VCÖ: Spritpreise in Österreich deutlich unter EU-Schnitt

VCÖ: Verstärkte Maßnahmen nötig, um hohen Spritverbrauch zu reduzieren

VCÖ (Wien, 9. Jänner 2023) – Zum Jahresanfang 2023 sind die Spritpreise in Österreich niedriger als im EU-Schnitt. Ein Liter Diesel kostet in Österreich um fast acht Cent weniger als im EU-Schnitt und ist günstiger als in elf EU-Staaten, Eurosuper ist günstiger als in 17 EU-Staaten, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Um sowohl die CO2-Emissionen als auch die Kosten der Mobilität zu senken, braucht es verstärkte Maßnahmen, um den Spritverbrauch zu reduzieren, betont die Mobilitätsorganisation VCÖ. Besonders wirksam ist neben niedrigeren Tempolimits eine verstärkte Verlagerung auf den Öffentlichen Verkehr sowie auf bewegungsaktive Mobilität.

Auch nach der Einführung der CO2-Bepreisung zählt Österreich im EU-Vergleich zu jenen Staaten, wo Benzin und Diesel billiger sind als im EU-Schnitt, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der EU-Kommission zeigt. Zu Jahresanfang kostete ein Liter Diesel in Österreich im Schnitt 1,685 Euro, im Schnitt der EU-Staaten 1,76 Euro. Am höchsten ist der Dieselpreis in Schweden mit 2,152 Euro vor Finnland mit 2,081 Euro. Schon an dritter Stelle folgt Italien mit 1,891 Euro, vor Deutschland mit 1,85 Euro. Auch in Ungarn kostet Diesel mittlerweile um rund zehn Cent mehr als in Österreich. Im Nicht-EU-Land Schweiz ist für einen Liter Diesel umgerechnet 2,093 Euro zu bezahlen.

Eurosuper kostet in 17 EU-Staaten mehr als in Österreich, informiert der VCÖ. Mit 1,492 Euro war zu Jahresbeginn ein Liter Eurosuper in Österreich um 18 Cent günstiger als im EU-Schnitt. Nach Dänemark (1,939 Euro) und Finnland (1,910) hat Griechenland mit 1,846 Euro den dritthöchsten Preis vor Italien mit 1,827 Euro und den Niederlanden mit 1,795 Euro. Auch in Deutschland, Ungarn und Tschechien kostet Eurosuper mehr als in Österreich. Billiger ist Sprit in der EU nur in Staaten, die eine geringere Kaufkraft haben. Am niedrigsten sind die Benzinpreise in Bulgarien vor Slowenien und Rumänien.

„Auch wenn in der öffentlichen Diskussion der Spritpreis im Scheinwerferlicht steht, einen viel größeren Einfluss auf die Spritkosten der Haushalte hat der Spritverbrauch. Und dieser ist mit durchschnittlich über sechs Liter pro 100 Kilometer zu hoch, sowohl aus Kosten- als auch aus Klimaschutzsicht“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Verbraucht ein Haushalt durch spritsparendes Fahren und ein verändertes Mobilitätsverhalten weniger Sprit, dann bringt das pro 100 Liter eine Kostenersparnis bei aktuellen Preisen von rund 150 Euro (Eurosuper) bzw. fast 170 Euro (Diesel). Zudem bedeuten 100 Liter weniger Verbrauch bei Benzin rund 230 Kilogramm weniger CO2-Ausstoß und bei Diesel rund 260 Kilogramm weniger CO2-Ausstoß.   

Im Vorjahr waren in Österreich die CO2-Emissionen des Verkehrs mit rund 21 Millionen Tonnen um über 50 Prozent höher als im Jahr 1990. Das EU-Ziel minus 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 bedeutet auf den Verkehrssektor umgelegt, dass bis zum Jahr 2030 die Emissionen um fast 15 Millionen Tonnen zu reduzieren sind. „Es braucht rasch größere Schritte beim Klimaschutz im Verkehr“, betont VCÖ-Experte Schwendinger. Allein ein Tempolimit 80 statt 100 auf Freilandstraßen und Tempo 100 statt 130 auf Autobahnen reduziert laut Umweltbundesamt die CO2-Emissionen um rund 830.000 Tonnen pro Jahr, was eine jährliche Reduktion des Spritverbrauchs um rund 330 Millionen Liter und eine Reduktion der Spritkosten von rund 500 Millionen Euro bedeutet.

Zudem ist die Verlagerung von Autofahrten auf öffentliche Verkehrsmittel sehr wirksam, um CO2 und Kosten zu sparen. „Österreich braucht mehr öffentliche Verbindungen sowohl in den Ballungsräumen als auch in den Regionen sowie den forcierten Ausbau der Rad-Infrastruktur. Denn auch das Verlagerungspotenzial auf bewegungsaktive Mobilität ist sehr groß“, erinnert  VCÖ-Experte Schwendiger. Jede zehnte Autofahrt ist in fußläufiger Distanz, vier von zehn Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer und damit in Radfahrdistanz.

VCÖ: Eurosuper in Österreich günstiger als in 17 EU-Staaten (Preis für 1 Liter Eurosuper Jahresanfang 2023 (in Klammer Preis für 1 Liter Diesel))

  1. Dänemark: 1,939 Euro (1,831 Euro)
  2. Finnland: 1,910 Euro (2,081 Euro)
  3. Griechenland: 1,846 Euro (1,796 Euro)
  4. Italien: 1,827 Euro (1,891 Euro)
  5. Niederlande: 1,795 Euro (1,81 Euro)
  6. Schweden: 1,744 Euro (2,152 Euro)
  7. Deutschland: 1,731 Euro (1,850 Euro)
  8. Estland: 1,719 Euro (1,749 Euro)
  9. Belgien: 1,687 (1,757 Euro)
  10. Frankreich: 1,679 Euro (1,767 Euro)
  11. Portugal: 1,670 Euro (1,634 Euro)
  12. Lettland: 1,611 Euro (1,658 Euro)
  13. Ungarn: 1,599 Euro (1,782 Euro)
  14. Spanien: 1,584 Euro (1,661 Euro)
  15. Irland: 1,557 Euro (1,677 Euro)
  16. Luxemburg: 1,507 Euro (1,626 Euro)
  17. Tschechien: 1,501 Euro (1,564 Euro)
  18. Österreich: 1,492 Euro (1,685 Euro)
  19. Slowakei: 1,485 Euro (1,612 Euro)
  20. Litauen: 1,483 Euro (1,651 Euro)
  21. Zypern: 1,409 Euro (1,612 Euro)
  22. Polen: 1,403 Euro (1,640 Euro)
  23. Kroatien: 1,356 Euro (1,612 Euro)
  24. Malta: 1,340 Euro (1,210 Euro)
  25. Rumänien: 1,287 Euro (1,529 Euro)
  26. Slowenien: 1,267 Euro (1,511 Euro)
  27. Bulgarien: 1,234 Euro (1,459 Euro)

EU27 Schnitt: 1,672 Euro (1,760 Euro)

Schweiz: 1,809 Euro (2,093 Euro)

Quelle: EU-Kommission, VCÖ 2023

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