VCÖ: Mineralölsteuerbefreiung von Kerosin förderte Flugverkehr in Österreich mit mehr als fünf Milliarden Euro seit dem Jahr 2015

VCÖ fordert Differenzierung der Flugabgabe nach Premium und Economy Class sowie Privatjets

Foto: British Airways-Flugzeug, welches über einen zugeparkten Parkplatz fliegt

VCÖ (Wien, 4. November 2026) – Solange es keine Kerosinsteuer gibt, ist die Flugabgabe nicht zu reduzieren, aber sie ist zu reformieren, betont die Mobilitätsorganisation VCÖ. Allein die fehlende Mineralölsteuer auf Kerosin förderte den Flugverkehr in Österreich mit 5,12 Milliarden Euro seit dem Jahr 2015. Dazu kommt noch die Mehrwertsteuerbefreiung von internationalen Flugtickets. Der VCÖ fordert eine Differenzierung der Flugabgabe nach Distanz sowie nach Premium und Economy Class, so wie das in Großbritannien bereits der Fall ist. Um etwaige Budget-Ausfälle gegen zu finanzieren, sind - auch aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit - Abgaben auf Nutzung und Besitz von Privatjets einzuführen, wie das beispielsweise in Italien der Fall ist.

Während Autofahrerinnen und Autofahrer für Benzin und Diesel Mineralölsteuer zahlen, entrichten Fluggesellschaften für den Flugtreibstoff Kerosin keine Mineralölsteuer. Dadurch wurden die Fluggesellschaften seit dem Jahr 2015 mit 5,12 Milliarden Euro gefördert, wenn die Mineralölsteuer auf Eurosuper als Basis genommen wird, macht der VCÖ aufmerksam. Allein heuer im ersten Halbjahr unterstützte die Mineralölsteuer-Befreiung den Flugverkehr in Österreich mit rund 270 Millionen Euro. Über die Flugabgabe zahlten die Fluggesellschaften im ersten Halbjahr laut Finanzministerium 73 Millionen Euro. Die Förderung der Flugunternehmen durch die fehlende Kerosinsteuer war mehr als dreimal so hoch wie die Flugabgabe betrug.

„Solange es keine Kerosinsteuer gibt, ist die Flugabgabe nicht zu reduzieren, aber sie ist zu reformieren“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Die Flugabgabe für Tickets der Premium Class sollte nach dem Verursacherprinzip höher sein als jene für Tickets der Economy Class. Studien zeigen, dass die Premium Class wegen des höheren Platzbedarfs mehr Treibhausgase pro Kopf verursacht als die Economy Class. Auch aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit ist es fair, wenn Premium-Trips und Geschäftsreisen einen größeren Beitrag leisten als ein Familienurlaub. Noch deutlich klimaschädlicher sind Privatjets. Der VCÖ fordert eine Differenzierung der Flugabgabe nach Economy Class, Premium Class und Privatjets, wie das in Großbritannien und Frankreich bereits der Fall ist. In Italien gibt es zudem eine jährliche Besitzsteuer für Privatjets, gestaffelt nach Gewicht.

„Angesichts der Klimakrise sollten wir heute darüber diskutieren, wie Kurzstreckenflüge verstärkt auf Bahn und Bus verlagert werden können, welche zusätzlichen Angebote es braucht und welche Anreize zu setzen sind, damit diese genutzt werden“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Kurz- und Mittelstreckenflüge mit einer Distanz von bis zu 1.000 Kilometern verursachen laut Umweltbundesamt im Schnitt 261 Gramm Treibhausgase pro Personenkilometer, das ist rund fünfeinhalbmal so viel wie bei Reisebussen und 31-Mal so viel wie bei der Bahn. Rund vier von zehn Fluggästen des Flughafens Wien-Schwechat haben ein Flug-Endziel von weniger als 1.000 Kilometer.

 

Der Passagierrückgang im heurigen Jahr relativiert sich angesichts des Kriegs im Nahen Osten, wodurch weniger Passagiere aus Asien und dem arabischen Raum nach Europa kommen. Zudem erreichte der Flugverkehr in Österreich im Vorjahr einen Passagierhöchstwert. In den ersten neun Monaten verzeichnete der Flughafen Wien Schwechat 23,5 Millionen Passagiere, das waren um nur 1,1 Millionen weniger als in den ersten drei Quartalen des Rekordjahres 2025, aber um eine Million mehr als in den ersten drei Quartalen 2023 und um fast 3,5 Millionen Passagiere mehr als in den ersten drei Quartalen 2018.

 

VCÖ: Seit dem Jahr 2015 wurde Flugverkehr durch fehlende Mineralölsteuer auf Kerosin mit mehr als fünf Milliarden Euro steuerlich begünstigt (Steuerbegünstigung von Kerosin in Österreich – Basis Mineralölsteuer von Eurosuper)

1. Halbjahr 2026: 270 Millionen Euro
Jahr 2025: 605 Millionen Euro
Jahr 2024: 570 Millionen Euro
Jahr 2023: 510 Millionen Euro
Jahr 2022: 360 Millionen Euro  
Jahr 2021: 240 Millionen Euro  
Jahr 2020: 191 Millionen Euro  
Jahr 2019: 566 Millionen Euro  
Jahr 2018: 494 Millionen Euro  
Jahr 2017: 440 Millionen Euro  
Jahr 2016: 455 Millionen Euro  
Jahr 2015: 418 Millionen Euro  
Summe 2015 – 1. Halbjahr 2026: 5,12 Milliarden Euro
Quelle: BMWET, VCÖ 2026

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