Starken Absatzmarkt mit CO2-Zielen für Unternehmen schaffen
Verbindliche CO2-Grenzwertziele für große Unternehmensflotten sind auch vorteilhaft für europäische Pkw-Hersteller, da sie stärker vom Firmenwagengeschäft profitieren als nicht-europäische Marken. Verkaufszahlen zeigen, dass Firmenkunden beim Kauf von Elektro-Autos eher europäische Hersteller bevorzugen. Während bei europäischen Herstellern 62 Prozent der Verkäufe auf Firmenwagen fallen, liegt dieser Anteil bei nicht-europäischen Herstellern nur bei 49 Prozent. Volvo verkaufte im Vorjahr sogar 74 Prozent der Fahrzeuge an Unternehmen, BMW 72 Prozent und VW 68 Prozent. Eine Studie zeigt, dass CO2-Flottenziele für Unternehmen eine Marktnachfrage für europäische Automobilhersteller von mehr als 2,1 Millionen Elektro-Autos im Jahr 2030 garantieren würde. Damit wäre im Durchschnitt die Hälfte der Elektro-Autos abgedeckt, die die Hersteller verkaufen müssen, um ihre CO2-Emissionsziele für das Jahr 2030 zu erreichen und Strafzahlungen zu vermeiden.6
Nationale Anreize und Vorgaben der EU erforderlich
In Österreich lag der Anteil von Elektroautos an den Neuzulassungen im Jahr 2024 mit rund 18 Prozent zwar über dem EU-Schnitt, ist aber verglichen mit Dänemark (51 Prozent) und der Niederlande (35 Prozent) noch relativ gering. In Norwegen waren im Vorjahr bereits 89 Prozent der Neuwagen Elektroautos.7,8 Dass steuerliche Anreize in Österreich funktionieren, zeigt sich darin, dass im Vorjahr drei Viertel aller neu zugelassener Elektroautos auf Firmen registriert wurden.9 In Ländern mit großen Pkw-Absatzmärkten wie Deutschland und Frankreich sind Unternehmen im Vergleich zu Privatkunden Nachzügler bei der Anschaffung von Elektroautos.10 Bestehende nationale Anreize für die Elektrifizierung von Unternehmensfahrzeugen sind unzureichend. Mit einer verbindlichen Vorgabe auf EU-Ebene könnte sichergestellt werden, dass große Unternehmensflotten in der EU Vorreiter bei der Elektrifizierung werden. Ein weiterer Vorteil: Auch der für die privaten Haushalte relevante Gebrauchtwagen-Markt für Elektroautos wird damit angekurbelt.11
Große Unternehmen als Zielgruppe für EU-Vorgabe
Ein EU-Gesetz für Unternehmensflotten sollte klare Ziele setzen: Ab dem Jahr 2030 sollen große Flotten, beispielsweise ab 100 Fahrzeugen, und insbesondere Leasingunternehmen ausschließlich emissionsfreie Fahrzeuge anschaffen und bis zum Jahr 2035 komplett emissionsfrei sein. In Österreich ist jedes zweite neu zugelassene Kfz geleast, damit haben Leasingunternehmen einen großen Hebel.12 Auch für Lkw-Flotten beziehungsweise Logistikunternehmen sind schrittweise Ziele zu setzen. Förderungen können an regionale Wertschöpfung und Qualitätsstandards geknüpft werden, wovon vor allem in der EU produzierte Modelle profitieren. Die ersten Schritte zu diesem Gesetz wurden im Jahr 2024 eingeleitet13, nun liegt es am EU-Transportkommissar, einen Vorschlag dem Europäischen Parlament vorzulegen.
Planungssicherheit stärken, „Made-in-EU“ fördern und Elektrifizierung vorantreiben
Verbindliche CO2-Grenzwerte für große Unternehmensflotten sind ein wichtiger Hebel für die Dekarbonisierung des Verkehrs und die Stärkung der europäischen Automobilindustrie. Sie schaffen Planungssicherheit für Flottenbetreiber, Fahrzeughersteller und die Energiewirtschaft. Zudem kurbelt eine beschleunigte Elektrifizierung von Firmenflotten den Gebrauchtwagenmarkt an, was dann auch den Umstieg für private Haushalte erleichtert.