VCÖ: Im Vorjahr fast zwei Drittel der Verkehrstoten auf Freilandstraßen

VCÖ: Maßnahmenpaket für sichere Freilandstraßen rasch umsetzen

Foto: Kleines Kreuz mit Kerzen neben einer Freilandstraße

VCÖ (Wien, 12. Mai 2026) – 253 Menschen verloren im Vorjahr bei Verkehrsunfällen auf Freilandstraßen ihr Leben, damit waren 63 Prozent der Verkehrstoten in Österreich auf Freilandstraßen zu beklagen, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ aufmerksam. Fast die Hälfte dieser Todesopfer waren Pkw-Insassen, fast 30 Prozent Motorradfahrer. Und: Es verunglückten auf Freilandstraßen sechsmal so viele Männer tödlich wie Frauen. Der VCÖ fordert ein Maßnahmenpaket für sichere Freilandstraßen, unter anderem mit dem Rückbau von Raserstrecken, Tempolimit 80 statt 100, verstärkten Tempokontrollen sowie baulich getrennten Geh- und Radwegen entlang von Freilandstraßen.

„Freilandstraßen sind die gefährlichsten Straßen. Das zeigt sich auch in der Unfallstatistik sehr deutlich“, stellt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk fest. Im Vorjahr kamen in Österreich 253 Menschen bei Verkehrsunfällen auf Freilandstraßen ums Leben, das waren 63 Prozent aller Verkehrstoten. Das Vorjahr war keine Ausnahme: Im Drei-Jahreszeitraum 2022 bis 2024 waren ebenfalls 63 Prozent der Verkehrstoten die Folge von Unfällen auf Freilandstraßen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Heuer sind bis dato bereits 53 Menschen auf Freilandstraßen tödlich verunglückt und das vor Beginn der Motorradsaison. Im Vorjahr kamen 87 Prozent der tödlich verunglückten Motorradfahrer auf Freilandstraßen ums Leben.

Die zahlenmäßig größte Opfergruppe bei Unfällen auf Freilandstraßen sind Pkw-Insassen. Im Vorjahr waren 47 Prozent der Verkehrstoten auf Freilandstraßen Pkw-Insassen, im Drei-Jahreszeitraum 2022 bis 2024 waren es sogar 51 Prozent. Die zweitgrößte Opfergruppe sind Motorradfahrende mit fast 29 Prozent Anteil im Vorjahr und 24 Prozent Anteil im Drei-Jahreszeitraum 2022 bis 2024, informiert der VCÖ. Drei Viertel der Verkehrstoten auf Freilandstraßen sind damit Pkw-Insassen und Motorradfahrende.

„Die Kombination aus hoher Geschwindigkeit und Gegenverkehr führt auf Freilandstraßen zu einem hohen tödlichen Unfallrisiko. Im internationalen Vergleich ist die Zahl der Todesopfer auf Österreichs Freilandstraßen besonders hoch“, weist VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk auf Daten der EU-Kommission hin. Während in der Schweiz im Untersuchungsjahr 2023 14 Menschen pro Million Einwohnerinnen und Einwohner auf Freilandstraßen tödlich verunglückten und in den Niederlanden 15, waren es in Österreich mit 30 doppelt so viele. In der Schweiz und Schweden gilt auf Freilandstraßen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h.

Mit einer Herabsetzung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 100 auf 80 km/h kann die Zahl der schweren Verkehrsunfälle deutlich reduziert und Menschenleben gerettet werden. Ein Pkw, der bei Tempo 80 einen Anhalteweg (Reaktionsweg plus Bremsweg) von 47 Metern hat, hat mit Tempo 100 nach 47 Metern noch eine Geschwindigkeit von 71 km/h, verdeutlicht der VCÖ. Die Folge physikalischer Gesetze wurde bereits durch zahlreiche Erfahrungen sowohl in Österreich als auch international in der Praxis bestätigt: Temporeduktion auf Freilandstraßen reduziert die Zahl schwerer Unfälle und rettet Menschenleben.

„Österreich kann seine Verkehrssicherheitsziele nur erreichen, wenn der extrem hohe Blutzoll auf Freilandstraßen stark reduziert wird. Deshalb fordern wir die Umsetzung eines Maßnahmenpakets für sicherere Freilandstraßen mit niedrigerem Tempolimit, verstärkten Tempokontrollen und Infrastrukturmaßnahmen für mehr Sicherheit“, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Neben dem Rückbau von Raserstrecken ist die Verkehrssicherheit für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie für Radfahrerinnen und Radfahrer durch baulich getrennte Geh- und Radwege zu erhöhen. In den vergangenen drei Jahren kamen bei Unfällen auf Freilandstraßen insgesamt 36 Menschen mit dem Fahrrad, 32 mit dem E-Bike und 31 zu Fuß ums Leben. „Nach wie vor gibt es in Österreich viele Siedlungen, die mit dem nahe gelegenen Ortsgebiet nur über eine Freilandstraße verbunden sind. Geh- und Radwege sind die wirksamste Maßnahme, um die Sicherheit für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrerinnen und Radfahrer außerhalb des Ortsgebiets zu erhöhen und um die Zahl tödlicher Unfälle zu reduzieren“, fordert VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk mehr sichere Geh- und Radwege.

Quellen und Daten

VCÖ: Die meisten Todesopfer auf Freilandstraßen waren im Vorjahr Pkw-Insassen und Motorradfahrer
(bei Verkehrsunfällen auf Freilandstraßen in Österreich im Jahr 2025 getötet)

  • Pkw: 118 Todesopfer (47,4 Prozent)
  • Motorrad: 71 (28,5 Prozent)
  • Fahrrad: 19 (7,6 Prozent)
  • E-Bike: 13 (5,2 Prozent)
  • Fußgängerinnen und Fußgänger: 9 (3,6 Prozent)
  • Traktor: 7 (2,8 Prozent)
  • Moped: 5 (2,0 Prozent)
  • Klein-Lkw: 2 (0,8 Prozent)
  • Sonstige: 5 (2,0 Prozent)

Quelle: BMI, VCÖ 2026

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