VCÖ: Klimaschädliche Emissionen des Flugverkehrs in Österreich im Vorjahr um 40 Prozent gestiegen

VCÖ: Geschäftsflüge reduzieren – Bahnangebot in Europa ausbauen und verbessern

VCÖ (Wien, 15. April 2024) – Mit 2,68 Millionen Tonnen verursachte der Flugverkehr in Österreich im Vorjahr um 40 Prozent mehr klimaschädliche Emissionen als im Jahr 2022, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ aufmerksam. Höher waren die Treibhausgas-Emissionen in der Vergangenheit nur im Jahr 2019. Für heuer ist ein weiterer Anstieg der klimaschädlichen Emissionen zu befürchten. Großes Einsparungspotenzial gibt es bei Geschäftsflügen, wie zahlreiche Unternehmen schon heute zeigen. Zentral sind mehr grenzüberschreitende Bahnverbindungen in der EU, der Abbau bürokratischer und technischer Hürden im europäischen Bahnverkehr sowie die Abschaffung der Steuerbefreiung von Kerosin.

Nachdem im Jahr 2022 die klimaschädlichen Emissionen des Flugverkehrs in Österreich bereits um 50 Prozent gestiegen sind, folgte im Vorjahr ein weiterer Anstieg um 40 Prozent, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis des Kerosinverbrauchs in Österreich zeigt. Damit landete der Flugverkehr nach 1,27 Millionen Tonnen im von der Covid-Pandemie beeinflussten Jahr 2021 bei 2,68 Millionen Tonnen Treibhausgasen im Vorjahr. Das ist der zweithöchste Wert nach dem Jahr 2019, als der Flugverkehr 2,99 Millionen Tonnen Treibhausgase verursachte.

„Angesichts der zunehmenden Klimakrise stellt sich die Frage, wie der Flugverkehr auf Klimakurs zu bringen ist. Die Strategie zum Klimaziel lautet auch hier vermeiden, verlagern und verbessern. Vermeiden beispielsweise durch Videokonferenzen statt Geschäftsflüge, verlagern wo es möglich ist auf Bahn oder Bus, verbessern durch den rascheren Einsatz von mit erneuerbarer Energie hergestelltem E-Kerosin“, erklärt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky.

Gerade bei Geschäftsflügen ist das Einsparungspotenzial groß, wie bereits heute Unternehmen international und national vorzeigen. Die Schweizer Rückversicherung hat durch die Reduktion ihrer Geschäftsflüge die CO2-Emissionen der Dienstreisen im Jahr 2022 um 70 Prozent im Vergleich zum Jahr 2018 verringert, informiert der VCÖ. Die Reiserichtlinien empfehlen den Beschäftigten, wo immer möglich und sinnvoll, mit der Bahn zu reisen. Für jede Flugreise wird der jeweiligen Abteilung eine CO2-Abgabe in der Höhe von 112 US-Dollar pro Tonne verrechnet. Das globale Beratungsunternehmen Arcadis hat das Ziel, die CO2-Emissionen der Geschäftsflüge bis zum nächsten Jahr 2025 um 50 Prozent gegenüber dem Jahr 2019 zu reduzieren, bei Dienstreisen bis 700 Kilometer ist die Bahn zu nehmen. In Österreich hat beispielsweise die Asfinag die Zahl der dienstlichen Flüge von 661 im Jahr 2019 auf 188 im Jahr 2023 reduziert. Die Erste Group setzt verstärkt auf Videokonferenzen statt Geschäftsflüge und forciert innerhalb Österreichs Dienstreisen mit der Bahn.

Der VCÖ sieht die EU und ihre Mitgliedstaaten gefordert, das grenzüberschreitende Bahnangebot auszubauen und zu verbessern. „Europa braucht mehr Bahn. Neben Ausbau und Modernisierung der Infrastruktur sowie mehr internationalen Verbindungen muss auch das Buchen und Planen internationaler Bahnreisen viel einfacher werden“, betont VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky.  

Last but not least ist der Ausstieg aus fossiler Energie im Flugverkehr zu beschleunigen. Dafür ist auch die Steuerbefreiung für fossilen Flugtreibstoff auf EU-Ebene endlich zu streichen, der Flugtreibstoff Kerosin ist noch immer von der Mineralölsteuer befreit. Vor der Pandemie bezifferte eine Studie im Auftrag der EU-Kommission diese Subvention in der EU mit rund 30 Milliarden Euro pro Jahr. Dazu kommt die Mehrwertsteuerbefreiung von internationalen Flugtickets, die vor der Pandemie EU-weit rund 40 Milliarden Euro pro Jahr ausmachte.  

VCÖ: Treibhausgas-Emissionen des Flugverkehrs im Vorjahr um 40 Prozent gestiegen
(Durch in Österreich getankten Flugtreibstoff verursachte Treibhausgas-Emissionen)

Jahr 2023: 2,68 Millionen Tonnen
Jahr 2022: 1,91 Millionen Tonnen
Jahr 2021: 1,27 Millionen Tonnen
Jahr 2020: 1,12 Millionen Tonnen
Jahr 2019: 2,99 Millionen Tonnen
Jahr 2018: 2,61 Millionen Tonnen
Jahr 2017: 2,32 Millionen Tonnen
Jahr 2016: 2,40 Millionen Tonnen
Jahr 2015: 2,21 Millionen Tonnen
Jahr 2014: 2,06 Millionen Tonnen
Jahr 2013: 2,06 Millionen Tonnen
Jahr 2012: 2,15 Millionen Tonnen
Jahr 2011: 2,21 Millionen Tonnen
Jahr 2010: 2,08 Millionen Tonnen
Jahr 2009: 1,99 Millionen Tonnen
Jahr 2008: 2,31 Millionen Tonnen
Jahr 2007: 2,31 Millionen Tonnen
Jahr 2006: 2,14 Millionen Tonnen
Jahr 2005: 2,05 Millionen Tonnen
Jahr 2004: 1,78 Millionen Tonnen
Jahr 2003: 1,51 Millionen Tonnen
Jahr 2002: 1,59 Millionen Tonnen
Jahr 2001: 1,70 Millionen Tonnen
Jahr 2000: 1,75 Millionen Tonnen

Quelle: BMK, VCÖ 2024

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