar sein werden, braucht es andere Strategien“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Eine aus Ressourcen-Perspektive sinnvolle Option ist die Umrüstung auf Elektro-Antrieb. In Frankreich gibt es bereits seit dem Jahr 2020 gesetzliche Rahmenbedingungen und Förderungen, die solches „Retrofitting“ unterstützen.

Auf das große Potenzial von Elektroleichtfahrzeugen in der Mobilität machte Simone Ehrenberger vom Institut für Fahrzeugkonzepte des DLR (Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt) in ihrem Vortrag bei der VCÖ-Fachveranstaltung aufmerksam. Laut DLR-Studie könnten neun Prozent der in Deutschland gefahrenen Autokilometer auf Elektro-Fahrräder verlagert werden. Inklusive Lastenräder, E-Mopeds, E-Motorräder und Microcars könnten 50 Prozent der mit dem Auto gefahrenen Kilometer auf Elektro-Leichtfahrzeuge verlagert werden. Damit könnten in Deutschland jährlich 57 Millionen Tonnen CO2 vermieden werden.

Die Verwendung von recycelten Materialien in der Automobilindustrie ist eine weitere wichtige Maßnahme. Durch verstärktes Recycling kann der Rohstoffbedarf mit seinen negativen sozialen und ökologischen Folgen stark reduziert werden. Derzeit ist die Automobilindustrie für 17 Prozent des Stahlverbrauchs verantwortlich. Auf EU-Ebene wird derzeit die Revision der sogenannten „End-of-life vehicles Regulation“ verhandelt. „Das ist die große Chance, die Automobilindustrie zu einem führenden Markt für recycelte Materialien wie Stahl zu machen. Deshalb braucht es nicht nur für Plastik, sondern auch für Stahl und Aluminium verbindliche Recycling-Ziele“, erklärte Zachary Azdad, Kreislaufwirtschaft-Experte von Transport & Environment, des europäischen Dachverbands des VCÖ.

Die Energiewende im Kfz-Verkehr von Diesel und Benzin auf Strom reduziert den Energiebedarf des Verkehrs stark. Norwegen hat sich nicht nur klare Ziele für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor gesetzt, sondern auch entsprechende Maßnahmen umgesetzt, erklärte bei der VCÖ-Fachveranstaltung Erik Fiegenbaum vom Institute for Transport Economics in Oslo. Das Ergebnis: In Norwegen waren im Vorjahr bereits 89 Prozent der Neuwagen Stromer, im heurigen Jänner 96 Prozent. Noch im Jahr 2016 war der Anteil der neuzugelassenen E-Pkw niedriger als er heute in Österreich ist. Zudem sind in Norwegen seit dem Jahr 2024 alle neu angeschafften City-Busse Zero-Emission-Modelle, für Neuanschaffungen großer Busse und Lkw wurde das Jahr 2030 als Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor beschlossen.

„Die Reduktion des Energie- und Ressourcenverbrauchs des Verkehrs ist ökologisch gesehen nötig, aus sozialer und Menschenrechtssicht sehr wichtig und aus ökonomischer Sicht sehr vernünftig. Umso wichtiger ist es, dass die dafür notwendigen Maßnahmen rasch umgesetzt werden“, betonte abschließend VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Stefan Wild (Traktionssysteme Austria): „Neben grundsätzlichen Topologie-Festlegungen (Verbrennungsmotor versus Elektromotor) kann auch durch Optimierung der einzelnen Antriebskomponenten der Energiebedarf der Fahrzeuge merkbar reduziert werden.“

Ludwig Fliesser (Green Energy Lab):  „Gesteuertes und bidirektionales Laden von E-Fahrzeugen kann wesentlich zur Energiewende beitragen. Durch intelligente Nutzung dieser Batteriekapazitäten könnten Schwankungen im Stromnetz dezentral ausgeglichen werden. Das unterstützt wiederum den Ausbau von volatilen, erneuerbaren Energien wie Windkraft und Photovoltaik.“

 

VCÖ: Kfz-Verkehr benötigt 87 Prozent des Energieverbrauchs des Verkehrs
(Energieverbrauch im Jahr 2023, in Klammer Anteil am Gesamtenergieverbrauch des Verkehrs)

Kfz-Verkehr: 299,5 Petajoule (86,7 Prozent)

Flugverkehr: 37 Petajoule (10,7 Prozent)

Bahnverkehr: 6,3 Petajoule (1,8 Prozent)

Binnenschifffahrt: 1,4 Petajoule (0,4 Prozent)

Rohrfernleitungen: 1,1 Petajoule (0,3 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2025

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