Mehr Radverkehr durch sichere Infrastruktur

Radfahren ist gesund, wirtschaftlich sinnvoll und gewinnt als Alltagsverkehrsmittel zunehmend an Bedeutung. Sichere Radinfrastruktur ist der entscheidende Hebel, um mehr Menschen das Radfahren zu ermöglichen und gleichzeitig bestehende Radfahrende besser zu schützen.

VCÖ-Factsheet "Mehr Radverkehr durch sichere Infrastruktur" PDF-Download

VCÖ - Mobilität mit Zukunft (Juni 2026) – Der Radverkehr gewinnt in Österreich an Bedeutung. In Wien etwa stieg der Radverkehrsanteil von sieben Prozent im Jahr 2019 auf 10,5 Prozent im Jahr 2025, in der Steiermark von sechs Prozent im Jahr 2014 auf neun Prozent im Jahr 2024 und in Vorarlberg von 16 Prozent im Jahr 2017 auf 22 Prozent im Jahr 2023.1 Österreichs Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, diese Dynamik weiter zu stärken und den Radverkehrsanteil von sieben Prozent im Jahr 2013 auf 14 Prozent bis zum Jahr 2030 zu steigern.2 Um dieses Ziel zu erreichen braucht es vor allem eines – mehr sichere Radinfrastruktur.

Sichere Radinfrastruktur attraktiviert Radfahren

Radfahren ist platzsparend, gesund, klimaverträglich und volkswirtschaftlich sinnvoll. Doch ob Menschen überhaupt aufs Rad steigen, entscheidet die Qualität der Radinfrastruktur: Studien zeigen, dass rund die Hälfte der Bevölkerung Interesse am Radfahren hat, es aber nur tut, wenn sie sich sicher fühlt.3 Sichere Infrastruktur führt zu mehr Radfahrerinnen und Radfahrern und diese steigern wiederum die Sicherheit: Mit steigendem Radverkehr geht die Anzahl der Unfälle zurück, da Kfz-Lenkende im Umgang mit mehr Radverkehr routinierter und aufmerksamer werden.4

Radfahren: ein unterschätzter Wirtschaftsfaktor

Der Radverkehr in Österreich sichert in Summe rund 46.000 Arbeitsplätze, beispielsweise im Fahrradfachhandel, in der Verkehrsplanung und Infrastrukturerrichtung bis hin zum Radtourismus. Die Branche schafft dabei eine Wertschöpfung von rund drei Milliarden Euro pro Jahr, vergleichbar mit der Papierindustrie oder der Telekommunikation. Jeder in der Radwirtschaft erwirtschaftete Euro löst zudem weitere 0,64 Euro an Wertschöpfung in anderen Sektoren aus.5 Im Jahr 2025 wurden in Österreich rund 389.000 Fahrräder mit einem Gesamtumsatz von rund 1,1 Milliarden Euro verkauft, 57 Prozent davon E-Bikes.6 In den vergangenen fünf Jahren wurden in Österreich rund 2,1 Millionen Fahrräder verkauft, fast doppelt so viele wie neue Pkw.7

Hoher Gesundheitsnutzen durch Radfahren

Zum wirtschaftlichen Nutzen kommt ein erheblicher Gesundheitseffekt hinzu: Regelmäßiges Radfahren reduziert das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs deutlich. So zeigte eine britische Studie mit über 260.000 Pendlerinnen und Pendlern ein um 46 Prozent niedrigeres Herzerkrankungsrisiko und eine um 45 Prozent niedrigere Krebsinzidenz bei Menschen, die mit dem Rad zur Arbeit fahren.8 Aktiv mobile Pendlerinnen und Pendler haben auch weniger Krankenstandstage als Autopendlerinnen und Autopendler: konkret bis zu 4,5 Tage weniger pro Jahr, wie eine finnische Studie mit fast 29.000 Beschäftigten aufzeigte. Ein direkter Vorteil für Betriebe und das Gesundheitssystem.9 Mehr Radverkehr reduziert somit nicht nur Emissionen und Staus, sondern auch Folgekosten im Gesundheitssystem. Eine britische Analyse von Radinfrastruktur-Programmen stellte fest, dass pro investiertem Euro bis zu 5,5 Euro an volkswirtschaftlichem Nutzen entstehen – durch bessere Gesundheit, weniger Stau und Emissionen sowie gesteigerte Verkehrssicherheit.10

Großer Aufholbedarf bei Radinfrastruktur

In Österreich gibt es rund 11.000 Kilometer Radverkehrsanlagen, von Radfahrstreifen und Fahrradstraßen bis hin zu Begegnungszonen. Hinzu kommen mehr als 8.000 Kilometer verkehrsberuhigte Straßen mit Tempo 30. Baulich getrennte Radwege machen mit rund 550 Kilometern nur einen kleinen Teil aus. Das gesamte Kfz-Straßennetz ist mit fast 130.000 Kilometern deutlich länger.11

Zwischen 2022 und 2024 sind alle in der Graphenintegrations-Plattform (GIP) verzeichneten Radverkehrsanlagen, darunter Radwege, Radfahrstreifen, Mehrzweckstreifen, Fahrradstraßen oder auch Radfahrerüberfahrten und kombinierte Geh- und Radwege, von 7.348 auf 7.988 Kilometer angewachsen.12 Um die geplante Steigerung des Radverkehrsanteils von sieben auf 13 Prozent bis zum Jahr 2030 zu erreichen, wurde im Jahr 2022 ein jährlicher Investitionsbedarf in die Radinfrastruktur mit rund 600 Millionen Euro festgestellt.13

Fehlende Infrastruktur hält Menschen vom Radfahren ab

Ob Menschen überhaupt aufs Rad steigen, entscheidet maßgeblich die Qualität der Infrastruktur. Eine internationale Umfrage in 28 Ländern weltweit zeigt: Die Fahrradnutzung ist dort am höchsten, wo das Rad als sicheres Verkehrsmittel wahrgenommen wird.14 Das gilt besonders für Kinder: Laut dem deutschen Fahrrad-Monitor 2025 sind zu viel Verkehr und fehlende Radwege die Hauptgründe, warum Kinder bestimmte Strecken nicht mit dem Rad zurücklegen – mehr und bessere Radwege sind ihr meistgenannter Wunsch.15 Auch 56 Prozent der Eltern nennen das Fehlen durchgehender Fahrradwege als größte Sicherheitsherausforderung.16

In Österreich spiegelt sich diese Lücke in den Unfallzahlen wider: Im Jahr 2025 wurden im Straßenverkehr 34 Radfahrende und 31 E-Bike- Fahrende tödlich verletzt.17 Im jüngsten verfügbaren Berichtsjahr 2024 wurden 1.684 Radfahrende und 762 E-Bike-Fahrende schwer verletzt, die Schwerverletztenrate stieg zwischen 2014 und 2024 jährlich um 4,3 Prozent, mehr als doppelt so stark wie im EU-Schnitt.18,19 Der Zusammenhang mit der Infrastruktur ist klar belegt: 79 Prozent aller Alleinunfälle und 64 Prozent aller Unfälle mit Unfallgegnern ereigneten sich auf Flächen ohne Radinfrastruktur.20 Eine Analyse für Wien zeigte, dass baulich getrennte Radwege mit acht Unfällen pro einer Million Kilometer Verkehrsleistung die niedrigste Unfallrate aufweisen, deutlich besser als Mischverkehr bei Tempo 50 mit 14,6 Unfällen oder Mehrzweckstreifen mit 13,8 Unfällen pro einer Million Kilometer Verkehrsleistung.21

Gent steigert Radverkehr durch Infrastrukturumbau

Im Jahr 2017 setzte die belgische Stadt Gent einen Verkehrszirkulationsplan um: Die Innenstadt wurde in sechs Sektoren eingeteilt, die für den motorisierten Durchzugsverkehr nicht mehr direkt passierbar sind. Schlüsselstraßen wurden in Radwege umgewandelt, Brücken für Kfz gesperrt.a Mit dem Fahrrad, zu Fuß und mit dem Öffentlichen Verkehr kann die Innenstadt weiterhin durchquert werden. Das Ergebnis: Der Kfz-Verkehr ging innerstädtisch um 17 Prozent zurück, die Zahl der Radfahrenden in der Innenstadt stieg um 50 Prozent, der Radverkehr von und nach der Innenstadt sogar um 60 Prozent. Rund 30 Prozent der Genter Bevölkerung änderten ihr Mobilitätsverhalten. Der Anteil der Radfahrenden unter den innenstädtischen Beschäftigten stieg binnen drei Jahren von 20 Prozent auf 29 Prozent.b

Infrastruktur spielt auch bei Alleinunfällen eine entscheidende Rolle: Erhebungen aus den Niederlanden zeigen, dass sie in rund 50 Prozent der Unfälle mit ursächlich ist.22 Mit jedem zusätzlichen halben Meter Radwegbreite sinkt das Unfallrisiko messbar.23 Infrastruktur wirkt aber nicht nur auf die objektive, sondern auch auf die subjektive Sicherheit und damit unmittelbar auf die Bereitschaft auf das Rad umzusteigen. Eine Studie aus Wien zeigt auf, dass Fahrradstraßen mit einer Schulnotenbewertung von 1,3 sowie baulich getrennte Radwege mit einer Schulnote von 1,6 dabei besonders positiv wirken. Radfahren im Mischverkehr bei Tempo 50 ist mit einer Schulnote von 3,6 das Schlusslicht auf der Beliebtheitsskala.24

Grafik zeigt, dass viele Unfälle auf der Kfz-Fahrbahn passieren und wenige auf Radwegen. Es gibt keinen Todesfall auf baulich getrennten Radwegen.
In Österreich gab es im Drei-Jahres-Zeitraum 2022 bis 2024 keinen tödlichen Unfall auf baulich getrennten Radwegen.

Sichere Infrastruktur schützt alle

Sichere Infrastruktur kommt allen zugute, sie wirkt aber besonders stark dort, wo der Bedarf am größten ist. Ältere Radfahrerinnen und Radfahrer bevorzugen baulich getrennte Radwege, gute Sichtverhältnisse an Kreuzungen und geringes Verkehrsaufkommen, Faktoren, die gleichzeitig auch wenig erfahrene Radfahrerinnen und Radfahrer ansprechen.25 Personen ab 65 Jahren stellen 53 Prozent der getöteten Radfahrerinnen und Radfahrer. Die Fatalitätsrate – der Anteil tödlicher Unfälle an allen Unfällen – beträgt bei ihnen 0,7 Prozent, gegenüber 0,2 Prozent bei Unter-65-Jährigen.18

Besonders deutlich zeigt sich der Schutzeffekt bei E-Bike-Fahrenden: Obwohl E-Bike-Fahrerinnen und Fahrer nur an 27 Prozent aller Fahrradunfälle beteiligt waren, entfielen im Jahr 2024 62,5 Prozent der Todesopfer auf diese Gruppe. Auf Radwegen oder Radverkehrsanlagen kam es jedoch zu keinem einzigen tödlichen E-Bike-Unfall.18,26

Wirksam und günstig – was Infrastruktur kostet

Sichere Infrastruktur ist unverzichtbar, um die Verkehrssicherheit für Radfahrerinnen und Radfahrer zu verbessern und sie muss nicht teuer sein: Das Ausweisen von Tempo 30-Zonen kostet je Laufmeter rund 50 Euro, Radwege an Hauptstraßen rund 400 Euro.27 Modulare Trennelemente, die eine physische Barriere zwischen Rad- und Kfz-Verkehr schaffen, sind mit 100 bis 250 Euro pro Meter rasch und günstig realisierbar und sind später in dauerhafte Infrastruktur überführbar.28 Dass solche Investitionen auch einen wirtschaftlich positiven Effekt haben, zeigt eine Studie für Kopenhagen: Dort wurde der jährliche volkswirtschaftliche Nutzen eines ausgebauten Radwegenetzes auf 0,4 Millionen Euro pro Kilometer Radweg beziffert.29

Investitionen in Sicherheit rechnen sich

Österreichs Verkehrssicherheitsstrategie 2021 – 2030 sieht vor, die Zahl der Verkehrstoten bis zum Jahr 2030 auf höchstens 207 und die der Schwerverletzten auf maximal 3.870 zu reduzieren.30 Gemessen an der aktuellen Entwicklung ist Österreich nicht auf Kurs. Für sicheres Radfahren sind unfallvermeidende Maßnahmen zentral. Die wirksamste Maßnahme ist sichere Radinfrastruktur.

Radverkehrssicherheit braucht einen Safe-System-Ansatz: das Zusammenwirken von sicherer Infrastruktur, niedrigeren Geschwindigkeiten, sicheren Fahrzeugen und konsequenter Verkehrs- überwachung.31 Dass niedrigere Tempolimits schützen, belegen nationale und internationale Beispiele: Bei Tempo 30 endet einer von 1.300 Radunfällen tödlich, bei Tempo 50 ist dieser Anteil 3,7-mal höher.18

In Bologna ging nach Einführung von flächendeckendem Tempo 30 innerhalb von sechs Monaten die Zahl der Unfälle um zehn Prozent zurück und die Zahl der Verkehrstoten sogar um 33 Prozent. Und das bei wachsendem Radverkehr von plus zwölf Prozent.32 Wales verzeichnete nach der landesweiten Einführung von 20 mph (rund 32 km/h) einen Rückgang der Unfälle auf betroffenen Straßen um 22,5 Prozent – fast fünfmal so stark wie in England im selben Zeitraum.33

Die EU-Expertinnen- und Expertengruppe für urbane Mobilität empfiehlt deshalb zur Steigerung der Radverkehrssicherheit explizit Tempo 30 sowie den Ausbau getrennter Radwege als Maßnahmen mit dem größten Effekt.34 Mehr sichere Infrastruktur bringt mehr Radfahrerinnen und Radfahrer, und das führt wiederum zu mehr Sicherheit.35 Infrastruktur schützt die, die bereits Rad fahren, gewinnt jene, die es noch nicht tun und stärkt dabei zu guter Letzt auch die Wirtschaft.

VCÖ-Empfehlungen

Sichere Infrastruktur konsequent ausbauen

  • Lücken im Radwegenetz schließen: Durchgängige, sichere Verbindungen sind Voraussetzung für steigenden Radverkehrsanteil.
  • Baulich getrennte Radwege entlang stark befahrener Straßen umsetzen, besonders auf Freilandstraßen, auf denen die meisten tödlichen Unfälle passieren.
  • Kreuzungsbereiche sicher und fehlerverzeihend gestalten.
  • Infrastruktur an den Schutzbedürfnissen der Schwächsten ausrichten. Kinder und ältere Menschen als Maßstab für Planung und Gestaltung.
  • Investitionen in Radinfrastruktur langfristig und ausreichend finanzieren.

Geschwindigkeit als wirksames und günstiges Instrument nutzen

  • Großflächig Tempo 30 im Ortsgebiet und Tempo 80 auf Freilandstraßen umsetzen.

Besondere Risikogruppen gezielt schützen

  • Schulungsangebote für sicheres E-Bike-Fahren ausbauen, besonders für ältere Menschen.
  • Holländischen Griff (Öffnen der Autotür mit gegenüberliegender Hand) zum Schutz vor Dooring-Unfällen in Führerscheinausbildung aufnehmen.

Fragen und Antworten

Warum braucht es mehr sichere Radinfrastruktur in Österreich?

Der Radverkehr gewinnt in Österreich an Bedeutung – in Wien etwa stieg der Radverkehrsanteil von sieben Prozent im Jahr 2019 auf elf Prozent im Jahr 2024. Gleichzeitig zeigen die Unfalldaten, dass die Infrastruktur mit dieser Entwicklung nicht überall Schritt hält. Im Jahr 2025 wurden in Österreich 65 Radfahrende im Straßenverkehr tödlich verletzt, eine Verdoppelung gegenüber dem Jahr 2024 und der höchste Wert seit 23 Jahren. 83 Prozent aller tödlichen Radunfälle im Zeitraum 2022 bis 2024 ereigneten sich auf Kfz-Fahrbahnen ohne Radinfrastruktur. Auf baulich getrennten Radwegen gab es in diesem Zeitraum keinen einzigen Todesfall.

Wie wirkt sichere Radinfrastruktur auf die Nutzungsbereitschaft?

Internationale Studien zeigen, dass rund die Hälfte der Bevölkerung Interesse am Radfahren hat, es aber nur tut, wenn sie sich sicher fühlen. Baulich getrennte Radwege und autoarme Bereiche wirken dabei besonders stark. Eine Studie aus Wien zeigt, dass Fahrradstraßen mit einer Schulnote von 1,3 und baulich getrennte Radwege mit einer Schulnote von 1,56 besonders positiv bewertet werden. Radfahren im Mischverkehr bei Tempo 50 erhält hingegen nur die Note 3,61.

Welchen wirtschaftlichen Nutzen hat Radfahren?

Der Radverkehr sichert in Österreich rund 46.000 Arbeitsplätze und schafft eine Bruttowertschöpfung von rund drei Milliarden Euro pro Jahr. Im Jahr 2025 wurden in Österreich rund 389.000 Fahrräder mit einem Gesamtumsatz von rund 1,1 Milliarden Euro verkauft. Eine britische Analyse von Radinfrastrukturprogrammen zeigt, dass investierte öffentliche Mittel einen bis zu 5,5-fach höheren volkswirtschaftlichen Nutzen erbringen können. Eine Kopenhagener Studie beziffert den jährlichen volkswirtschaftlichen Nutzen eines ausgebauten Radwegenetzes auf 0,4 Millionen Euro pro Kilometer.

Wie hoch ist der Investitionsbedarf in Radinfrastruktur in Österreich?

Im Jahr 2024 gab es in Österreich rund 11.000 Kilometer Radverkehrsanlagen. Baulich getrennte Radwege machen davon mit rund 550 Kilometern nur einen kleinen Teil aus – das gesamte Kfz-Straßennetz ist mit fast 130.000 Kilometern deutlich länger. Um den Radverkehrsanteil bis 2030 auf 13 Prozent zu steigern, wurde im Jahr 2022 ein jährlicher Investitionsbedarf von rund 700 Millionen Euro festgestellt. Dabei muss sichere Radinfrastruktur nicht immer teuer sein: Tempo 30 mit Markierungen kostet je Laufmeter rund 50 Euro, modulare Trennelemente zwischen 100 und 250 Euro pro Meter.

Welche Infrastruktur braucht es, damit mehr Menschen Rad fahren?

Ob Menschen überhaupt aufs Rad steigen, entscheidet die Qualität der Radinfrastruktur: Internationale Studien zeigen, dass rund die Hälfte der Bevölkerung Interesse am Radfahren hat, es aber nur bei hoher wahrgenommener Sicherheit auch tatsächlich tut. Ältere Radfahrende bevorzugen baulich getrennte Radwege, gute Sichtverhältnisse an Kreuzungen sowie ein geringes Verkehrsaufkommen – Faktoren, die gleichzeitig auch Kinder, Eltern und wenig erfahrene Radfahrende ansprechen. Infrastruktur die sich an den Schutzbedürfnissen der Schwächsten orientiert, gewinnt damit gleichzeitig die breiteste Gruppe neuer Radfahrender.

Was empfiehlt der VCÖ?

Der VCÖ empfiehlt den konsequenten Ausbau sicherer Radinfrastruktur: Lücken im Radwegenetz schließen, baulich getrennte Radwege entlang stark befahrener Straßen umsetzen und Kreuzungsbereiche sicher gestalten. Als günstige und wirksame Maßnahme soll großflächig Tempo 30 im Ortsgebiet und Tempo 80 auf Freilandstraßen umgesetzt werden. Für besonders gefährdete Gruppen fordert der VCÖ den Ausbau von Schulungsangeboten für sicheres E-Bike-Fahren sowie die Aufnahme des Holländischen Griffs – das Öffnen der Autotür mit der gegenüberliegenden Hand zum Schutz von Radfahrenden vor Dooring-Unfällen – in die Führerscheinausbildung.

 

Klara Maria Schenk, VCÖ ‑ Mobilität mit Zukunft

„Sichere Infrastruktur ist der effektivste Hebel, um mehr Menschen aufs Rad zu bringen und gleichzeitig die Verkehrssicherheit für Radfahrerinnen und Radfahrer zu erhöhen.“

Unterstützen Sie den Einsatz des VCÖ mit Ihrer Spende

VCÖ-Factsheet "Mehr Radverkehr durch sichere Infrastruktur" PDF-Download

Quellen

Quellen Text

1 Stadt Wien, Modal Split 2024 (März 2025): Radverkehrsanteil Wien von 7% (2019) auf 11% (2024); Vorarlberg Modalsplit 2013 zu 2023 lt. RH Bericht; Anteilssteigerung Steiermark 2014 zu 2024. Weblink 1
Weblink 2
Weblink 3
2 BMK: Masterplan Radfahren 2030. Bundesministerium für Klimaschutz, Wien: 2021. Weblink
3 Dill & McNeil (2013): Four Types of Cyclists? Transportation Research Record. Weblink
4 Jacobsen, P.L. (2003): Safety in numbers. Injury Prevention 9(3): 205–209. Weblink
5 klimaaktivmobil.at: Wirtschaftsfaktor Radfahren 2022. Studie im Auftrag des BMK, Wien: 2022. Weblink
6 VSSÖ/ARGE Fahrrad: Österreichischer Fahrradmarkt 2025. (389.000 verkaufte Räder, 57% E-Bikes, Gesamtumsatz 1,097 Mrd. Euro.) Weblink
7 VSSÖ/ARGE Fahrrad: Marktdaten 2021–2025; Statistik Austria: Kfz-Neuzulassungen 2021–2025. Eigene VCÖ-Berechnung. Weblink 1
Weblink 2
8 Celis-Morales et al. (2017): Association between active commuting and incident cardiovascular disease, cancer, and mortality. Weblink
9 Kalliolahti, E. et al. (2024): Associations Between Active Commuting and Sickness Absence in Finnish Public Sector Cohort of 28,485 Employees. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports. Weblink
10 UK Department for Transport (2014): Value for Money Assessment for Cycling Grants. London. (Benefit-Cost-Ratios britischer Radinfrastrukturprogramme; jeder investierte Euro erbringt einen volkswirtschaftlichen Nutzen von bis zu fünf Euro.) Weblink
11 AustriaTech: Sicheres Radverkehrsnetz Österreich und Bike&Ride-Erreichbarkeitsklassen 2024. Wien: AustriaTech, 2024. (Radverkehrsanlagen Österreich, davon ~550 km baulich getrennt); sowie El-Betawy G.: Statistik Straße und Verkehr. Wien: BMK, 2025. Weblink 1
Weblink 2
12 Graphenintegrations-Plattform (GIP): Radverkehrsanlagen Österreich 2022 und 2024; eigene VCÖ-Auswertung 2025. (7.348 auf 7.988 km; Fahrradstraßen 41 auf 80 km.) Weblink
13 VCÖ (2022): Investitionen ins Radfahren rentieren sich vielfach. Grafik auf Basis: Planoptimo/Verracon 2022, Statistik Austria 2020, Asfinag 2022. Weblink
14 Ipsos Global Advisor: Cycling across the world. Umfrage in 28 Ländern, Mai 2022. (Fahrradnutzung höher wo Rad als sicher wahrgenommen; NL 45% vs. DE 21% für kurze Strecken; >50% weltweit: Radfahren am eigenen Wohnort zu gefährlich.) Weblink
15 Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV): Fahrrad-Monitor Deutschland 2025 – Kinderbefragung (6–13 Jahre). Berlin: 2025. (Zu viel Verkehr und fehlende Radwege Hauptgründe fürs Nicht-Radfahren; mehr/bessere Radwege meistgenannter Wunsch.) Weblink
16 forsa/DGUV: Schulwegsicherheit – Ergebnisse einer Umfrage unter Eltern und Lehrkräften. 2025. (56% der Eltern nennen fehlendes durchgehendes Fahrradwegenetz als größte Sicherheitsherausforderung; n=1.015 Eltern.) Weblink
17 Unfallstatistik 2025, BMI. Weblink
18 Statistik Austria: Straßenverkehrsunfälle 2024; eigene VCÖ-Auswertung 2025. (32 Getötete, 2.446 Schwerverletzte; Fatalitätsraten nach Infrastruktur, Tempolimit, Alter, Antrieb, Geschlecht.) Weblink
19 Carson, Jost & Meinero (2026): PIN Flash 50, ETSC. (Schwerverletzungsrate AT +4,3% p.a. vs. EU-Schnitt +1,9%.) Weblink
20 Statistik Austria: Straßenverkehrsunfälle 2024; wie FN18, eigene VCÖ-Auswertung 2025. (79 Prozent aller Alleinunfälle und 64 Prozent aller Unfälle mit Unfallgegnern ereigneten sich auf Flächen ohne Radinfrastruktur.) Weblink
21 Schober, P. (2018). (Baulich getrennte Radwege und autoarme Bereiche schneiden in Wien bei subjektiver Sicherheit am besten ab.) Weblink
22 Schepers, P. (2008): De rol van infrastructuur bij enkelvoudige fietsongevallen. Ministerie van Verkeer en Waterstaat, Rijkswaterstaat. (Infrastruktur bei 50% aller Alleinunfälle mitursächlich.) Weblink
23 Odijk, M.: Serious injury bike crash infrastructure causes. ETSC-Präsentation. (Unfallrisiko sinkt mit jeder 0,5 m zusätzlicher Radwegbreite.) Weblink
24 Schober, P. (2018), wie Fn. 21. (Baulich getrennte Radwege und autoarme Bereiche schneiden in Wien bei subjektiver Sicherheit am besten ab.) Weblink
25 Radfahren im Alter, Teil 5 der Toolbox „Aktive Mobilität im Alter fördern" AFOOT, Universität Bremen und TU Dortmund: 2022. Weblink
26 BMIMI: Mehr tödliche Fahrradunfälle. 2026. Weblink
27 con.sens verkehrsplanung: Österreichweites Radzielnetz Vision. Wien: BMK, 2024. (Tempo 30 mit Markierungen: 50 €/Laufmeter; Radweg Hauptstraße: 400 €/Laufmeter.) Weblink
28 OECD (2020): Safe Micromobility. (Leichte Trennung auf Hauptstraßen: 100.000–250.000 EUR/km.) Weblink
29 Fosgerau, M., Lukawska, M., Paulsen, M. & Rasmussen, T.K. (2023): Bikeability and the induced demand for cycling. PNAS 120(16). (Radwegenetz Kopenhagen: +60% Fahrten, 0,4 Mio. EUR/km Nutzen/Jahr.) Weblink
30 BMK/BMI: Österreichische Verkehrssicherheitsstrategie 2021–2030. Weblink
31 Carson, Jost & Meinero (2026): PIN Flash 50, ETSC. Wie Fußnote 19. Weblink
32 Europäische Kommission: COM(2026) 77 final. (EU-Expertengruppe urbane Mobilität empfiehlt Tempo 30 und getrennte Radwege.) Weblink
33 Comune di Bologna: Città 30 – dati dopo 6 mesi. 2024. (Bologna Tempo 30: -10% Unfälle, -33% Todesfälle nach 6 Monaten.) Weblink
34 Senedd Research Wales: What impact has 20mph had on road safety in Wales? 2024. (Wales 20mph: niedrigster Unfallstand seit Beginn der Aufzeichnungen.) Weblink
35 Jacobsen, P.L. (2003): Safety in numbers. Injury Prevention 9(3): 205–209. Wie FN 4. Weblink

Quellen Beispielkasten

a Velo City Conference 2024 Weblink
b Evaluatierapport Circulatieplan Gent 2019 Weblink

 

 

Zurück zur Übersicht

Gent beendet Auto-Staus

Bis April 2017 herrschte in der belgischen Stadt Gent oft Stau. Die belastende Situation wurde mit einem weitreichenden Konzept verändert.

Mehr dazu
Foto: Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum in Gent

Bikesharing ergänzt Angebot des Öffentlichen Verkehrs

In Klagenfurt und einigen Umlandgemeinden wurde im Jahr 2017 das Fahrrad-Verleihsystem von Nextbike installiert.

Mehr dazu
Foto: Nextbike-Station in Klagenfurt