Vergleich mit Vorreiter Schweiz
In der Transportbranche herrscht starke Konkurrenz, jeder Cent an Kilometerkosten zählt. Ein Blick in die Schweiz macht klar, warum dort der Anreiz für E-Lkw deutlich höher ist. Für einen 18-Tonnen-Lkw der Euroklasse VI fällt je Kilometer eine – im Gegensatz zu Österreich flächendeckend auf allen Straßen eingehobene – Maut von umgerechnet 46,5 Cent an, E-Lkw sind ausgenommen.12 In Österreich beträgt die Maut für einen zweiachsigen Euro VI-Lkw je nach CO2-Emissionsklasse 25 bis 28 Cent je Kilometer, für emissionsfreie Lkw fallen sechs Cent an.13 Unter anderem aufgrund der in der Schweiz mehr als doppelt so hohen Mineralölsteuer auf Diesel unterscheiden sich auch die Spritpreise deutlich. Während ein Liter Diesel Ende Juli 2026 an einer Tankstelle in der Schweiz umgerechnet rund 2,31 Euro kostete, waren es in Österreich 2,05 Euro.14
Hochgerechnet auf eine Lkw-Jahresfahrleistung von 60.000 Kilometer mit durchschnittlichem Diesel-Verbrauch von 30 Litern auf 100 Kilometer und unter der Annahme, dass in Österreich die Hälfte auf mautpflichtigen Autobahnen und die andere Hälfte auf mautfreien Landes- und Gemeindestraßen gefahren wird, ergeben sich für einen Diesel-Lkw in der Schweiz jährliche Mehrkosten im Vergleich zu Österreich von rund 28.000 Euro alleine aus Maut- und Spritkosten.15,16 Auch beim Kostenvergleich mit E-Lkw sind die Anreize in der Schweiz deutlich stärker. Geht man für schwere E-Lkw von einem Energieverbrauch von 130 Kilowattstunden auf 100 Kilometer aus, ergibt sich bei angenommenen 30 Cent je Kilowattstunde in der Schweiz ein jährlicher Maut- und Energiekostenvorteil für E-Lkw gegenüber Diesel-Lkw von rund 40.000 Euro, in Österreich beträgt der Vorteil unter den obigen Annahmen rund 10.000 Euro.17 Weil sich somit in der Schweiz die höheren Anschaffungskosten von Elektro- zu Diesel-Lkw von 150.000 Euro und mehr bereits nach wenigen Jahren rechnen ist klar, warum die Zulassungsquoten deutlich höher wie hierzulande sind.
Gekommen, um zu bleiben – E-Lkw in der Praxis
Dass schwere E-Lkw längst praxistauglich sind, zeigen auch in Österreich viele Pionier-Unternehmen. So startete etwa das Transportunternehmen Hofmann & Neffe bereits Anfang 2023 mit dem ersten elektrischen 40-Tonnen-Sattelschlepper, Mitte 2025 waren bereits sieben E-Lkw im Einsatz, weitere 14 sollen folgen.18,19 Auch Schlager Transporte setzt seit dem Jahr 2024 vier E-Lkw im regionalen Verteilerverkehr ein, bis Mitte 2026 soll die Flotte auf 12 E-Lkw anwachsen, bis zum Jahr 2030 sollen alle 22 Lkw elektrisch unterwegs sein.20,21,22
Noch größer plant Schachinger Logistik, wo täglich am Standort Hörsching 250 bis 300 Lkw und 300 Transporter abgefertigt werden. Bis Herbst 2026 soll dort in Kooperation mit dem Energiespezialisten Powerlink der größte Batteriespeicher Österreichs mit 60 Megawattstunden Speicherkapazität entstehen. Schachinger selbst schafft ab dem Jahr 2026 nur noch Elektro-Lkw an, bis zum Jahr 2030 sollen in Hörsching mindestens 100 E-Lkw und 200 E-Transporter verkehren.23,24,25,26 Auch im Lebensmittelhandel sind E-Lkw bereits etabliert. Bei Lidl sind seit dem Jahr 2024 E-Lkw im täglichen Einsatz, bis Jahresende 2025 wuchs die Flotte auf 20 E-Lkw an, bis Mitte 2027 sind bereits weitere 42 schwere E-Lkw mit je 44-Tonnen Gesamtgewicht bestellt. Ziel ist die emissionsfreie Belieferung aller Filialen in Österreich bis zum Jahr 2030.27 Auch Rewe setzt seit dem Jahr 2025 drei E-Lkw für die Filialbelieferung in Wien ein.28
Auch in Einsatzbereichen mit besonders hohen Anforderungen etablieren sich E-Lkw. So setzt etwa Hödlmayr seit Anfang 2025 erstmals einen vollelektrischen Sattelschlepper mit speziellem Aufbau für den Autotransport ein, zwei weitere E-Sattelschlepper sollen folgen.29,30 Die auf Silo-Container im Intermodalverkehr spezialisierte Stag-Gruppe setzt seit Mitte 2025 einen E-Sattelschlepper ein, bis Jahresende 2025 wurden weitere sieben Stück angeschafft.31,32 Schon seit dem Jahr 2024 setzt der Baustoffproduzent Knauf für den Naturgips-Transport vom Bergwerk zum Güterbahnhof E-Lkw ein, Anfang 2025 kam zudem erstmals in Österreich ein E-Lkw mit einem 35-Meter-Tonnen-Großkran in der Baustellenlogistik zum Einsatz.33,34,35