VCÖ: Zahl der Verkehrstoten in Österreich im 1. Halbjahr stark gestiegen – 162 Todesopfer

VCÖ: Tempo 80 statt 100 auf Freilandstraßen, verstärkte Kontrollen, Verkehrsstrafen erhöhen

Foto: Kleines Kreuz mit Kerzen neben einer Freilandstraße

VCÖ (Wien, 1. Juli 2025) – Die Zahl der Verkehrstoten ist heuer im 1. Halbjahr um 17 Prozent gestiegen, informiert die Mobilitätsorganisation VCÖ. Seit Jahresbeginn kamen in Österreich bereits 162 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, um 24 mehr als im 1. Halbjahr 2024. Der VCÖ weist darauf hin, dass im Vorjahr die Zahl der Verkehrstoten im zweiten Halbjahr um 54 Prozent höher war als im 1. Halbjahr. Angesichts der hohen Opferzahl fordert der VCÖ verstärkte Verkehrssicherheitsmaßnahmen, insbesondere auf Freilandstraßen. Bei Hitze steigt das Unfallrisiko, warnt der VCÖ.

Anstatt zu sinken, ist die Zahl der Verkehrstoten heuer im 1. Halbjahr stark gestiegen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten des Innenministeriums zeigt. Bereits 162 Menschenleben forderte der Straßenverkehr seit Jahresbeginn. Damit nahm die Zahl der Verkehrstoten um 24 zu, ein Anstieg um 17 Prozent. Im gesamten Vorjahr verloren 351 Menschen ihr Leben bei Verkehrsunfällen in Österreich. Bis zum Jahr 2030 soll laut Österreichs Verkehrssicherheitsziel die Zahl der Verkehrstoten auf weniger als 207 reduziert werden. „Es gibt nur eine akzeptable Anzahl an Verkehrstoten und die ist null. Diesem Ziel gilt es so nahe wie möglich zu kommen. Wenn Verkehrssicherheitsziele erreicht werden, werden Menschenleben gerettet. Werden Verkehrssicherheitsziele verfehlt, dann kostet das Menschenleben“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky die Wichtigkeit und Dringlichkeit zusätzlicher Verkehrssicherheitsmaßnahmen.

Besorgniserregend ist zudem, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der Verkehrstoten im zweiten Halbjahr höher war als im ersten Halbjahr, macht der VCÖ aufmerksam: Im Vorjahr um 54 Prozent, im Jahr 2023 um 25 Prozent, im Jahr 2021 um 40 Prozent. Einzig das Jahr 2022 war eine Ausnahme, als im zweiten Halbjahr um sechs Prozent weniger Menschen im Straßenverkehr starben als im ersten Halbjahr.

Die Mobilitätsorganisation VCÖ spricht sich für verstärkte Verkehrssicherheitsmaßnahmen aus. Großen Handlungsbedarf gibt es bei Freilandstraßen, auf die im Vorjahr 56 Prozent der Verkehrstoten entfielen, im Jahr 2023 waren es 55 Prozent. „Die verkehrssichersten Staaten Europas haben auf Freilandstraßen niedrigere Tempolimits. Auch in Österreich könnten viele schwere Unfälle vermieden und Menschenleben gerettet werden, wenn Tempo 80 auf Freilandstraßen zur Regel und Tempo 100 die zu begründende Ausnahme wird“, stellt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky fest. Wichtig sind auch mehr Tempokontrollen, insbesondere auf Freilandstraßen.

Der internationale Vergleich zeigt, dass die Verkehrsstrafen in Österreich niedrig sind, beispielsweise für Handy-Telefonieren am Steuer. „Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert so schlecht wie ein Alkolenker mit 0,8 Promille. Noch gefährlicher ist das Schreiben von Nachrichten während des Autolenkens. Die Strafhöhe von 100 Euro steht in keinem Verhältnis zur Gefahr für Gesundheit und Leben für andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer“, spricht sich VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky für die Aufnahme von Handy am Steuer ins Vormerksystem aus, wie das in der Mehrheit der EU-Staaten bereits der Fall ist. Zudem sind die Geldstrafen in anderen EU-Staaten deutlich höher, in Italien beispielsweise kostet Handy am Steuer mindestens 165 Euro, in Spanien 200  Euro, in Griechenland 350  Euro und in den Niederlanden 430 Euro.

Mit der Hitze steigt das Unfallrisiko zusätzlich. Im Jahr 2023 gab es laut Statistik Austria an Hitzetagen um 15 Prozent mehr Verkehrsunfälle mit Personenschaden, im Jahr 2022 waren es um 18 Prozent mehr. Und im Vorjahr wurden im Juli und August die meisten Verkehrstoten verzeichnet, nämlich 52 und 46, informiert der VCÖ. Der Schnitt der anderen zehn Monate war mit 25 deutlich niedriger.

Im Bundesländer-Vergleich gab es in Niederösterreich mit 54 die meisten Verkehrstoten, informiert der VCÖ. Damit forderte allein der Straßenverkehr in Niederösterreich ein Drittel der Verkehrstoten in Österreich. In Oberösterreich kamen 32 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, in der Steiermark 23 und in Tirol 16. Jeweils acht Menschen kamen bei Verkehrsunfällen in Kärnten, Salzburg und Wien ums Leben, sieben im Burgenland und sechs in Vorarlberg.

„Von der Exekutive über Bund, Land, Städte, Gemeinden bis hin zu den Verkehrsteilnehmenden tragen viele zur Verkehrssicherheit bei. Insgesamt hängt die Verkehrssicherheit von vielen Faktoren ab“, stellt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky abschließend fest.

VCÖ: Im 1. Halbjahr ist Zahl der Verkehrstoten in Österreich stark gestiegen
(Anzahl Verkehrstote in Österreich)

1. Halbjahr 2025: 162 Verkehrstote (vorläufige Daten)

1. Halbjahr 2024: 138 Verkehrstote

1. Halbjahr 2023: 179 Verkehrstote

1. Halbjahr 2022: 191 Verkehrstote

1. Halbjahr 2021: 151 Verkehrstote

1. Halbjahr 2020: 153 Verkehrstote

1. Halbjahr 2019: 196 Verkehrstote

1. Halbjahr 2018: 197 Verkehrstote

1. Halbjahr 2017: 170 Verkehrstote

1. Halbjahr 2016: 190 Verkehrstote

1. Halbjahr 2015: 214 Verkehrstote
Quelle: BMI, Statistik Austria, VCÖ 2025

VCÖ: Jeder dritte Verkehrstote in Niederösterreich
(Anzahl Verkehrstote 1. Jänner – 30. Juni 2025, in Klammer 1.  Halbjahr 2024)

Niederösterreich: 54 Verkehrstote (33 Verkehrstote)

Oberösterreich: 32 (26)

Steiermark: 23 (28)

Tirol: 16 (13)

Kärnten: 8 (9)

Salzburg: 8 (14)

Wien: 8 (7)

Burgenland: 7 (2)

Vorarlberg: 6 (6)
Quelle: BMI, VCÖ 2025

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