VCÖ ruft zum Spritsparen auf und fordert ein Maßnahmenpaket für weniger Spritverbrauch

VCÖ: 20 Prozent Rabatt auf Klimatickets, Bewusstseinskampagne für spritsparendes Fahren, Änderungen bei Firmenwagenbesteuerung, NoVA für Verbrenner-Klein-Lkw wieder einführen

Foto: Zapfhahn, welcher ein Diesel-Auto betankt.

VCÖ (Wien, 14. September 2026) – Die politische Lage im Nahen Osten spitzt sich zu, die Erdölpreise steigen und damit auch die Treibstoffpreise in Österreich. Die Mobilitätsorganisation VCÖ ruft zum Spritsparen auf. Mit einem spritsparenden Fahrstil kann der Verbrauch um bis zu 20 Prozent reduziert werden. Dringend und sehr wichtig ist aber auch ein politisches Maßnahmenpaket. Der VCÖ fordert einen 20 Prozent Rabatt auf die Klimatickets, eine Kampagne für spritsparendes Fahren, ein Anreizsystem für die Bildung von Fahrgemeinschaften, einen höheren Sachbezug für Firmenwagen mit Verbrennungsmotor, die Wiedereinführung der NoVA für Klein-Lkw mit Verbrennungsmotor sowie temporär niedrigere Tempolimits.

Nach der Straße von Hormus ist nun auch die Meerenge von Bab-al-Mandab für den Schiffsverkehr massiv eingeschränkt. Das und die Eskalation in Saudi-Arabien treibt den Ölpreis in die Höhe. „Trotz Rückgangs gegenüber dem Jahr 2024 ist der Treibstoffverbrauch in Österreich nach wie vor sehr hoch. Das belastet Österreichs Haushalte und Wirtschaft. Umso wichtiger ist es, rasch Maßnahmen zu setzen, die die Erdölabhängigkeit des Verkehrs reduzieren“, macht VCÖ-Experte Michael Schwendinger auf die Folgen aufmerksam. Im Vorjahr wurden in Österreich rund 2,3 Milliarden Liter Benzin und 6,2 Milliarden Liter Diesel getankt, macht der VCÖ aufmerksam. Eine Verringerung der Nachfrage hat zudem eine preisreduzierende Wirkung.

Schnell wirksam ist spritsparendes Fahren. Der VCÖ fordert als Teil eines Maßnahmenpakets eine österreichweite Bewusstseinskampagne für spritsparendes Fahren. Allein durch den Fahrstil kann der Spritverbrauch um 15 bis 20 Prozent reduziert werden. Konkret heißt das: langsamer fahren, gleiten statt rasen, vorausschauend fahren, um den Fuß frühzeitig vom Gaspedal nehmen zu können, niedertourig fahren und auf den richtigen Reifendruck achten, so die Tipps des VCÖ. Wer auf der Autobahn statt 130 km/h 110 km/h fährt, reduziert den eigenen Verbrauch im Schnitt um 17 Prozent, mit Tempo 100 sogar um 23 Prozent. Zudem kann durch ein geändertes Mobilitätsverhalten der Verbrauch noch deutlich stärker reduziert werden, etwa indem Fahrgemeinschaften gebildet werden, kurze Strecken, etwa zum Bäcker, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden und dort, wo möglich auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen wird.

Um den Anreiz für den Umstieg zu erhöhen, soll der Preis für die Bundesländer-Klimatickets und das Klimaticket Österreich temporär bis Jahresende um 20 Prozent reduziert werden, fordert der VCÖ. Zudem braucht es ein Anreizsystem für die Bildung von Fahrgemeinschaften, etwa eine Online-Plattform, klare finanzielle Rahmenbedingungen sowie die Schaffung von Bus- und Fahrgemeinschaftsspuren auf stark befahrenen Pendelstrecken. Ein umfassendes Strategiepapier dazu hat das Verkehrsministerium im Jahr 2023 erarbeitet. Betriebliches Mobilitätsmanagement ist eine weitere wirksame Maßnahme, damit mehr Beschäftigte auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad oder Fahrgemeinschaften umsteigen. Auch temporär niedrigere Tempolimits verringern österreichweit den Verbrauch von Benzin und Diesel deutlich. Schon eine moderate Reduktion der Tempolimits um 10 km/h reduziert den Verbrauch in Österreich laut Umweltbundesamt um rund 110 Millionen Liter pro Jahr, Tempolimit 100 auf Autobahnen und Tempolimit 80 auf Freilandstraßen sogar um 270 Millionen Liter pro Jahr.

Auch die rasche Umstellung auf Elektrofahrzeuge reduziert den Spritverbrauch deutlich und nachhaltig. Da sechs von zehn Neuwagen von Firmen oder anderen juristischen Personen angeschafft werden, ist eine Änderung der Firmenwagenbesteuerung sehr wirksam. Der Sachbezug für die private Nutzung von Firmenwagen mit Verbrennungsmotor ist zu erhöhen, die steuerliche Abschreibung nach belgischem Modell sukzessive zu reduzieren. Der VCÖ weist darauf hin, dass in Dänemark bereits 80 Prozent der Neuwagen Elektroautos sind, in Österreich lediglich 25 Prozent.

Auch bei den Lkw, die einen hohen Anteil am Dieselverbrauch haben, soll der Anteil an Elektrofahrzeugen rascher erhöht werden. Bei Klein-Lkw ist die NoVA für Modelle mit Verbrennungsmotor wieder einzuführen. Für schwerere Lkw schlägt der VCÖ ein aufkommensneutrales Bonus-Malus-System - auch „feebate“ genannt - vor. Die Idee ist simpel: Bei Neuzulassung eines Diesel-Lkw wird ein Transformationsbeitrag eingehoben, dessen Einnahmen zur Gänze in die Unterstützung von E-Lkw reinvestiert wird.

„Österreich braucht eine Spritverbrauchsbremse, um sowohl kurzfristig als auch langfristig die Spritkosten zu reduzieren“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

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