Sicher und gerne Rad fahren – ein Leben lang

Radfahren ist kostengünstig, hält selbstständig und gesund, gerade mit fortschreitendem Alter. Angesichts einer alternden Bevölkerung und dem Ziel, den Radverkehrsanteil zu steigern, hat Österreich den klaren Auftrag, das Radfahren in jedem Alter sicher und attraktiv zu gestalten.

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VCÖ - Mobilität mit Zukunft (Juli 2026) – Zwischen den Jahren 2001 und 2026 ist der Anteil der Menschen ab 65 Jahren an Österreichs Bevölkerung von 16 auf 21 Prozent gestiegen.1 Während die Gesamtbevölkerung in diesem Zeitraum um sieben Prozent wuchs, nahm die Zahl der Personen ab 65 Jahren um mehr als 50 Prozent zu, das entspricht 666.000 Menschen. Vorausberechnungen zufolge wird der Anteil der Personen ab 65 bis zum Jahr 2050 auf über 27 Prozent steigen, jener der ab 85-Jährigen wird sich auf sechs Prozent verdoppeln.2 Für gesunde Lebensjahre bis ins hohe Alter wird Bewegung als Gesundheitsförderung immer wichtiger. Das Rad hat als Alltagsverkehrsmittel dafür hohes Potenzial.

Ein Ziel, das Maßnahmen braucht

Bei der aktuellsten österreichweiten Mobilitätserhebung aus dem Jahr 2014 lag der Radverkehrsanteil bei sechs Prozent, das aktuelle Regierungsprogramm will ihn auf 14 Prozent mehr als verdoppeln.3,4 Im Jahr 2014 lag der Radverkehrsanteil der Seniorinnen und Senioren mit sieben Prozent leicht über dem Durchschnitt, in Vorarlberg liegt er zehn Jahre später deutlich höher.5 Ob noch mehr Menschen aufs Rad steigen, hängt von den Rahmenbedingungen ab: Mit fortschreitendem Alter braucht es dafür sichere, attraktive Bedingungen, die auf die Bedürfnisse höherer Altersgruppen zugeschnitten sind.

Grafik zeigt, dass Menschen mit steigendem Alter öfter und gerner Rad fahren als Jüngere
Mit dem Alter steigt die Freude am Radfahren. Auch bei der Häufigkeit zählen die ab 60-Jährigen zu den aktivsten Gruppen.

Kürzere Wege machen das Rad zum idealen Verkehrsmittel

Im Ruhestand werden die zurückgelegten Wege kürzer und eignen sich damit besonders gut fürs Rad. Während die Altersgruppen zwischen 15 und 64 Jahren im Schnitt 13 bis 16 Kilometer pro Weg zurücklegen, sind es bei Personen ab 65 Jahren nur 9,5 Kilometer.6 Der Anteil der Wege bis fünf Kilometer liegt bei dieser Gruppe bei 64 Prozent, deutlich über den 53 Prozent der Gesamtbevölkerung. Entsprechend zählt die Gruppe der 60- bis 69-Jährigen zu den aktivsten Radfahrenden überhaupt: 33 Prozent nutzen das Rad mehrmals pro Woche, gegenüber 24 Prozent im Gesamtdurchschnitt.7 Und wer fährt, tut es meist gern: 66 Prozent der über 60-Jährigen sagen, dass sie gerne Rad fahren, rund sieben Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt aller Radfahrenden.8

Großes Potenzial im internationalen Vergleich

Dass noch viel Luft nach oben bleibt, zeigt der europäische Vergleich. Im Jahr 2019 gaben in Österreich 30 Prozent der Befragten an, das Rad zur Fortbewegung im Alltag zu nutzen, in Deutschland waren es 34, in Dänemark 48 und in den Niederlanden 61 Prozent. In der Gruppe der 65- bis 74-Jährigen lagen Österreich und Deutschland gleichauf bei 35 Prozent, die Niederlande dagegen bei 66 Prozent.9 Das Potenzial, mehr Menschen aufs Rad zu bringen, ist somit beträchtlich, gerade mit steigendem Alter.

Neue Lebensphase, neue Anforderungen

Um dieses Potenzial zu heben, gilt es, die Bedürfnisse von Radfahrerinnen und Radfahrern in unterschiedlichen Lebensabschnitten zu verstehen und zu berücksichtigen, denn mit zunehmendem Alter verändern sich die Anforderungen ans Radfahren. Eine Studie mit mehr als 4.000 Personen untersuchte, wie Infrastrukturelemente die Routenwahl beeinflussen. Das Ergebnis: Die Generation 65 plus bevorzugt Nebenstraßen und niedrige Geschwindigkeiten deutlich stärker als Menschen unter 65 Jahren. Tempolimit 30 statt 50 spielt für sie eine um 45 Prozent wichtigere Rolle.10 Wer diese Anforderungen ernst nimmt und Infrastruktur nach dem Prinzip 8 bis 80“ gestaltet, also Infrastruktur, die für 8- bis 80-Jährige geeignet ist, macht Radfahren für alle Generationen sicherer und attraktiver.

E-Bikes erweitern den Aktionsradius

Auch am Rad selbst lässt sich ansetzen: E-Bikes gleichen nachlassende Kraft aus, vergrößern die Reichweite, und sie liegen längst im Trend. Im Jahr 2025 war bereits mehr als jedes zweite in Österreich verkaufte Fahrrad ein E-Bike.11 Personen mit konventionellen Rädern legen dabei im Schnitt fast 4 Kilometer pro Weg zurück, auf E-Bikes hingegen mit 5,6 Kilometern um 47 Prozent mehr.12 Wie stark der Trend ist, zeigt Vorarlberg: Dort besitzen 38 Prozent der über 65-Jährigen ein E-Bike.13 Ihr Radverkehrsanteil stieg zwischen 2017 und 2023 von 18 auf 27 Prozent, zugleich gingen ihre Autofahrten am deutlichsten zurück.14 Auch Dreiräder geben bei nachlassendem Gleichgewicht zusätzliche Stabilität. In den Niederlanden sind solche Spezialräder dank breiter, sicherer Radwege weit verbreitet.15

E-Bikes brauchen Übung, bringen aber Bewegung

Eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover mit fast 60.000 Fahrten zeigt, dass Elektroradfahren Muskeln und Herz-Kreislauf-System fast genauso fordert wie konventionelles Radfahren.16 Das WHO-Bewegungsziel von 150 Minuten pro Woche erreichen E-Bike-Fahrende zwar seltener, dafür ersetzen sie mehr Autofahrten. Für Menschen mit Vorerkrankungen ist das E-Bike oft das Mittel, um überhaupt wieder Bewegung im Freien zu machen. Wegen der höheren Geschwindigkeit und Fahrdynamik braucht es aber Übung: Gezielte Kurse und Kaufberatung stärken den sicheren Umgang.17

Radfahren hält fit und stärkt soziale Kontakte

Die Vorteile des Radfahrens wirken in jedem Lebensabschnitt, mit den Jahren werden sie noch wertvoller. Körperliche Aktivität verbessert in jedem Alter die Herz-Kreislauf-Fitness, senkt das Krebsrisiko und steigert das Wohlbefinden, regelmäßiges Radfahren kann die vorzeitige Sterblichkeit um rund zehn Prozent verringern.18 Mit fortschreitendem Alter ist der Erhalt der Fitness besonders wichtig, denn Radfahren kann den altersbedingten Verlust an Muskelkraft verlangsamen oder sogar umkehren.19 Auch das Gleichgewicht profitiert: Wer regelmäßig radelt, verfügt über eine bessere Gleichgewichtskontrolle und stürzt seltener.20 Radfahren ist aber weit mehr als körperliche Bewegung. Für Personen ab 65 Jahren ist die eigene Gesundheit zwar der wichtigste Grund fürs Radfahren, dicht dahinter folgen jedoch soziale Begegnungen mit 62 Prozent, und die psychische Gesundheit mit 59 Prozent. Das Rad bringt Menschen zusammen, hält die Verbindung zur Gemeinschaft aufrecht und beugt so Isolation und Einsamkeit vor. Gerade in einer Lebensphase, in der soziale Netzwerke kleiner werden, stärkt das die Lebenszufriedenheit und das seelische Wohlbefinden.21

Ein günstiger Weg, mobil zu bleiben

Radfahren schützt auch vor Mobilitätsarmut. Vor allem bei niedriger Pension wird Mobilität zur Kostenfrage: In Österreich ist fast jede fünfte Frau ab 65 Jahren armutsgefährdet, bei alleinlebenden Pensionistinnen sogar fast jede dritte.22 Mit dem Alter wird das Budget für Wege knapper: Jüngere Einpersonenhaushalte wenden 13,3 Prozent ihrer Ausgaben für Mobilität auf, ab 60 Jahren sind es nur 10,3 Prozent, ab 80 Jahren gut sechs Prozent.23

Radurlaub auf Rezept im Hasetal

Wie sich Gesundheitsvorsorge, sicheres Radfahren und sozialer Anschlussverbinden lassen, zeigt das niedersächsische Hasetal. Unter dem Titel „Radurlaub auf Rezept“ kombiniert die Region zwei zertifizierte Präventivkurse mit geführten Radtouren. In Begleitung erfahrener Reiseleitungen werden täglich Touren unternommen, von kürzeren Strecken bis zu längeren Etappen.a Weil deutsche Krankenkassen die Teilnahme an solchen Präventionsangeboten bezuschussen, ist der Einstieg auch finanziell niederschwellig.b Das Beispiel zeigt, was niederschwellige Angebote leisten: Sie nehmen die Angst vor dem Einstieg, schaffen Bewegung in der Gemeinschaft und machen aus einem Sicherheitskurs ein Erlebnis. Diese Verbindung aus Gesundheit, Sicherheit und Geselligkeit ist ein wichtiger Hebel, der mehr Menschen aufs Rad bringt.

Wie ungleich die Verteilung ist, zeigt der Blick auf die Einkommen: Das einkommensschwächste Zehntel der Haushalte gibt 43 Euro im Monat für Mobilität aus, das einkommensstärkste fast das Dreißigfache.24 Das Rad, oft kombiniert mit dem Öffentlichen Verkehr, sichert selbstständige Mobilität auch bei kleinem Budget und ermöglicht, alltägliche Ziele aus eigener Kraft zu erreichen.

Nutzen entsteht nur unter sicheren Bedingungen

So groß diese Vorteile sind, sie entfalten sich nur, wenn Menschen sich sicher fühlen und das Fahrrad im Alltag nutzen. Mit fortschreitendem Alter steigt das Risiko, sich bei einem Unfall schwer zu verletzen: 53 Prozent der im Zeitraum 2022 bis 2024 bei Verkehrsunfällen tödlich verletzten Radfahrenden waren Seniorinnen und Senioren. Ein Unfall endet für sie fast viermal häufiger tödlich als für Jüngere.25 Das ist kein Argument gegen das Radfahren, sondern unterstreicht die Dringlichkeit, bessere Bedingungen zu schaffen. Denn genau dort, wo der Bedarf am größten ist, wirkt sichere Infrastruktur am stärksten: Ausreichend Platz und baulich getrennte Radwege erleichtern das Auf- und Absteigen, das Balancieren bei niedrigem Tempo und das Manövrieren bei eingeschränkter Beweglichkeit.26

Übung macht den Einstieg leichter

Neben sicheren Wegen braucht es niederschwellige Angebote. Radkurse verbessern nachweislich die Gesundheit der Teilnehmenden.27 Schon kurze Trainings stärken das Selbstvertrauen und verringern die Angst vor Stürzen.28 Das gilt besonders für E-Bikes. Werden solche Kurse mit Erlebnis und Gemeinschaft verbunden, senken sie die Hemmschwelle gleich doppelt.

Damit Radfahren ein Leben lang gelingt

Ob Radfahren auch mit steigendem Alter attraktiv bleibt, hängt davon ab, ob die Rahmenbedingungen stimmen. Ein systematischer Überblick über 28 Studien macht klar, was es dafür braucht: sichere Infrastruktur, reduziertes Tempo sowie niederschwellige Angebote mit Beratung und Gesundheitsbezug.29 Den größten Effekt hat die Infrastruktur, und das deckt sich mit dem, was Seniorinnen und Senioren sich selbst wünschen. Befragt nach den größten Hürden des Radfahrens nennen sie aggressives Verhalten von Autofahrenden, die Nähe zum Kfz-Verkehr und fehlende getrennte Radwege.30 Umgekehrt nennen 62 Prozent getrennte Radwege an Hauptstraßen als wichtigsten Förderfaktor, noch vor Routen abseits der Straße und Fahrradstraßen mit Vorrang.31 Wo solche Bedingungen herrschen, steigt der Radverkehr, in Österreich zeigt das Vorarlberg am klarsten.

Tempolimit 30 statt 50 macht Radfahren für alle Generationen sicherer

Ein günstiger und schnell wirksamer Hebel ist die Geschwindigkeit. Personen ab 65 Jahren bevorzugen niedrige Tempolimits besonders stark, Tempo 30 statt 50 spielt für sie eine um 45 Prozent größere Rolle als für Jüngere.32 Wo Tempo 30 zum Standard wird, sinkt das Risiko schwerer Unfälle, und das Radfahren wird für alle Generationen attraktiver, ohne teure Umbauten. Zudem stärken schon kurze Kurse das Selbstvertrauen und nehmen die Angst vor Stürzen, besonders mit dem E-Bike. Werden sie mit Gemeinschaft und Erlebnis verbunden, stiften sie zugleich soziale Teilhabe.33 Gesundheitsfachkräfte können Menschen individuell beraten und an das Rad heranführen.34 So entsteht aus Bewegung, Sicherheit und Begegnung ein Gewinn, von dem alle profitieren, ein Leben lang.

VCÖ-Empfehlungen

Infrastruktur an den Bedürfnissen aller Altersgruppen ausrichten

  • Lückenlose, baulich getrennte Radwege an stark befahrenen Straßen schaffen.
  • Kreuzungen übersichtlich, fehlerverzeihend und mit guten Sichtbeziehungen gestalten.
  • Ebene Oberflächen sicherstellen und Bordsteinkanten vermeiden, das erleichtert Auf- und Absteigen, Balancieren und Manövrieren.
  • Investitionen langfristig finanzieren, mit Kindern und älteren Menschen als Maßstab.

Tempo 30 als günstigen Schutz nutzen

  • Tempo 30 großflächig im Ortsgebiet umsetzen, vor allem dort, wo Rad- und Kfz-Verkehr sich die Fläche teilen.

Den Einstieg mit Angeboten und Beratung erleichtern

  • Kurse für sicheres Radfahren und E-Bike-Fahren anbieten, verbunden mit Bewegung in der Gemeinschaft.
  • Angebote dort verankern, wo Menschen sie erreichen, etwa bei Radverleihstationen, im Tourismus oder in Gemeinden.
  • Beratung beim E-Bike-Kauf stärken.
  • Gesundheitsfachkräfte in die Förderung aktiver Mobilität einbinden.

Fragen und Antworten

Warum ist Radfahren gerade im Alter so wertvoll?

Radfahren ist kostengünstig, bewahrt Selbstständigkeit und hält gesund, gerade mit fortschreitendem Alter. Österreichs Bevölkerung wird älter: Bis zum Jahr 2050 wird mehr als jede vierte Person 65 Jahre oder älter sein, der Anteil der ab 85-Jährigen verdoppelt sich auf sechs Prozent. Für gesunde Lebensjahre bis ins hohe Alter wird Bewegung als Gesundheitsförderung immer wichtiger. Das Fahrrad ist dafür ein ideales Alltagsverkehrsmittel, denn die zurückgelegten Wege werden im Ruhestand kürzer: Personen ab 65 legen im Schnitt 9,5 Kilometer pro Weg zurück, und 64 Prozent ihrer Wege sind kürzer als fünf Kilometer.

Fahren ältere Menschen überhaupt gern und oft Rad?

Ja, und zwar sogar überdurchschnittlich. Die 60- bis 69-Jährigen zählen zu den aktivsten Radfahrenden Österreichs: 33 Prozent nutzen das Rad mehrmals pro Woche, gegenüber 24 Prozent im Gesamtdurchschnitt. Und wer in diesem Alter fährt, tut es gern: 66 Prozent der über 60-jährigen Radfahrenden sagen, dass sie gerne Rad fahren, rund sieben Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt aller Radfahrenden. Im internationalen Vergleich zeigt sich allerdings, dass noch viel Potenzial besteht: In den Niederlanden nutzen 66 Prozent der 65- bis 74-Jährigen das Rad im Alltag, in Österreich sind es 35 Prozent.

Wie gesund ist Radfahren im Alter wirklich?

Die Vorteile wirken in jedem Lebensabschnitt und werden mit den Jahren noch wertvoller. Radfahren verbessert die Herz-Kreislauf-Fitness, senkt das Krebsrisiko und steigert das Wohlbefinden, regelmäßiges Radfahren kann die vorzeitige Sterblichkeit um rund zehn Prozent verringern. Gerade mit fortschreitendem Alter ist der Erhalt der Fitness besonders wichtig: Radfahren kann den altersbedingten Verlust an Muskelkraft verlangsamen oder sogar umkehren, und wer regelmäßig radelt, verfügt über eine bessere Gleichgewichtskontrolle und stürzt seltener.

Was hat Radfahren mit sozialer Teilhabe und Einsamkeit zu tun?

Radfahren ist weit mehr als körperliche Bewegung. Für Personen ab 65 ist die eigene Gesundheit zwar der wichtigste Grund fürs Radfahren, dicht dahinter folgen aber soziale Begegnungen, die 62 Prozent nennen, und die psychische Gesundheit mit 59 Prozent. Das Rad bringt Menschen zusammen und hält die Verbindung zur Gemeinschaft aufrecht. Gerade in einer Lebensphase, in der soziale Netzwerke kleiner werden, beugt das Isolation und Einsamkeit vor und stärkt die Lebenszufriedenheit.

Warum ist das Rad gerade bei kleiner Pension wichtig?

Radfahren schützt vor Mobilitätsarmut. Mit niedriger Pension wird Mobilität zur Kostenfrage: In Österreich ist fast jede fünfte Frau ab 65 armutsgefährdet, bei alleinlebenden Pensionistinnen sogar fast jede dritte. Mit dem Alter wird das Budget für Wege knapper, jüngere Einpersonenhaushalte wenden 13,3 Prozent ihrer Ausgaben für Mobilität auf, ab 60 sind es nur 10,3 Prozent. Das Rad, oft kombiniert mit dem Öffentlichen Verkehr, sichert selbstständige Mobilität auch bei kleinem Budget und ermöglicht, alltägliche Ziele aus eigener Kraft zu erreichen.

Ist Radfahren im Alter nicht zu gefährlich?

Mit fortschreitendem Alter steigt das Risiko, sich bei einem Unfall schwer zu verletzen: 53 Prozent der zwischen 2022 und 2024 tödlich verunglückten Radfahrenden waren 65 Jahre oder älter, ein Unfall endet für sie fast viermal häufiger tödlich als für Jüngere. Das ist allerdings kein Argument gegen das Radfahren, sondern eines für bessere Bedingungen. Genau dort, wo der Bedarf am größten ist, wirkt sichere Infrastruktur am stärksten: Ausreichend Platz und baulich getrennte Radwege erleichtern das Auf- und Absteigen, das Balancieren bei niedrigem Tempo und das Manövrieren.

Welche Rolle spielt das E-Bike?

Das E-Bike erweitert den Aktionsradius und gleicht nachlassende Kraft aus. 2025 war in Österreich mehr als jedes zweite verkaufte Fahrrad ein E-Bike. E-Bikes legen pro Weg im Schnitt 47 Prozent längere Strecken zurück als konventionelle Räder. Wie stark der Trend ist, zeigt Vorarlberg: Dort besitzen 38 Prozent der über 65-Jährigen ein E-Bike, und ihr Radverkehrsanteil stieg zwischen 2017 und 2023 von 18 auf 27 Prozent. Wegen der höheren Geschwindigkeit braucht das E-Bike allerdings etwas Übung, gezielte Kurse und Beratung beim Kauf stärken den sicheren Umgang.

Was wünschen sich Menschen ab 65 konkret, um mehr Rad zu fahren?

Befragt nach den größten Hürden nennen sie aggressives Verhalten von Autofahrenden, die Nähe zum Kfz-Verkehr und fehlende getrennte Radwege. Umgekehrt nennen 62 Prozent getrennte Radwege an Hauptstraßen als wichtigsten Förderfaktor, noch vor Routen abseits der Straße. Auch niedrige Geschwindigkeiten sind ihnen besonders wichtig: Tempo 30 statt 50 spielt für Personen ab 65 eine um 45 Prozent größere Rolle als für Jüngere.

Was zeigt die Forschung braucht es, damit Radfahren ein Leben lang gelingt?

Ein systematischer Überblick über 28 Studien zeigt, dass Radfahren im Alter vor allem unter unterstützenden Bedingungen gelingt. Drei Hebel greifen dabei ineinander: sichere Infrastruktur, reduziertes Tempo und niederschwellige Angebote mit Beratung und Gesundheitsbezug. Den größten Effekt hat die Infrastruktur, weil sie sich genau mit dem deckt, was sich Menschen ab 65 selbst wünschen. Sicheres Tempo wirkt als günstiger und schneller Hebel, und Angebote senken die Hemmschwelle für den Einstieg.

Was empfiehlt der VCÖ?

Der VCÖ empfiehlt, an drei Hebeln gleichzeitig anzusetzen. Erstens bei der Infrastruktur: lückenlose, baulich getrennte Radwege an stark befahrenen Straßen, übersichtliche und fehlerverzeihende Kreuzungen, ebene Oberflächen ohne hohe Bordsteinkanten sowie langfristig finanzierte Investitionen, die sich an den Bedürfnissen aller Altersgruppen orientieren, mit Kindern und älteren Menschen als Maßstab. Zweitens beim Tempo: Tempo 30 großflächig im Ortsgebiet, vor allem dort, wo sich Rad- und Kfz-Verkehr die Fläche teilen. Drittens bei den Angeboten: Kurse für sicheres Rad- und E-Bike-Fahren verbunden mit Bewegung in der Gemeinschaft, Beratung beim E-Bike-Kauf und die Einbindung von Gesundheitsfachkräften. Ein innovativer Ansatz ist zudem, E-Bikes ähnlich wie Gehhilfen als temporäre Heilbehelfe mit Trainingsbegleitung zu erproben.

 

Klara Maria Schenk, VCÖ ‑ Mobilität mit Zukunft

„Radfahren hält gesund, mobil und selbstständig, besonders mit fortschreitendem Alter. Schaffen wir die richtigen Voraussetzungen dafür, profitieren wir alle davon – ein Leben lang.“

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Quellen

Quellen Text

1 Statistik Austria. (2026). Bevölkerung nach Alter und Geschlecht. Wien. Weblink
2 ÖROK. (2022). ÖROK-Regionalprognosen 2021 bis 2050 Bevölkerung. Österreichische Raumordnungskonferenz. Weblink
3 Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie. (2017). Österreich unterwegs – Mit dem Fahrrad. S. 12. Weblink
4 Bundeskanzleramt. (2025). Jetzt das Richtige tun. Für Österreich. Regierungsprogramm 2025–2029. S. 185. Weblink
5 Tomschy, R., & Steinacher, I. (2024). Mobilitätserhebung Vorarlberg 2023. Im Auftrag der Vorarlberger Landesregierung. S. 82. Weblink
6 BMVIT-HERRY Consult. (2016). Österreich unterwegs 2013/2014. Ergebnisbericht. BMVIT. Weblink
7 Statistik Austria. (2025). Umweltbedingungen, Umweltverhalten 2023. Ergebnisse des Mikrozensus. S. 296. (60–69 Jahre: 33 % mind. mehrmals/Woche) Weblink
8 Schopf, V. (2025). Tabellenband zum Report Aktive Mobilität 2024. BMK. (66 % der Radfahrenden ab 60 fahren gern; n = 1.670) Weblink
9 Eurostat. (2022). Ausübung körperlicher Betätigung (nicht arbeitsbezogen), nach Geschlecht, Alter und Bildungsabschluss [Data set]. EHIS. Weblink
10 Hardinghaus, M., & Weschke, J. (2022). Attractive infrastructure for everyone? Different preferences for route characteristics among cyclists. Transportation Research Part D, 111, 103465. Weblink
11 VSSÖ/ARGE Fahrrad: Österreichischer Fahrradmarkt 2025. (389.000 verkaufte Räder, 57 % E-Bikes) Weblink
12 Tomschy, R., & Steinacher, I. (2024). Mobilitätserhebung Vorarlberg 2023. S. 10. (Weglängen konv. 3,8 km / E-Bike 5,6 km) (wie FN 5) Weblink
13 Tomschy, R., & Steinacher, I. (2024). Mobilitätserhebung Vorarlberg 2023. S. 68. (E-Bike-Besitz 38 % ab 65) (wie FN 5) Weblink
14 Tomschy, R., & Steinacher, I. (2024). Mobilitätserhebung Vorarlberg 2023. S. 88. (Radanteil ab 65: 18 → 27 %; größter Pkw-Rückgang) (wie FN 5) Weblink
15 VCÖ – Mobilität mit Zukunft. (2023). Gesellschaftliche Vielfalt im Verkehrssystem. (Spezialräder in den Niederlanden) Weblink
16 Haufe, S., Boeck, H. T., Häckl, S., et al. (2022). Impact of electrically assisted bicycles on physical activity and traffic accident risk: a prospective observational study. BMJ Open Sport & Exercise Medicine, 8(4), e001275. Weblink
17 UDV. (2022). Unfallrisiko mit dem Pedelec (Unfallforschung Kompakt 15). GDV. S. 10. Weblink
18 AFOOT-Projektteam. (2020). Radfahren im Alter. Teil 5 der Toolbox „Aktive Mobilität im Alter fördern". Weblink
19 Boufous, S., Beck, B., Macniven, R., Pettit, C., & Ivers, R. (2021). Facilitators and barriers to cycling in older residents of New South Wales, Australia. Journal of Transport & Health, 21, 101056. Weblink
20 Batcir, S., & Melzer, I. (2023). Daily Outdoor Cycling by Older Adults Preserves Reactive Balance Behavior: A Case-Control Study. Journal of Aging and Physical Activity, 31(1), 7–17. Weblink
21 Boufous, S., et al. (2021). Facilitators and barriers to cycling in older residents of NSW. Journal of Transport & Health, 21, 101056. (Gründe ab 65: 62 % soziale Begegnungen, 59 % psychische Gesundheit) (wie FN 19) Weblink
22 Statistik Austria. (2025). Factsheet Gender-Statistik: Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung (EU-SILC 2024). (Frauen ab 65: 18 %; alleinlebende Pensionistinnen: 32 %) Weblink
23 Statistik Austria. (2026). Konsumerhebung 2024/25 bzw. 2019/20. (Einpersonenhaushalte: Verkehr ab 60 = 10,3 %, unter 60 = 13,3 %; nach Alter 65–69: 13,8 %, 70–79: 10,4 %, ab 80: 6,3 %) Weblink
24 Statistik Austria. (2026). Konsumerhebung 2024/25, Verbrauchsausgaben nach Ausgabenperzentilen. (unterstes Dezil 43 €/Monat, oberstes 1.230 €) (wie FN 23) Weblink
25 Statistik Austria: Straßenverkehrsunfälle 2022–2024; eigene VCÖ-Auswertung 2026. (53 % der getöteten Radfahrenden ab 65; Fatalitätsrate fast 4-mal höher) Weblink
26 AFOOT-Projektteam. (2020). Radfahren im Alter. (Platz, baulich getrennte Radwege erleichtern Auf-/Absteigen, Balancieren, Manövrieren) (wie FN 18) Weblink
27 Useche, S. A., Llopis, P., Alonso, F., & Pablos, A. (2026). Two wheels, better years? A systematic review on HRQoL outcomes in older cyclists. Journal of Transport & Health, 47, 102225. Weblink
28 Baquero Larriva, M. T., Büttner, B., & Durán-Rodas, D. (2024). Active and healthy ageing: Factors associated with bicycle use and frequency among older adults – A case study in Munich. Journal of Transport & Health, 35, 101772. Weblink
29 Useche, S. A., et al. (2026). Two wheels, better years? Journal of Transport & Health, 47, 102225. (Synthese: Infrastruktur, Tempo, Angebote mit Beratung/Gesundheit) (wie FN 27) Weblink
30 Boufous, S., et al. (2021). Journal of Transport & Health, 21, 101056. (Hürden ab 65: Verhalten Kfz-Lenkender, Nähe Kfz, fehlende Radwege) (wie FN 19) Weblink
31 Boufous, S., et al. (2021). Journal of Transport & Health, 21, 101056. (Förderfaktoren ab 65: 62 % getrennte Radwege an Hauptstraßen) (wie FN 19) Weblink
32 Hardinghaus, M., & Weschke, J. (2022). Transportation Research Part D, 111, 103465. (Tempo 30 für ab 65 um 45 % wichtiger) (wie FN 10) Weblink
33 Baquero Larriva, M. T., et al. (2024). Journal of Transport & Health, 35, 101772. (kurze Kurse stärken Selbstvertrauen, soziale Teilhabe) (wie FN 28) Weblink
34 Useche, S. A., et al. (2026). Journal of Transport & Health, 47, 102225. (Einbindung von Gesundheitsfachkräften) (wie FN 27) Weblink

Quellen Beispielkasten

a Erholungsgebiet Hasetal. Radurlaub „auf Rezept". Zugriff am 08.05.2026. Weblink
b Hasetal Touristik GmbH. Reisebedingungen Gesundheitsurlaub „auf Rezept". Zugriff am 05.06.2026. Weblink

 


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