VCÖ zu NEKP: Österreich braucht mehr Tempo beim Klimaschutz, weniger Tempo auf der Straße

VCÖ: Verkehrswende und Energiewende beschleunigen

Grafik: Hellgrüner Hintergrund mit weißen Linien, welche eine Erdkugel sowie Pfeile darstellen

VCÖ (Wien, 4. Juli 2023) – Der heute präsentierte Entwurf zum Nationalen Energie- und Klimaplan verdeutlicht, dass es beim Klimaschutz in Österreich mehr Tempo braucht, insbesondere im Verkehrsbereich, stellt die Mobilitätsorganisation VCÖ – Mobilität mit Zukunft fest. Der Verkehr hat im Vorjahr um über 50 Prozent mehr Treibhausgase ausgestoßen als im Jahr 1990, während andere Sektoren ihre Emissionen in diesem Zeitraum reduziert haben. Der VCÖ weist darauf hin, dass mehr klimaverträgliche Mobilität einen vielfachen Zusatznutzen hat, wie mehr Verkehrssicherheit, bessere Luftqualität und geringere Kosten für die Bevölkerung.

„Österreich kann sein Klimaziel erreichen, aber nur, wenn wir beim Klimaschutz das Tempo erhöhen. Gerade im Verkehr bringt mehr Klimaschutz einen vielfachen Zusatznutzen: Klimaverträgliche Mobilität ist gesünder, sicherer und kostengünstiger“, stellt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer fest. Der VCÖ rechnet für das Jahr 2022 mit einem Treibhausgas-Ausstoß des Verkehrs von 21 Millionen Tonnen. Der Entwurf des NEKP sieht bis zum Jahr 2030 eine Reduktion auf 12,7 Millionen Tonnen vor. Mit über acht Millionen Tonnen ist der Verkehr im Vergleich zu allen anderen Sektoren außerhalb des Emissionshandels am weitesten  vom Klimaziel entfernt.

Ein riesiges Potenzial gibt es beim Mobilitätsmanagement. Allein die Arbeitswege und Dienstfahrten verursachen fast vier Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Der VCÖ fordert für Unternehmen ab 50 Beschäftigten verpflichtendes betriebliches Mobilitätsmanagement. Maßnahmen dafür sind beispielsweise Öffi-Jobtickets, Jobräder und Anreize für Fahrgemeinschaften.

Rasch umsetzbar und mit vielfachem positiven Zusatznutzen für die Verkehrssicherheit, Luftqualität und für die Reduktion des Verkehrslärms sind niedrigere Tempolimits, die „low hanging fruits“ beim Klimaschutz.

Vier von zehn Alltagswegen sind kürzer als fünf Kilometer, sechs von zehn kürzer als zehn Kilometer. Distanzen, die für viele mit einem herkömmlichen Fahrrad oder Elektro-Fahrrad zurückgelegt werden können, wenn es sichere Bedingungen für das Radfahren gibt. Im Ortsgebiet ermöglichen Verkehrsberuhigung und Tempo 30 statt 50 mehr Menschen, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu nutzen. Außerhalb des Ortsgebiets ist eine baulich getrennte Radinfrastruktur unverzichtbar. Zudem sollten wichtige Ziele, wie Bahnhöfe, Bus-Haltestellen sowie auch Supermärkte und Freizeiteinrichtungen, immer optimal zu Fuß und mit dem Fahrrad erreichbar sein.

„Allen, die möchten, soll es so einfach wie möglich gemacht werden, klimaverträglich mobil zu sein. Und für alle, die schon heute können, braucht es Anreize, die motivieren, das vorhandene klimaverträgliche Mobilitätsangebot zu nutzen“, betont VCÖ-Expertin Lina Mosshammer.

Ein weiterer wesentlicher Schritt ist, umweltschädliche Förderungen abzuschaffen. Diese betragen laut WIFO-Studie allein im Verkehrsbereich mindestens 2,5 Milliarden Euro pro Jahr. Dazu zählen unter anderem die Steuerbegünstigungen für Firmenwagen und Dieseltreibstoff sowie die Steuerprivilegien für Flugkonzerne (fehlende Kerosinsteuer, Mehrwertsteuerbefreiung von Flugtickets).  

Beim Güterverkehr ist das Potenzial bestehender betrieblicher Gleisanschlüsse zu nutzen sowie Unternehmen, die Güter auf die Schiene bringen, stärker zu fördern. Bei Lkw ist der Umstieg auf emissionsfreie Antriebe zu forcieren. Mit Umweltzonen kann die abgasfreie Zustellung in Innenstädten gefördert werden, was neben dem Klima vor allem auch der Gesundheit der Bevölkerung zu Gute kommt.  

VCÖ: Verkehr von seinen Klimazielen noch weit entfernt (Treibhausgas-Emissionen des Verkehrssektors in Österreich)  

Ziel 2030 (laut NEKP auf Basis von EU-Ziel) :  12,7 Millionen Tonnen  

Jahr 2022 (vorläufige Daten): 21 Millionen Tonnen

Jahr 2021: 21,6 Millionen Tonnen

Jahr 2020: 20,7 Millionen Tonnen

Jahr 2019: 24,0 Millionen Tonnen

Jahr 2018: 23,9 Millionen Tonnen

Jahr 2017: 23,7 Millionen Tonnen

Jahr 2016: 23,1 Millionen Tonnen

Jahr 2015: 22,2 Millionen Tonnen

Jahr 2014: 21,8 Millionen Tonnen

Jahr 2013: 22,4 Millionen Tonnen

Jahr 2012: 21,3 Millionen Tonnen

Jahr 2011: 21,4 Millionen Tonnen

Jahr 2010: 22,2 Millionen Tonnen

Jahr 2005: 24,6 Millionen Tonnen

Jahr 1990: 13,8 Millionen Tonnen

Quelle: Umweltbundesamt (1990 – 2021), VCÖ 2023

 

VCÖ: In allen Bundesländern hat CO2-Ausstoß des Verkehrs seit 1990 massiv zugenommen (Treibhausgas-Emissionen durch Verkehr im Jahr 2020 (aktuellste Daten für Bundesländer ) – in Klammer Jahr 1990)

Niederösterreich: 4.496.000 (2.948.000)

Oberösterreich: 3.886.000 (2.457.000)

Wien: 3.296.000 (2.189.000)

Steiermark: 3.125.000 (2.057.000)

Tirol: 1.682.000 (1.040.000)

Kärnten: 1.488.000 (1.002.000)

Salzburg: 1.296.000 (814.000)

Vorarlberg: 836.000 (576.000)

Burgenland: 818.000 (506.000)

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2023

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