Effektive Verkehrsregulierung für belebte Innenstädte

Die hohe Verkehrsbelastung stellt urbane Ballungsräume vor große Herausforderungen, sowohl was Gesundheit, Lebensqualität als auch effiziente Verkehrsabwicklung angeht. Internationale Beispiele zeigen, welche Hebel Städte in der Hand haben. Österreich hinkt noch hinterher.

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VCÖ - Mobilität mit Zukunft (April 2026) – Verkehr ist in vielen Städten und Ballungsräumen aufgrund der negativen Auswirkungen für die Bevölkerung eine große Herausforderung. Neben regelmäßigem Stau und somit Zeitverlust sind vor allem gesundheitliche Auswirkungen und Verkehrsunfälle ein Problem. Luftschadstoffe sowie Verkehrslärm sind zusammen mit Klimaerhitzung die drei wichtigsten umweltbedingten Gesundheitsrisiken. In Europa sind je nach Definition 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung einem schädlichen Level an Verkehrslärm ausgesetzt, wobei Straßenverkehr die am weitesten verbreitete Lärmquelle ist.1 In Österreich nennt mit 48 Prozent fast die Hälfte der lärmgeplagten Bevölkerung Verkehr als Hauptlärmquelle, wobei Pkw mit 15 Prozent, Lkw mit 13 Prozent sowie Motorräder und Mopeds mit 12 Prozent am relevantesten sind.2

Verkehrsberuhigung entlastet Bevölkerung

Maßnahmen im Bereich urbane Verkehrsberuhigung lassen sich allgemein in zwei Arten unterscheiden: bauliche Maßnahmen wie Verschwenkungen, Poller und Schwellen einerseits, organisatorische Maßnahmen wie Tempo-Regulierung, Parkraummanagement oder Zufahrtsregulierungen andererseits. Die Praxis zeigt, dass viele Städte damit Erfolg haben.

Grafik zeigt wie viele Städte mit Kamerabasierten Zufahrtskontrollen in den jeweiligen europäischen Ländern gibt
Regulatorische Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung von Innenstädten sind in Europa weit verbreitet. Insbesondere in Italien gibt es seit Jahrzehnten gute ­Praxis-Erfahrungen.

Rund 650 Städte in Europa setzen mit Anfang des Jahres 2026 auf unterschiedliche Formen von kamerabasiertem Verkehrsmanagement.3 Etwa die Hälfte davon sind kleinere Städte bis 50.000 Einwohnende, weniger als zehn Prozent sind große Städte mit mehr als 500.000 Einwohnenden. Oft werden mehrere Systeme kombiniert. Dazu kommen deutlich mehr als 1.000 Städte mit manuell oder durch physische Barrieren kontrolliertem Verkehrsmanagement. Die häufigste Form von kamerabasierten Systemen sind Zufahrtskontrollen, die es in rund 500 Städten Europas gibt, davon alleine rund 440 in Italien. Weitere rund 130 Städte haben unterschiedliche Formen von kamerabasierten Niedrig- oder Null-Emissionszonen eingesetzt und in etwa 20 Städten gibt es City-Maut-Systeme.4

Kameras als effiziente Instrumente einsetzen

International ist kamerabasierte Verkehrsüberwachung somit ein weit verbreiteter Standard. Kernelement dabei ist die automationsunterstützte Kennzeichenerfassung. Der zentrale Vorteil dabei ist, dass der gesamte Kfz-Verkehr ohne fahrzeug- seitiges Equipment, kosteneffizient und ohne Unterbrechung des Verkehrsflusses reguliert werden kann.5 Der Anteil an unleserlichen Kennzeichen liegt generell bei lediglich rund zwei Prozent. Die Trefferquote automationsunterstützter Erfassung bei leserlichen Kennzeichen liegt im EU-Schnitt bei 90 bis 95 Prozent.6 In Oslo liegt sie mit 99 Prozent noch höher, auch bei Schlechtwetter werden 97 Prozent Trefferquote erreicht.7

City-Maut gibt Spielraum für Querfinanzierung

Die Stadt London setzt seit dem Jahr 2003 auf eine City-Maut zur Verkehrsberuhigung. Verwaltung und Kontrolle erfolgt durch die städtischen Verkehrsbetriebe via Kameras an den Einfahrtspunkten.8 Nach Einführung der Londoner City-Maut ging der Kfz-Verkehr in der Innenstadt um 18 Prozent zurück, die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit stieg um 30 Prozent und die verkehrsbedingten Emissionen von CO2 beziehungsweise Stickoxid nahmen um 20 Prozent beziehungsweise 12 Prozent ab. Die Anzahl der Verkehrsunfälle ging um 46 Prozent zurück.9

Im Jahr 2006 folgte Stockholm dem Beispiel mit einem halbjährigen Pilotversuch. Nach einer Volksabstimmung wurde die City-Maut im Herbst 2007 dauerhaft umgesetzt. Bereits in der Testphase reduzierte sich das Verkehrsaufkommen um 28 Prozent, in den Jahren 2010 und 2011 lag es weiterhin rund 20 Prozent unter dem Wert des Jahres 2005. Auch die Reisezeiten für Pkw verringerten sich. Aufgrund der positiven Effekte stieg die Akzeptanz, von 36 Prozent vor der Testphase, auf 53 Prozent bei der Volksabstimmung und auf 70 Prozent im Jahr 2011.10

Im Jänner 2025 führte New York als erste US-Stadt eine City-Maut ein – mit Erfolg: im ersten halben Jahr reduzierten sich die PM2,5- Feinstaub-Emissionen innerhalb der Maut-Zone um 22 Prozent, auch in angrenzenden Gebieten verbesserte sich die Luftqualität.11 Die Anzahl der einfahrenden Kfz reduzierte sich um elf Prozent, Bus- und U-Bahn-Fahrten nahmen um acht beziehungsweise neun Prozent zu, die Reisegeschwindigkeit erhöhte sich bei Kfz- und Bus-Fahrten und die CO2-Emissionen haben um rund sechs Prozent abgenommen.12

Umweltzonen unterstützen Elektro-Fahrzeuge

Die erste Umwelt- beziehungsweise Niedrig- Emissionszone entstand im Jahr 1996 in Schweden für ältere Diesel-Lkw und Busse.13 In Österreich gibt es Umweltzonen lediglich für Lkw mit der inzwischen veralteten Euroklasse 3 in Burgenland, Oberösterreich, Steiermark und Wien.14 Eine Ausnahme bildet ein rund 80 Kilometer langer Abschnitt der Inntalautobahn in Tirol, wo neben einem sektoralen und Nacht-Fahrverbot seit dem Jahr 2023 nur Lkw mit Euro 6 passieren dürfen.15

Generell sind Emissionszonen in Europa weit verbreitet, sie gelten typischerweise für definierte Gebiete und berücksichtigen Emissionswerte, Fahrzeugtyp, Größe, Gewicht oder Tageszeit.16 In Spanien und Frankreich sind sie für größere Städte gesetzlich vorgeschrieben, in Polen können Städte Umweltzonen über das Elektromobilitätsgesetz einrichten.17 In Madrid konnte durch die Umsetzung von Umweltzonen die Stickstoffdioxid-Konzentration um 30 Prozent reduziert werden, jene von PM10-Feinstaub sank um 26 Prozent.18 Die größte Umweltzone Italiens befindet sich mit der „Area B“ seit dem Jahr 2019 in Mailand. Kontrolliert wird mit fast 200 kameraüberwachten Schranken an der Stadtgrenze, zufahren dürfen nur moderne Euro 6-Lkw, für Diesel-Pkw gilt Euro 6, für Benzin-Pkw Euro 4, auch für Busse und Motorräder gibt es Vorgaben. Zahlen der Stadtverwaltung zeigen, dass die Maßnahme wirkt.19,20,21

Vorreiter bei Null-Emissionszonen für Gütertransporte sind die Niederlande, wo mit Jahresbeginn 2025 18 Städte solche Zonen umgesetzt haben, bis zum Jahr 2030 sollen elf weitere dazukommen.22 Die Anzahl der neuzugelassenen Elektro-Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen hat im Jahr 2025 im Vorjahresvergleich um 48 Prozent zugenommen, deren Anteil an allen Neuzulassungen  lag im Jahr 2025 bei rund 84 Prozent. Bei E-Lkw über 3,5 Tonnen hat sich die Zahl der Neuzulassungen im selben Zeitraum mehr als verdoppelt.23

Erfolgreiche Verkehrsberuhigung in Mailand

Mailand führte im Jahr 1985 Zufahrtsregulierungen ein, im Jahr 2008 folgte ein Gebühren-System basierend auf Emissionsklassen, im Jahr 2012 wurde auf eine Stau-Gebühr umgestellt.a,b Der Durchzugsverkehr reduzierte sich im Jahr 2012 im Vorjahresvergleich um 31 Prozent, auch Feinstaub- und Stickoxid-Emissionen reduzierten sich. Im Jahr 2019 wurde mit der „Area B“ ergänzend eine Umweltzone für rund 70 Prozent des Stadtgebiets umgesetzt.c Im Jahr 2024 gab es im Vergleich zum Jahr 2016 um 13 Prozent weniger Kfz-Unfälle. Seit dem Jahr 2019 ist die Stickoxid-Konzentration in Mailand erstmals niedriger als im Stadt-Umfeld. Die Zahl der Fußgängerzonen hat seit dem Jahr 2016 bis 2024 um 27 Prozent zugenommen. Zudem sind im Jahr 2024 elf neue öffentliche Plätze entstanden und die Anzahl der Tourismus-Ankünfte ist im selben Zeitraum um 23 Prozent gestiegen.d,e

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Zufahrtsregulierung beruhigt Innenstädte

Italien wiederum ist Pionier bei der Verkehrsberuhigung von Innenstädten. Bereits im Jahr 1962 wurden Kfz vom Hauptplatz in Siena verbannt, auch in Bologna, Brescia und anderen Städten wurden erste Fußgängerzonen und Zufahrtsregulierungen zur Verkehrsberuhigung umgesetzt, bevor im Jahr 1989 ein landesweites Gesetz mit Definition einer „Zona a traffico limitato“ erlassen wurde.24 In Rom wurde sie im Jahr 1989 umgesetzt und seit dem Jahr 1999 per Kamera kontrolliert. Eine Evaluierung fünf Jahre später zeigt, dass der Kfz-Verkehr werktags um 20.000 Fahrzeuge pro Tag beziehungsweise 13 Prozent zurückging und Busse schneller fahren konnten. Spätere Evaluierungen zeigten, dass mehr Menschen mit Öffentlichem Verkehr, per Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sind. Dazu kommt, dass das zur Kontrolle notwendige Polizeipersonal nach Einführung des kamerabasierten Systems von 80 auf 16 Personen pro Tag reduziert werden konnte.25

Auch außerhalb Italiens sind Zufahrtsregulierungen mit und ohne kamerabasierter Kontrolle verbreitet. In Spanien gibt es sie in Summe in mehr als 30 Städten, in den Niederlanden und Deutschland in rund 20, in Frankreich in 15, in Belgien, Portugal, Polen, Großbritannien und der Schweiz in jeweils rund zehn Städten.26 Auch im Pariser Stadtzentrum wurde im November 2024, zusätzlich zu bestehenden Emissionszonen, eine Zufahrtsregulierung zur Unterbindung von Durchzugsverkehr umgesetzt.27 Für den ersten Bezirk in Wien zeigt eine Studie, dass der tägliche Verkehr durch ein kamerabasiertes Zufahrtssystem um rund 16.000 Fahrzeuge zurückgehen würde, was einer Reduktion um 30 Prozent entspricht.28

Von internationalen Beispielen lernen

Die Vielzahl an erfolgreichen internationalen Beispielen zeigt, dass urbanes Verkehrsmanagement wirkt. Ob Zufahrtsregulierung, Emissionszone oder City-Maut – in der Regel nimmt die Verkehrsbelastung ab, die Luftqualität verbessert sich, die Attraktivität des Öffentlichen Verkehrs steigt und Einnahmen können zur Querfinanzierung öffentlicher Mobilitätsangebote genutzt werden. Die Zustimmung steigt oft, wenn die positiven Effekte sichtbar werden.29,30 Auch gesamtgesellschaftlich entsteht ein Nutzen. Für das Beispiel der City-Maut in Stockholm kommt eine Berechnung auf rund 60 Millionen Euro an Netto-Nutzen pro Jahr, wobei auch für Private der Nutzen durch Zeitgewinne die Maut-Kosten deutlich übersteigt.31 Allein die Umsetzung von Null-Emissionszonen für Lkw und Busse in den sechs größten Städten Österreichs könnte die CO2-Emissionen um 70.000 Tonnen reduzieren, inklusive Pkw steigt das Potenzial auf 490.000 Tonnen CO2.32 Eine City-Maut für Pkw hätte ein CO2-Reduktionspotenzial bis 400.000 Tonnen, inklusive Lkw kämen weitere 120.000 Tonnen dazu.33 Allerdings fehlen für beide Maßnahmen in Österreich derzeit die gesetzlichen Grundlagen.

Chancen aus StVO-Novelle nutzen

In Österreich gibt es mit der „Section Control“ seit dem Jahr 2003 kamerabasierte Geschwindigkeitskontrollen auf bestimmten Straßenabschnitten, die Grundlagen für kamerabasiertes Zufahrtsmanagement wurden erst mit der 36. Novelle der Straßenverkehrsordnung geschaffen, die am 1. Mai 2026 in Kraft tritt.34 Mehr als 20 Städte haben im Vorfeld Interesse bekundet.35 Der Umsetzung steht somit nichts mehr im Wege.

VCÖ-Empfehlungen

Erfolg von urbanem Verkehrsmanagement vielfach belegt

  • Organisatorische Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung – von Umwelt- und Emissionszonen bis hin zu Zufahrtsregulierungen – haben sich in Europa seit Jahrzehnten in der Praxis gut bewährt.
  • Egal ob Klein- oder Millionenstadt, durch urbanes Verkehrsmanagement haben Städte praxiserprobte Instrumente zur Verbesserung des Verkehrsflusses sowie der innerstädtischen Lebensqualität bei der Hand.
  • Internationale Beispiele zeigen ähnliche Muster – nach Umsetzung reduziert sich die Verkehrsbelastung, der Verkehrsfluss erhöht sich, Angebote des Öffentlichen Verkehrs sowie Bedingungen für Gehen und Radfahren werden attraktiver und die Luftqualität wird besser.

Potenzial von städtischer Verkehrsberuhigung in Österreich nutzen

  • Die 36. Novelle der Straßenverkehrsordnung schafft im Jahr 2026 erstmals in Österreich die Voraussetzung, kameraunterstützte Zufahrtsregulierung umzusetzen. Die Umsetzung obliegt nun den Städten.
  • Für die Akzeptanz in der Bevölkerung sind begleitende Evaluierungen wichtig, um die Auswirkungen gut kommunizieren zu können.
  • Datenschutzrechtliche Bedenken sind ernstzunehmen, sollten aber nicht gegen eine sinnvolle Nutzung der neuen Möglichkeit ausgespielt werden.

Fragen und Antworten

Welche Belastungen gibt es in Städten aufgrund von Verkehr?

Durch hohen Verkehr treten besonders in den Ballungsräumen erhebliche Beeinträchtigungen für die Verkehrsteilnehmenden durch Stau und dem damit einhegenden Zeitverlust auf. Luftschadstoffe, Verkehrslärm sind zusammen mit der Klimaerwärmung zudem eine der wichtigsten Gesundheitsrisiken, wovon aktuell je nach Definition auch 20 bis 30 Prozent der europäischen Bevölkerung von schädlichem Level an Verkehrslärm ausgesetzt sind.

Wie Rolle spielt Verkehr als Lärmquelle?

Straßenverkehr ist die am weitesten verbreitete Lärmquelle. In Österreich nennt mit 48 Prozent fast die Hälfte der lärmgeplagten Bevölkerung Verkehr als Hauptlärmquelle, wobei Pkw mit 15 Prozent, Lkw mit 13 Prozent sowie Motorräder und Mopeds mit 12 Prozent am relevantesten sind.

Wie viele Städte setzen in Europa auf Verkehrsberuhigung durch Zufahrtsbeschränkungen?

Rund 650 Städte in ganz Europa setzen mit Anfang des Jahres 2026 auf unterschiedliche Formen von kamerabasiertem Verkehrsmanagement – zum Beispiel Emissionszonen, Zufahrtsregulierungen oder City-Maut-Systemen. Darüber hinaus haben weit mehr als 1.000 Städte zusätzlich manuell oder durch physische Barrieren kontrolliertes Verkehrsmanagement umgesetzt.

Welche Arten von kamerabasierten Verkehrsberuhigungen gibt es?

Die häufigste Form von kamerabasierten Systemen sind Zufahrtskontrollen, die es in rund 500 Städten Europas gibt, davon allein rund 440 in Italien. Weitere rund 130 Städte haben unterschiedliche Formen von kamerabasierten Niedrig- oder Null-Emissionszonen eingesetzt und in etwa 20 Städten gibt es City-Maut-Systeme. In Österreich gibt es mit der „Section Control“ seit dem Jahr 2003 kamerabasierte Geschwindigkeitskontrollen auf bestimmten Straßenabschnitten – jedoch per Anfang 2026 noch keine kamerabasierten Verkehrsmanagement-Systeme in Städten. Eine Novelle der Straßenverkehrsordnung erlaubt ab 1. Mai 2026 in Österreich erstmals die Einführung kameraunterstützter Zufahrtskontrollen.

Was bringen Zufahrtsregulierungen für Innenstädte?

Kurz gesagt: Weniger und schnelleren Verkehr. In Rom wurden Zufahrtsregulierungen im Jahr 1989 umgesetzt und seit dem Jahr 1999 per Kamera kontrolliert. Eine Evaluierung fünf Jahre später zeigt, dass der Kfz-Verkehr werktags um 20.000 Fahrzeuge pro Tag beziehungsweise 13 Prozent zurückging und Busse schneller fahren konnten. Spätere Evaluierungen zeigten, dass mehr Menschen mit Öffentlichem Verkehr, per Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sind. Dazu kommt, dass das zur Kontrolle notwendige Polizeipersonal nach Einführung des kamerabasierten Systems von 80 auf 16 Personen pro Tag reduziert werden konnte. Für den ersten Bezirk in Wien zeigt eine Studie, dass der tägliche Verkehr durch ein kamerabasiertes Zufahrtssystem um rund 16.000 Fahrzeuge zurückgehen würde, was einer Reduktion um 30 Prozent entspricht.

Was bringt eine City-Maut?

In Städten mit City-Maut ist nach der Einführung der Verkehr zurückgegangen. Neben positiven Effekten für die lokale Bevölkerung wie geringere Schadstoffemissionen ist auch die Durchschnittsgeschwindigkeit für die Straßenverkehrsteilnehmenden gestiegen, wie beispielsweise in London um 30 Prozent. Im Beispiel der City-Maut in Stockholm wird der Nettonutzen auf 60 Millionen Euro pro Jahr berechnet, wobei auch für Private der Nutzen durch Zeitgewinne die Maut-Kosten deutlich übersteigt.

Welche Emissionszonen gibt es per Anfang 2026 in Österreich?

In Österreich gibt es sogenannte Umweltzonen lediglich für Lkw mit der inzwischen veralteten Euroklasse 3 in Burgenland, Oberösterreich, Steiermark und Wien.14 Eine Ausnahme bildet ein rund 80 Kilometer langer Abschnitt der Inntalautobahn in Tirol, wo neben einem sektoralen und Nacht-Fahrverbot seit dem Jahr 2023 nur Lkw mit Euro 6 passieren dürfen.

Welche Umweltzonen gibt es in anderen Staaten Europas?

In Spanien und Frankreich sind sie für größere Städte gesetzlich vorgeschrieben, in Polen können Städte Umweltzonen über das Elektromobilitätsgesetz einrichten. Besonders verbreitet sind Umweltzonen auch in Italien. Die größte Umweltzone Italiens befindet sich mit der „Area B“ seit dem Jahr 2019 in Mailand. Kontrolliert wird mit fast 200 kameraüberwachten Schranken an der Stadtgrenze, zufahren dürfen nur moderne Euro 6-Lkw, für Diesel-Pkw gilt Euro 6, für Benzin-Pkw Euro 4, auch für Busse und Motorräder gibt es Vorgaben. Sogenannte „Zero Emission Zones“ oder Null-Emissionszonen für urbanen Güterverkehr gibt es insbesondere in den Niederlanden, wo sie per Jahresbeginn 2025 von 18 Städten umgesetzt wurden – mit dem Effekt, dass der Anteil an Elektro-Transportfahrzeugen stark gestiegen ist. Bis zum Jahr 2030 sollen noch elf weitere dazu kommen.

Welches Potenzial haben Emissionszonen oder eine City-Maut zur Reduktion der CO2-Emissionen in Österreich?

Allein die Umsetzung von Null-Emissionszonen für Lkw und Busse in den sechs größten Städten Österreichs könnte die CO2-Emissionen um 70.000 Tonnen reduzieren, inklusive Pkw steigt das Potenzial auf 490.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Eine City-Maut für Pkw hätte ein CO2-Reduktionspotenzial bis 400.000 Tonnen, inklusive Lkw kämen weitere 120.000 Tonnen dazu.

 

Michael Schwendinger, VCÖ ‑ Mobilität mit Zukunft

„In Zeiten der Energie-, Klima- und Budget-Krise sind effektive und kostengünstige Instrumente der Verkehrsplanung gefragt. Gut, dass es jetzt auch in Österreich die Möglichkeit gibt, Zufahrtsregulierungen nach internationalem Vorbild umzusetzen.“

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Quellen

Quellen Text

1 European Environment Agency (EEA): Environmental Noise in Europe 2025. Luxembourg/Kopenhagen: 2025 Weblink
2 Statistik Austria: Umweltbedingungen, Umweltverhalten 2023. Wien: 2024 Weblink
3 Urban Access Regulations: Urban Access Regulations in Europe. Datenbereitstellung für VCÖ per 02/2026 Weblink
4 Urban Access Regulations: Urban Access Regulations in Europe. Datenbereitstellung für VCÖ per 02/2026 Weblink
5 Bracher B.: Intelligente verkehrsabhängige Steuerung einer Citymaut. Dissertation an der Universität der Bundeswehr München. München: 2019 Weblink
6 Leihs D., u.a.: City-Maut im Kontext mit Verkehrsmanagement. In: Leihs D. u.a.: City-Maut. Springer Vieweg. Wiesbaden: 2014; S. 1-13  
7 Lorentzen A-P.: Road Tolls in Oslo. In: VCÖ-Veranstaltung am 23.10.2025. Wien: 2025 Weblink
8 Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD): London’s congestion charge and ist low emission zones. Paris: 2022 Weblink
9 Ding H., u.a.: Affected Area and Residual Period of London Congestion Charging Scheme on Road Safety. In: Transport Policy, 100/2021, S. 120-128 Weblink
10 Börjesson M., u.a.: The Stockholm congestion charges – 5 years on. Effects, acceptability and lessons learnt. In: Transport Policy, 20/2012, S. 1–12 Weblink
11 Fraser T., u.a.: A first look into congestion pricing in the United States: PM2,5 impacts after six months of New York City cordon pricing. In: npj Clean Air, 1/39, 2025 Weblink
12 Metropolitan Transportation Authority (MTA): Congestion Relief Zone Tolling. First evaluation report. January 2026. New York: 2026 Weblink
13 Andriolli A.C., Silva L.T.: Are Low Emission Zones Truly Embraced by the Public. In: Environments 11/106, 2024 Weblink
14 EU-Umweltplakette.de: Umweltzonen in Österreich. Stand: 04/2026 Weblink
15 Land Tirol: Fahrverbote nach IG-L. Fahrverbote und Geschwindigkeitsbeschränkung nach dem Immissionsschutzgesetz-Luft (IG-L). Stand: 04/2026 Weblink
16 Andriolli A.C., Silva L.T.: Are Low Emission Zones Truly Embraced by the Public. In: Environments 11/106, 2024 Weblink
17 Delgado-Lindeman M., u.a.: Characteristics and effects of low emission zones in Europe. A systematic literature review. In: European Transport Research Review, 17/54, 2025 Weblink
18 Gomez-Losada, A. und Pires, J. C. M.: Air quality assessment during the low emission zone implementation in Madrid (Spain). In: Urban Climate, 55/2024, 101995 Weblink
19 Commune di Milano: Area B. Mailand: 2026. Stand: 03/2026 Weblink
20 Comune di Milano: Mobility Forum 2025. AMAT Annual Report: Pedestrian areas, cycle paths, and 30 roads are increasing. NOx pollution is decreasing. Mailand: 2025. Zuletzt aktualisiert am 29.11.2025. Weblink
21 Sevino, V.: Area C and Area B in Milan. Mailand: 2022. Weblink
22 Transport and Environment (T&E), Clean Cities Campaign: The rise of electric vans and trucks. Early evidence from Dutch zero-emission zones for freight. 8.10.2025 Weblink
23 EU Kommission: Netherlands Electric Vehicle Market - 2025 Overview (BEV & PHEV). In: European Alternative Fuels Observatory. 3.2.2026 Weblink
24 DeRobertis M.: Brief History of Traffic Limited Zones (ZTL) in Italy and other early car-restricting strategies. In: World Transport Policy and Practice Journal, 27/2, 2022 Weblink
25 DeRobertis M., u.a.: The Most Widespread Traffic Control Strategy You’ve Never Heard Of: Traffic-Restricted Zones in Italy. 2016 Weblink
26 Urban Access Regulations: Urban Access Regulations in Europe. Datenbereitstellung für VCÖ per 02/2026 Weblink
27 Cite Paris: La Zone à trafic limité en vigueur dans le centre de Paris : comment ça marche ? Zuletzt aktualisiert am 30.5.2025. Weblink
28 Käfer A.: Potenzial von automatisierten Zufahrtskontrollen am Beispiel der Wiener Innenstadt. In: VCÖ-Veranstaltung am 23.10.2025. Wien: 2025 Weblink
29 Hautzinger H., u.a.: Eignung einer City-Maut als Instrument der Verkehrs- und Umweltpolitik in der Freien und Hansestadt Hamburg. Mannheim/Heilbronn: 2011 Weblink
30 Kaiser L-T.: Rahmenbedingungen und Wirkungen einer Citymaut in Wien. Diplomarbeit an der Technischen Universität Wien. Wien: 2023 Weblink
31 Hagen T., Reining M.: Übersicht über mögliche ökonomische Auswirkungen von City-Mauts. Frankfurt: 2019 Weblink
32 Umweltbundesamt: Maßnahmenbericht für eine sozial- und klimaverträgliche Mobilitätswende. Sachstand Mobilität 2024. Wien: 2024 Weblink
33 Umweltbundesamt: Sachstandsbericht Mobilität. Endbericht. Mögliche Zielpfade zur Erreichung der Klimaziele 2050 mit dem Zwischenziel 2030. Wien: 2019 Weblink
34 Asfinag: Die Section Control: Warum sie das Erfolgsrezept für mehr Verkehrssicherheit ist. Asfinag-Blog, 19.9.2023. Wien: 2023 Weblink
35 Österreichischer Städtebund: Städtebund begrüßt automatisierte Ein- und Zufahrtskontrollen. Mehr als 20 Städte in Österreich wollen verkehrsberuhigte Innenstadt. 16.10.2025. Wien: 2025 Weblink

 

Quellen Beispielkasten

a DeRobertis M., u.a.: The Most Widespread Traffic Control Strategy You’ve Never Heard Of: Traffic-Restricted Zones in Italy. 2016 Weblink
b Marchetti E., Antonelli Ch.: Social aspects of low emission zones: Milan case study. In: Institute for European Environmental Policy, 6/2024 Weblink
c Sevino, V.: Area C and Area B in Milan. Mailand: 2022 Weblink
d Agenzia Mobilità Ambiente e Territorio (AMAT): Report della Mobilità 2024 Milano. Mailand: 2025 Weblink
e Agenzia Mobilità Ambiente e Territorio (AMAT): Mobility Forum 2025. AMAT Annual Report: Pedestrian areas, cycle paths, and 30 roads are increasing. NOx pollution is decreasing. 29.11.2025 Weblink

 

 

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