VCÖ zu AK-Studie: Von zu niedriger Lkw-Maut in Österreich profitiert vor allem der Lkw-Transit

VCÖ: Neues Luftgesetz muss Tirol Fahrverbote weiter ermöglichen

Foto: Lkw auf einer Autobahn

VCÖ (Wien, am 5. November 2026) – Österreich nutzt den EU-rechtlichen Spielraum bei der Lkw-Maut bei weitem nicht aus. Damit entgehen Österreich Einnahmen in der Höhe von rund 450 Millionen Euro pro Jahr, so das Ergebnis einer aktuellen ÖIR-Studie im Auftrag der Arbeiterkammer, die heute präsentiert wurde. Von der zu niedrigen Lkw-Maut profitieren vor allem ausländische Frächter und der Transit: Mehr als zwei Drittel der Lkw-Maut zahlen ausländische Lkw.  Ein weiteres Ergebnis der Studie: Der Anteil der Lkw-Maut an den Nahrungsmittelkosten ist so niedrig, dass eine Erhöhung der Lkw-Maut de facto keine Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise hat. Um die Belastung für die Bevölkerung durch den Lkw-Transit zu reduzieren, fordert die Mobilitätsorganisation VCÖ die Ausschöpfung des möglichen Mautrahmens sowie ein Luftgesetz, das wirksame Maßnahmen gegen den Lkw-Transit ermöglicht.

Allein über den Brenner fahren dreimal so viele Lkw wie über alle Schweizer Alpenpässe zusammen, macht der VCÖ aufmerksam. Aber nicht nur auf der Brennerautobahn, auch auf der A12 im Inntal, auf der A1, A4, A8, A25 und der S1 im Donaukorridor sowie auf der A10 Tauernautobahn ist die Belastung durch Transit-Lkw hoch.

„Die Bevölkerung in vielen Bundesländern leidet unter dem Lärm und den Abgasen der Transit-Lkw, die Autofahrerinnen und Autofahrer unter den Lkw-Kolonnen und die Straßen unter der massiven Abnutzung durch die Schwerfahrzeuge. Umso unverständlicher ist, dass Österreich den EU-rechtlich möglichen Rahmen bei der Lkw-Maut nicht ausschöpft und rund 450 Millionen Euro buchstäblich auf der Straße liegen lässt. Und das in Zeiten der Budgetkrise“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

Konkret zeigt die ÖIR-Studie auf, dass die CO2-Zuschläge für die von Lkw verursachten CO2-Emissionen verdoppelt werden können, ebenso in Bergregionen die Zuschläge für Luftverschmutzung und Lärmbelastung. Laut Umweltbundesamt erfolgen 62 Prozent der Lkw-Fahrleistung in Bergregionen. Zusätzlich kann in besonders von Lkw belasteten Abschnitten der Beitrag für die Infrastrukturkosten um 15 Prozent erhöht werden, wenn die Mehreinnahmen in Maßnahmen zur Verkehrsentlastung des Korridors verwendet werden, beispielsweise für den Ausbau der Schienenkapazität.

Die höhere Lkw-Maut würde vor allem den Transit und ausländische Frächter treffen: Transit-Lkw fahren in Österreich zu 94 Prozent auf Autobahnen und Schnellstraßen, der heimische Binnenverkehr nur zur Hälfte. Österreichische Frächter haben am Transitverkehr einen Anteil von nur 1,3 Prozent. Schon heute zahlen ausländische Lkw mehr als zwei Drittel der Lkw-Maut, so die Studie von ÖIR und AK.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Die höhere Lkw-Maut würde nicht zu einer Erhöhung der Lebensmittelpreise führen. Der Anteil der Lkw-Maut an den Produktpreisen ist sehr niedrig. Selbst wenn die Zuschläge für Luft, Lärm und CO2 voll ausgeschöpft werden und die Transportunternehmen die Mehrkosten vollständig weiterverrechnen, würden die Lebensmittelpreise um lediglich 0,05 Prozent steigen. Internationale Erfahrungen zeigen, dass aufgrund des Wettbewerbs diese Kosten nicht zur Gänze weitergegeben werden. So zeigte sich in Deutschland im Jahr 2023 keine preistreibende Wirkung, obwohl die Lkw-Maut Ende 2023 um 83 Prozent stieg.

Dazu kommt: Der EuGH entscheidet demnächst über die Tiroler Lkw-Fahrverbote. Laut Generalanwalt seien sie nicht mehr gerechtfertigt, weil die geltenden EU-Grenzwerte eingehalten werden. Ab dem Jahr 2030 gilt aber ein halb so hoher Grenzwert. Das neue Immissionsschutzgesetz Luft muss Tirol ermöglichen, darauf gestützt weiter Fahrverbote zu erlassen. Der Entwurf befristet Maßnahmen auf Autobahnen jedoch auf drei Monate, längere brauchen die Zustimmung des Verkehrsministeriums. Der VCÖ fordert, diese Einschränkungen zu streichen.

„Um die Bevölkerung vor der zunehmenden Belastung durch Transit-Lkw zu schützen, ist der EU-rechtliche Rahmen für die Lkw-Maut endlich voll auszuschöpfen. Das neue Immissionsschutzgesetz Luft muss zudem Tirol ermöglichen, die Menschen weiter mit Fahrverboten zu schützen“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

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VCÖ: Im Vorjahr um 74 Prozent mehr Todesopfer bei Lkw-Unfällen

VCÖ (Wien, 22. Mai 2026) – Die Zahl der tödlichen Lkw-Unfälle ist im Vorjahr in Österreich massiv gestiegen: 73 Menschen verloren bei Kollisionen mit Lkw ihr Leben, um 31 mehr als im Jahr 2024, weist die Mobilitätsorganisation VCÖ auf Daten der Statistik Austria hin. Jeder 16. Lkw-Unfall endete tödlich. Die meisten Todesopfer gab es mit 25 in Niederösterreich. Der VCÖ fordert umfassende Maßnahmen, um die Zahl der tödlichen Lkw-Unfälle deutlich zu reduzieren. Neben verstärkten Lkw-Kontrollen sowie der Ausrüstung von Lkw mit Assistenzsystemen sind auch Maßnahmen zur Verlagerung von Gütern auf die Schiene und zur Vermeidung von Lkw-Verkehr durch eine bessere Logistik notwendig.

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Autobahn, auf welcher sehr viele Autos und Lkws zu sehen sind

VCÖ-Fachveranstaltung: Effizienz im Lkw-Verkehr erhöhen

Rund 2,5 Milliarden Liter Diesel pro Jahr werden in Österreich von Lkw und Klein-Lkw getankt. Angesichts der Energiekrise rückt auch im Güterverkehr die Frage in den Fokus, wie der hohe Dieselverbrauch reduziert werden kann. Neben der verstärkten Verlagerung auf die Bahn und der Erhöhung des Elektro-Lkw-Anteils ist insbesondere auch die Vermeidung von Lkw-Fahrten sehr wirksam. Fachleute sehen bei der Reduktion von Leerfahrten und der höheren Auslastung der Fahrzeuge das größte Vermeidungspotenzial. Hinsichtlich Transportdistanz und Branche wird das größte Potenzial bei Lkw-Fahrten über 300 Kilometern und im Bereich der Paketdienste gesehen. Bei der online durchgeführten VCÖ-Fachveranstaltung am 15. April 2026 wurden internationale und nationale Good-Practice-Beispiele vorgestellt.

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Foto von Lkw Kolonne