VCÖ: Im Vorjahr waren 62 Prozent der im Straßenverkehr tödlich verletzten Radfahrenden Seniorinnen und Senioren

VCÖ: Angesichts der steigenden Anzahl älterer Menschen sind verstärkte Maßnahmen für eine seniorengerechte Radinfrastruktur nötig

Foto: Kleines Kreuz mit Kerzen neben einer Freilandstraße

VCÖ (Wien, 13. Juli 2026) – Seniorinnen und Senioren sind die größte Opfergruppe bei tödlichen Radunfällen in Österreich, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Im Vorjahr waren 40 der insgesamt 65 mit Fahrrad oder E-Bike tödlich verletzten Radfahrenden 65 Jahre oder älter. Mit der wachsenden Anzahl älterer Menschen wird es immer wichtiger, dass unser Verkehrssystem seniorengerecht wird. Die Mobilitätsorganisation VCÖ fordert den verstärkten Ausbau des Radwegenetzes insbesondere entlang von Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen und hohen Tempolimits. Im Ortsgebiet sind Verkehrsberuhigung sowie Tempo 30 statt 50 wirksame Maßnahmen, um insbesondere für ältere Menschen die Sicherheit beim Radfahren zu erhöhen.

1,88 Millionen Menschen in Österreich gehören der Generation 65 plus an. Seit dem Jahr 2005 ist ihre Anzahl um 550.000 gestiegen. Bis zum Jahr 2035 rechnet die Statistik Austria mit einer weiteren Zunahme um 470.000 auf rund 2,35 Millionen Seniorinnen und Senioren. „Mit der wachsenden Anzahl älterer Menschen wird es immer wichtiger, dass unser Verkehrssystem seniorengerecht wird. Gerade hinsichtlich des Radverkehrs ist der Aufholbedarf in Österreich besonders groß“, stellt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk fest.

Das zeigt auch die Unfallstatistik. Im Vorjahr wurden in Österreich 40 Seniorinnen und Senioren im Straßenverkehr beim Fahren mit Fahrrad oder E-Bike tödlich verletzt, das waren 23 mehr als im Jahr 2024, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Der Anteil der Generation 65 plus an den Todesopfern war mit 62 Prozent fast dreimal so hoch wie ihr Anteil an allen verletzten Radfahrenden, der bei 23 Prozent lag. Im Fünfjahreszeitraum 2021 bis 2025 waren 55 Prozent der im Straßenverkehr mit Fahrrad oder E-Bike tödlich verletzten Personen Seniorinnen und Senioren. „Dieser hohe Anteil ist kein Argument gegen das Radfahren, sondern unterstreicht die Dringlichkeit, sichere und gute Bedingungen für das Radfahren in jedem Alter zu schaffen“, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Wirksame verkehrsplanerische Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit insbesondere älterer Menschen beim Radfahren sind unter anderem lückenlose, baulich getrennte Radwege entlang stark befahrener Straßen. Im Ortsgebiet machen Verkehrsberuhigung und Tempo 30 statt 50 das Radfahren insbesondere für ältere Menschen sicherer und angenehmer. Wichtig sind zudem auch übersichtliche Kreuzungen.

Zu empfehlen sind insbesondere beim Wechsel auf E-Bikes auch Radfahrkurse, wie sie beispielsweise von Seniorenorganisationen angeboten werden. In den Niederlanden sind zudem bei älteren Menschen Dreiräder sehr weit verbreitet. Diese verfügen über zwei Hinterräder und bieten damit hohe Stabilität, wodurch das Sturzrisiko stark sinkt.

Aus Mobilitätssicht ist das Potenzial für das Radfahren bei Seniorinnen und Senioren groß. Ab 65 Jahren nimmt der Anteil der Alltagswege, die kürzer als fünf Kilometer und damit in guter Radfahrdistanz sind, deutlich zu. Rund zwei Drittel der Alltagswege der Seniorinnen und Senioren sind kürzer als fünf Kilometer, bei den 15- bis 64-Jährigen sind nur knapp mehr als 50 Prozent der Wege kürzer als fünf Kilometer, informiert der VCÖ.

Eine EU-weite Untersuchung zeigt, dass in Österreich ebenso wie in Deutschland 35 Prozent der 65- bis 74-Jährigen regelmäßig das Fahrrad als Verkehrsmittel nutzen, in den Niederlanden mit ihrem dichten Netz an Radwegen sind es mit 66 Prozent fast doppelt so viele.

Gerade die E-Bikes ermöglichen es älteren Menschen auch dort, wo es Steigungen gibt, mit dem Rad mobil zu sein. Zudem erweitern E-Bikes die Reichweite. In Vorarlberg besitzen bereits vier von zehn Seniorinnen und Senioren ein Elektrofahrrad. „In Vorarlberg beträgt der Radverkehrsanteil bei den Seniorinnen und Senioren bei 27 Prozent, höher als der Vorarlberger Landesschnitt und sogar rund dreimal so hoch wie im Österreich-Schnitt“, macht VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk aufmerksam.

Für gesunde Lebensjahre bis ins hohe Alter ist Bewegung als Gesundheitsförderung sehr wichtig. Wer das Fahrrad häufiger als Verkehrsmittel nutzen kann, kommt auf eine regelmäßige Portion gesunde Bewegung. Mit fortschreitendem Alter ist der Erhalt der Fitness besonders wichtig. Radfahren kann den altersbedingten Verlust an Muskelkraft verlangsamen oder sogar umkehren. Bewegung stärkt das Herz-Kreislaufsystem, reduziert das Krebsrisiko und erhöht auch das psychische Wohlbefinden. Wer regelmäßig radelt, verfügt über eine bessere Gleichgewichtskontrolle und stürzt im Alltag seltener. Auch das Radfahren mit Unterstützung eines Elektromotors stärkt das Herz-Kreislaufsystem und die Muskeln, wie eine aktuelle umfassende Studie der Medizinischen Hochschule Hannover zeigt.

Als kostengünstiges Verkehrsmittel kann das Fahrrad auch vor Mobilitätsarmut schützen. In Österreich ist fast jede fünfte Frau ab 65 Jahren armutsgefährdet, bei alleinlebenden Pensionistinnen sogar fast jede dritte. „Umso wichtiger ist es, dass die Radinfrastruktur seniorengerecht wird. Das heißt konkret, ein dichteres Radwegenetz und auf Straßen im Ortsgebiet ohne Radwege ein Tempolimit von höchstens 30 km/h“, erklärt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Quellen & Daten

VCÖ: Im Vorjahr war die Anzahl von Seniorinnen und Senioren bei den tödlich verletzten Radfahrenden besonders hoch
(Anzahl der im Straßenverkehr mit Fahrrad oder E-Bike tödlich verletzten Seniorinnen und Senioren in Österreich, in Klammer Anteil an allen mit Fahrrad oder E-Bike tödlich Verunglückten)

  • Jahr 2025: 40 Seniorinnen und Senioren (62 Prozent)
  • Jahr 2024: 17 Seniorinnen und Senioren (53 Prozent)
  • Jahr 2023: 21 Seniorinnen und Senioren (50 Prozent)
  • Jahr 2022: 24 Seniorinnen und Senioren (55 Prozent)
  • Jahr 2021: 26 Seniorinnen und Senioren (52 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2026

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