Freilandstraßen in Österreich sicherer machen

In Österreich sterben besonders viele Menschen bei Verkehrsunfällen auf Freilandstraßen. Auf Straßen mit Tempolimit 100 passierten zuletzt 70 Prozent der tödlichen Unfälle. Österreich zählt in Europa zu den wenigen Ländern mit Tempo 100 als Standard auf Freilandstraßen.

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VCÖ - Mobilität mit Zukunft (April 2026) – Die meisten tödlichen Verkehrsunfälle in Österreich passieren auf Freilandstraßen, also Straßen im Freiland mit Ausnahme von Autobahnen und Schnellstraßen. Im Jahr 2025 kamen auf Freilandstraßen 249 Menschen ums Leben.1 Mit jährlich 30 Getöteten auf Freilandstraßen pro Million Einwohnende belegt Österreich Platz 24 von 28 europäischen Ländern. Nur Litauen, Tschechien, Lettland und Bulgarien schneiden schlechter ab. Etwa 130 Menschenleben könnten jährlich gerettet werden, würde Österreich ein ähnliches Niveau wie die Schweiz, die Niederlande oder Schweden erreichen.2

Hohe Kosten durch Unfälle auf Freilandstraßen

Die hohe Anzahl der Unfälle verursacht nicht nur viel Leid, sondern kommt auch der Volkswirtschaft sehr teuer. Allein im Jahr 2024 entstanden in Österreich für Sach- und Personenschäden Unfallkosten in Höhe von 3,7 Milliarden Euro.3 Österreichs Verkehrssicherheitsstrategie 2021 - 2030 sieht vor, die Anzahl der Verkehrstoten bis zum Jahr 2030 auf 207 und die der Schwerverletzten auf 3.870 zu reduzieren.4 Um diese Ziele zu erreichen, braucht es verstärkte Maßnahmen für sicherere Freilandstraßen. Eine Reduktion des Tempolimits ist effektiv und kostengünstig umzusetzen.

Grafik zeigt die Auswirkungen von Tempo 80 auf tödliche Verkehrsunfälle
Österreich weist pro Million Einwohnende deutlich mehr Verkehrs- tote auf Freilandstraßen auf als die sichersten Staaten Europas.

Motorisiert, männlich, abgelenkt, zu schnell

Im Jahr 2025 waren acht von zehn der auf Freilandstraßen tödlich Verunglückten Pkw-Insassen und Motorradfahrende.5 Die detaillierte Analyse der Unfallzahlen aus dem Jahr 2024 zeigt, dass Männer viermal so häufig von tödlichen Unfällen auf Freilandstraßen betroffen sind wie Frauen. Besonders auffällig ist zudem, dass insgesamt über 70 Prozent der tödlichen und zudem 63 Prozent der schweren Unfälle auf Freilandstraßen mit Tempolimit 100 passierten. Unachtsamkeit und Ablenkung sowie nicht angepasste Geschwindigkeit sind insgesamt die häufigsten Unfallursachen. Zudem wurden im Jahr 2024 auf Freilandstraßen zwölf Fußgängerinnen und Fußgänger tödlich verletzt. 14 der 15 tödlich verletzten Radfahrenden auf Freilandstraßen verunglückten auf der Fahrbahn. Diese Daten unterstreichen die Bedeutung baulich getrennter Geh- und Radwege.6

Riskantes Fahrverhalten erhöht Unfallrisiko

Die Pkw-Lenkerinnen und Lenker in Österreich zeigen laut eigenen Aussagen ein deutlich höheres Risikoverhalten als der europäische Durchschnitt. So geben in Österreich 73 Prozent der Befragten an, in den vergangenen 30 Tagen auf Freilandstraßen schneller als erlaubt gefahren zu sein. Im europäischen Vergleich sind es dagegen nur 53 Prozent, und das, obwohl in Österreich mit Tempolimit 100 als Standardgeschwindigkeit ein höheres Tempolimit gilt, als in den meisten europäischen Ländern. 32 Prozent der Lenkerinnen und Lenker in Österreich gaben an, während der Fahrt Texte am Handy gelesen zu haben. Im Vergleich dazu tun dies im europäischen Durchschnitt nur 23 Prozent. In Österreich ist auch die Akzeptanz für riskantes Verhalten deutlich höher als im europäischen Durchschnitt. So halten 18 Prozent überhöhtes Tempo auf Freilandstraßen für akzeptabel, während dies im restlichen Europa nur zehn Prozent so sehen.7

Temporeduktion erhöht Verkehrssicherheit

Unterschiedliche Faktoren beeinflussen das Risiko bei schweren Verkehrsunfällen zu sterben. Dazu zählen der Straßenzustand, der Zustand des Fahrzeugs, die Gurtanlegequote sowie die medizinische Versorgung. Gemäß physikalischer Grundgesetze sind Unfallhäufigkeit und Unfallschwere in hohem Maße von der Fahrgeschwindigkeit abhängig. Während ein Pkw bei 80 km/h nach 47 Metern Anhalteweg bereits stillsteht, hat dasselbe Fahrzeug bei einer Ausgangsgeschwindigkeit von 100 km/h an diesem Punkt noch eine Restgeschwindigkeit von 71 km/h.8 Modellierungen der Verkehrswissenschaft besagen, dass eine Reduktion der Durchschnittsgeschwindigkeit um nur fünf Prozent zu einem Rückgang der Unfälle mit Personenschaden um acht Prozent, einer Reduktion der Anzahl von Schwerverletzten um 16 Prozent und der Anzahl von Getöteten um 21 Prozent führt.9

Tempolimit 80 als Standard im Freiland wirkt

Neben Deutschland ist Österreich das einzige EU-Land mit Tempolimit 100 als Standardgeschwindigkeit auf Freilandstraßen. In den meisten europäischen Ländern gilt Tempo 90. In der Schweiz, Dänemark, den Niederlanden, Zypern, Norwegen und Teilen Frankreichs gilt Tempo 80, in Schweden Tempo 70 und in Irland seit dem Jahr 2025 teilweise sogar Tempo 60.10,11,12

Behörden in Österreich können eine Tempolimitreduktion zur Erhöhung der Verkehrssicherheit verordnen.13 In der Praxis kann das bedeuten, dass ein Tempolimit erst reduziert wird, nachdem ein Unfall passiert ist. Tempolimit 80 als Standardgeschwindigkeit könnte diese Problematik entschärfen und Verkehrsunfälle verhindern. So führte in der Schweiz die Senkung des Tempolimits auf Freilandstraßen von 100 auf 80 km/h im Jahr 1985 zu einer Reduktion der Verletzten und Getöteten um zehn Prozent.14

Auch in Tirol wurden positive Erfahrungen mit Tempo 80 gemacht: Im Zeitraum von 1990 bis 1993 sank die Zahl der Verkehrstoten durch die Reduktion des Tempolimits auf 80 km/h auf Freilandstraßen um 17 Prozent, während der Rückgang im Rest Österreichs lediglich neun Prozent betrug. Nach Aufhebung von Tempolimit 80 stiegen die Todeszahlen in Tirol im Zeitraum 1994 bis 1995 um 41 Prozent an, obwohl sie im übrigen Bundesgebiet zur selben Zeit um zehn Prozent sanken.15

Temporeduktion in Frankreich zeigte Wirkung

In Frankreich wurde im Jahr 2018 auf zweistreifigen Landstraßen ohne Mittelstreifen das Tempolimit von 90 auf 80 km/h reduziert. Auf diesen Straßen sank die Zahl der Verkehrstoten im Vergleich zum übrigen Straßennetz um zwölf Prozent. Die durchschnittliche Fahrzeit verlängerte sich je Kilometer nur um eine Sekunde. Die Unfallkosten konnten so um 1,2 Milliarden Euro pro Jahr reduziert werden. Die Akzeptanz der Maßnahme hat sich insbesondere in ländlichen Regionen gefestigt. Besonders deutlich zeigte sich dies bei den strikten Gegnerinnen und Gegnern: Deren Anteil halbierte sich zwischen dem Jahr 2018 und 2020 auf 20 Prozent.34 Nachdem im Jahr 2020 das Tempo in 39 Departements wieder auf 90 km/h erhöht wurde, stieg die Anzahl der Verkehrstoten auf Freilandstraßen im Jahr 2021 wieder um 13 Prozent an.35

Tempo 80 schützt und spart Energie

Bei niedrigerem Tempo steigt die Leistungsfähigkeit der Straßen, da der Verkehrsfluss je nach Kurvigkeit und Lkw-Anteil gleichmäßiger wird.16 Schmälere Straßenquerschnitte sind möglich, was darüber hinaus bei Neubau oder Sanierungen Kosten spart.17 Angesichts wiederkehrender Energiekrisen gewinnt zudem der geringere Energieverbrauch an Bedeutung: Tempolimit 80 statt 100 senkt den Spritverbrauch um etwa sechs Prozent.18 Das reduziert nicht nur die Kosten für Autofahrende, sondern auch die Abhängigkeit Österreichs von Erdölimporten und hoch volatilen Energiepreisen. Zudem verringert diese Maßnahme die Lärmbelastung um zwei Dezibel. Ein Unterschied, der für das menschliche Ohr einer Verringerung des Verkehrsaufkommens um ein Drittel entspricht.19 Der Zeitverlust ist dabei gering: Auf zehn Kilometern beträgt er bei Tempo 80 rechnerisch nur 90 Sekunden und fällt in der Praxis meist noch geringer aus.

Strafen sind in Österreich zu niedrig

88 Prozent der Kfz-Lenkenden in Österreich halten sich auf Freilandstraßen an das Tempolimit 100. Bei Tempolimit 80 sind es nur 74 Prozent.20 Jährlich werden hierzulande mehr als fünf Millionen Geschwindigkeitsüberschreitungen von der Polizei angezeigt oder mit Organstrafverfügung geahndet.21 Problematisch ist, dass von den Behörden je nach Bundesland unterschiedliche Straftoleranzen angewendet werden. Durch die gewährten Straf- und Messtoleranzen kann davon ausgegangen werden, dass in Österreich bei Tempolimit 100 erst ab 113 km/h gestraft wird.22,23 In der Schweiz wird bereits ab 103 km/h außerorts gestraft. Zudem wird bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 30 km/h außerorts der Führerschein für mindestens drei Monate entzogen.24 In Österreich erfolgt ein einmonatiger Führerscheinentzug erst ab einer Überschreitung von 50 km/h.25 Bei einer Überschreitung von 20 km/h ist in Österreich mit einer Strafe bis zu 50 Euro zu rechnen, in der Schweiz hingegen mit umgerechnet etwa 260 Euro.26 In Österreich ist Schnellfahren zudem kein Delikt im Vormerksystem. Laut einer Studie könnte alleine die Änderung der Straftoleranzen, Strafhöhen und des Führerscheinentzugs auf das Schweizer Niveau auf Freilandstraßen pro Jahr sechs Prozent Verletzte und acht Prozent Getötete verhindern.27

Mehr Geschwindigkeitskontrollen durchführen

Die Akzeptanz von riskantem Fahrverhalten in Österreich zeigt, dass mehr Geschwindigkeitskontrollen nötig sind. Derzeit liegt der Verwaltungsaufwand für die Überwachung der Verkehrsregeln auf Landesstraßen B bei den Bundesländern, die Strafgeldeinnahmen fließen jedoch zur Gänze an den Bund.28 Um diese Schieflage auszugleichen und eine bessere Einhaltung der Verkehrsregeln zu gewährleisten, sollte dafür ein Teil der Einnahmen zweckgebunden an die Bundesländer gehen.

Maßnahmen konsequent umsetzen

Im Jahr 2024 wurde der Aktionsplan Geschwindigkeit, mit dem Ziel Unfälle durch nicht angepasste Geschwindigkeit zu verringern, vom Verkehrsministerium veröffentlicht. 14 der 20 Maßnahmen zielen auf Tempolimit-Reduktionen ab sowie auf Verbesserungen bei Überwachung und Sanktionen, darunter höhere Strafen mit Verwaltungsstrafregister und der Einsatz der Section Control auf Landesstraßen.29 Wie das Beispiel Gföhler Berg in Niederösterreich zeigt, ist diese Form der Geschwindigkeitskontrolle erfolgreich. Die Durchschnittsgeschwindigkeit sank hier um bis zu 11 km/h. Es gab um 75 Prozent weniger Unfälle und die Unfallfolgekosten gingen von 212 auf 29 Euro je 1.000 Fahrzeugkilometer zurück.30 Neben dem verstärkten Einsatz von Section Control sollten gemäß dem Aktionsplan „Road Safety Inspections“ auch auf Landesstraßen, und nicht nur auf Autobahnen und Schnellstraßen, durchgeführt werden, um im Zuge von Sanierungen Unfallhäufungsstellen prioritär zu entschärfen. Was bislang fehlt, ist die konsequente Umsetzung dieses Aktionsplans.31

Verkehr sicherer und sparsamer machen

Österreich schneidet bei Unfällen auf Freilandstraßen im europäischen Vergleich besonders schlecht ab, was jährlich viele Menschenleben fordert und Kosten in Milliardenhöhe verursacht. Eine Reduktion des Tempolimits kann schnell und kostengünstig die Sicherheit erhöhen und gleichzeitig den Energieverbrauch im Verkehr senken. Damit Tempolimits wirken, braucht es deren Einhaltung. Auch bei den Strafhöhen und Toleranzen in Österreich besteht Verbesserungsbedarf, um das Verkehrssicherheitsziel zu erreichen und die Unfallzahlen spürbar zu reduzieren.32,33

VCÖ-Empfehlungen

Verkehrssicherheit auf Freilandstraßen in Österreich erhöhen

  • Tempo 80 statt Tempo 100 auf Freilandstraßen als Regelgeschwindigkeit in der Straßenverkehrsordnung verankern.
  • Für aktive Mobilität baulich getrennte Geh- und Radwege sowie sichere Straßenquerungsmöglichkeiten auf Freilandstraßen umsetzen.
  • Maßnahmen zur Eindämmung von Ablenkung und Unachtsamkeit umsetzen. Schnellfahren und Handy am Steuer sollten als Delikt im Vormerksystem aufgenommen werden.
  • Zweckgebundene Aufteilung der Einnahmen aus Kontrollen auf Landesstraßen B vom Bund an die Bundesländer einführen.
  • Pilotprojekte oder dauerhafte Umsetzung und begleitende Evaluierung durchführen, um die Wirkung von Tempo 80 darstellen zu können.

Weitere Maßnahmen des Aktionsplans Geschwindigkeit umsetzen

  • Auf Freilandstraßen verstärkte Überwachung auch mit Section Control einführen.
  • Transparenten Strafgeldkatalog einführen.
  • Strafhöhen und Straftoleranzen nach dem Vorbild der Schweiz anpassen.
  • Zentrales Verwaltungsstrafregister einführen.

Fragen und Antworten

Warum sind Freilandstraßen in Österreich ein Problem?

Die meisten tödlichen Unfälle in Österreich passieren nicht im Stadtgebiet oder auf der Autobahn, sondern auf Freilandstraßen. Im Jahr 2025 verloren auf Freilandstraßen in Österreich 249 Menschen ihr Leben – das sind 63 % aller Verkehrstoten in Österreich. Im europaweiten Vergleich belegt Österreich bei den tödlichen Unfällen auf Freilandstraßen je Million Einwohnerin oder Einwohner nur den schlechten 24. Platz von 28 Ländern. Würde Österreich ein ähnliches Sicherheitsniveau wie die Schweiz, Slowenien, Zypern, die Niederlande oder Schweden erreichen, könnten jährlich rund 130 Menschenleben gerettet werden.

Wer ist am häufigsten in schwere Unfälle auf Freilandstraßen verwickelt?

Männer sind viermal so häufig von tödlichen Unfällen auf Freilandstraßen betroffen wie Frauen. Acht von zehn Todesopfern sind Pkw-Insassen oder Motorradfahrende. Die Hauptursachen sind Unachtsamkeit, Ablenkung (z. B. Handy am Steuer) und nicht angepasste Geschwindigkeit. Viele der Unfälle von Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrenden passieren auf Freilandstraßen dort, wo eine sichere Infrastruktur fehlt.

Welche finanziellen Folgen haben Unfälle für die Gesellschaft?

Hinter jedem Verkehrsunfall steht nicht nur menschliches Leid, sondern auch eine enorme wirtschaftliche Belastung. Allein im Jahr 2024 verursachten Sach- und Personenschäden auf Österreichs Freilandstraßen Kosten von 3,7 Milliarden Euro. Das ist Geld, das die gesamte Volkswirtschaft trägt.

Warum sollte ein niedrigeres Tempolimit als Standard auf Freilandstraßen gelten?

Ein Pkw, der bei 80 km/h nach 47 Metern bereits steht, hat bei einem Ausgangstempo von 100 km/h an exakt demselben Punkt noch eine Restgeschwindigkeit von 71 km/h. Schon eine Senkung der Durchschnittsgeschwindigkeit um nur 5 Prozent reduziert die Zahl der Getöteten statistisch um 21 Prozent. Österreich und Deutschland sind die einzigen Länder, die standardmäßig an Tempo 100 auf Freilandstraßen festhalten. Viele andere Länder setzen auf niedrigere Limits: In der Schweiz, Dänemark, den Niederlanden und Norwegen gilt Tempo 80, in Schweden Tempo 70 und in Irland sogar teilweise Tempo 60.

Was würde eine Senkung auf Tempo 80 bringen?

Schon eine geringe Senkung der Durchschnittsgeschwindigkeit hat massive Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit. Laut Verkehrswissenschaft sinkt bei nur 5 Prozent weniger Durchschnittgeschwindigkeit die Zahl der Getöteten um 21 Prozent. Historische Beispiele zeigen die Wirksamkeit von Tempo 80, denn während die Senkung von 100 auf 80 km/h im Jahr 1985 in der Schweiz zu zehn Prozent weniger Verletzten und Getöteten führte, sank die Zahl der Verkehrstoten in Tirol in den 1990er Jahren bei Tempo 80 um 17 Prozent. Bei einer Aufhebung dieses Limits stieg diese wieder um 41 Prozent.

Auch in Frankreich sank nach einer Reduktion von Tempo 90 auf 80 im Jahr 2018 die Zahl der Verkehrstoten auf den betroffenen zweispurigen Landstraßen ohne Mittelstreifen um zwölf Prozent.

Verliere ich durch Tempo 80 nicht zu viel Zeit?

Der Zeitverlust ist minimal und wird oft überschätzt. Auf einer Strecke von 10 Kilometern verliert man rechnerisch nur etwa 90 Sekunden. In der Praxis ist der Unterschied sogar noch geringer, da Kurven, Lkw oder Traktoren die Geschwindigkeit ohnehin oft drosseln. Das Beispiel Frankreich zeigt: Nach der Senkung von 90 auf 80 km/h verlängerte sich die reale Fahrzeit pro Kilometer um lediglich eine Sekunde, während die Unfallzahlen massiv sanken.

Welche zusätzlichen Vorteile hat Tempo 80?

Niedrigere Geschwindigkeiten sorgen für einen gleichmäßigeren Verkehrsfluss und ermöglichen gleichzeitig eine Kostenersparnis durch den Bedarf schmalerer Straßenquerschnitte. Auch aus ökologischer Sicht ergeben sich Vorteile: Bei Tempo 80 anstelle von 100 sinken sowohl der Kraftstoffverbrauch als auch die CO₂-Emissionen um rund sieben Prozent. Darüber hinaus reduziert sich die Lärmbelastung um etwa zwei Dezibel, was für das menschliche Ohr einer Verringerung des Verkehrsaufkommens um etwa ein Drittel entspricht.

Wie kann ein niedrigeres Tempolimit auf Freilandstraßen umgesetzt werden?

Derzeit müssen Behörden jede Reduktion einzeln verordnen – oft geschieht dies erst, nachdem ein Unfall passiert ist. Der VCÖ empfiehlt daher:

  1. StVO-Anpassung: Tempo 80 soll als allgemeine Regelgeschwindigkeit in der Straßenverkehrsordnung verankert werden.
  2. Tempo 100 nur als Ausnahme: Höhere Geschwindigkeiten sollen nur dort erlaubt sein, wo die Infrastruktur (z. B. durch bauliche Trennung) nachweislich sicher genug dafür ist.
Warum gilt die Schweiz als Sicherheits-Vorbild für Österreichs Straßen?

Die Schweiz zeigt, dass strengere Regeln Leben retten. Vier Faktoren machen den Unterschied:

  1. Das Tempolimit: In der Schweiz gilt auf Freilandstraßen konsequent Tempo 80 als Standard. Als dieses Limit 1985 von 100 auf 80 km/h gesenkt wurde, sank die Zahl der Verletzten und Getöteten sofort um 10 Prozent. In Österreich sind 100 km/h weiterhin die Regel.
  2. Niedrigere Straftoleranz: Während in Österreich oft erst ab 113 km/h (bei erlaubten 100) gestraft wird, blitzt es in der Schweiz bereits ab 103 km/h.
  3. Höhere Strafen: Wer 20 km/h zu schnell fährt, zahlt in Österreich ca. 50 €, in der Schweiz umgerechnet rund 260 €.
  4. Konsequentes Fahrverbot: Ein Führerscheinentzug droht in der Schweiz bereits bei geringeren Überschreitungen und dauert deutlich länger (z. B. 3 Monate ab 30 km/h zu viel).
Was empfiehlt der VCÖ um Freilandstraßen in Österreich sicherer zu machen?

Was empfiehlt der VCÖ um Freilandstraßen in Österreich sicherer zu machen?

Um die die Zahl der Verkehrstoten und schwer Verletzen auf Freilandstraßen in Österreich zu senken empfiehlt der VCÖ:

  1. Tempo 80 als Standard auf Freilandstraßen in der StVO verankern.
  2. Höhere Strafen & niedrigere Toleranzen nach Schweizer Vorbild.
  3. Bessere Infrastruktur: Baulich getrennte Radwege und sichere Überquerungshilfen.
  4. Mehr Kontrolle: Verstärkter Einsatz von Section Control, besonders an Unfallhäufungspunkten.
 

Klara Maria Schenk, VCÖ ‑ Mobilität mit Zukunft

„Tempo 80 als Standardgeschwindigkeit auf Freilandstraßen ist eine einfache, rasch umsetzbare und kostengünstige Maßnahme, um die Anzahl der Verkehrstoten in Österreich zu reduzieren.“

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Quellen

Quellen

1 Bundesministerium für Inneres: Verkehrsunfallstatistik: 397 Verkehrstote auf Österreichs Straßen im Jahr 2025. Wien, 2026. Zugriff am 29.01.2026. Weblink
2 Eigene Berechnungen nach European Commission: Annual statistical report on road safety in the EU 2025 (European Road Safety Observatory, p. 57). European Commission, Directorate General for Transport. Wien. 2026. Zugriff am 29.01.2026. Weblink
3

Statistik Austria Straßenverkehrsunfälle nach ausgewählten Merkmalen
Statistik Austria. Straßenverkehrsunfälle 2024. Mit Personenschaden. Wien, 2025.
DESTATIS: Straßenverkehrsunfälle mit Personenschaden, Getöteten, Schwer- und Leichtverletzten: Deutschland, Jahre, Straßenklasse, Ortslage.
Sedlacek, N., Steinacher, I., Neustifter, R., & Donaubauer, M.: Unfallkostenrechnung Straße 2022 (No. 55; VSF kompakt, p. 3). Österreichischer Verkehrssicherheitsfonds, Wien. 2022
Statistik Austria. „Verbraucherpreisindex (VPI/HVPI)“

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4 BMIMI: Österreichische Verkehrssicherheitsstrategie 2021-2030. Wien, 2021. Weblink
5 Bundesministerium für Inneres: Verkehrsunfallstatistik 2025 auf VCÖ-Anfrage
6 Statistik Austria: Straßenverkehrsunfälle nach ausgewählten Merkmalen; Statistik Austria. Straßenverkehrsunfälle 2024. Mit Personenschaden. Wien, 2025 auf VCÖ-Anfrage
7 KFV: Verkehrssicherheitsreport: Sicherheitsniveau und Trends im Straßenverkehr Österreich 2025. Wien, 2025. Weblink
8

Osthöver, M., Dralle, J., Pfeffer, P. E., & Albig, J.: Entwicklung von Leistungsgewicht und Bremsweg bei Pkw in den letzten 30 Jahren. ATZ - Automobilitechnische Zeitschrift, 126, 60–64, Wien 2024
Brösdorf, K.-D., Burg, H., Moser, A., & Martinsohn, M. (2017). Pkw-Pkw-Unfälle. In Handbuch Verkehrsunfallrekonstruktion (3. Auflage, pp. 455–482). Springer Vieweg
Becke, M., Burg, H., & Moser, A.: Kinematik. In Handbuch Verkehrsunfallrekonstruktion (3. Auflage, pp. 117–183). Springer Vieweg. 2017

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9 KFV: Geschwindigkeitsüberwachung durch Gemeinden Dossier 2023. Wien, 2023. Weblink
10 Your Europe: Road rules and safety. Zugriff am 29.01.2026. Weblink
11 Government of Ireland: Speed limits on rural and local roads change from 80 km/h to 60 km/h. 2025. Zugriff am 30.01.2026. Weblink
12 Connexion: More French roads return to 90 km/h speed limit. 2025. Zugriff am 30.01.2026. Weblink
13 RIS: Straßenverkehrsordnung. Zugriff am 30.01.2026. Weblink
14 Umweltbundesamt: Weniger ist mehr! Was bringen Tempolimits. Wien, 2014. Zugriff am 30.01.2026. Weblink
15 FVS: Tempo 80 aud Freilandstraßen. Wien, 2007. Weblink
16 FSV: Ein neuer Ansatz für höchstzulässige Geschwindigkeiten im Straßenverkehr in Österreich aus synergetischer, nachhaltiger Sicht. 2022. Weblink
17 FSV: Querschnittselemente sowie Verkehrs- und Lichtraum von Freilandstraßen. 2024. Weblink
18 FSV: Ein neuer Ansatz für höchstzulässige Geschwindigkeiten im Straßenverkehr in Österreich aus synergetischer, nachhaltiger Sicht. 2022. Weblink
19 Umweltbundesamt: Niedrige Geschwindigkeit spart Energie und schont die Umwelt. Zugriff am 30.01.2026. Weblink
20 BMIMI: Aktionsplan Geschwindigkeit. Wien, 2024. Weblink
21 KFV: Geschwindigkeitsüberwachung durch Gemeinden Dossier 2023. Wien, 2023. Weblink
22 Mellauner M. et al.: Auswirkungen von Geschwindigkeiten auf Unfallgeschehen und Reisezeiten. Wien, 2021. Weblink
23 Krismer-Huber, H.: Anfrage betreffend Toleranzgrenzen bei Geschwindigkeitsübertretungen. 2019. Weblink
24 Kanton Zürich: Zu schnell fahren. Zugriff am 29.01.2026 Weblink
25 BMIMI: Führerscheinentzug - Delikte. Zugriff am 29.01.2026. Weblink
26 finanz.at: Bußgeldkatalog - Verkehrsstrafen und Bußgelder in Österreich. Zugriff am 29.01.2026. Weblink
27 Eigene Berechnungen nach Mellauner M. und Statistik Austria. 2025.

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28 RIS: Straßenverkehrsordnung. Zugriff am 30.01.2026. Weblink
29 BMIMI: Aktionsplan Geschwindigkeit. Wien, 2024. Weblink
30 Strnad, B., Zuser, V., Winkelbauer, M., & Soteropoulos, A. (2019). Section Control—Wirksamkeit und Einsatzempfehlungen (KFV - Sicher Leben No. 14). Kuratorium für Verkehrssicherheit. Weblink
31 BMIMI: Aktionsplan Geschwindigkeit. Wien, 2024. Weblink
32 FSV: Ein neuer Ansatz für höchstzulässige Geschwindigkeiten im Straßenverkehr in Österreich aus synergetischer, nachhaltiger Sicht. 2022. Weblink
33 FSV: Querschnittselemente sowie Verkehrs- und Lichtraum von Freilandstraßen. 2024. Weblink
34 Cerena: Reduction of the maximum authorized speed to 80 km/h: Final evaluation report. 2020. Weblink
35 French Road Safety Observatory: Increasing the Speed Limit to 90 km/h on certain departmental roads. 2022. Weblink

 

 

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