VCÖ: Fehlende Kerosinsteuer fördert Flugunternehmen dreimal so stark wie die Flugabgabe ausmacht

VCÖ fordert Differenzierung der Flugabgabe nach Premium und Economy Class sowie Privatjets

Foto: British Airways-Flugzeug, welches über einen zugeparkten Parkplatz fliegt

VCÖ (Wien, 19. Oktober 2026) – Während Autofahrerinnen und Autofahrer für Benzin und Diesel Mineralölsteuer zahlen, entrichten Fluggesellschaften für den Flugtreibstoff Kerosin keine Mineralölsteuer. Durch die fehlende Kerosinsteuer wurden die Flugunternehmen in Österreich allein im ersten Halbjahr mit rund 220 Millionen Euro unterstützt, das ist dreimal so viel wie die Flugabgabe ausmachte, informiert die Mobilitätsorganisation VCÖ. Der VCÖ fordert eine Differenzierung der Flugabgabe nach Premium Class, Economy Class und Privatjets so wie das in Großbritannien bereits der Fall ist.

Im ersten Halbjahr wurden in Österreich rund 460.000 Tonnen Kerosin getankt. Im Unterschied zu Benzin und Diesel ist der Flugtreibstoff Kerosin noch immer von der Mineralölsteuer befreit. Dadurch wurden die Fluggesellschaften im ersten Halbjahr mit rund 220 Millionen Euro gefördert, wenn die Mineralölsteuer auf Diesel als Basis genommen wird oder sogar mit fast 270 Millionen Euro bei einer Mineralölsteuer wie auf Benzin. Bei beiden Werten ist die Spritpreisbremse berücksichtigt. Über die Flugabgabe zahlten die Fluggesellschaften im ersten Halbjahr laut Finanzministerium 73 Millionen Euro. „Die Förderung der Flugunternehmen durch die fehlende Kerosinsteuer war damit dreimal so hoch wie die Flugabgabe ausgemacht hat“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk. Zusätzlich sind Flugtickets vollständig von der Umsatzsteuer befreit.

Dass der Flugtreibstoff Kerosin nach wie vor von der Mineralölsteuer befreit ist, ist weder aus ökonomischen noch aus ökologischen Gründen zu rechtfertigen. So verursachen Kurz- und Mittelstreckenflüge mit einer Distanz von bis 1.000 Kilometern laut Umweltbundesamt im Schnitt 261 Gramm Treibhausgase pro Personenkilometer, das ist rund fünfeinhalbmal so viel wie Reisebusse und 31-Mal so viel wie die Bahn.

„Solange es keine Kerosinsteuer gibt ist die Flugabgabe nicht abzuschaffen, aber sie ist zu reformieren“, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk. Studien zeigen, dass die Premium Class wegen des höheren Platzbedarfs mehr Treibhausgase pro Kopf verursacht als die Economy-Class. Die Flugabgabe für Tickets der Premium Class sollte daher nach dem Verursacherprinzip höher sein als jene für Tickets der Economy Class. Noch deutlich klimaschädlicher sind Privatjets. In Österreich haben sich Privatjet-Flüge vom Jahr 2019 bis 2024 mehr als verdoppelt. Zwei Drittel der Privatjet-Flüge sind kürzer als 750 Kilometer.

Der VCÖ fordert eine Differenzierung der Flugabgabe nach Economy Class, Premium Class und Privatjets, wie das in Großbritannien bereits der Fall ist. Auch in Frankreich gibt es für Privatjets seit März 2025 eine deutlich erhöhte Flugabgabe.

Der VCÖ weist zudem darauf hin, dass in Österreich viele Menschen nie oder selten fliegen, während wenige sehr viel fliegen. Laut aktuellstem Mikrozensus der Statistik Austria für den Zeitraum 2023/2024 sind 67 Prozent der Bevölkerung Österreichs in den zwölf Monaten davor nicht geflogen, 18 Prozent einmal und nur sieben Prozent sind dreimal oder häufiger geflogen.

Der Rückgang im heurigen Jahr relativiert sich angesichts des Kriegs im Nahen Osten, wodurch weniger Passagiere aus Asien und dem arabischen Raum nach Europa kommen. Zudem erreichte der Flugverkehr in Österreich im Vorjahr einen Passagier-Höchstwert. „Trotz Rückgangs gibt es heuer deutlich mehr Passagiere als vor Corona im Jahr 2018 oder nach Corona im Jahr 2023“, stellt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk fest.

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