Nachgefragt – Anne Greinus

Porträtfoto von Anne Greinus
Anne Greinus, Verkehrsökonomin und Geschäftsleiterin Infras

VCÖ-Magazin: Wie sehr ist Wirtschaftswachstum immer noch mit steigender Verkehrsnachfrage verbunden? Welche Entwicklungen gibt es?

Anne Greinus: Die Transportleistung im Güterverkehr und das Wirtschaftswachstum sind in Österreich mittel bis stark gekoppelt: Wächst die Wirtschaft, wird auch mehr transportiert. Tendenziell nimmt diese Kopplung allerdings ab, unter anderem, weil in entwickelten Ländern Dienstleistungen einen hohen Anteil an der Wirtschaft haben. Wie eng der Zusammenhang ist, hängt außerdem stark davon ab, welche Güter transportiert werden.

VCÖ-Magazin: Gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Ländern?

Anne Greinus: Ja, deutliche. Sie ergeben sich daraus, welche Wirtschaftssektoren in einem Land stark sind und welche Produkte dort erzeugt und transportiert werden. Dazu kommen weitere Faktoren wie Produktionsstrukturen, Handelsbeziehungen, die räumliche Struktur eines Landes und die Rahmenbedingungen für Transport und Logistik. Deshalb ist die Kopplung von Land zu Land unterschiedlich stark. Generell zeigt sich: Je wichtiger der Dienstleistungssektor für eine Wirtschaft wird, desto weniger Gütertransport ist für jeden erwirtschafteten Euro nötig.

VCÖ-Magazin: Wie kann eine (noch stärkere) Entkopplung gelingen? Und was sind zentrale Handlungsempfehlungen an die Politik?

Anne Greinus: Um die Transportleistung und die damit verbundenen Umweltwirkungen zu verringern, müssen Güter von der Straße auf Massentransportmittel wie die Schiene verlagert werden. Wichtig es auch die Fahrleistungen zu verringern, zum Beispiel durch kürzere Transportwege oder besser ausgelastete Fahrzeuge. Ansatzpunkte sind eine Bepreisung des Straßentransports, etwa über die Lkw-Maut, der Ausbau der Schiene, digital besser abgestimmte Lieferketten sowie die Stärkung lokaler Produktion. Verkehrs-, Umwelt- und Wirtschaftspolitik sollten gemeinsam gedacht werden und dabei die internationalen Handelsverflechtungen im Blick behalten.

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VCÖ: Im 1. Halbjahr auf Österreichs Autobahnen weniger Pkw, aber mehr Lkw-Verkehr als vor Covid-19 Pandemie

VCÖ (Wien, 4. August 2022) – Bei neun von zehn Autobahn- und Schnellstraßen-Zählstellen waren heuer im 1. Halbjahr weniger Pkw unterwegs als vor der Covid-19 Pandemie, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt. Anders beim Lkw-Verkehr: Hier waren bei drei Viertel der Zählstellen bereits mehr Lastwagen unterwegs als vor der Pandemie. Insgesamt sind auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen über sechsmal so viele Pkw wie Lkw unterwegs. Der VCÖ betont, dass verstärktes Mobilitätsmanagement von Betrieben und mehr betriebliche Gleisanschlüsse die Verkehrsbelastung deutlich reduzieren können.

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Foto: Sarah Duit

VCÖ zu WIFO-Studie: Pendlerpauschale rasch ökosozial reformieren

VCÖ (Wien, 11. Juli 2022) – Laut einer aktuellen Studie des WIFO betragen die klimaschädlichen Subventionen in Österreich mehr als fünf Milliarden Euro pro Jahr. Besonders hoch sind die klimaschädlichen Förderungen im Verkehrsbereich, wie beispielsweise die Steuerbegünstigung von Diesel und das Dienstwagenprivileg. Die aktuelle Form der Pendlerpauschale weist massive ökologische und soziale Mängel auf. Der VCÖ fordert eine rasche Reform der Pendlerpauschale und der Dienstwagen-Besteuerung sowie auf EU-Ebene die Abschaffung der Mineralölsteuer-Befreiung des Flugtreibstoffs Kerosin.

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Foto: Sarah Duit