VCÖ: Zwei Drittel der Verkehrsunfälle passierten im 1. Halbjahr im Ortsgebiet

VCÖ-Initiative: Bereits 280 Gemeinden und Städte fordern StVO-Änderung für leichtere Umsetzung von Tempo 30 im Ortsgebiet

VCÖ (Wien, 27. Oktober 2023) – 48 Todesopfer und 12.257 Verletzte: Das ist die traurige Opferbilanz der Verkehrsunfälle im Ortsgebiet allein im 1. Halbjahr, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ aufmerksam. Im Schnitt passierte alle 25 Minuten ein Verkehrsunfall im Ortsgebiet bei dem ein Mensch zu Schaden kam. Bereits 280 Gemeinden und Städten fordern gemeinsam mit VCÖ und dem Österreichischen Städtebund eine Reform der Straßenverkehrsordnung, damit es Gemeinden und Städten erleichtert wird, Tempo 30 umzusetzen.  

 

„Die Zahl der Unfallopfer im Ortsgebiet ist schlicht und einfach zu hoch. Es braucht verstärkte Verkehrssicherheitsmaßnahmen wie beispielsweise niedrigeres Tempo“, stellt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer fest. Allein im ersten Halbjahr wurden bei 10.268 Verkehrsunfällen im Ortsgebiet 12.257 Menschen verletzt, weitere 48 Menschen kamen ums Leben. Damit passierten 65,3 Prozent aller Verkehrsunfälle in Österreich im Ortsgebiet, im Jahr 2018 lag der Anteil bei 62,5 Prozent, seither ist der Anteil kontinuierlich gestiegen.

Anstatt unterstützt zu werden, werden Gemeinden und Städte bei der Umsetzung von Verkehrssicherheitsmaßnahmen von der aktuellen Straßenverkehrsordnung (StVO) behindert, wenn sie etwa vor Kindergärten, Schulen, Seniorenheimen oder in Wohngebieten Tempo 30 statt 50 umsetzen möchten. Derzeit ist der Prozess zeitaufwändig und wegen Gutachten kostspielig und endet immer wieder mit einem negativen Ergebnis. Reinhard Knobloch, Bürgermeister von Bad Fischau-Brunn beispielsweise schildert: „Durch unsere Gemeinde führen zwei Landesstraßen, alle Bemühungen für eine 30er Zone wurden abgelehnt. Eine Anpassung der StVO an die geänderten Bedingungen und Erwartungen der Bevölkerung ist dringend erforderlich.“

Die aktuelle Regelung in der Straßenverkehrsordnung ist veraltet und nicht mehr zeitgemäß. Sie steht auch im krassen Widerspruch zu den Verkehrssicherheitszielen. Wird ein Fußgänger bzw. eine Fußgängerin von einem Pkw mit 50 km/h angefahren, dann entspricht das einem Sturz aus 10 Meter Höhe. Ein Pkw, der bei Tempo 30 nach elf Metern steht, hat mit 50 km/h einen doppelt so langen Anhalteweg (Reaktions- und Bremsweg) und nach elf Metern noch eine Geschwindigkeit von 48 km/h, macht der VCÖ aufmerksam.

Eine VCÖ-Initiative für eine Änderung der StVO, damit Gemeinden und Städten dort wo sie es für wichtig halten, Tempo 30 im Ort umsetzen können, wird von bereits 280 Gemeinden und Städten unterstützt. Seit Ende Juli gibt es einen Entwurf zur StVO-Änderung des Verkehrsministeriums, der auch vom Österreichischen Gemeindebund und Österreichischen Städtebund begrüßt wurde.

„Es ist ein parteiübergreifendes und österreichweites Anliegen, ein Anliegen von kleinen Gemeinden ebenso wie von Landeshauptstädten. Es ist sowohl für die Verkehrssicherheit als auch für die Lebensqualität der Bevölkerung in den Gemeinden und Städten wichtig, dass die Bundesregierung rasch ihren Entwurf zur StVO-Änderung vorlegt“, betont VCÖ-Expertin Lina Mosshammer.

VCÖ: Zwei Drittel der Verkehrsunfälle passierten im 1. Halbjahr im Ortsgebiet
(Verkehrsunfälle im Ortsgebiet in Österreich, in Klammer Anteil an allen Verkehrsunfällen mit Personenschaden)

1.Halbjahr 2023: 10.268 (65,3 Prozent)
1.Halbjahr 2022: 10.406 (64,9 Prozent)
1.Halbjahr 2021: 8.965 (63,7 Prozent)
1.Halbjahr 2020: 7.930 (63,3 Prozent)
1.Halbjahr 2019: 10.215 (63,1 Prozent)

Gesamtjahr 2022: 22.551 (64,7 Prozent)
Gesamtjahr 2021: 20.639 (63,0 Prozent)
Gesamtjahr 2020: 19.287 (62,9 Prozent)
Gesamtjahr 2019: 22.450 (62,8 Prozent)
Gesamtjahr 2018: 23.031 (62,5 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2023

VCÖ: Im 1. Halbjahr wurden mehr als 10.000 Menschen bei Verkehrsunfällen im Ortsgebiet verletzt
(Verletzte im Straßenverkehr im Ortsgebiet in Österreich, in Klammer Todesopfer)

1.Halbjahr 2023: 10.268 Verletzte (48 Todesopfer)
1.Halbjahr 2022: 10.406Verletzte (54 Todesopfer)
1.Halbjahr 2021: 8.965 Verletzte (37 Todesopfer)
1.Halbjahr 2020: 7.930 Verletzte (34 Todesopfer)
1.Halbjahr 2019: 10.215 Verletzte (50 Todesopfer)

Gesamtjahr 2022: 26.550 (109 Todesopfer)
Gesamtjahr 2021: 24.544 (99)
Gesamtjahr 2020: 22.812 (89)
Gesamtjahr 2019: 26.907 (104)
Gesamtjahr 2018: 27.658 (102)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2023

VCÖ: Bereits 280 Gemeinden und Städte in ganz Österreich unterstützen die VCÖ-Initiative für eine leichtere Einführung von Tempo 30 auf Straßen im Ortsgebiet:

Niederösterreich: 65 Gemeinden und Städte
Oberösterreich: 61
Vorarlberg: 55
Steiermark: 36
Tirol: 29
Kärnten: 12
Salzburg: 12
Burgenland: 10
Liste der unterstützenden Gemeinden und Städte: https://vcoe.at/tempo30/die-unterstuetzenden-staedte-und-gemeinden

Quelle: VCÖ 2023

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