VCÖ: Spritbesteuerung in Österreich niedriger als im EU-Schnitt

VCÖ fordert von Regierung verstärkte Maßnahmen, um den hohen Spritverbrauch zu reduzieren

Foto: Zapfhahn, welcher ein Diesel-Auto betankt.

VCÖ (Wien, 8. April 2022) – Seit Mitte März ist der Benzinpreis in Österreich um 27 Cent gesunken, der Dieselpreis um 18 Cent und damit stärker als im EU-Schnitt, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Auch die Besteuerung von Treibstoff liegt in Österreich unter dem EU-Schnitt. Eurosuper wird in 15 EU-Staaten höher besteuert als in Österreich, Diesel in 13 EU-Staaten. Der VCÖ fordert von der Regierung verstärkte Maßnahmen, um den hohen Spritverbrauch und damit die Erdölabhängigkeit des Verkehrs zu reduzieren.

Benzin und Diesel kosten in Österreich weniger als im EU-Schnitt. Eurosuper ist in Österreich um 14 Cent billiger als im EU-Schnitt und günstiger als in 16 EU-Staaten, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der EU-Kommission zeigt. So kostet ein Liter Eurosuper in der Slowakei um vier Cent mehr als in Österreich, in Tschechien um zehn Cent und in Deutschland um 34 Cent mehr. In Finnland, wo der Preis am höchsten ist, ist um 43 Cent mehr zu zahlen, in den Niederlanden, wo die Steuer mit Anfang April gesenkt wurde, kostet Eurosuper um 40 Cent mehr als in Österreich.

Auch Diesel ist in Österreich billiger als im EU-Schnitt, berichtet der VCÖ. Beispielsweise kostet ein Liter Diesel in Kroatien um drei Cent mehr, in Tschechien um acht Cent und in Deutschland um 21 Cent mehr als in Österreich. Im Vergleich zum Höchstpreis in Schweden ist Diesel in Österreich um 59 Cent billiger.

Die Steuern auf Benzin und Diesel sind in Österreich niedriger als im EU-Schnitt. Eurosuper wird in 15 EU-Staaten höher besteuert als hierzulande, Diesel in 13 Staaten. Ein weiteres Ergebnis der VCÖ-Analyse: Die Spritpreise sind in Österreich seit Mitte März stärker zurückgegangen als im EU-Schnitt. Während nun in der EU ein Liter Eurosuper im Schnitt um 16 Cent weniger kostet als Mitte März, wurde Eurosuper in Österreich um 27 Cent billiger.

„Die sinkenden Spritpreise dürfen über das eigentliche Problem in Österreich nicht hinwegtäuschen: die hohe Erdölabhängigkeit des Verkehrs. Der hohe Spritverbrauch ist das Übel für gleich drei Krisen: Er facht die Teuerung an, die Bevölkerung und Wirtschaft belastet, er heizt den Klimawandel an und er führt dazu, dass viele Milliarden Euro aus Österreich in despotische Regime fließen, wie Russland, Kasachstan oder Saudi Arabien. Die Regierung ist gefordert, verstärkte Maßnahmen zu setzen, damit der Verkehr aus der gefährlichen Erdölfalle befreit wird“, fordert VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Dabei braucht es sowohl Maßnahmen, die kurzfristig den Spritverbrauch und damit auch den CO2-Ausstoß reduzieren als auch mittel- und langfristig wirkende Maßnahmen. Als Sofortmaßnahmen helfen beispielsweise niedrigere Tempolimits und eine Bewusstseinskampagne für spritsparendes Fahren. Auch sollte das kleine Pendlerpauschale, das ohnedies höhere Einkommen stärker fördert als niedrige in eine Sachleistung umgewandelt werden, indem die rund 254.000 Bezieherinnen und Bezieher der kleinen Pendlerpauschale stattdessen ein regionales Klimaticket erhalten. „Es braucht verstärkte Anreize, dass jene, die ein gutes öffentliches Verkehrsangebot haben, dieses auch nutzen. Unternehmen spielen dabei eine zentrale Rolle, wie viele erfolgreiche Beispiele zeigen. Betriebliches Mobilitätsmanagement verringert Verkehrsprobleme und hilft den Beschäftigten, ihre Mobilitätsausgaben deutlich zu reduzieren“, betont VCÖ-Experte Schwendinger.

Darüber hinaus ist das Angebot an Bahn- und Busverbindungen weiter auszubauen. Ziel muss aus Sicht des VCÖ sein, dass die Anzahl der Personen, die ein gutes öffentliches Verkehrsangebot haben, deutlich zunimmt. Das gleiche gilt für die Rad-Infrastruktur, wo die Qualitätsunterschiede in Österreich sowohl bei Städten und Gemeinden als auch bei Regionen sehr groß sind.

Der VCÖ erinnert an die Ergebnisse des am Montag veröffentlichten Berichts des Weltklimarats IPCC: Es braucht rasch Maßnahmen, die die Treibhausgas-Emissionen reduzieren. Und: Im Verkehr ist nicht nur der Handlungsbedarf, sondern auch der Nutzen sehr groß. Klimaschutz-Maßnahmen im Verkehrsbereich tragen auch zur Reduktion der Kosten des Verkehrs bei, so der IPCC-Bericht.

Quelle: EU-Kommission, VCÖ 2022

VCÖ: Eurosuper in Österreich günstiger als in 16 EU-Staaten (Preis für 1 Liter Eurosuper am 4. April (in Klammer Preis für 1 Liter Diesel))

  1. Finnland: 2,150 Euro (2,253 Euro)
  2. Niederlande: 2,112 Euro (2,036 Euro)
  3. Dänemark: 2,088 Euro (1,926 Euro)
  4. Griechenland: 2,059 Euro (1,894 Euro)
  5. Deutschland: 2,056 Euro (2,058 Euro)
  6. Schweden: 2,032 Euro (2,438 Euro)
  7. Portugal: 1,989 Euro (1,927 Euro)
  8. Irland: 1,859 Euro (1,939 Euro)
  9. Estland: 1,843 Euro (1,815 Euro)
  10. Frankreich: 1,832 Euro (1,891 Euro)
  11. Lettland: 1,820 Euro (1,831 Euro)
  12. Tschechien: 1,814 Euro (1,926 Euro)
  13. Belgien: 1,807 (2,019 Euro)
  14. Italien: 1,793 Euro (1,788 Euro)
  15. Slowakei: 1,758 Euro (1,725 Euro)
  16. Luxemburg: 1,733 Euro (1,757 Euro)
  17. Österreich: 1,716 Euro (1,843 Euro)
  18. Litauen: 1,697 Euro (1,776 Euro)
  19. Kroatien: 1,679 Euro (1,879 Euro)
  20. Spanien: 1,613 Euro (1,647 Euro)
  21. Rumänien: 1,565 Euro (1,693 Euro)
  22. Slowenien: 1,503 Euro (1,541 Euro)
  23. Bulgarien: 1,481 Euro (1,496 Euro)
  24. Zypern: 1,461 Euro (1,720 Euro)
  25. Polen: 1,420 Euro (1,606 Euro)
  26. Malta: 1,340 Euro (1,210 Euro)
  27. Ungarn: 1,300 Euro (1,422 Euro)

EU27 Schnitt: 1,855 Euro (1,861 Euro)

Quelle: EU-Kommission, VCÖ 2022

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