Elektromotor ist Antrieb der Zukunft – auch bei Lkw

Ein E-Lkw vor einer Ladesäule auf einem Betriebsgelände

Zahlreiche Unternehmen in Österreich setzen bereits erfolgreich batteriebetriebene schwere Lkw ein. Und sie erzeugen an ihren Standorten selbst erneuerbare Energie und unterstützen so die Energie-Autarkie.

Von Susanne Wolf

Wenn die auflagenstärksten heimischen Zeitungen von den Druckzentren quer durchs Land zu den Verteilstandorten gefahren werden, steht ein oberösterreichisches Transportunternehmen dahinter: Schlager. Dass dies schon seit Jahren mit E-Lkw geschieht, dürfte manche überraschen. „13 E-Lkw sind bei uns im Einsatz“, erzählt Geschäftsführer Hubert Schlager, rund 96 Prozent aller Ladevorgänge erfolgen am Betriebsstandort in Saxen im Mühlviertel. Diese hohe Depotladequote sei für einen wirtschaftlichen Betrieb besonders wichtig, so Schlager. „Wir waren die ersten, die am Standort ein Gesamtsystem mit Speicher und wirtschaftlicher Logistik eingeführt haben.“ Die Ladeinfrastruktur in Saxen ist in ein umfassendes Energiesystem eingebunden: „Dazu gehören unsere Photovoltaikanlage mit rund 765 Kilowatt-Peak sowie ein stationärer Batteriespeicher mit einer Kapazität von etwa 1,6 Megawattstunden.“ Dadurch könne ein erheblicher Teil der benötigten Energie selbst erzeugt, gespeichert und gezielt für die Lkw eingesetzt werden. „Im vergangenen Jahr haben wir einen Autarkiegrad von rund 54 Prozent erreicht“, ergänzt Schlager, in dessen Unternehmen 42 Beschäftigte tätig sind. Die Reichweite der E-Lkw beträgt je nach Fahrzeug und Einsatzprofil bis zu 650 Kilometer. „Wichtiger als eine möglichst hohe theoretische Reichweite ist für uns aber, dass das Fahrzeug zuverlässig zur konkreten Tour passt und nach der Rückkehr wieder im Depot geladen werden kann“, erklärt Schlager.

Rahmenbedingungen für E-Lkw sind zu verbessern

Beim Aufbau einer leistungsfähigen Energie- und Ladeinfrastruktur kämen jedoch zahlreiche zusätzliche behördliche und bürokratische Anforderungen hinzu, kritisiert Hubert Schlager. Besonders deutlich werde dies beim Thema Batteriespeicher. „Solche Speicher werden teilweise so behandelt, als würden davon außergewöhnlich hohe Gefahren ausgehen“, sagt der Unternehmer. „Natürlich müssen Sicherheit, Brandschutz und technische Standards gewährleistet sein, zugleich müssen Energiespeicher künftig als normaler und notwendiger Bestandteil der Energiewende betrachtet werden.“ Hier bestehe deutlicher Handlungsbedarf bei der Vereinfachung und Beschleunigung der Verfahren.

Eine weitere Hürde stellen derzeit noch die hohen Anschaffungskosten dar – ein neuer E-Lkw kostet zwischen 300.000 und 360.000 Euro. Hubert Schlager hat zwei gebrauchte Fahrzeuge erworben: „Dabei handelt es sich um E-Lkw der vorherigen eActros-Generation, die zuvor als Test- beziehungsweise Werksfahrzeuge eingesetzt wurden.“ Der Markt für gebrauchte Elektro-Lkw sei jedoch noch sehr klein.
Bei Aufbau und Weiterentwicklung des Energie- und Ladesystems arbeitet Schlager mit dem Partnerunternehmen kW-Solutions zusammen. „Entscheidend ist die gesamtheitliche Betrachtung von Ladeinfrastruktur, Photovoltaikanlage, Batteriespeicher, Netzanschluss, Lastmanagement und den Einsatzzeiten unserer Fahrzeuge“, so Hubert Schlager. Gemeinsam werden die Energieflüsse so gesteuert, dass die vorhandene Energie möglichst effizient genutzt wird, die Fahrzeuge rechtzeitig für ihre Touren geladen sind und unnötige Netzspitzen vermieden werden. kW-Solutions bietet auch das Netzwerk „Charge with friends“ an, in dem sich Logistikunternehmen mit ihren Depotlade-Hubs zusammenschließen und bilateral Strom beziehen oder bereitstellen können. Ziel ist, dass das vergleichsweise teure öffentliche Laden der Vergangenheit angehört.

Unabhängigkeit mit innovativem Energiespeichersystem

Auch beim Transportunternehmen Schachinger Logistik, ebenfalls mit Firmensitz in Oberösterreich, setzt man auf Elektromobilität: „Täglich laden etwa 30 E-Lkw am Standort in Hörsching, die übers Jahr zweieinhalb bis drei Millionen Kilometer elektrisch fahren“, erklärt Nikolaus Skarabela, Projektmanagementleiter Erneuerbare Energie & Mobilität. „Dadurch werden pro Jahr etwa 3.000 Tonnen CO2 vermieden.“ Möglich macht dies BESS – ein innovativer Logistik-Batteriespeicher, der den Standort nahezu energieautark macht. „Mit dem Bau eines Batterie-Energiespeichersystems mit 60 Megawattstunden Speicherkapazität und 30 Megawatt Leistung entsteht das derzeit größte Energiespeichersystem dieser Art in der europäischen Logistik“, ergänzt Ina Pfneiszl, Leitung Nachhaltigkeit bei Schachinger Logistik. Für diese weitgehend energieautarke Logistiklösung wurde Schachinger Logistik Mitte September mit dem VCÖ-Mobilitätspreis Österreich ausgezeichnet.

Das System ist direkt mit dem firmeneigenen Solarpark mit einer Leistung von acht Megawatt gekoppelt und ermöglicht damit eine vollständig elektrifizierte Logistikflotte. „Die Autarkie liegt derzeit im Mittel bei 70 bis 80 Prozent und wird über die kommenden Jahre mit steigender Elektrifizierung im Spitzenfeld bis zu 98 Prozent betragen“, so Skarabela. Das Ziel sei, bis zum Jahr 2030 100 E-Lkw – aus dem Eigenfuhrpark und von Frachtpartnern – im Einsatz zu haben und nur noch elektrisch zu fahren.

Ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig

Hubert Schlager ist davon überzeugt, dass Logistik- und Transportunternehmen zu wichtigen Treibern der Energiewende werden können. „An größeren und mittleren Logistikstandorten entstehen künftig hohe Stromverbräuche, aber auch große Speicher- und Steuerungsmöglichkeiten.“ Durch Photovoltaik, Speicher und intelligentes Lastmanagement können diese Unternehmen das Stromnetz entlasten und unnötige Leistungsspitzen vermeiden. „Die Energiewende erfordert daher nicht ausschließlich einen extremen Ausbau der Stromnetze“, schlussfolgert Schlager. Die Unternehmen selbst seien gefordert, einen Teil ihrer Antriebsenergie vor Ort zu erzeugen, zu speichern und intelligent einzusetzen. „So kann elektrischer Transport ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig funktionieren.“

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