VCÖ: Zahl neuer Elektrofahrzeuge stieg im Vorjahr auf fast 300.000 – Elektrofahrräder erneut Spitzenreiter

VCÖ: Energiewende bei Kfz beschleunigen – Rad-Infrastruktur rascher verbessern, um das Potenzial von E-Bikes besser zu nutzen

VCÖ (Wien, am 9. April 2026) – Die Zahl neuer Elektrofahrzeuge ist im Vorjahr in Österreich erneut gestiegen, um fünf Prozent auf rund 292.100, informiert die Mobilitätsorganisation VCÖ. Drei Viertel davon waren mit fast 223.000 erneut Elektrofahrräder. In absoluten Zahlen gab es bei E-Pkw die größten Zuwächse, prozentuell legten Lkw und Busse am stärksten zu, deren Neuzulassungen sich – auf niedrigem Niveau – verdoppelten. Angesichts der Spritkrise fordert der VCÖ verstärkte Maßnahmen, um die Energiewende im Kfz-Verkehr zu beschleunigen. Zudem ist die Rad-Infrastruktur rascher zu verbessern, damit das große Potenzial von E-Bikes besser genutzt werden kann.

 

Die Zahl der im Vorjahr in den Handel gebrachten E-Bikes ist zwar um rund 3.300 zurückgegangen, mit fast 223.000 bleiben die Elektrofahrräder Spitzenreiter bei den Elektrofahrzeugen in Österreich, macht der VCÖ aufmerksam. An zweiter Stelle folgen die Elektroautos, deren Neuzulassungen im Vorjahr um 16.029 auf 60.651 zulegten. Die Klein-Lkw kamen auf einen – im internationalen Vergleich geringen - Zuwachs um 1.756 auf 4.684. Auch bei großen Lkw und Bussen legt die E-Mobilität zu: Die Zahl der schweren Elektro-Lkw und Elektro-Sattelzugmaschinen hat sich von 167 auf 405 mehr als verdoppelt, ebenso die Zahl der Elektro-Busse von 105 auf 237, informiert der VCÖ.

„Elektro-Fahrräder könnten wesentlich dazu beitragen, Staus und andere Verkehrsprobleme zu verringern. Voraussetzung ist aber eine sichere Infrastruktur fürs Radfahren“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Gerade im Pendelverkehr ist das Verlagerungspotenzial groß. In Österreich sind mehr als die Hälfte der Arbeitswege kürzer als zehn Kilometer. Der Elektromotor verlängert die Reichweite und unterstützt bei Steigungen. Zudem ist das E-Bike genauso wie das Auto ein Individualverkehrsmittel. „Wenn es gelingt einen Teil der kürzeren Arbeitswege zu verlagern, reduziert das nicht nur den Spritverbrauch, sondern auch Staus auf den Straßen, was wiederum all jenen zugutekommt, die auf das Auto angewiesen sind“, fordert VCÖ-Experte Michael Schwendinger den verstärkten Ausbau der Radinfrastruktur beziehungsweise sichere Bedingungen zum Radfahren in den Städten und Gemeinden durch Verkehrsberuhigung und mehr Tempo 30 statt 50.

Neben der Verkehrswende hin zum Radverkehr und Öffentlichen Verkehr ist die Energiewende im Kfz-Verkehr zentral, um den Verkehr aus der teuren Erdölfalle zu befreien. Innerhalb der EU sind andere Staaten weiter als Österreich, betont der VCÖ. So erreichte Dänemark heuer bei den Pkw-Neuzulassungen bereits einen Elektro-Anteil von 82 Prozent, die Niederlande erreichte 82 Prozent im Vorjahr sogar bei Klein-Lkw, in Österreich waren es nur 14 Prozent.

Es sind verstärkte Maßnahmen in Österreich nötig, um die Energiewende zu beschleunigen. Bei Pkw ist vor allem bei den Firmenwagen anzusetzen, da insgesamt zwei Drittel der Neuwagen auf Firmen oder andere juristische Personen zugelassen werden, bei Diesel-Pkw sogar rund 80 Prozent. „Je höher der Anteil von Elektroautos bei Firmenwagen ist, umso mehr kommen in den für private Haushalte relevanten Gebrauchtwagenmarkt“, erklärt VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Auch sozial treffsichere Förderungen können den Umstieg auf sparsame E-Pkw unterstützen, so wie es Frankreich mit dem sogenannten „Social Leasing“ erfolgreich macht. In Österreich haben zunehmend mehr Haushalte eine Photovoltaik-Anlage am Hausdach, womit die Energie fürs Autofahren selbst hergestellt werden kann. Darüber hinaus ist wichtig, den Strompreis zumindest teilweise vom Gaspreis zu entkoppeln. „Es ist absurd, wenn jene, die großteils Strom aus erneuerbarer Energie tanken, für die Teuerung von fossiler Energie zahlen müssen. Hier braucht es rasch eine Reform“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Bei schweren Lkw und Bussen ist aufgrund der nach wie vor großen Differenz zu Modellen mit Verbrennungsmotor weiter eine Förderung nötig, um den Anteil der E-Fahrzeuge rasch zu erhöhen.

VCÖ: Auch im Vorjahr wurden deutlich mehr Elektrofahrräder als Elektroautos gekauft
(Anzahl in den Handel gebrachte neue Elektrofahrräder / neuzugelassene E-Pkw)

Jahr 2025: 222.730 Elektrofahrräder / 60.651 E-Pkw
Jahr 2024: 226.076 Elektrofahrräder / 44.622 E-Pkw
Jahr 2023: 220.493 Elektrofahrräder/ 47.621 E-Pkw
Jahr 2022: 246.728 Elektrofahrräder / 34.165 E-Pkw
Jahr 2021: 221.804 Elektrofahrräder / 33.366 E-Pkw
Jahr 2020: 203.515 Elektrofahrräder/ 15.972 E-Pkw
Jahr 2019: 170.942 Elektrofahrräder / 9.242 E-Pkw

Quelle: VSSÖ, Statistik Austria, VCÖ 2026

VCÖ: Elektrofahrräder sind Spitzenreiter bei den Elektrofahrzeugen
(Anzahl in den Handel gebrachte bzw. neuzugelassene Elektrofahrzeuge im Jahr 2025, in Klammer Änderung zu 2024)

Elektrofahrräder: 222.730 (minus 3.346)
E-Pkw: 60.651 (plus 16.029)
E-Klein-Lkw: 4.684 (plus 1.756)
E-Motorräder und E-Moped: 2.495 (minus 461)
E-Dreiräder, E-Quads: 916 (plus 136)
E-Lkw und E-Sattelzugmaschinen: 405 (plus 238)
E-Busse: 237 (plus 132)
Summe: 292.088 Elektro-Fahrzeuge (plus 14.453)

Quelle: VSSÖ, Austria Tech, VCÖ 2026

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Die Chance ergreifen

Die Entwicklung geht klar in Richtung emissionsfreier Antriebe. Steigende Reichweiten sprechen dafür, dass sich beim Pkw der batterie-elektrische Antrieb mittelfristig durchsetzen wird. Synthetische Treibstoffe, mit denen Verbrennungsmotoren CO2-neutral betrieben werden könnten, sind für den Masseneinsatz absolute Zukunftsmusik. Unter den etablierten Autoherstellern gab Volvo als Teil eines chinesischen Konzerns als erster bekannt, vollständig auf Elektro-Antriebe umzustellen. Auch Volkswagen ziele „auf den Punkt, an dem sich jeder fragen muss, warum er einen Verbrenner haben will. Denn wir glauben nicht, dass es eine Alternative zur E-Mobilität gibt“, wird ein Vorstandsmitglied von Volkswagen zitiert. Die Pkw-Neuwagenflotte von Mercedes soll bis zum Jahr 2039 CO2-neutral werden. Entwicklungskapazitäten werden aktuell von Motoren und Getrieben hin zu Batterietechnologie und Leistungselektronik verschoben. Das bedeutet einschneidende Veränderungen, auch für Beschäftigte der Automobilbranche. Doch die Entwicklung lässt sich auf Dauer nicht aufhalten und nur Unternehmen, die sich rechtzeitig umstellen, werden auch in Zukunft noch Arbeitsplätze bieten können. Viele Autozulieferer diversifizieren bereits ihre Produktpalette in Richtung Elektro- Antriebe oder anderer Sektoren, etwa der Autozulieferer Miba, der Bremsen für Windkraftanlagen herstellt. Für die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte werden Tausende Fachkräfte für Aufbau und Wartung der E-Ladeinfrastruktur gebraucht werden. Geld, das bisher in den Import von Erdöl geflossen ist, kann künftig verstärkt im Inland ausgegeben werden. Es ist wahrscheinlich, dass die Mobilitätswende unterm Strich für ein Plus an Beschäftigung sorgen wird.

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