VCÖ-Fachkonferenz: International und national setzen immer mehr Städte auf Tempo 30 und Verkehrsberuhigung

VCÖ: Tempo 30 statt 50 halbiert Anhalteweg und reduziert merkbar den Verkehrslärm

VCÖ (Wien, 11. Jänner 2024) – Verkehrsberuhigung und Tempo 30 statt 50 sind wirksame Maßnahmen, um im Ortsgebiet die Zahl der Unfälle und den Verkehrslärm zu verringern und die Lebensqualität für die Bevölkerung zu erhöhen, wie bei der heutigen VCÖ-Fachkonferenz präsentierte Good-Practice Beispiele aus dem In- und Ausland zeigten. So hat Helsinki durch Tempo 30 in Wohngebieten die Fußgängerunfälle um ein Drittel gesenkt. Wales erwartet Einsparungen im Gesundheitssektor von umgerechnet 100 Millionen Euro pro Jahr durch Tempo 30 im Ortsgebiet.



„Tempo 30 statt 50 halbiert den Anhalteweg und damit das Unfallrisiko und im Falle einer Kollision die Unfallschwere. Tempo 30 statt 50 wirkt zudem für das menschliche Ohr wie die Halbierung der Verkehrsmenge. Und Tempo 30 führt dazu, dass mehr Menschen zu Fuß oder mit dem Fahrrad mobil sind, sich damit gesund bewegen statt im Auto zu sitzen“, wies VCÖ-Expertin Lina Mosshammer bei der VCÖ-Fachkonferenz auf einige der vielfältigen Vorteile von Tempo 30 hin.

Seit Mitte September 2023 gilt in Wales als Regelgeschwindigkeit für Straßen im Ortsgebiet 20 miles per hour, das entspricht 30 km/h. Gemeinden und Städte können auf Straßen, wo sie es aus Sicht der Verkehrssicherheit für zulässig erachten, ein höheres Tempolimit verordnen. Auf 92 Prozent der Straßen, wo vorher (umgerechnet) 50 km/h erlaubt waren, gilt nun (umgerechnet) Tempo 30. Ian Bradfield vom Walisischen Verkehrsministerium erklärte bei der VCÖ-Fachkonferenz: „Im Jahr 2021 passierten mehr als die Hälfte der Unfälle auf Straßen mit 30 miles per hour (entspricht 50 km/h), darunter viele Unfälle mit Fußgängern und Kindern. Mit 20 mph als Regelgeschwindigkeit wollen wir Menschenleben retten.“ Laut einer Studie der Edinburgh Napier University ist durch die Reduktion der Verkehrsunfälle mit einer Entlastung des Gesundheitswesens um umgerechnet rund 100 Millionen Euro pro Jahr zu rechnen. Zusätzlich möchte die walisische Regierung damit die Bedingungen für bewegungsaktive Mobilität verbessern. Bei niedrigerem Tempolimit legen mehr Menschen Alltagswege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück.

Bereits seit dem Jahr 2017 kann der Autoverkehr die inneren Bezirke der belgischen Stadt Gent (265.000 Einwohnerinnen und Einwohner) nicht mehr durchfahren. Eine Fläche, die fast dreimal so groß ist wie Wiens erster Bezirk, wurde in sechs Sektoren geteilt, im Zentrum wurde eine große Fußgängerzone umgesetzt. Die Straßenführung ist ähnlich wie bei Superblocks so angelegt, dass die Kfz auf eine Ringstraße geleitet werden und es keine Transitfahrten von Kfz durch die Sektoren und die inneren Bezirke insgesamt geben kann. Dieser „Circulation Plan“ hat die Verkehrsbelastung um 17 Prozent reduziert. Der Radverkehr hingegen ist um über 50 Prozent gestiegen. Auch die Zahl der Fahrgäste des Öffentlichen Verkehrs hat zugenommen, um sechs Prozent. „Die Luftqualität hat sich verbessert und es gibt nun deutlich weniger Staus als früher“, nannte der belgische Verkehrsplaner Peter Vansevenant bei VCÖ-Fachkonferenz weitere Ergebnisse.

Die finnische Hauptstadt Helsinki mit ihren 664.000 Einwohnerinnen und Einwohner hat in den vergangenen 30 Jahren in mehreren Schritten die Tempolimits reduziert. Zuletzt wurde im Jahr 2019 in den Wohngebieten allgemein Tempo 30 eingeführt. Auf Hauptstraßen wurde die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 40 km/h gesenkt. Die Zahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Fußgängerinnen und Fußgängern ging um 34 Prozent zurück, die Zahl der verletzten Radfahrenden um 37 Prozent und die Zahl der verletzten Pkw-Insassen reduzierte sich um 24 Prozent, berichtete bei der VCÖ-Fachkonferenz Roni Utriainen von der Verkehrsabteilung der Stadt Helsinki. Damit sanken die Unfallkosten, zudem wurden Lärm und Abgasbelastung reduziert, die Bedingungen für Gehen und Radfahren haben sich verbessert. In Helsinki werden bereits 79 Prozent der Alltagswege autofrei zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt.

Vorarlbergs Landeshauptstadt Bregenz hat im vergangenen Dezember die flächendeckende Umsetzung von Tempo 30 im Ortsgebiet beschlossen. Ausgenommen sind Landesstraßen und natürlich auch jene Bereiche, wo niedrigeres Tempo gilt, wie etwa Begegnungszonen. In Hohenems wiederum wurde durch Verkehrsberuhigung und eine Begegnungszone der Verkehr reduziert, die Innenstadt belebt, die Zahl der Geschäfte ist seither gestiegen. Ebenfalls präsentiert wurden bei der VCÖ-Fachkonferenz die künftige Fahrradstraße Wien Argentinierstraße, die als erste in Österreich nach niederländischen Kriterien umgesetzt wird, die Ortskernbelebung in Wiener Neudorf mit mehr Platz zum Gehen und Radfahren sowie der Entsiegelung und Begrünung ehemaliger Asphaltflächen sowie die Schulstraße der Volksschule in Bad Hofgastein.

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