VCÖ: In Österreich heuer bereits 304 Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben
VCÖ: Mit verstärkten unfallvermeidenden Maßnahmen Menschenleben retten
VCÖ (Wien, 30. Oktober 2026) – In diesen Tagen wird der Verstorbenen gedacht. Allein der Straßenverkehr kostete heuer 304 Menschen das Leben, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ aufmerksam. Die größten Opfergruppen waren Pkw-Insassen und Motorradfahrende. Seit dem Jahr 2000 verloren in Österreich fast 15.400 Menschen bei Verkehrsunfällen ihr Leben, das sind etwa so viele Menschen wie in Eisenstadt leben. Die Zahl der Verkehrstoten kann in Österreich mit Maßnahmen, die in anderen Ländern Europas bereits gängige Praxis sind, deutlich reduziert werden, betont der VCÖ.
„Verkehrsunfälle reißen Menschen plötzlich aus dem Leben. Für Angehörige ist der Unfalltod ein traumatischer Einschnitt. Ein Mensch, mit dem man gestern noch geredet und gelacht hat, ist plötzlich nicht mehr da“, weist VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk auf den großen Schmerz der Angehörigen von Unfallopfern hin.
Seit Jahresanfang starben in Österreich bereits 304 Menschen im Straßenverkehr. Damit weist Österreich nach zehn Monaten deutlich mehr Verkehrstote auf als die mit Österreich gut vergleichbare Schweiz, in der im gesamten Vorjahr 214 Menschen im Straßenverkehr ums Leben kamen, macht der VCÖ aufmerksam. Bereits für das Jahr 2020 lautete Österreichs Verkehrssicherheitsziel, die Zahl der Verkehrstoten auf weniger als 312 zu senken. Ein Ziel, das seitdem jedes Jahr deutlich verfehlt wurde. „Werden Verkehrssicherheitsziele verfehlt, dann kostet das Menschenleben. Umso wichtiger und dringender ist es, verstärkt Maßnahmen zu setzen, die Unfälle vermeiden“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.
Die größte Opfergruppe im heurigen Jahr waren Pkw-Insassen mit 116 Todesopfern, die zweitgrößte Opfergruppe waren Motorradfahrende mit 79 Todesopfern, jeweils nach vorläufigen Daten. Weiters kamen unter anderem 33 Fußgängerinnen und Fußgänger sowie 20 Personen mit einem E-Bike und 17 Personen mit einem herkömmlichen Fahrrad bei Verkehrsunfällen ums Leben, ebenfalls jeweils nach vorläufigen Daten.
„Wichtig ist bei den zentralen Faktoren für die Verkehrssicherheit anzusetzen: Das ist die Geschwindigkeit, das ist die Aufmerksamkeit und das ist die Infrastruktur“, stellt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk fest. Niedrigere Tempolimits reduzieren nachweisbar die Zahl der Verkehrsunfälle und retten Menschenleben. Geringere Geschwindigkeiten bedeuten einen kürzeren Anhaltweg und falls es zu einer Kollision kommt, erfolgt diese mit einem niedrigeren Tempo, was die Verletzungsschwere reduziert.
Im Ortsgebiet halbiert Tempo 30 statt 50 den Anhalteweg (Reaktionsweg plus Bremsweg). Tempo 80 statt 100 wiederum macht die besonders gefährlichen Freilandstraßen sicherer und gilt in etlichen europäischen Staaten als Standard, wie etwa in der Schweiz, den Niederlanden, Finnland, Dänemark oder Norwegen. In Schweden beträgt die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf Freilandstraßen 70 km/h. Auch das Tempolimit auf Autobahnen ist in etlichen europäischen Staaten niedriger als 130 km/h, so auch in den verkehrssichersten Staaten Europas Norwegen, Schweden und der Schweiz, informiert der VCÖ. „Niedrigere Tempolimits sind eine sehr wirksame Verkehrssicherheitsmaßnahme, die zudem vielfache Zusatzvorteile bringt, wie weniger Spritverbrauch und damit geringere Spritkosten, weniger Verkehrslärm, weniger Schadstoffausstoß und einen gleichmäßigeren Verkehrsfluss, wodurch Staus reduziert werden“, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.
Auch bei Maßnahmen gegen die Ablenkung durch Smartphones sind andere Staaten weiter als Österreich. In den meisten Staaten ist Handy-am-Steuer ein Delikt im Vormerksystem, in Österreich nicht. Bei der Infrastruktur hat Österreich vor allem bei Geh- und Radwegen viel aufzuholen. Das Radwegenetz hat viele Lücken, in vielen Regionen fehlen sichere Geh- und Radwege zwischen Siedlungen und dem nächsten Ortsgebiet. „Eine gute Radinfrastruktur ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um allen Bevölkerungsgruppen, von Kindern bis zu Seniorinnen und Senioren sicheres Radfahren zu ermöglichen“, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk. In den Gemeinden und Städten sind zudem zu schmale oder mangelhafte Gehsteige, unübersichtliche Kreuzungen und eine schlechte Sicht auf Schutzwege und ihr Umfeld häufige Sicherheitsprobleme.
Im Bundesländer-Vergleich weist Niederösterreich heuer mit 91 die höchste Anzahl an Verkehrstoren auf, vor der Steiermark und Oberösterreich mit jeweils 57 Todesopfern. Die wenigsten Verkehrstoten verzeichnet Wien mit acht, gefolgt von Vorarlberg mit neun, informiert der VCÖ.
VCÖ: Mehr als 15.000 Verkehrstote in Österreich seit dem Jahr 2000 (Anzahl der Verkehrstoten in Österreich)
1.1. bis 28.10.2026: 304 Verkehrstote
Jahr 2025: 403 Verkehrstote
Jahr 2024: 351 Verkehrstote
Jahr 2023: 402 Verkehrstote
Jahr 2022: 370 Verkehrstote
Jahr 2021: 362 Verkehrstote
Jahr 2020: 344 Verkehrstote
Jahr 2019: 416 Verkehrstote
Jahr 2018: 410 Verkehrstote
Jahr 2017: 414 Verkehrstote
Jahr 2016: 432 Verkehrstote
Jahr 2015: 479 Verkehrstote
Jahr 2014: 430 Verkehrstote
Jahr 2013: 455 Verkehrstote
Jahr 2012: 531 Verkehrstote
Jahr 2011: 523 Verkehrstote
Jahr 2010: 552 Verkehrstote
Jahr 2009: 633 Verkehrstote
Jahr 2008: 679 Verkehrstote
Jahr 2007: 691 Verkehrstote
Jahr 2006: 730 Verkehrstote
Jahr 2005: 768 Verkehrstote
Jahr 2004: 878 Verkehrstote
Jahr 2003: 931 Verkehrstote
Jahr 2002: 956 Verkehrstote
Jahr 2001: 958 Verkehrstote
Jahr 2000: 976 Verkehrstote
Summe: 15.378 Verkehrstote
Quelle: Statistik Austria, BMI, VCÖ 2026