Tempo 30 begünstigt sicheres Radfahren
In den Jahren 2022 und 2023 verunglückten in Österreich im Ortsgebiet insgesamt 46 Radfahrende tödlich. Der größte Teil, 41 Personen, verunglückte auf der allgemeinen Fahrbahn und dort wiederum zu 78 Prozent auf Straßen mit Tempolimit 50 oder höher.2 Tempo 30 erhöht die Verkehrssicherheit deutlich: Die Zahl der Unfälle und Verletzten im Ortsgebiet kann um bis zu 30 Prozent gesenkt werden, gleichzeitig steigen im Fall eines Unfalls die Überlebenschancen für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrende.3 Die niedrigere Geschwindigkeit sorgt für ein höheres Sicherheitsgefühl, was den Umstieg vom Auto aufs Fahrrad für viele attraktiver macht.
Gleichzeitig zeigt sich, dass Tempo 30 zu mehr Radverkehr führt. In der spanischen Stadt Bilbao stieg die Zahl der Radfahrenden auf allen Straßen seit der Einführung von Tempo 30 im Jahr 2018 innerhalb von fünf Jahren um mehr als das Fünffache. In der französischen Stadt Lille führte die Einführung von Tempo 30 im Jahr 2019 bis zum Jahr 2023 zu einem Anstieg des Radverkehrs um 55 Prozent.4 Reduzierte Lärmemissionen und ein niedriges Stresslevel erhöhen die Attraktivität von Gehen und Radfahren.5
Rasche Umsetzung, rasche Wirkung
Temporeduktionen zählen zu den effizientesten und am leichtesten umsetzbaren Verkehrsmaßnahmen, benötigen nur geringe Investitionen und wenig Vorlaufzeiten.6 Die zusätzliche Reisezeit bei Tempo 30 statt 50 ist vernachlässigbar und relativiert sich durch einen effizienteren Verkehrsfluss.
Reduktion der Unfallkosten
Mit einer Reduktion der Verkehrsunfälle geht auch eine Reduktion der privaten und gesellschaftlichen Unfallkosten und eine Entlastung des Gesundheitssystems einher. Es gibt erhebliches Einsparungspotenzial. In Österreich belaufen sich die volkswirtschaftlichen Kosten von Verkehrsunfällen auf rund 8,6 Milliarden Euro pro Jahr, wobei 64 Prozent aller Unfälle im Ortsgebiet passieren. Niedrigere Geschwindigkeiten senken die Unfallhäufigkeit sowie die Schwere der Folgen und entlasten damit das Gesundheitssystem und die Budgets spürbar.7,8 Aufgrund der positiven gesundheitlichen Wirkung von Radfahren entsteht darüber hinaus ein zusätzlicher monetärer Nutzen. Je 100 Kilometer entsteht ein Nutzen von etwa 18 Euro. Währenddessen verursacht der Pkw-Verkehr je 100 Personenkilometer externe Kosten durch Luftverschmutzung, Lärmbelastung, CO2-Emissionen oder Landverbrauch in Höhe von 16 Euro.9
Hohe Kosteneinsparung lang und kurzfristig
Tempo 30 ermöglicht eine sichere gemeinsame Nutzung der Straße – was Kosten für eigene baulich getrennte Radwege spart. Im Vergleich zu einem Radweg betragen die Kosten für die Einführung von Tempo 30 nur ein Achtel davon.10 Zudem kann die Fahrbahn bei Tempolimit 30 schmäler ausgeführt werden, was bei Neubauten oder Sanierungen Kosteneinsparungen bringt. So wird je Kilometer bei Tempo 30 bis zu 300 m² weniger Fläche benötigt als bei Tempolimit 50.11